Willers, Friedrich Adolf
- Lebensdaten
- 1883 – 1959
- Geburtsort
- Bremervörde
- Sterbeort
- Dresden
- Beruf/Funktion
- Mathematiker
- Konfession
- evangelisch
- Namensvarianten
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- Willers, Friedrich Adolf
- Willers, Friedrich Adolph
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Willers, Friedrich Adolf
| Mathematiker, * 29.1.1883 Bremervörde, † 5.1.1959 Dresden, ⚰ Dresden, Friedhof Leubnitz-Neuostra. (evangelisch)
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Genealogie
V →Johannes (* 1850), Lehrer, Kantor, Organist in B.;
M Lina Francke (* 1860);
⚭ 1916 Else Hueg (1889 –|1970);
1 S Hans-Georg (1916–23), 1 T →Annemarie (1918–88), 1946–65 Lehrbeauftragte f. Schriftgestaltung an d. Abt. f. Architektur d. Fak. f. Bauwesen an d. TH Dresden, Nachlaß an d. TU Dresden. -
Biographie
Nach dem Besuch des Progymnasiums in Northeim und dem Abitur am Gymnasium in Stade 1903 studierte W. an den Universitäten Jena und Göttingen hauptsächlich Mathematik und Physik. Er wurde 1906 mit der Arbeit „Die Torsion eines Rotationskörpers um seine Achse“ bei →Carl David Tolmé Runge (1856–1927) zum Dr. phil. promoviert; zusammen mit Runge verfaßte er 1915 den Beitrag „Numerische und graphische Quadratur und Integration gewöhnlicher und partieller Differentialgleichungen“ in der „Enzyklopädie der Mathematischen Wissenschaften“ (Bd. II, T. C. 2). Nach Staatsexamen, Referendariat und einjähriger Tätigkeit als Assistent für Darstellende Geometrie und Graphische Statik an der TH Danzig war W. ab 1909 im Schuldienst; seit 1911 wirkte er am Mommsen-Gymnasium in Berlin-Charlottenburg. In dieser Zeit publizierte er ca. zehn Zeitschriftenartikel und drei Göschen-Bände (Graph. Integration, 1920; Numer. Integration, 1923; Math. Instrumente, 1926). Damit und mit seinem 1928 erschienenen Hauptwerk „Methoden der praktischen Analysis“ hatte er sich aus dem Schuldienst heraus als Angewandter Mathematiker etabliert. Das Buch, das sich bis zum allgemeinen Aufkommen der Universalrechner als wichtige Darstellung der Verfahren im numerisch-graphischen Bereich erwies, insbesondere für die Integralrechnung, wurde 1948 ins Englische übersetzt (Practical Analysis, Graphical and Numerical Methods) und erlebte mehrere erweiterte dt. Auflagen (²1950, ³1957, postum ⁴1971, bearb. v. Jürgen Tippe, 1935–2009). 1923 an der TH Berlin-Charlottenburg habilitiert, erhielt W. 1928 einen Ruf auf die Professur für Mathematik und Darstellende Geometrie an die Bergakademie Freiberg. W., der noch im Nov. 1933 das „Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat“ kollektiv unterzeichnet hatte, mußte jedoch 1934 wegen kritischer Äußerungen zum Leistungsniveau der Studierenden u. a. auf Druck des NS-Studentenbunds um seine Emeritierung nachsuchen. Er arbeitete nun eng mit →Erich Immanuel Trefftz (1888–1937) zusammen, v. a. zur Elastizitätstheorie, und übernahm nach Trefftz’ Tod für mehr als 20 Jahre die Herausgeberschaft der angesehenen „Zeitschrift für Angewandte Mathematik und Mechanik“. Ab 1939 vertrat er den erkrankten und 1943 vorzeitig emeritierten →Max Otto Lagally (1881–1945), Ordinarius für Höhere Mathematik, an der TH Dresden. 1940 griff W. die instrumentelle Mathematik wieder auf, als er aufbauend auf 27 zwei- bis vierseitigen Beiträgen zum „Archiv für Technisches Messen“ (1940–1943) die ausführliche Monographie „Mathematische Instrumente“ (1943, russ. 1949) verfaßte, in der er die instrumentelle Mathematik von der Rechenmaschine bis zu den Integrieranlagen beschrieb.
Mit →Walther Meyer zur Capellens (1902–85) eher ingenieurtechnisch ausgerichtetem Band „Mathematische Instrumente“ (1941, ²1944, ³1949, russ. 1950) zählte W.s Buch zu den einschlägigen dt. Publikationen zur instrumentellen Mathematik. 1944 trat er offiziell die Nachfolge Lagallys an.
Nach Kriegsende hielt W. 1946 die Vorlesung zur Wiederöffnung der TH Dresden. 1948 entstand die „Elementar-Mathematik“, ein den Bogen zwischen Schule und Hochschule schließendes Werk, mit einer Gesamtauflage von mehr als 50 000 Exemplaren (letztmalig postum ¹⁴1977, bearb. v. →Klaus-Georg Krapf, * 1950). Neben seinen hochschulpolitischen Ämtern (Dekan d. päd. Fak. u. d. Fak. f. Math. u. Naturwiss. 1949–54) erschien 1951 die erweiterte Fassung der „Mathematischen Instrumente“ unter dem Titel „Mathematische Maschinen und Instrumente“; hier wurden u. a. noch detaillierter (elektro)mechanische Integrieranlagen behandelt, wobei aber W. dem analogen Bereich treu blieb. Jedoch förderte W., der 1956 emeritiert wurde, auch die entstehende digitale Rechentechnik durch seinen Assistenten und bedeutendsten Schüler →Nikolaus Joachim Lehmann (1921–1998→), seit 1950 Leiter einer Arbeitsgruppe zur Entwicklung des späteren programmierbaren Rechenautomaten D1 und 1953 auf W.s Betreiben zum Professor für Angewandte Mathematik ernannt. Auf dem Gebiet der Rechentechnik zählen →Helmut Adler (1928–2008) und →Karl-Heinz Bachmann (1929–2015) zu W.s weiteren Schülern.
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Auszeichnungen
|Dr. rer. nat. (TH Darmstadt 1952);
Mitgl. d. Leopoldina (1952);
korr. Mitgl. d. Sächs. Ak. d. Wiss. z. Leipzig (1954) u. d. Dt. Ak. d. Wiss. Berlin (1955);
Nat.preis II. Kl. d. DDR (1953);
„Willersbau“ d. TU Dresden (1961). -
Werke
Weitere W Zahlzeichen u. Rechnen im Wandel d. Zeit, 1949.
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Literatur
|R. Sauer u. H. Heinrich, in: Zs. f. Angew. Math. u. Mechanik 40, 1960, S. 1–8 (W, P);
D. Flaxa, Das Wirken W.s als Hochschullehrer an d. Bergak. Freiberg, in: Wiss. Zs. d. TU Dresden 33, 1984, S. 89–92;
I. Küchler u. T. Riedrich, in: Bed. Gel. d. TU Dresden, hg. v. d. TU Dresden, Bd. 2, 1990, S. 41 – |73 (P);
Professoren TU Dresden (P);
Lex. bed. Mathematiker;
Wi. 1948 u. 1955;
Sächs. Biogr.(P). -
Porträts
|Ölgem. v. B. Kretzschmar, 1957 (Kustodie d. TU Dresden, Kunstbes.).
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Autor/in
Joachim Fischer -
Zitierweise
Fischer, Joachim, "Willers, Friedrich Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 187-189 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142878.html#ndbcontent