Lebensdaten
1879 bis 1946
Geburtsort
Dörnberg/Lahn
Sterbeort
Wiesbaden
Beruf/Funktion
evangelischer Pfarrer ; Theologe ; Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 126922446 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Veidt, Karl Daniel
  • Veidt, Karl
  • Veidt, Karl Daniel
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Zitierweise

Veidt, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd126922446.html [04.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Karl ( 1925), aus Cratzenbach (Taunus), Lehrer in D., Holzappel u. Langenscheid;
    M Katharine Kuh ( 1942);
    1 B Hermann (1880- um 1952), Lehrer am Lehrerseminar Usingen u. an d. Ziehen-Oberschule in Frankfurt/M.-Eschersheim;
    1) 1907 1913 Elisabeth Rode, 2) Wiesbaden 1917 Klara Becker ( 1919), 3) Wiesbaden 1920 Margarethe Wilhelmine Hedwig Stein (1893–1981);
    4 S (1 früh †) Rudolf Gustav (1921–98), Arzt in Chicago (USA), Karl Erich (1922–44 ⚔), Buchhändler, Gerhard (* 1926), Lehrer, Katechet, Stud.leiter, 2 T Klara (1923–2012, ⚭ Hans Knörr, Samenhändler), Hedwig (* 1928, Jörg Heidegger, * 1919, Dipl.-Ing., Stud.dir. in Freiburg, Br., S d. Martin Heidegger, 1889–1976, o. Prof. d. Philos. in Freiburg, Br.).

  • Leben

    V. wuchs in Dörnberg, Holzappel und Langenscheid (Rhein-Lahn-Kr.) auf. Nach dem Abitur am Gymnasium in Montabaur 1898 studierte er ev. Theologie in Marburg/Lahn, Berlin und Halle/Saale (Mitgl. d. Ak. Turnverbindung). 1901 legte er das 1. theol. Examen in Herborn ab und besuchte das dortige Theol. Seminar zur Vorbereitung auf das Pfarramt (2. Examen Wiesbaden 1902). Seit 1902 arbeitete V. in der Stadtmission Berlin, wo ihm Adolf Stoecker (1835–1909) zum bewunderten Vorbild wurde und ihn im Sinne der christlich-sozialen Bewegung prägte. Im Anschluß an eine Studienreise nach England und Schottland übernahm V. 1904 eine Stelle als Stadtvikar in Frankfurt/M. 1905 ordiniert, war er Vereinsgeistlicher der Inneren Mission und Stadtmissionsinspektor. 1910 wechselte er in die Chefredaktion der ev.-nationalen Tageszeitung „Frankfurter Warte“. 1912 wurde er Gemeindepfarrer an der Wiesbadener Ringkirche; 1914–18 nahm er als Freiwilliger am Weltkrieg teil (Feldgeistlicher an d. Westfront). 1918–39 wirkte er als Pfarrer an der Frankfurter Paulskirche, unterbrochen durch seine Tätigkeiten als Professor am Theol. Seminar und als Pfarrer in Herborn 1925–29.

    Seit 1903 war V. Mitglied der konservativen Christlich-sozialen Partei. In die Weimarer Nationalversammlung zog er 1919 für fünf Monate als Abgeordneter ein, 1924 in den Reichstag, jeweils für die DNVP, der er bis 1929 angehörte. Von 1932 bis Okt. 1933 saß er für den Christlich-sozialen Volksdienst im Preuß. Landtag. Bereits 1929 äußerte V. öffentlich gravierende Bedenken gegen die NSDAP, die er nicht als Partei, sondern v. a. als Weltanschauung ansah. Zwar stimmte V. mit ihren nationalistischen, anti-bolschewistischen Zielen überein und begrüßte Hitlers Machtübernahme 1933 als „nationale Revolution“, doch stellte er sich bald in den Dienst der oppositionellen Kirchenpolitik gegen die „Dt. Christen“. Als Leiter des Pfarrernotbundes und der Bekennenden Kirche in der neu gebildeten Landeskirche Nassau-Hessen war er von Repressalien, u. a. zweimaliger Inhaftierung, betroffen. Weil er 1936 für die Zusammenarbeit der Bekennenden Kirche im Landeskirchenausschuß keinen Rückhalt fand, legte er den Vorsitz nieder. 1939 arbeitete er beim Kirchlichen Einigungswerk mit, das allerdings scheiterte, und wechselte als Pfarrer an die Frankfurter Matthäuskirche. 1944 ausgebombt, wurde er nach Wiesbaden versetzt, wo er Pfarrer in Biebrich und Mitglied der Vorläufigen Kirchenleitung unter Landesbischof August Kortheuer (1868–1963) war.

    In seinen verschiedenen kirchlichen wie politischen Ämtern engagierte sich V. aus einer theol. konservativen Position heraus für ein politisches Christentum in Deutschland, das in erster Linie gegen soziale Notstände und Benachteiligungen eintrat. Daß die Kirche während des „Dritten Reichs“ zur Verfolgung der Juden geschwiegen hatte, bezeichnete er in seinen zunächst unveröffentlichten Lebenserinnerungen auch als persönliche Schuld. Zwar hatte er verfolgten Juden heimlich in seinem Pfarrhaus Zuflucht gewährt, aber er hatte zu Deportationen und Suiziden kein öffentliches Wort gewagt, was er später ausdrücklich bereute und worunter er litt.|

    Mut hatte er indes auch in jenen Jahren bewiesen, wo er Jesus Christus als Herrn des dt. Volks und der Welt sowie als einzigen Heilsbringer verkündigte und damit den Totalitätsanspruch des Staats angriff.

  • Auszeichnungen

    A E. K. II u. I (Dez. 1914, Sept. 1916); Hess. Mil.-Sanitätskreuz.

  • Werke

    W Aus drei Kriegsj. d. 21. Reserve-Div., 1918 (mit W. v. Hagens u. N. N. v. Holwede);
    Bringen uns d. soz. Bestrebungen d. Gegenwart d. Verwirklichung d. Reiches Gottes näher?, 1926;
    Die Entchristlichung (Säkularisation) d. Volkslebens als Schicksalsfrage d. dt. Pol. 1930;
    Ist unser Weg richtig?, 1931 (mit M. Schmechel u. H. Strathmann);
    Der Marxismus als Weltanschauung, Wirtsch.lehre u. pol. Bewegung, o. J. (1932);
    Hundert J. St. Paulskirche, Jub.festschr. z. 9. Juni 1933, 1933 (mit G. Struckmeier);
    Zur Erinnerung an d. 100j. Jub. d. St. Paulskirche, 1933 (mit G. Struckmeier);
    Die hist. Paulskirche 41934 (Hg. mit G. Struckmeier);
    Zur Strafversetzung verurteilt, o. J. (1934?);
    Adolf Stoecker, Der Herold f. Volk u. Kirche, 1935 (mit E. Bunke u. W. Thieme);
    Alles in Seinen Händen, Predigten aus d. Bekennenden Kirche, 2 T., o. J. (1936/37);
    Schrr.reihe d. Bekennenden Kirche in Hessen, 1935 (Hg. mit H. Frhr. v. Soden);
    Lebenserinnerungen u. weitere Texte, in: W. Becher (Hg.), K. V., 2006 (s. L);
    Qu Personalakte im Zentralarchiv d. Ev. Kirche in Hessen u. Nassau.

  • Literatur

    L M. Hofmann u. a. (Hg.), Dok. z. Kirchenkampf in Hessen u. Nassau, 9 Bde., 1974–96;
    M. Benad u. a. (Hg.), Alles f. Dtld., Dtld. f. Christus, 1985, S. 82–112 u. 157 f. (P); J. Telschow u. E. Reiter, Die ev. Pfarrer v. Frankfurt am Main, 2 1985, S. 360 f.;
    Th. Klein (Hg.), Die Lageberr. d. Geh. Staatspolizei über d. Prov. Hessen-Nassau 1933–1936, 1986; W. Becher (Hg.), K. V. (1879–1946), Paulskirchenpfarrer u. RTabg., Mit e. Geleitwort v. W. Thierse, 2006 (W, L
    , P);
    J. Telschow, Ringen um d. rechten Weg, Die ev. Kirche in Frankfurt am Main zw. 1933 u. 1945, 2013, S. 86–90 (P);
    Hdb. f. d. Preuß. LT, Ausg. f. d. 4. Wahlperiode, 1932, S. 494 f.;
    Wi. 1935;
    M. Schwarz, MdR, Biogr. Hdb. d. Reichstage, 1965;
    Nassau. Biogr.;
    Frankfurter Biogr.;
    Schumacher, M. d. R.;
    Schumacher, M. d. L.; Kosch, Lit.Lex. 3 (L); Personenlex. Protestantismus.

  • Autor/in

    Reiner Braun
  • Empfohlene Zitierweise

    Braun, Reiner, "Veidt, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 730-731 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd126922446.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA