Lebensdaten
erwähnt getauft 1741 , gestorben 1805
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Linz/Donau
Beruf/Funktion
Publizist ; politischer Beamter ; Aufklärungsschriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118531514 | OGND | VIAF: 46751270
Namensvarianten
  • Meisel, Reiner (Pseudonym)
  • Eybel, Josef Valentin
  • Eybel, Josef Valentin Sebastian
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Zitierweise

Eybel, Josef Valentin Sebastian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118531514.html [21.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Sebastian (1711–56), bürgerlicher Handelsmann;
    M Eva Elis., T des Valentin Anton Drexler ( 1762), Kanzlist der niederösterr. Landstände.

  • Leben

    Ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt, besuchte E. die Jesuitenschule in Wien, änderte aber seine Gesinnung und trat 1765 in Graz als Regierungsadjunkt in den Beamtenstand. Später hörte er in Wien besonders Kirchenrecht, wobei er sich die Gunst von Paul Joseph Riegger erwarb, nach dessen Pensionierung er 1773-79 Professor des Kirchenrechtes an der Wiener Universität wurde und sich der josephinischen Aufklärungsrichtung anschloß. Seine „Introductio in jus ecclesiasticum catholicorum“ (4 Bände, Wien 1777-79, deutsch 1779) erwies sich indessen als nicht tragbar. Widerstände veranlaßten ihn, 1779 nach Linz zu gehen, wo er als Landrat das Referat in geistlichen und Toleranzsachen erhielt und bald bei den Klosteraufhebungen eine große aggressive Rolle spielte. Ungeheures Aufsehen aber erregte 1782 vor der Einreise des Papstes nach Österreich seine anonyme Schrift „Was ist der Papst?“, worin er diesem den Primat absprach. Diese Veröffentlichung, neben anderen Polemiken gegen kirchliche Lehrsätze, zog ihm den Kirchenbann mit der Bulle „Super soliditate“ (20.11.1784) zu und zeitigte in den klerikalen österreichischen Niederlanden selbst schwere politische Folgen. Seine kirchlich unbeliebte Tätigkeit zwang ihn, 1787 als Gubernialrat nach Innsbruck zu gehen, doch kehrte er 1797 nach Linz zurück, wo er Volksaufklärungsschriften herausgab, die durch ihre Angriffe auf den Volksglauben volkskundliche Bedeutung haben. Seine kirchenrechtlichen Arbeiten haben nur noch historisches Interesse für die Zeitstimmung. Seine Persönlichkeit, die noch einer Untersuchung harrt, war für die österreichische Aufklärungszeit sicher mitbestimmend.

  • Werke

    Weitere W u. a. Ges. kl. Schrr., aus d. Lat. übers. v. V. A. Heinze, 2 Bde., Linz 1781-83; Was ist e. Bischof?, Wien 1782 (anonym);
    Sieben Kapitel v. Klosterleuten, ebd. 1782;
    Was ist e. Pfarrer?, ebd. 1782;
    Was ist d. Ablaß?, ebd. 1782;
    Herr u. Frau v. Wachs od. e. lustiges Gespräch zw. zwei wächsernen Opfermändeln, ebd. 1782;
    Was|ist v. d. Ehedispensen zu halten?, ebd. 1782;
    Was enthalten d. Urkk. d. christl. Altertums v. d. Ohrenbeichte?, ebd. 1784;
    Die Heiligen nach d. Volksbegriffen, 4 Bde., Leipzig 1791; Rechtslehre f. d. Volk, e. Wschr., Linz 1791. – annähernd vollst. Bibliogr. nebst d. zahlr. Gegenschrr. im Zettelkat. Portheim-Slg. d. Stadtbibl. Wien.

  • Literatur

    ADB VI;
    [J. de Luca], Das gel. Österreich, Wien 1776, I, S. 119 ff. (W);
    E. u. d. Teufel, o. O. 1782, 1. Blättchen, S. 9 f.;
    A. F. Oliva, Was ist d. Vf. d. ersch. Abhh.: Was ist d. Pabst u. d. sieben Kap. v. Klosterleuten?, Wien 1782;
    Die Gimpelinsel od. d. Stiefbruder d. Linnäus, ebd. 1783 (E. wird darin als „Gerfalk“ satirisch behandelt);
    Die Wiener Autoren, o. O. 1784, S. 6, 59 ff., 142;
    A. Rösch, Das Kirchenrecht u. d. Za. d. Aufklärung, in: Archiv f. kath. Kirchenrecht 83-85, 1903-05;
    R. Hittmair, Der Josefin. Klostersturm im Land ob d. Enns, 1907; H. Sturmberger, Zwischen Barock u. Romantik, Skizzen z. Gesch. d. Aufklärung in Oberösterreich, in: Jb. d. Oberösterr. Musealver. 93, 1948, S. 163 ff.; H. Koller, J. V. E. als Historiker, in: Hist. Jb. d. Stadt Linz 1958, S. 249 ff.;
    Wurzbach IV (W, L);
    LThK.

  • Portraits

    Kupf. v. J. E. Mansfeld (Hist. Mus. d. Stadt Wien).

  • Autor/in

    Gustav Gugitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Gugitz, Gustav, "Eybel, Josef Valentin Sebastian" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 707 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118531514.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Eybel: Joseph Valentin E., geb. den 3. März 1741 zu Wien (so nach den Bemerkungen unter Portraits und de Luca), studirte anfänglich bei den Jesuiten, nach einer kurzen Thätigkeit im Subalterndienste zu Linz die Rechte in Wien, wo er auch promovirte und im J. 1773 außerordentlicher, 1777 ordentlicher Professor des Kirchenrechts wurde. Er stand ganz auf den Schultern und dem Standpunkte des bekannten Canonisten Riegger, dessen besonderer Gunst er sich erfreute. Einer der eifrigsten Vertreter des sogen. Josephinischen Systems in Wort und Schrift und insbesondere ein warmer Anhänger der Reformen des Klosterwesens, Feind der geistlichen Regierung in weltlichen Dingen, war er die Zielscheibe der Angriffe desjenigen Theils im Clerus etc., welcher den Reformen widerstrebte. Diese brachten es dahin, daß er im J. 1779 seine Professur niederlegte. Von da bis 1787 war er in Linz Referent in geistlichen Sachen auf des Kaisers ausdrücklichen Befehl, fungirte dann bis 1797 als Gubernialrath in Innsbruck; im letzteren Jahre wurde er als Landrath nach Linz versetzt, wo er in dieser Eigenschaft am 30. Juni 1805 starb. Sein Auftreten durch Reformschriften zog ihm auch die päpstliche Excommunication zu. Die Schriften Eybel's bezwecken durchweg eine Reform des Kirchenwesens im Sinne des Kaisers Joseph II., leiden, vom wissenschaftlichen Standpunkte betrachtet, ausnahmslos an Oberflächlichkeit, dem Mangel exacter Quellenforschung und den Wirkungen des in jener Zeit allmächtigen Naturrechts; eine große Zahl sind lediglich Tagesschriften. — „Adumbratio studii jurisprud.", 2 P., 1773 s. „Lucubratio canonica exhibens notiones de natura, ortu et progressu electionum personarum eccles.", 1774. „Ordo principiorum jurisprud. eccles.", 2 P. 1775 s. „Collectio selectar. lucubrat. jurispr. eccl. illustrantium“, 1774 s. „Corp. juris pastoralis novissimi“, 3 P. 1776. „Introductio in ius ecclesiasticum Catholicorum") 4 P. in 2 voll., 1777 s. (deutsch 1782 „Einleitung in das kathol. Kirchenrecht"). „Etwas von den Wahlen der Religionslehrer". „Was ist von Ehedispensen zu halten?" beide 1781. „Was ist ein Bischof?" „Was ist Ablaß?" „Was ist ein Pfarrer?" „Sieben Capitel von Klosterleuten" (letztere anonym), alle 1781. Dazu noch einige Sammelwerke fremder Abhandlungen. „Was ist der Papst?" (auch franz.) 1783. „Was enthalten die Urkunden des christl. Alterthums von der Ohrenbeichte?" 1784. „Christkath. nützliche Hauspostille", 3 Thle. 1784. „Die Heiligen nach den Volksbegriffen“, 4 Bde. 1791. „Göttergespräche über die Jacobiner“. Eine Wochenschrift, Linz 1794. „Rechtslehre für das Volk“. Eine Wochenschrift, Linz 1796. Die letzten vier anonym.

    • Literatur

      C. v. Wurzbach, Biograph. Lexikon IV. 118 f., der die ältere Litteratur anführt. Titel der Schriften und der gesammelten Abhandlungen bei (de Luca) Das gelehrte Oesterreich I. S. 113 ff., 1876.

  • Autor/in

    v. Schulte.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schulte, von, "Eybel, Josef Valentin Sebastian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 451-452 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118531514.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA