Winkler, Clemens

Lebensdaten
1838 – 1904
Geburtsort
Freiberg (Sachsen)
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Chemiker ; Hüttenmeister
Konfession
-
Namensvarianten

  • Winkler, Clemens Alexander
  • Winkler, Clemens
  • Winkler, Clemens Alexander

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Zitierweise

Winkler, Clemens, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142892.html [30.01.2026].

CC0

  • Winkler, Clemens Alexander

    | Chemiker, Hüttenmeister, * 26.12.1838 Freiberg (Sachsen), 8.10.1904 Dresden, ⚰ Dresden, Trinitatisfriedhof.

  • Genealogie

    Aus Fam., d. seit ca. 1720 in vier Generationen in führenden Funktionen mit d. sächs. Hütten- u. Blaufarbenwesen verbunden war;
    zu ihr gehören u. a. Johann Caspar Winckler (1696–1756), Faktor d. Arsenik-, Schwefel- u. Vitriolhütte z. Geyer u. Christian Heinrich Winckler (1734–1792), Faktor d. Blaufarbenwerks Zschopenthal;
    V Kurt (1794–1862), Chemiker, Metallurg, 1835–39/40 Oberschiedswardein d. Freiberger Hütten- u. Bergbaubetriebe, dann Faktor im Blaufarbenwerk Zschopenthal, 1848 Faktor d. Blaufarbenwerks Niederpfannenstiel (Vorläufer d. Nickelhütte Aue), später Hütteninsp. aller sächs. privaten Blaufarbenwerke (s. Pogg. II), S d. August Fürchtegott Win(c)kler (1770–1807), Faktor im Blaufarbenwerk Zschopenthal (Erzgebirge), u. d. Rahel Frederike Hoffmann;
    M Elmonde Antonie Schramm (1810–1897);
    Tante-v Agnes Ulrike Win(c)kler (1796–1879, August Breithaupt, 1791–1873, Prof. f. Mineral. an d. Bergak. Freiberg, Untern., 1840 Mitgründer d. Erzgebirg. Steinkohlen-Actienver., sächs. Edelsteininsp., s. NDB II), Marie Win(c)kler (1807–1878, Julius Weisbach, 1806–71, Ing., Prof. f. Angew. Math. u. Bergmaschinenlehre sowie Allg. Markscheidekde. an d. Bergak. Freiberg, s. NDB 27);
    Oberschlema (?) 1863 Minna Laura Pohl (1847–1891), aus Danzig;
    6 K u. a. S Max Ferdinand (1865–1929, Helene, T d. Friedrich Wilhelm Schwamkrug, 1808–80, Oberkunstmeister, Hüttening., Reg.rat, Dir. d. Porzellan-Fabr. Limbach A.-G.), T Fanny (1868–1946, Otto Brunck, 1866–1946, o. Prof. f. Chemie an d. Bergak. Freiberg, Biogr. v. W., 1919/20 u. 1930/31 Rektor, s. NDB II*; Pogg. IV–VII a; Wi. 1935; Cat. Professorum Fribergensis; L);
    Verwandte Lea (1838–1914, Albin Weisbach, 1833–1901, Dr. phil., Prof. f. Mineral. u. Physik an d. Bergak. Freiberg, Geh. Bergrat, s. NDB 27*; Pogg. III–IV; BJ VI, Tl.), Camilla Weisbach (1835–1908, Carl Eduard Hegeler, 1835–1910, studierte an d. Bergak. Freiberg, Untern., Mitgr. e. Zinkhütte in La Salle, Illinois, USA), Mary Hegeler Carus (1861–1936, Paul Carus, 1852–1917/19, aus Ilsenburg, Harz, Dr. phil., Prof. an d. Mil.ak. in Dresden, emigrierte 1883 in d. USA, Verl., Red. v. „The Open Court“ u. „The Monist“, Schriftst., Übers., Philos., s. NDB III, Fam.art.; RGG; Dict. of American Biogr.; Wi. 1909; Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1901–1935; Kosch, Lit.-Lex.), Ing., Untern., Leiterin d. Matthiessen and Hegeler Zinc Company (s. Immigrant Entrepreneurship).

  • Biographie

    Nach seiner Schulzeit am Gymnasium in Freiberg, an der Realschule in Dresden und der Gewerbeschule in Chemnitz (1851–56) absolvierte W. eine Ausbildung in den Laboren des sächs. Blaufarbenkonsortiums. 1857–58 studierte er an der Bergakademie Freiberg und lebte bei seinem Onkel Breithaupt, für den er später ebenso wie für seinen Cousin Albin Weisbach, beide Professoren an der Bergakademie, zahlreiche chemische Analysen von Mineralstufen durchführte. 1864 wurde er mit seiner Arbeit „Ueber Siliciumlegirungen und Siliciumarsenmetalle“ an der Univ. Leipzig zum Dr. phil. promoviert. Bis zur Berufung auf die Professur für Chemie an der Bergakademie Freiberg zum Sept. 1873 war W. in Oberschlema, Niederpfannstiel und in Schindlerswerk bei Aue, zuletzt als Hüttenmeister in den Blaufarbenwerken, tätig. Die auf seine Initiative erfolgte Berufung Adolf Ledeburs (1837–1906) auf eine eigens geschaffene Professur für Eisenhüttenkunde 1878 entband ihn von der Verpflichtung, dieses Fach als Teil der Chemie zu lesen. Seit 1896 Direktor der Bergakademie, reformierte W. diese 1899 durch die Einführung des Wahlrektorats (Prorektor 1901). 1902 gab er seine Professur aus gesundheitlichen Gründen auf und zog nach Dresden. W.s Schule beschränkt sich auf seinen Biographen und Schwiegersohn Otto Brunck, da Chemie an der Bergakademie Freiberg nur ein Nebenfach der Hüttenkunde war, und auf seine Verwandte, die erste immatrikulierte Studentin der Bergakademie, Mary Hegeler Carus. Für das „Blaufarbenwerk Schindlers Werk“ erarbeitete W. zwischen 1863 und 1868 ein Verfahren, um im Abgas enthaltenes, vegetationsschädliches Schwefeldioxid erneut in den Produktionsprozeß einzubringen, und wendete damit die drohende Schließung des Werkes ab. W.s spätere Arbeiten zur Analyse der „Industriegase“, für die ihm der Beiname „Vater der technischen Gasanalyse“ gegeben wurde, haben hier ebenso ihren Ursprung wie sein Verfahren zur Herstellung von rauchender Schwefelsäure (Oleum) als Vorläufer des heute gebräuchlichen „Kontaktverfahrens“. Als Mitglied der sächs. Schlagwetterkommission untersuchte er 1883 Grubengase und entwickelte ein Verfahren zum getrennten Nachweis von Wasserstoff und Methan.

    Häufig gutachtete er als Mitglied der Technischen Deputation des Innenministeriums; ferner setzte er sich für den Schutz der Goldenen Pforte des Freiberger Doms vor Umwelteinflüssen ein. Bleibenden Ruhm erlangte W.|durch die Entdeckung des chemischen Elements Germanium.

    Zu W.s herausragenden Arbeiten zählen die Analyse verschiedener Minerale, so des Condurrits, und die Untersuchung des Meteoriten von Rittersgrün, der ihn zu chemischen Erklärungsversuchen astronomischer Phänomene führte. Zahlreiche Arbeiten entstanden über Kobalt, Nickel und die Verbindungen des 1863 an der Bergakademie entdeckten Indiums, aber auch zur Reduktion von Metalloxiden mit Magnesiumpulver, wobei er erstmals Wasserstoffverbindungen der Elemente Magnesium, Beryllium, Lanthan, Yttrium, Cer, Zirkon und Thorium darstellte. W. baute eine Sammlung von etwa 1500 anorganisch-chemischen Präparaten auf, von denen er viele eigenhändig synthetisierte und die noch heute in der chemischen Lehre an der TU Bergakademie Freiberg genutzt wird. Desweiteren konzipierte er zahlreiche Laborgeräte, darunter die Platinnetzelektrode, eine Gasbürette, einen Drei-Wege-Hahn und eine zur Grubengasanalyse speziell eingerichtete Glasflasche.

  • Auszeichnungen

    |Bergrat (1876);
    Mitgl. d. Leopoldina (1879) u. d. Sächs. Ak. d. Wiss. Leipzig (1890);
    korr. Mitgl. d. k. u. k. Geol. Reichsanstalt in Wien (1879) u. d. Preuß. Ak. d. Wiss. Berlin (1900);
    Ehrenmitgl. d. Physikal. Ver. in Frankfurt/M. (1887), d. Ver. Dt. Chemiker (1899), d. Sächs. Ing.- u. Architektenver. (1901) u. d. Prof.kollegiums d. Bergak. Freiberg (1902);
    Oberbergrat (1888);
    ausw. Mitgl. d. Schwed. Ak. d. Wiss. Stockholm (1892) u. d. Holländ. Ges. d. Wiss. in Haarlem (1897);
    Geh. Bergrat (1894);
    Geh. Rat (1898);
    Ehrenbürger v. Freiberg (Sachsen) (1899);
    Dr.-Ing. E. h. (TH Charlottenburg 1902);
    Komturkreuz 1. Kl. u. 2. Kl. d. Sächs. Albrechtsordens;
    Rr.kreuz 1. Kl. d. Sächs. Verdienstordens;
    Komturorden v. Oranien-Nassau;
    Rr. 3. Kl. d. k. u. k. Ordens d. Eisernen Krone;
    – C. W. Medaille d. Chem. Ges. d. DDR (1954–90, fortgesetzt durch d. Fachgruppe Analyt. Chemie d. Ges. Dt. Chemiker 1998);
    C.-W.-Gedenkstätte in seinem Laboratorium, Bronzetafel, Freiberg, Brennhausgasse 5 (1986);
    C.-W.-Oberschule, Freiberg (1990);
    Hist. Stätte d. Chemie d. Ges. Dt. Chemiker, Gedenktafel (2004);
    C.-W.-Gymn., Aue;
    Förderschule C. W., Brand-Erbisdorf;
    C.-W.-Bau d. TU Bergak. Freiberg;
    Tafel am Geb.haus, Kirchgasse 8;
    Winklerit;
    Winklerstr. u. a. in Freiberg (Sachsen), Chemnitz, Bitterfeld-Wolfen u. Leverkusen-Wiesdorf.

  • Werke

    |126 Publl., u. a. Die Zus.setzung d. Condurrits, in: Berg- u. Hüttenmänn. Ztg. 18, 1859, Nr. 42 v. 17.10.1859, S. 383 f.;
    Unterss. über d. chem. Vorgänge in d. Gay-Lussac’schen Condensationsapparaturen d. Schwefelsäurefabrr., 1867;
    Geschichtl. Mittheilungen über d. erloschenen Silber-, Blei- u. Kupfer-Hütten d. Erzgebirges u. Voigtlandes, 1871;
    Anltg. z. chem. Unters. d. Industriegase, 1. Abtheilung, qualitative Analyse, 1877, 2. Abtheilung, quantitative Analyse, 1879;
    Ueber Nachweis u. Unterss. d. schlagenden Wetter im Steinkohlenbergbau, in: Jb. f. d. Berg- u. Hüttenwesen im Kgr. Sachsen, 1878, S. 70–76;
    Wirkt d. in unserem Za. stattfindende Massenverbrennung v. Steinkohle verändernd auf d. Beschaffenheit d. Atmosphäre?, 1883;
    Lehrb. d. techn. Gasanalyse, 1885, ⁶1927;
    Pract. Uebungen in d. Maassanalyse, 1888, ⁵1920;
    Wann endet d. Za. d. Verbrennung?, 1900.

  • Literatur

    |A. F. Wappler, in: Mitt. v. Freiberger Altertumsver. mit Bildern aus Freibergs Vergangenheit 42, 1906, S. 73–122;
    Otto Brunck, in: Berr. d. Dt. Chem. Ges. 39, 1907, Sp. 4491–558 (W-Verz.);
    ders., in: G. Bugge (Hg.), Das Buch d. gr. Chemiker, Bd. 2, ²1984, S. 336–50;
    C. W. Schiffner, in: ders. (Hg.), Aus d. Leben alter Freiberger Bergstudenten, 1935, S. 48–54;
    H. C. A. Winkler, A. Lissner, A. Lange u. R. Prokop, C. W., Gedenkschr. z. 50. Wiederkehr seines Todestages, 1954 (P, W-Verz.);
    B. Sorms, Das Verhältnis v. Wiss. u. Praxis f. d. Erkenntnisfortschritt in d. Chemie, dargest. am Leben u. Wirken C. W., Diss. A Bergak. Freiberg 1974;
    Bergak. Freiberg u. a. (Hg.), C. W., wiss. Symposium am 28. Dez. 1988 in Freiberg aus Anlaß d. 150. Geb.tages v. C. W., 1988;
    M. Haustein, C. W., Chemie war sein Leben, 2004 (P; W-Verz.);
    H. Schleiff, in: ders., R. Volkmer, u. H. E. Kaden (Hg.), Cat. Professorum Fribergensis, Professoren u. Lehrer d. TU Bergak. Freiberg 1765 bis 2015, 2015, S. 71 (P);
    O. Wagenbreth, N. Pohl, H. E. Kaden u. R. Volkmer, Die TU Bergak. Freiberg u. ihre Gesch. dargest. in Tab. u. Bildern, ³2012, S. 127–28 (P);
    Pogg. III–VI;
    Forscher u. Erfinder;
    Complete DSB;
    Lex. bed. Naturwiss.;
    Lex. bedeutender Chemiker (P).

  • Porträts

    |Ölgem. v. G. Schubert, 1909 (Senatssaal d. TU Bergak. Freiberg);
    Denkmal v. C. Seffner, 1910 (Freiberg, Wallstr.);
    Bronzebüste v. S. Roewer (TU Bergak. Freiberg, C.-W.-Bau).

  • Autor/in

    Norman Pohl
  • Zitierweise

    Pohl, Norman, "Winkler, Clemens Alexander" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 249-250 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142892.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA