Wiede

Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Unternehmerfamilie
Konfession
evangelisch
Namensvarianten

  • Wiede

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Zitierweise

Wiede, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142322.html [13.01.2026].

CC0

  • Wiede

    |Unternehmer. (evangelisch)

  • Biographie

    Die Familie W. läßt sich in Mittel- und Westsachsen und im angrenzenden Thüringen als Gewerbetreibende und Unternehmer bis an den Beginn des 19. Jh. zurückverfolgen. Johann Gotthelf (1805–85), Sohn des Eigentumsmüllers Friedrich Ehregott (1764–1854), stammte aus Hopfgarten bei Geithain und starb in Böhrigen bei Roßwein. Als Besitzer einer Mühle etablierte er sich als lokal bedeutender Unternehmer. Aus seiner Ehe mit Auguste Caroline Göpel (1815–93) ging u. a. Gotthelf Friedrich Anton (1836–1911) hervor.

    Dieser arbeitete nach dem Besuch der Kgl. Gewerbeschule Chemnitz 1850–54 als Werkmeister in der Kammgarnspinnerei Schedewitz bei Zwickau. 1858/59 absolvierte er eine Ausbildung zum Markscheider an der Bergakademie Freiberg. Durch seine Ehe mit Ernestine Friederike Sarfert (1837–1897) aus Bockwa heiratete er 1860 in eine vermögende Bergwerksbesitzerfamilie ein. Anton und seine Schwiegermutter Johanne Dorothea Sarfert (1811–1886), Eigentümerin des Steinkohlenwerks Carl Gotthilf Sarferts Erben, gründeten 1867 das Steinkohlenwerk „Morgenstern Sarfert & Wiede“, das in den 1880er Jahren durch eine Kokerei und eine Brikettfabrik erweitert und 1889 in die „Gewerkschaft Morgenstern“ umgewandelt wurde. 1883 gründete Anton „Wiedes Papierfabrik Rosenthal“ in Blankenstein (Thür.), 1884 die „Cellulosefabrik Wiede & Co.“ in Hof und 1886 die Holzstoffabrik im Höllental (Lkr. Hof). 1889 richtete er die Böhriger-Stiftung an der Kgl. Höheren Gewerbeschule Chemnitz ein, als deren Nachfolgerin 1911 die G. A. Wiede-Stiftung. 1891 schenkte Anton der Bergkademie Freiberg das Stammkapital für eine Stiftung zur Unterstützung bedürftiger Studierender, 1908|folgte die Etablierung einer Anton-Wiede-Stiftung als Unterstützungskasse.

    Anton hatte drei Söhne: Johannes Max (1861–1939, s. L), Georg Alfred (1864–1925, 1910 Ehrenbürger d. Gde. Kumreut, Kr. Freyung-Grafenau) und Fritz (1871–1905). Alfred absolvierte die Bergakademie Freiberg (Dipl.-Ing.) und übernahm 1888 die technische Leitung des Kohlenwerks Morgenstern am Ostrand von Zwickau, das er in den folgenden Jahren bergbautechnisch erheblich weiterentwickelte (Spülsatzverfahren). 1903 gründete er „Wiede’s Carbidwerk“ zur Herstellung von Calciumcarbid in Freyung (Lkr. Freyung-Grafenau), das nach seinem Tod von seinem Schwiegersohn Emanuel Ancot (* 1890, 1923 in Leipzig Dr. iur., 1928 Ehrenbürger d. Gde. Kumreut, Kr. Freyung-Grafenau) fortgeführt wurde. Ancot hielt Patente auf Verfahren zur Herstellung von Werkstoffen und zur Herstellung von synthetischen Edelsteinen. Das Werk produzierte bis 1974 Calciumcarbid, parallel seit 1913 synthetische Edelsteine, die bis heute in dem in Familienbesitz befindlichen Werk hergestellt werden. 1903 gründeten Anton und Fritz das Kohlensäurewerk „Hölle Dr. Fritz Wiede GmbH & Co. KG“, das bis heute von der Familie geführt wird. Johannes gründete 1893, nach seiner Ausbildung in den Papierfabriken Wilischthal und Wildenfels und zeitweiliger Leitung der Blankenburger Papierfabrik, mit seinem Vater und seinem Bruder Alfred die Papierfabrik „Wiede & Söhne“ in Pauschwitz bei Trebsen (112 Mitarb.), die ständig erweitert wurde (1918 ca. 600 Mitarb.) und deren alleiniger Besitzer er 1920 wurde. 1929 überließ Johannes der Gemeinde Pauschwitz Land zum Bau eines neuen Rathauses und investierte in den Bau eines Sportplatzes (W.-Kampfbahn) und einer Turnhalle (J.-W.-Turnhalle).

    Aus Johannes’ 1905 in Dresden geschlossener Ehe mit Else Carolina Steglich (1885–1973, s. L) ging Johannes Anton (* 1911) hervor, der 1939 die Papierfabrik seines Vaters übernahm und erweiterte. Während des 2. Weltkriegs wurde unter Beschäftigung von Zwangsarbeitern auf kriegswichtige Produktion umgestellt (Sackpapier). Nach Kriegsende übersiedelte die Familie Antons nach Westdeutschland, das Unternehmen wurde verstaatlicht und seit 1946 teilweise demontiert. Als „VEB Zellstoff- und Papierfabrik Trebsen“ war der Betrieb nach dem Wiederaufbau Teil des „Kombinats Zellstoff und Papier“ Heidenau. 1990 in eine GmbH als Teil der „Dresden Papier AG“ umgewandelt und umgestellt auf die Produktion von Wellpappen-Rohpapier, wurde die Trebsener Papierfabrik zusammen mit der „Dresden Papier AG“ 1993 an die „Mercer International Inc. Vancouver“ verkauft, 2000 von der Papierfabrik „Julius Schulte Söhne Düsseldorf“ erworben und existiert bis heute als „Julius Schulte Trebsen GmbH & Co. KG“. Der W.sche Besitz an den Steinkohlengruben des Zwickau-Lugauer Reviers, zusammengefaßt in der „Gewerkschaft Morgenstern“, wurde 1945 ebenfalls verstaatlicht (1948 VEB Steinkohlenwerk Martin Hoop); der Betrieb wurde mit der Erschöpfung der abbauwürdigen Kohlevorräte 1971 bzw. 1978 eingestellt. Die „Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal GmbH“ (ZPR) wurde 1994 von der Mercer International Inc., Zürich, übernommen und besteht heute noch.

  • Auszeichnungen

    A zu Anton: fürstl. reuß. KR (1887);
    zu Johannes: kgl. sächs. KR (1918);
    Ehrensenator d. Univ. Leipzig;
    zu Alfred: kgl. sächs. Bergrat;
    Dr.-Ing. E. h. (Bergak. Freiberg 1921);
    KR.

  • Werke

    W zu Alfred: Die Wasserabdämmung b. Abteufen d. Pöhlauer Schachtes d. Gewerkschaft Morgenstern in Reinsdorf durch Versteinung d. natürl. Wasseradern, in: Jb. f. d. Berg- u. Hüttenwesen in Sachsen, 1901, S. 66–73;
    Über e. neueren Versuch z. Gewinnung u. Verwertung d. Kohlenstaubes d. Förderkohle, ebd., 1907, S. 27–34;
    Patente: Windscheider mit stehendem, von dem Gut entgegen dem Luftstrom frei durchfallenem Scheidekanal, DRP 156555, 1903;
    Drahtkorb f. Sicherheitslampen, DRP 241662, 1909;
    (Fa. W.’s Carbidwerk), Verfahren z. Befestigung v. Edelsteinen auf keram. Gegenständen, DRP 426761, 1924.

  • Literatur

    L Nachrufe:zu Anton: Papier-Ztg. 36, 1911, S. 1223 (P);
    Wbl. f. Papierfabrikation 42, 1911, S. 1529 f. (P);
    Der Papier Fabrikant 9, 1911, S. 548;
    zu Alfred: Wbl. f. Papierfabrikation 56, 1925, Nr. 25, S. 761;
    Papier-Ztg. 50, 1925, S. 48;
    zu Johannes: Der Altenburger Papierer 13, 1939, S. 414 (P);
    Wbl. f. Papierfabrikation 70, 1939, S. 573 f. (P);
    Zellstoff u. Papier 19, 1939, Nr. 7, S. 443;
    – F. Kropf, Das Erste Vierteljh. d. Papierfabr. W. &
    Söhne Trebsen, 1918;
    Else Wiede, Stammtafel d. Geschlechtes Sarfert in Bockwa, 1924;
    Johannes Wiede, Gedenkschr. z. Feier d. 25j. Jub. d. Firma Wiedes Papierfabr. Rosenthal (Reuß), 1925;
    FS [z.] Turnhallenweihe, Trebsen-Pauschwitz, Johannes W.-Turnhalle, 1930;
    Thür. größte Papierfabr. arbeitet wieder, in: Thür. Volksztg. V. 27.11.1945;
    Ehrentage in 3 Generationen d. Papiermacherfam. W., in: Wbl. f. Papierfabrikation 89, 1961, Nr. 8, S. 358 f.;
    R. Sturm-Francke, Siebzig J. Trebsener Papier, in: Der Rundblick, Wurzen, Bd. 10, 1963, Nr. 11, S. 575–81;
    D. Pothmann, 110 J. Papierfabrikation in Trebsen, in: Wbl. f. Papierfabrikation 132, 2004, S. 237–44;
    Qu Sächs. StA Leipzig, Ahnentafel W., bearb. v. K. Steinmüller, 1940.

  • Autor/in

    Ulrich Heß
  • Zitierweise

    Heß, Ulrich, "Wiede" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 55-56 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142322.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA