Lebensdaten
um 1504 bis 1549
Geburtsort
Rheinzabern (Pfalz)
Sterbeort
Cambridge (England)
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; Hebraist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118685767 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Büchelin, Paul (eigentlich)
  • Fagius, Paul
  • Büchelin, Paul (eigentlich)
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Zitierweise

Fagius, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118685767.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Peter Büchelin, Lehrer u. Ratsschreiber in Rheinzabern;
    M Margarethe Hirn aus Heidelberg;
    Agnes Buchbaum, Bürgerstochter aus Isny.

  • Leben

    F. kam mit 11 Jahren auf die Neckarschule in Heidelberg, wo er 1521 immatrikuliert und 1522 Magister wurde, ging dann nach Straßburg, wo er bei W. Capito hebräische Studien trieb, in frühe Freundschaft mit M. Bucer kam und als Lehrer tätig war. 1527 wurde er Lateinschuldirektor zu Isny (Allgäu). Nach einem abermaligen Studienaufenthalt in Straßburg (1536/37) zur praktisch-theologischen Ausbildung war er 1538/43 Pfarrer zu Isny. Hier richtete er die erste hebräische Druckerei in Deutschland ein und gab etwa 20 Schriften zusammen mit Elias Levita heraus. Nach dem Tode des Johannes Zwick folgte er 1543/44 einem Ruf als Pfarrer nach Konstanz. Im Sommer 1544 trat er auf Betreiben Bucers das Amt eines Predigers an Jung Sankt Peter und eines Professors für das Alte Testament in Straßburg an. Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz berief ihn 1546 als Berater der Reform und des Lehrplanes seiner Universität Heidelberg. Als Gegner des Interims vom Straßburger Rat beurlaubt, ging F. 1549 auf Einladung des EB Cranmer mit seinem Freunde Bucer nach England, wo er als Professor für das Alte Testament in Cambridge wirkte. F. Verdienste liegen auf drei Arbeitsgebieten: als Lehrer und Erzieher, als Pfarrer und Seelsorger und vor allem als Gelehrter, Hebraist und Ausleger des Alten Testaments. Er war auch immer ein Mann der Vermittlung und der Union wie Bucer und die meisten oberdeutschen Reformatoren.

  • Werke

    u. a. Sententiae vere elegantes piae, Isny 1541 (Ausg. d. Sprüche d. Väter); Perousch, ebd. 1542, veränderte Ausg. Konstanz 1543 (exeget. Werk üb. d. 4 ersten Kap. d. Genesis);
    Sepher Aemana i. e. liber fidei seu veritatis, Isny 1542;
    Sententiae morales, ebd. 1542 (Ausg. d. Bücher Jesus Sirach u. Tobias mit lat. Kommentar);
    Precationes hebraicae, ebd. 1542 (jüd. Tischgebete);
    Conpendaria Isagoge in linguam Hebraeam, Konstanz 1543;
    Paraphrasis Onkeli Chaldaica, Straßburg 1546 (lat. Übers. u. Erklärung d. „Thargum“ d. Onkelos). – Hrsg.: E. Levita, Tischbi, Isny 1541;
    ders., Methourgeman, ebd. 1541 (chaldäisches Lex.);
    ders. Hebr. Grammatik, ebd. 1542; D. Kimchi, Kommentar z. d. 10 ersten Psalmen, ebd. 1541, Konstanz 1544.

  • Literatur

    ADB VI;
    Union (Pfälz. Gem.bl.), 1865, Nr. 3-13;
    R. Raubenheimer, P. F., Sein Leben u. Wirken als Reformator u. Gel., = Veröff. d. Ver. f. pfälz. KG VI, 1957 (W, L);
    Schottenloher 2269, 6007-6010 a, 22490;
    PRE;
    RGG.

  • Autor/in

    Georg Biundo
  • Empfohlene Zitierweise

    Biundo, Georg, "Fagius, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 744 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118685767.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Fagius: Paul F. (Büchlein), geb. 1504 zu Rheinzabern in. der Pfalz, zu Cambridge am 13. November 1549, Theologe und Hebraist des 16. Jahrh., ein ruhiger Mann, gelehrter Arbeit mehr ergeben als theologischen Kämpfen. Schon als Elfjähriger bezog er die Universität Heidelberg, ging dann nach Straßburg, wo er bei W. Capito lernte und mit M. Butzer sich befreundete, wurde 1527 Schulrector in Isny und war 1537—42 Prediger daselbst, nachdem er vorher mit Unterstützung des Raths nochmals nach Straßburg gegangen war, um Theologie zu studiren. Nach Capito's Tode wurde er als Prediger nach Straßburg gerufen, wo er im Vereine mit Butzer wirkte. Zwei Mal wurde seine Thätigkeit unterbrochen: 1542, da er auf längere Zeit zur Ordnung des Kirchenwesens nach Konstanz ging, und 1546, da er nach Heidelberg berufen ein Gutachten über die Reform der Universität und einen Lehrplan für dieselbe entwarf, aber mit seinen Vorschlägen bei dem Professorencollegium nicht durchdringen konnte (Hautz, Gesch. d. Univ. Heidelberg, J. 417). Auch in Straßburg war ihm keine lange friedliche Wirksamkeit beschieden. Er las an der Universität, war aber besonders als Seelsorger und Prediger thätig, als welchen ihn eine „männliche, christliche, freimüthige“ Beredsamkeit auszeichnete. Da er sich den Anordnungen des Raths wegen des Interim ebensowenig wie Butzer fügen wollte, so begab er sich mit diesem nach einer muthigen Abschiedspredigt. deren Hauptsätze uns erhalten sind, einer Aufforderung des Erzbischofs Cranmer folgend, Anfang 1549 nach England, wo er, wenige Monate nach seiner Ankunft, mit einer lateinischen Uebersetzung und Erklärung des A. T. beschäftigt, kurz nach dem Antritte seines Lehramtes in Cambridge starb. Fagius' Hauptverdienst besteht in seiner Beschäftigung mit der hebräischen Sprache. Schon dadurch, daß er bei Elias Levita, dem damals bedeutendsten jüdischen Grammatiker und Lexikographen in Deutschland, hebräisch lernte, daß er in Isny eine hebräische Druckerei errichtete, um dieses seines Lehrers Werke herauszugeben, verdient er Beachtung; aber seine Bedeutung erhöht sich durch seine übrigen Ausgaben und selbständigen Schriften. Zu jenen gehört eine Ausgabe von D. Kimchi's Commentar zu den zehn ersten Psalmen (1543), ein bloßer Textabdruck, Ausgaben der Sprüche der Väter und der Bücher Sirach und Tobias mit lateinischem Commentar (1541, 42); zu diesen eine lateinische Uebersetzung und Erklärung des Thargum des Onkelos (1546), ein exegetisches Werk über die vier ersten Capitel der Genesis (1542) und seine hebräische Grammatik (1543), ein Elementarbuch für seine Schüler. Außer diesen strengwissenschaftlichen Arbeiten, in denen sich ein emsiger Fleiß und tüchtige Kenntniß des Gegenstandes, aber keine Originalität in der Behandlung des Stoffes zeigt, und in denen auch das Streben hervortritt, die Verehrung vor seinem Meister und die Werthschätzung der gelehrten Leistungen der alten Rabbinen zu bekunden, hat F. noch ein paar kleine Schriften herausgegeben, in denen er die Wahrheit der christlichen Religion den Juden gegenüber beweisen will und zwar aus den Werken zweier Juden ("Liber fidei seu veritatis“ und „Parvus tractatulus“, beide 1542). Aber diese polemisch-erbauliche Thätigkeit ist es nicht, die seiner Arbeit Bedeutung gibt; diese wird ihm vielmehr durch seine rührige Beförderung des Studiums der hebräischen Sprache gesichert.

    • Literatur

      Vgl. Baum, Capito und Butzer, Elberf. 1860, S. 544 ff. L. Geiger, Das Studium der hebräischen Sprache in Deutschland etc., Breslau 1870, S. 57 ff., 65—74.

  • Autor/in

    Ludwig , Geiger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Geiger, Ludwig, "Fagius, Paul" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 533-534 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118685767.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA