Widmer, Conrad

Lebensdaten
1818 – 1903
Geburtsort
Altnau (Kanton Thurgau)
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Versicherungsunternehmer ; Jurist
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 129610046 | OGND | VIAF: 35539640
Namensvarianten

  • Widmer, Johannes Conrad
  • Widmer, Johann Conrad
  • Widmer, Conrad
  • Widmer, Johannes Conrad
  • Widmer, Johann Conrad
  • Widmer, C.
  • Bohny, Johann Conrad Widmer-
  • Widmer-Bohny, Johann Conrad
  • Widmer, J. C.
  • Widmer, Konrad
  • Widmer, Johannes Konrad
  • Widmer, Johann Konrad
  • Bohny, Johann Konrad Widmer-
  • Widmer-Bohny, Johann Konrad

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Zitierweise

Widmer, Conrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129610046.html [05.02.2026].

CC0

  • Widmer, Johann(es) Conrad

    | Jurist, Versicherungsunternehmer, * 16.7.1818 Altnau (Kanton Thurgau), † 4.1.1903 Zürich. (reformiert)

  • Genealogie

    V Jakob (1792–1870), Arzt in A., S d. Hans Jakob, Arzt in A., u. d. Anna Elisabeth Straub (1755–1802), aus A.;
    M Anna Elisabetha (1778–1831), aus St. Peterzell (Kt. St. Gallen), T d. Jakob Näf u. d. Anna Maria Frey;
    seit 1832 Stief-M N. N.;
    4 Halb-Geschw;
    1) 1839 Ursula Margaretha (1818–1847), T d. Nikolaus Bohny (Bohni), in Frenkendorf (Basel-Landschaft), u. d. Dorothea Schweizer, 2) Neunforn (Kt. Thurgau) 1849 Virginia (* 1821), T d. Franz Xaver Rogg, Dr. med., Arzt, Großrat in Frauenfeld (Kt. Thurgau), u. d. Eugenia v. Reding;
    1 S aus 1) Karl (* 1843), 2 T aus 1) Paulina Bertha (* 1841, Julius Beutner), Elise (1845–1880, August Bergh, 1842–1935, Ing., Stadtbaurat in Fredrikstad, Norwegen), 2 S aus 2), Wilhelm (* 1852), Theodor (* 1854), 2 T aus 2) (1 früh †) Anna (* 1856).

  • Biographie

    W. besuchte 1824–31 Schulen in Schönengrund (Kt. Appenzell-Ausserrhoden), Mattwil (Kt. Thurgau), Konstanz, Arbon (Kt. Thurgau) sowie das Latein-Institut des Pfarrers J. Steiger in Altnau. 1835/36 erwarb er den Abschluß am Zürcher Obergymnasium, wo er Alfred Escher (1819–1882) traf. Mit einem Stipendium des ev. Kirchenrats des Kt. Thurgau begann W. im Herbst 1836 ein Theologiestudium an der Univ. Zürich, das er nach theol. Auseinandersetzungen abbrach. Er wechselte an die Univ. Basel, wo er 1837–39 Jurisprudenz studierte und daneben als Privatlehrer arbeitete. W. wurde 1837 Mitglied und 1839 Präsident des liberalen Schweizer. Zofingervereins, wo er Jacob Burckhardt (1818–1897) kennenlernte, mit dem ihn zeitlebens eine enge Freundschaft verband.

    Nach seiner Heirat 1839 übersiedelte W. nach Frauenfeld (Kt. Thurgau), erwarb das Anwaltspatent und eröffnete eine Anwaltspraxis. In Frauenfeld, wo er zu den politisch aktiven Kreisen des Bürgertums gehörte, war er 1844 Redaktor der liberalen „Thurgauer Zeitung“. 1844 zum Obergerichtsschreiber gewählt, kehrte er 1846 zu seiner Anwaltspraxis zurück und übte daneben Tätigkeiten als stellv. Staatsanwalt (1847–52) und Schulinspektor (1850–52) aus. 1852–57 war er Direktor der Strafanstalt Oetenbach in Zürich; in diesem Amt unternahm er Anstrengungen zur Verbesserung des Gefängniswesens, arbeitete mit bei der Revision des zürcher. Strafgesetzes und in einer Kommission der Schweizer. Gemeinnützigen Gesellschaft zur Versorgung jugendlicher Verbrecher.

    Auf Anraten des liberalen Zürcher Regierungsrats Johann Jakob Sulzer (1821–1897) prüfte W. die Frage der Errichtung einer gemeinnützigen schweizer. Lebensversicherung. 1857 demissionierte er als Direktor der Strafanstalt und begann mit der Vorbereitung zur Gründung einer Rentenanstalt, wofür er vergeblich bei der Zürcher Bank „Leu & Cie.“ um finanzielle Garantie nachsuchte und danach Kontakt zu Escher und seiner seit 1856 bestehenden „Schweizerischen Kreditanstalt“ aufnahm. Deren Unterstützung ermöglichte 1857 die Gründung der „Schweizerischen Rentenanstalt“, deren Direktor W. bis zu seiner Demission 1892 war. Die Bürgschaft der „Schweizerischen Kreditanstalt“ galt im Austausch gegen 40 % des Gewinns der „Schweizerischen Rentenanstalt“ bis 1885. W. trug entscheidend zum erfolgreichen Aufbau der Rentenanstalt bei, indem er sie finanziell und politisch breit absicherte. Unter W.s Direktorium entwickelte sich die Rentenanstalt gegen wachsende in- und ausländische Konkurrenz zur größten schweizer. Lebensversicherung. Der jährliche Zugang an Versicherungssummen betrug zwischen 3 und 6 Mio. Franken. Von Anfang an standen die Kapitalversicherungen im Vordergrund, doch erst 1894 schlug sich dies auch im erweiterten Namen „Schweizerische Lebensversicherungs- und Rentenanstalt“ nieder. 1864 wurde W. von Escher zum Generalsekretär des neugegründeten Gotthard-Komitees berufen; dieses Amt übte er bis zur Gründung der Gotthardbahn-Gesellschaft 1871 aus. Daneben hatte W. Mandate in bundesrätlichen Expertenkommissionen zum Versicherungsaufsichtsgesetz sowie zur Kranken- und Unfallversicherung. Im hohen Alter wandte er sich der Philosophie zu und verfaßte politisch-theologische Werke.

    W. gilt als Begründer der modernen Lebensversicherung in der Schweiz, die Rentenanstalt als sein Lebenswerk. Dem Versicherungsprinzip zeitlebens sehr verbunden, sah er in seinen politisch-theologischen Werken in den 1890er Jahren auch in der staatlich monopolisierten Assekuranz nach dem Kapitalanlageprinzip eine Lösung für die drängenden sozialen Fragen des 19. Jh.

    Nach W.s Demission erreichte die Rentenanstalt bereits vor dem 1. Weltkrieg eine bis dahin nie erreichte Steigerung der Zugänge und wuchs durch Übernahme fremder Versicherungsbestände nach dem 1. Weltkrieg und den breiten Einstieg in die Personalvorsorge über den 2. Weltkrieg hinaus stark an. 1997 in eine AG umgewandelt, tätigte sie im Rahmen einer Allfinanzstrategie rasch Akquisitionen, was 2001/02 beinahe im Ruin endete.

    Seit 2002 konzentriert sich die Rentenanstalt auf das Kerngeschäft, firmiert als „Swiss Life“ und agiert global.

  • Werke

    |Thurgau. Straffälle, 1846;
    Zur Reform d. Strafanstalt in Zürich, Ein Btr., 1855;
    Die Gotthards-Frage f. d. Thurgau, 1870;
    Ideen z. Initiative f. Schweizer. Bundesvers., 1892;
    Unser Lebensgesetz, 1895.

  • Literatur

    |NZZ, Nr. 102 v. 12.4.1903;
    Schweizer. Lebensvers.u. Rentenanstalt (Hg.), Fünfundsiebzig J. Schweizer. Lebensvers.- u. Rentenanstalt Zürich 1857–1932, 1933, S. 5–33;
    H. R. Müller, in: Ver. f. wirtsch.hist. Stud. (Hg.), Schweizer Pioniere d. Wirtsch. u. Technik VII, 1957, S. 21–40 (P);
    H. Wyss, Schweizer. Lebensvers.- u. Rentenanstalt 1857–1957, 1957, S. 247;
    Swiss Life (Hg.), 150 J., Das Mag. z. Jub., 2007;
    HBLS;
    HLS;
    Internet: Seiten d. Swiss Life;
    Alfred Escher Briefed. d. Alfred Escher Stiftung;
    Matrikeled. d. Univ. Zürich.

  • Porträts

    |Photogr. v. J. Ganz, zw. 1866 u. 1871 (Zürich, Zentralbibl.).

  • Autor/in

    Luca Froelicher
  • Zitierweise

    Froelicher, Luca, "Widmer, Johann(es) Conrad" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 41-42 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129610046.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA