Lebensdaten
1710 – 1778
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Verlagsbuchhändler ; Buchdrucker
Konfession
evangelisch
Namensvarianten
  • Walther, George Conrad
  • Walther, Georg Conrad
  • Walther, George Conrad
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Zitierweise

Walther, Georg Conrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz138843.html [21.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V N. N.;
    M N. N.;
    1) Dresden 1737 / 38 Johanne Gottliebe (1717–57), T d. Salomon Hesse (ca. 1686–1754), Hofposamentierer, Stadtviertelmeister in D., 2) Dresden 1760 / 61 Christiane Charlotte ( 1808), T d. Carl Wilhelm Reyher (* 1704), Dr. iur., Rechtsconsulent in D.;
    3 S aus 1) (1 früh †) Conrad Salomon (1738/39–1805, Johanne Dorothee Schmieder, 1800, T d. N. N. Schmieder, Kriegsrat), Hofbuchhändler u. -drucker in D., Erbe d. väterl. Buchdruckerei, Georg Friedrich (1740–1813, Eleonora Friederica Schilling, 1763–93, T d. Johann Friedrich [I.] Schilling [v. Lahnstein], 1714–94, aus Schlesien, kfl. sächs. Kammerassistenzrat, Verlagsbuchhändler, 1778 Hofbuchhändler in D., Hg., Dichter, Kunstsammler, 1786 poln. HR, s. Hamberger-Meusel; L), Buchhändler in D., Erbe d. väterl. Buchhandlung, 2 T aus 1) Christiane Friederike, Rahel Dorothea, 3 S aus 2) Paul Moritz (* 1762), Georg(e) Carl v. Waltershausen (1766–n. 1803, preuß. Adel), preuß. Kriegsrat, Auditeur, Christian Heinrich (* 1771);
    E Georg(e) Moritz (1781–1845), Buchhändler in D., Amalie Caroline (1783–1827, Friedrich Wilhelm Schaff, 1824, Kaufm. in D.), Emilie Henriette (* 1785, 1] 1802 1815 (?) Johann Friedrich Wilhelm Seegert, 1772–1847, aus Landsberg / Warthe, Dr. med., 2] 1817 Karl August Ferdinand Rumpelt, 1768–1850, Dr. med., Arzt in Pirna, HR);
    Ur-E N. N. ( Friedrich Wilhelm Lindner, 1779–1834, Dr. phil. et theol., Prof. d. Theol. in Leipzig, Dr. theol. h. c., s. Professorenkat. Leipzig), N. N. Schaff ( N. N. Winkler, HR), N. N. Schaff ( N. N. Haase, Oberbibl. in D.), Emil Adolf Ferdinand W. (eigtl. Rumpelt) (1820–88), Schausp. (s. ADB 41; Kosch, Theater-Lex.);
    Verwandter (?) George Paul (um 1706–80), kfl. sächs. Bücher- u. Münzauktionator.

  • Biographie

    Über W.s Jugend und Ausbildung ist wenig bekannt. 1732 war er zuerst bei dem Hamburger Verleger und Buchhändler Christian Wilhelm Brand(t) ( 1761) und ab Ende Sept. zur Michaeli-Messe beim Dresdner Verlagsbuchhändler Friedrich Hekel ( 1757?) angestellt, dessen Teilhaber er 1735 wurde. Im Nov. 1739 trennte sich W. von Hekel und gründete nahe der Hekelschen eine eigene Buchhandlung am Altmarkt. Gegen den Widerstand der anderen Buchhändler unterstützte ihn der Minister Heinrich Gf. v. Brühl (1700–63); schon am 2. 1. 1738 erhielt W. ein Privileg als Hofbuchhändler. Im Jan. 1740 ersteigerte sein Schwiegervater um 3010 Taler die insolvente Sauereßigsche Buchhandlung in der Frauengasse. W., der so Konzession und Bürgerrecht erhielt, durfte das Geschäft ab 20. 7. 1740 unter seinem Namen führen. 1743 gab die Walthersche Verlagsbuchhandlung auch die „Dreßdnischen Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen“ heraus, deren gelehrter Teil mit seinen Rezensionen auch Buchanzeigen der Verlagsbuchhandlung enthielt.

    In der Habsburger Monarchie war W. seit 1743 in Prag als sog. Niederläger auf den Märkten vertreten; mehrere Ansuchen, hier auch ohne Bindung an die Jahrmärkte (mit 14 Tagen Nachfrist zur Abrechnung) Buchhandel treiben zu dürfen, wurden abgelehnt. Belegt sind auch Probleme mit der Prager Zensur. Erst 1771 wurde W. vollberechtigter Prager Buchhändler. Unmittelbar danach versuchte er, seinen Sohn Georg Friedrich als Compagnon der Firma des luth. Niederlägers Johann Paul Krauß (1725?–1776) in Wien zu etablieren; das scheiterte jedoch im März 1774 am Einspruch der Behörden mit Verweis auf W.s Prager Sortiment und darauf, daß durch eine W.sche Buchhandlung in Wien „Religion, und gute Sitten leiden würden“. Die in der dt. Forschung behauptete Existenz einer W.schen Buchhandlung in Warschau, wo der sächs. Kf. Friedrich August II. (1696–1763) als Kg. August III. von Polen regierte und Heinrich Gf. v. Brühl großen Einfluß hatte, ist in poln. Archiven nicht nachweisbar.

    In Dresden belieferte W. ab 1744 die Kgl. Bibliothek, weiters die Brühlsche und Bünausche Bibliothek sowie die anderer Adeliger und Gelehrter. Ab 1765 im Besitz auch einer eigenen Druckerei, wurde er von anderen Firmen, wie etwa Trattner in Wien oder Arkstée & Marcus in Amsterdam, zunehmend als Bedrohung wahrgenommen. Gegen Ende seines Lebens hatte W. seine Verlagsbuchhandlung v. a. im dt.- und franz.sprachigen Europa bestens vernetzt: Die Dresdner Zentrale figurierte im „Almanach de la librairie“ (Paris 1777–84), und noch heute sind Kontakte in Leipzig, Halle, Paris, Berlin, Straßburg, Bern, Ulm, Frankfurt und Neuchâtel nachweisbar.

    Die Buchdruckerei erbte der Sohn Conrad Salomon (ab 1766 kfl. sächs. Hofbuchdrucker), später ging sie an W.s Enkel Georg Moritz über. Die Buchhandlung wurde nach W.s Tod bis Mai 1808 von seinen Söhnen Georg Paul und Georg Friedrich unter der Fa. „Gebrüder Walther“ weitergeführt. Dessen Sohn Georg Moritz (Senator) erhielt erst im Aug. 1809 das Buchhandelsprivileg, wurde nie Hofbuchhändler und erhielt 1811 die Druckereikonzession; die Druckerei verkaufte er 1815 an Christian Leberecht Fürchtegott Ramming, die Verlagsbuchhandlung 1824 an Johann Gottlieb Wagner (1781–1839). W.s oft umfangreiche Kataloge sind z. T. aufwendig gestaltet. Der franz. Dresdner Katalog vom Mai 1772 etwa ist wegen der hohen Anzahl von Anonyma nach Werken geordnet; W. gab jedoch nach Möglichkeit die Autorschaft bei anonymen Werken in Klammern an und erschloß Kataloge durch Personenregister.

    W.s Sortiment und Eigenverlag wiesen einen hohen Anteil franz. Literatur auf. Der am Dresdner Hof weilende Gf. Francesco Algarotti (1712–64), dessen „Congresso di Citera“ W. verlegt hatte, stellte 1746 den Kontakt zu Voltaire her, dessen frühe achtbändige Gesamtausgabe schon 1748 in W.s Verlag erschien (1754 um zwei weitere Bde. ergänzt). Zudem erschienen eine weitere Werkausgabe (1752–70) und zahlreiche Einzelwerke, die teilweise mehrere Auflagen erlebten. 75 Briefe zwischen Voltaire und W. sind erhalten. Daneben verlegte W. Werke franz. Aufklärer wie z. B. Jean Baptiste Dubos, Jean Baptiste de Boyer Marquis d’Argens, Pierre Louis Moreau de Maupertuis und anderer. W.s Name ist auch mit den Werken Johann Joachim Winckelmanns (1717–68) verbunden, der vor seiner Übersiedlung nach Rom 1748–55 in Dresden und Umgebung lebte. Auf die erweiterte Auflage seiner „Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Mahlerey und Bildhauerkunst“ (1756, 1. Aufl.) folgte die berühmte „Geschichte der Kunst des Alterthums“ (1764) und die „Anmerkungen über die Kunst des Alterthums“ (1767). Zu den von W. verlegten Autoren gehören weiter Jonathan Swift, Carlo Goldoni, Jean de Lafontaine und Alain-René Lesage. Auch als Sortimentsbuchhändler führte W. ein breites Themenspektrum ohne erkennbare Spezialisierung, auffallend sind aber auch hier Originale und Nachdrucke vieler franz. Bestseller der Zeit, so von Helvétius, Rousseau, d’Holbach („Système de la nature“), Voltaire und anderen.

  • Auszeichnungen

    |kfl. sächs. KR (1754).

  • Werke

    |Catalogue des livres françois, italiens et anglois de la foire de la purification de la S. Vierge, 1769, qui se trouvent à Prague, chez G. C. W., Prague 1769;
    Catalogus dt. u. lat. Bücher, welche nebst vielen andern um den dabey gesetzten billigen Preiß in jetzigem St. Wenceslai-Markt, 1771, in Prag zu haben, in d. Waltherischen Hofbuchhandlung v. Dresden, Prag 1771;
    Catalogue des livres françois, italiens et anglois de la foire de la purification de la S. Vierge, 1775;
    Catalogus dt.- u. lat. Bücher […], 1775;
    Catalogue des livres françois, italiens et anglois […], Dresde 1778;
    Catalogue des livres françois, italiens et anglois […], 1780;
    Catalogus dt.- u. lat. Bücher […], Prag 1781;
    Catalogus dt.- u. lat. Bücher […], Prag 1785;
    Catalogue des livres nouveaux, françois, italiens et anglois […], Prague 1787;
    Catalogus dt.- u. lat. Bücher […], Prag 1788;
    Catalogus der neuesten dt.- u. lat. Bücher […], Prag 1797;
    Catalogue des livres nouveaux, françois, italiens et anglois […], Prague 1797;
    Catalogus neuer dt.- u. lat. Bücher […], 1793–1800;
    Briefwechsel mit d. Société typographique de Neuchâtel (StadtA Neuchâtel) u. Gebauer-Schwetschke (StadtA Halle).

  • Literatur

    |Georg Friedrich Walther, Denkmal kindl. Liebe u. Ehrfurcht bey d. Absterben Herrn G. C. W.’s, Kgl. Pohln. Hof-Raths u. Sächs. Commercien-Raths u. Hofbuchhändlers, Dresden 1778;
    E. Gottwald, Erinnerungsbll. an d. vierte Säcularfeier d. Erfindung d. Buchdruckerkunst zu Dresden 1840, 1840;
    P. E. Richter, Zur Vorgesch. u. Gesch. d. vormals W.’schen, jetzt Burdach’schen Hofbuchhandlung (Warnatz & Lehmann) in Dresden, in: Archiv f. Gesch. d. dt. Buchhandels, 20, 1898, S. 108–67;
    C. Vinz, Das Verlagsverz. d. W.schen Hofbuchhandlung in Dresden v. Jahre 1833, mit 6 Abb., in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens, 9, 1967, S. 89–206;
    R. Eigenwill, Der Verlagsbuchhändler G. C. W. im augusteischen Dresden, in: Dresdner Hh. 21, H. 76, 2003, S. 16–22;
    P. Voit, Encyklopedie knihy, Starší knihtisk a příbuzné obory mezi polovinou 15. a poč átkem 19. století [Enz. d. Buches, Älterer Buchdruck u. verwandte Fächer v. d. Mitte d. 15. bis Anfang d. 19. Jh.], 2006;
    Sächs. Biogr.;
    zur Fam.: P. de Lagarde, Nachrr. über einige Fam. d. Namens Boetticher, 1867.

  • Porträts

    |Ölgem. v. A. Graff, um 1770 (Staatl. Kunstslgg. Dresden, Gem.gal. Alte Meister).

  • Autor/in

    Michael Wögerbauer
  • Zitierweise

    Wögerbauer, Michael, "Walther, Georg Conrad" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 375-377 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz138843.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA