Wörl, Ludwig

Lebensdaten
1906 – 1967
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Widerstandskämpfer ; Widerstandskämpfer
Konfession
-
Normdaten
GND: 1112192662 | OGND | VIAF: 6239147270383535700001
Namensvarianten

  • Wörl, Ludwig

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Zitierweise

Wörl, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1112192662.html [07.01.2026].

CC0

  • Wörl, Ludwig

    | Widerstandskämpfer, * 28.2.1906 München, † 27.8.1967 München, ⚰ München, Waldfriedhof.

  • Genealogie

    V Matthias (kath.), Schuhmacher in M.;
    M Anna Lehner (kath.);
    1) 1940 N. N., 2) München 1966 Maria Catharina Bröhl ( 1] N. N. Fernsemmer).

  • Biographie

    W., der in München als Schreinergehilfe arbeitete, war parteiloser Gegner des Nationalsozialismus. 1934 verteilte er in München Flugblätter über den Terror im KZ Dachau, wurde denunziert, am 5.5.1934 in München von der Gestapo verhaftet und in das KZ Dachau eingeliefert. Anfangs verhört und mißhandelt, arbeitete er später in der Lagerschreinerei und als Pfleger im Krankenbau. 1939/40 war er ein halbes Jahr im KZ Flossenbürg, am 19.8.1942 wurde er in das KZ Auschwitz überstellt. Die SS machte ihn als langjährigen dt. KZ-Häftling zum Lagerältesten im Krankenbau von Auschwitz-Monowitz und dem Stammlager Auschwitz, anschließend zum Lagerältesten im Stammlager und im Außenlager Günthergrube. Drei Monate verbrachte er 1943 wegen des Verdachts von Widerstandstätigkeiten im berüchtigten „Bunker“ des Stammlagers. W. war als hoher „Funktionshäftling“ nicht unumstritten, machte sich aber um das Leben vieler „einfacher“, insbesondere jüd. Häftlinge in Auschwitz verdient, etwa, indem er ihnen eine Behandlung im Krankenbau ermöglichte und sie vor den SS-Ärzten verbarg. Bei der „Evakuierung“ des Lagers im Jan. 1945 wurde er in das KZ Mauthausen verschleppt und im Mai 1945 im Außenlager Ebensee von US-amerik. Truppen befreit.

    Mittellos kam W. 1945 nach München zurück, seine Ehe war 1940 geschieden worden.

    Als Schreiner konnte er wegen seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht mehr arbeiten. Er betrieb einen Zeitschriftenkiosk, später einen kleinen Lebensmittelladen in München-Großhadern.

    W. engagierte sich nach dem Krieg für die Aufklärung der NS-Verbrechen und die Strafverfolgung der Täter. Er hielt Kontakt zu vielen Überlebenden und hatte durch seine Funktionen in Auschwitz beträchtliches Wissen über Taten und Täter. Bereits in den ausgehenden 1940er Jahren stellte er sich als Zeuge in NS-Prozessen zur Verfügung, etwa im Verfahren gegen Gerhard Peters (1900–1974), den Geschäftsführer des Zyklon-B-Produzenten DEGESCH. In den 1950er Jahren benannte er mit anderen Überlebenden den dt. Ermittlern zahlreiche SS-Angehörige aus Auschwitz und trat in den 1950er und 1960er Jahren in etlichen Auschwitz-Prozessen als Zeuge auf, u. a. 1964 im ersten Frankfurter Auschwitz-Prozeß. Mit anderen Überlebenden gründete er 1958 das „Deutsche Auschwitz-Komitee“ mit Sitz in München und organisierte mit diesem in München öffentliche Veranstaltungen und Dia-Vorträge, Vorträge in Schulklassen und intervenierte gegen Auftritte von Holocaust-Leugnern. W.s Haltung schwankte dabei zwischen tiefer Resignation und Aktivismus. Am 19.3.1963 wurde W. für die Rettung zahlreicher jüd. Häftlinge im KZ Auschwitz von Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet.

  • Auszeichnungen

    |Leo-Baeck-Preis (1966);
    L.-W.-Weg, München-Hadern (1995).

  • Literatur

    |H. Langbein, Menschen in Auschwitz, 1980, S. 253–55;
    D. Fraenkel u. J. Borut (Hg.), Lex. d. Gerechten unter d. Völkern, Deutsche u. Österreicher, ²2005;
    K. Stengel, Hermann Langbein, Ein Auschwitz-Überlebender in d. erinnerungspol. Konflikten d. Nachkriegszeit, 2012, S. 333–41;
    Internetseiten d. Gedenkstätte Yad Vashem (P).

  • Autor/in

    Katharina Stengel
  • Zitierweise

    Stengel, Katharina, "Wörl, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 383 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1112192662.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA