Wolff, Paul
- Lebensdaten
- 1887 – 1951
- Geburtsort
- Mülhausen (Mulhouse, Elsaß)
- Sterbeort
- Frankfurt/Main
- Beruf/Funktion
- Photograph
- Konfession
- evangelisch
- Namensvarianten
-
- Wolff, Paul Heinrich August
- Wolff, Paul
- Wolff, Paul Heinrich August
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Wolff, Paul Heinrich August
| Photograph, * 19.2.1887 Mülhausen (Mulhouse, Elsaß), † 10.4.1951 Frankfurt/Main, ⚰ Frankfurt/Main, Hauptfriedhof. (evangelisch)
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Genealogie
V Emil (1844–1917), preuß. Beamter im „Reichsland“ Elsaß-Lothringen, Eisenbahnmaschineninsp., Geh. Baurat;
M Helene Alma Pohlmann (1856–1916);
B Kurt (* 1883, ⚭ Frieda Berta Wagenknecht,* 1889), Dipl.-Ing., preuß. Reg.bauführer;
– ⚭ 1) 1914 Helene (1887–1959), aus Markirch (Sainte-Marie-aux-Mines, Elsaß), ging mit ihrem S n. New York, T d. Victor Ferdinand Dörr (1858–1946), Dr., Gymn.lehrer, 2) 1939 Annette (eigtl. Bertha Marie) Beiger (1906–2002), aus Straßburg, Photogr., ab 1932 Assistentin im Archiv d. Bildagentur Wolff &
Tritschler u. in W.s Studio, s. H.-M. Koetzle, 2019 (s. L);
S aus 1) Klaus (1916–88, ⚭ Deanne [Diane] Ibold, 1928–2018, Kunsthist., Arzthelferin, Künstlerin, ⚭ 2] Robert [Bob] Whitsett Van de Velde, 1933–1954, US-amerik. Mil.attaché in Athen u. Israel, Pol.wiss., Prof. an d. Woodrow Wilson School), zuletzt in Cornwall (Vermont, USA), S aus 2) Stephan (* 1943);
E Ashley (* 1956), Designerin, Graphikerin, Buchillustratorin, Kinderbuchautorin. -
Biographie
W. besuchte ab 1900 Gymnasien in Metz und Straßburg, wechselte 1906 an das ghzgl. Gymnasium in Lahr (Baden) und legte dort 1908 das Abitur ab. Im Herbst desselben Jahres begann er in Straßburg Medizin zu studieren, absolvierte 1911 ein Sommersemester in München, und bestand, nach Straßburg zurückgekehrt, dort 1913 die ärztliche Prüfung. 1914 wurde er bei Paul Mulzer (1880–1947) an der Univ. Straßburg mit einer Arbeit über „Experimentelle Beiträge zur Aetiologie der accidentellen Syphilis“ zum Dr. med. promoviert. Als Regimentsarzt eingezogen, erlebte er den 1. Weltkrieg in Frankreich und an der russ. Front. 1918 kehrte er nach Straßburg zurück, wurde aber schon im Folgejahr zusammen mit 150 000 weiteren „Altdeutschen“ aus dem Elsaß ausgewiesen. Mit seiner Familie fand er in Frankfurt/M. ein neues Zuhause, ohne – krisenbedingt – in seinem erlernten Beruf erneut Fuß fassen zu können.
Nachdem sich W. bereits als Schüler intensiv mit der Photographie beschäftigt hatte, arbeitete er zunächst für kurze Zeit als Laborant und Dokumentarfilmer für die „Frankfurter Kunstfilm ‚Ideal‘ GmbH“. 1924 machte er sich als Photograph selbständig und gründete mit der Firma „Wolff-Film, Film- und Photo-Aufnahmen“ sein eigenes Unternehmen. Zunächst drehte er – bis zum Aufkommen des Tonfilms – wie schon zuvor Industrie- und Lehrfilme. Im Auftrag der Obersten Bauleitung dokumentierte er von Anfang an den Bau des Nürburgrings (1925), arbeitete als Photograph für die örtliche Industrie, darunter die Adlerwerke (So entsteht ein Auto, 1930, mit Paul G. Erhardt) oder die „Deutsche Dunlop-Gummi-Compagnie“ (Dunlop-Zeitg., 1929–31).
Darüber hinaus engagierte sich W. mit dem Kunsthistoriker Fried Lübbecke (1883–1965) für den Erhalt der vom Abriß bedrohten Frankfurter Altstadt; der aus dieser Zusammenarbeit entstandene Bildband „Alt-Frankfurt“ (1923) war die erste überregional beachtete Publikation des Photographen. Ab 1927 stand W. als Dokumentarfilmer und Photograph dem Stadtplanungsprogramm „Neues Frankfurt“ nahe, unterhielt enge Kontakte zu den Architekten Ferdinand Kramer (1898–1985) sowie der Goldschmiedin und Designerin Erika Habermann (1903–1993) und publizierte in programmatischen Schriften wie dem Periodikum „Das Neue Frankfurt“. Bereits seit 1926 war er im Besitz einer Kleinbildkamera der Firma „Ernst Leitz Wetzlar“, deren Vorzüge zu propagieren schon bald in das Zentrum seiner publizistischen Aktivitäten rückte. Speziell sein 1933 erschienenes Buch „Meine Erfahrungen mit der Leica“ avancierte in|mehreren Auflagen und Sprachen zu einem der erfolgreichsten Photoratgeber der 1930er Jahre. 1927 war der gelernte Photograph Alfred (Anton) Tritschler (1905–1970) als Mitarbeiter zu W. gestoßen. Gemeinsam beteiligten sie sich unter der Marke „Dr. Paul Wolff & Tritschler“ an wegweisenden Ausstellungen, darunter die legendäre Stuttgarter „Film und Foto“ (Fifo), publizierten in auflagenstarken Illustrierten wie „Das Illustrierte Blatt“, „Die Woche“ oder „Berliner Illustrirte Zeitung“ und lieferten Werbeaufnahmen für die Deutsche Reichsbahn, den Norddeutschen Lloyd sowie die aufkommende Tourismusindustrie. Insbesondere im Bereich der Gattung Firmenschrift machten sich Wolff und Tritschler ab 1930 einen Namen. Unternehmen wie „Opel“ (1934), „C. H. Boehringer Sohn AG“ (1935), „E. Merck“ (1937), „Miele & Cie.“ (1939 u. 1949), „L. Schuler AG“ (1939) und viele andere mehr schätzten den neusachlich inspirierten, modernen Bildstil der beiden Photographen und gaben umfangreiche Dokumentationen des Werksgeschehens in Auftrag. International wurde v. a. ihre Publikation zu den Olympischen Spielen 1936 rezipiert. Auch ihr zwischen Bildband und Ratgeber anzusiedelnder Beitrag zur noch jungen Farbphotographie, 1942 u. d. T. „Meine Erfahrungen … farbig“ erschienen, fand international Beachtung (²1948, schwed. 1945, finn. u. engl. 1952). Beginnend mit dem medienwirksam inszenierten „ersten Spatenstich“ am 23.9.1933 dokumentierten W. und Tritschler fortlaufend den von den Nationalsozialisten vorangetriebenen Autobahnbau; ihr Archivmaterial diente zur Illustration z. T. aufwendig produzierter Propagandaschriften und wurde zudem an Zeitschriften wie „Signal“ geliefert. Weder W. noch Tritschler waren Mitglieder der NSDAP, gleichwohl profitierten sie von Aufträgen speziell der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Auch am „Führerauftrag Monumentalmalerei“ zur Farbdokumentation ortsfester Kunstwerke war W. maßgeblich beteiligt.
Aufnahmen des historischen Frankfurt/M. vor und nach der Zerstörung zählten zu den letzten wichtigen Beiträgen der Firma. In der Nacht vom 22. auf den 23.3.1944 wurde W.s Privathaus mit dem Archiv in der Frankfurter Miquelallee 5 bei einem Luftangriff vollständig zerstört. Lediglich das Kleinbildarchiv mit rund 500 000 Negativen war zuvor ausgelagert worden. Dieses bildete nach 1945 die Basis der nach W.s Tod von Tritschler unter dem eingeführten Namen in Frankfurt/M. weitergeführten Agentur.
Bis in die 1950er Jahre war W. insbesondere als Pionier der Leica bekannt, als Vorreiter der vom Handwerk lange Zeit skeptisch betrachteten Kleinbildtechnik und Autor vielbeachteter Ratgeber. Daneben zählte das Frankfurter Unternehmen „Dr. Paul Wolff & Tritschler“ mit bis zu 20 Mitarbeitern zu den in Deutschland erfolgreichsten Dienstleistern auf dem Gebiet der Werbe- und Illustrationsphotographie. Formal-ästhetisch zwischen Tradition und Avantgarde, Heimatstil und Neuem Sehen angesiedelt, zählte W. um 1930 zu den bekanntesten dt. Photographen.
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Auszeichnungen
|Mitgl. d. Dt. Werkbunds;
Mitgl. d. Ges. Dt. Lichtbildner (G.D.L.). -
Werke
|Alt-Straßburg, 1912;
Alt-Frankfurt, 1923 (mit 40 Bildern n. Aufnahmen v. W.);
Aus Zool. Gärten, 1929;
So entsteht e. Auto, 50 Jahre Adler 1880–1930, 1930;
Formen d. Lebens, 1931;
Ins Land d. Franken fahren, Eine Mainreise, 1934;
Meine Erfahrungen mit d. Leica, 1934, engl. u. d. T. My first ten years with the Leica, 1935, franz. u. d. T. Douze années de pratique du Leica, 1936;
Opel im Sport, 1934;
Sonne über See u. Strand, Ferienfahrten mit d. Leica, 1936;
Skikamerad Toni, Winterfahrten um Garmisch-Partenkirchen, 1936;
Am laufenden Band, 1936;
Griechenland im Auto erlebt, 1936;
Was ich b. d. Olymp. Spielen 1936 sah, 1936;
Arbeit!, 1937;
Zellwolle, Vom Wunder ihres Werdens, 1938;
Grossoder Kleinbild? Ergebnisse e. Fotofahrt durch Franken an d. Donau, 1938;
Kl. Italienfahrt, 1938;
Meine Erfahrungen mit d. Leica, Neue Bearb., 1939;
Der Rhein, Vision u. Wirklichkeit, 1940;
Im Kraftfeld v. Rüsselsheim, 1940;
Schönheit am Wege, 1949;
– Nachlaß: Dr. Paul Wolff &
Tritschler, Hist. Bildarchiv, Offenburg (Kleinbild- u. Glasnegative, Originalabzüge, Farb-Diapositive, Kameras, Laborgerät, Publikationen ab 1906). -
Literatur
|Dr. P. W., in: Gebrauchsgraphik, Nr. 8, 1932, S. 52–57;
R. Sachsse, Dr. P. W. im Zwielicht?, in: Professional Camera, Nr. 2, 1980, S. 50, 58–59, 90;
W. Klötzer (Hg.), Frankfurt am Main in Fotogrr. v. P. W. 1927–1943, 1991;
L. Derenthal, Bilder d. Trümmer- u. Aufbaujahre, 1999, bes. S. 87–98;
S. Böhmer (Hg.), P. W., Fotogrr. d. 20er u. 30er Jahre, 2003;
„Führerauftrag Monumentalmalerei“, Eine Fotokampagne 1943–1945, hg. v. Ch. Fuhrmeister, 2006;
E. S. Schwartzreich, The Photo Books of Dr. P. W., An Annotated Bibliography, 2015;
H. Koch, Erfahrungen mit d. Leica, Fotobücher v. Dr. P. W. &
Tritschler, in: M. Heiting u. R. Jaeger (Hg.), Autopsie, Bd. 2, 2014, S. 446–75;
H.-M. Koetzle (Hg.), Dr. P. W. &
Tritschler, Licht u. Schatten, Fotogrr. 1920 bis 1950, 2019 (Chronol. zu Leben u. Werk, Verz. d. Bildbände, Leica-Lit. u. Firmenschrr., Verz. d. Schrr., P);
M. Heiting u. K. Lemke (Hg.), The Photo Publications of Dr. P. W. &
Alfred Tritschler, 1906–2019, 2021;
Biogr. Enz. Med.;
H.-M. Koetzle, Fotografen, A–Z, 2011;
ders., Das Lex. d. Fotografen, 1900 bis heute, 2002;
Frankfurter Biogr. -
Porträts
|Selbstporträt, auf d. Schutzumschlag v. „Meine Erfahrungen mit der Leica“ (1934);
Doppelporträt|W. u. Tritschler, in Farbe, auf d. Schutzumschlag v. „Meine Erfahrungen … farbig“ (1942);
weitere Photogrr. beider Photographen in: Dr. Paul Wolff &
Tritschler, Hist. Bildarchiv, Offenburg. -
Autor/in
Hans-Michael Koetzle -
Zitierweise
Koetzle, Hans-Michael, "Wolff, Paul Heinrich August" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 449-451 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142950.html#ndbcontent