Lebensdaten
1912 bis 1997
Geburtsort
Klausenburg (Siebenbürgen)
Sterbeort
Freilassing (Bayern)
Beruf/Funktion
Geiger ; Dirigent
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123791715 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Végh, Sándor
  • vegh, sandor

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Zitierweise

Végh, Sándor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123791715.html [03.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Imre (1861-um 1914), aus K., Metzger ebd., S d. József u. d. Róza Textoris;
    M Juliánna Mária Kristó (* um 1867), Schneiderin;
    Budapest 1941 Alice (1922–2011), aus Komorn, T d. Jenő Nagy (1886–1974), Bankdir., u. d. Ludmila Derer (1893–1969);
    1 S Ladislas (* 1944), Dr., Chemiker in Zürich, 1 T Alexandra (Alja) V.-Batthyany (* 1947), Konzertagentin;
    E Christina (* 1970), Kunsthist., 2000–04 Kuratorin an d. Kunsthalle Basel, 2005–14 Leiterin d. Bonner Kunstver., 2015 Dir. d. Kestner-Ges. Hannover, Béla Batthyany (* 1971), Filmregisseur, Sacha Batthyany (* 1973), Journ., Auslandskorrespondent,|Lorenz (* 1975), Physikal. Chemiker in Zürich, Nicolas Batthyany (* 1982), Theaterschausp.

  • Leben

    V. begann als Sechsjähriger mit dem Geigenspiel und trat 1924 in das Budapester Konservatorium ein, wo er Violine bei Jenö Hubay und Komposition bei Zoltán Kodály studierte. Noch vor dem Abschluß 1930 (Konzertdiplom) musizierte er unter der Leitung von Richard Strauss (1864–1949). In den 1930er Jahren verfolgte V. zielstrebig eine Laufbahn als Solist, unternahm Konzertreisen nach Italien, Finnland, Estland, Bulgarien, Spanien, Österreich sowie in die Niederlande und machte sich parallel dazu einen Namen als Kammermusiker. So gehörte er 1931–33 dem Ungar. Streichtrio an und war 1934 Mitinitiator des Ungar. Streichquartetts, mit dem er 1936 das 5. Streichquartett von Béla Bartók uraufführte. 1940 gründete er das Végh-Quartett und wurde im selben Jahr Professor am Budapester Konservatorium.

    1946 verließ V. Ungarn und ließ sich in Frankreich nieder (franz. Staatsbürgerschaft 1953), lebte aber auch in Basel sowie seit 1971 in Greifensee bei Zürich. Mit dem Végh-Quartett erlangte er bis zu dessen Auflösung 1978 mit Konzerten und Schallplatteneinspielungen (v. a. Bartók, Beethoven, Mozart) Weltgeltung. Seit 1952 verband ihn eine künstlerische Freundschaft mit dem Cellisten Pablo Casals, aus der u. a. gemeinsame Plattenaufnahmen, Auftritte beim Casals Festival in Prades (1953–69) und Meisterkurse bei den Sommerakademien in Zermatt (1952–62) resultierten. Weitere Lehrtätigkeiten übte V. in Basel 1953–63, Freiburg (Br.) 1954–62, Düsseldorf 1962–79 sowie am Mozarteum in Salzburg 1971–91 aus. 1962 gründete er das Festivale di Musica di Camera in Cervo (Italien) und 1972 das International Musicians Seminar in Prussia Cove (England).

    Als Solist widmete sich V. bei Auftritten in Europa und Amerika v. a. Werken von Bach (Solo-Sonaten) und Bartók, bevor ihn gesundheitliche Gründe dazu zwangen, sich verstärkt dem Dirigieren zuzuwenden. So leitete er 1968–71 das von ihm gegründete Sándor Végh Chamber Orchestra sowie 1974–77 das Marlboro Festival Orchestra (Vermont, USA). Ferner dirigierte er seit 1985 u. a. das Chamber Orchestra of Europe, die Dt. Kammerphilharmonie, das Wiener Kammerorchester und die Wiener Symphoniker, später auch die Berliner und Wiener Philharmoniker. 1978 übernahm V. die Leitung der Camerata Academica des Mozarteums, die unter seiner Stabführung mit Konzerten, Plattenaufnahmen sowie auf Tourneen und bei großen Festivals bald weltweites Renommee erlangte. Seit Anfang der 1970er Jahre lebte er in seiner Wahlheimat Salzburg. Zu den Violinen, die er spielte, gehören die „Paganini“ (1958 erworben) und die „Earl of Harrington“, beide von Stradivari.

    V. gilt als einer der bedeutendsten Kammermusiker der zweiten Hälfte des 20. Jh. Mit dem nach ihm benannten Streichquartett spielte er maßstabsetzende Aufnahmen der Beethoven- und speziell der Bartók-Quartette ein, die nicht zuletzt durch seine freundschaftliche Verbindung mit Bartók und durch die Uraufführung von dessen 5. Quartett besondere künstlerische Legitimation erfuhren. Als Dirigent ist es sein Verdienst, die Camerata Academica des Salzburger Mozarteums durch seine kontinuierliche Arbeit zu einem Kammerorchester geformt zu haben, mit dem er u. a. sämtliche Klavierkonzerte, Symphonien, Cassationen, Divertimenti und Serenaden von Mozart sowie Werke von Haydn, Bartók, Schönberg und Strawinsky mustergültig für die Schallplatte aufnahm. Dabei verzichtete er darauf, sich der historischen Aufführungspraxis anzunähern und blieb einer musikantischen und unverkrampften Musizierhaltung verpflichtet. Einen besonderen Ruf erwarb sich V. auch als Pädagoge in zahlreichen Meisterklassen und anderen Lehrtätigkeiten. Zu seinen bedeutendsten Schülern gehörten u. a. Tabea Zimmermann (* 1966), Ana Chumachenco (* 1945), András Keller (* 1960), Steven Isserlis (* 1958), Gerhard Schulz (* 1951), Erich Höbarth (* 1956) und Hariolf Schlichtig (* 1950).

  • Auszeichnungen

    A Hubay- u. Reményi-Preis d. Budapester Konservatoriums (1927); 1. Preis „á l’unanimité“, Genf (1946); Dt. Grammophon Preis (1973); Grand Prix du Disque (1973, 1989); – Ehrenmitgl. d. Hochschule f. Musik u. darst. Kunst in Salzburg (1987), d. Wiener Konzerthausges. (1991) u. d. Mozartgde. Wien (1991); Ehrenbürger v. Cervo (Italien) (1982); Silbernes Ehrenzeichen d. Landes Salzburg (1982); Chevalier de la Légion d’Honneur des Arts et des Lettres (1986); Dr. h. c. (Warwick, England, 1987); Goldene Medaille d. Mozartstadt Salzburg (1987); Ehrenbecher d. Landes Salzburg (1987); Commander of the Most Excellent Order of the British Empire (1988); Goldene Mozartmedaille d. Internat. Stiftung Mozarteum (1992); Österr. Ehrenkreuz f. Wiss. u. Kunst 1. Kl. (1992); Ehrendoz. d. Franz Liszt Musikak., Budapest (1992); Pro Cultura Hungarica (1995); Ehrenbürger v. Budapest (1995); – Béla Bartók-Ditta Pássztory-Pres an d. Végh-Quartett (1989); – Internat. Sándor Végh Wettbewerb f. Streichquartette, Budapest (seit 2012).

  • Werke

    Weitere W u. a.: Aufnahmen mit d. Végh Quartett: Beethoven, Streichquartette, 1952 (komplett), 1972–74 (komplett Stereo);
    Mozart, 6 Streichquartette „Haydn-Quartette“, 1952;
    Bartók, Streichquartette, 1954 (komplett), 1972 (komplett);
    ausgew. Streichquartette v. Kodály, Smetana, Debussy, Ravel, Brahms, Schubert u. Haydn;
    Schubert, Streichquintett in C-Dur, D 956 (1961, mit P. Casals);
    Beethoven, Klaviertrio B-Dur, op. 97, 1958 (mit P. Casals);
    Aufnahmen mit d. Camerata Academica d. Mozarteums Salzburg: Mozart, Klavierkonzerte, 1984–93 (komplett, mit A. Schiff);
    Mozart, Cassationen, Divertimenti u. Serenaden, 1986–93;
    Mozart, Symphonien (Ausw.), 1987–96;
    Strawinsky „Apollon musagète“, 1988, „Lyrische Suite“, 1989;
    Bartók, Divertimento f. Streichorch., 1989, Musik f. Saiteninstrumente, Schlagzeug u. Celesta, 1995;
    Schubert, Symphonien 5, 6, 7, 8, 1990–94;
    Brahms Streichquintett Nr. 2 G-Dur, op. 111, 1991;
    Schönberg „Verklärte Nacht“, 1991;
    Haydn, „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“, 1992, späte Symphonien (Ausw.), 1992–96;
    Vortrag: Musik als Erlebnis, gedr. in: O. Fröbe-Kapteyn (Hg.), Eranos-Jb. 29, 1961, S. 309–25.

  • Literatur

    L S. Meyer-Eller, Aus der Tiefe, Ein Gespräch mit dem Dirigenten S. V., in: fono forum, Aug. 1995, S. 30–35; E. Mortimer, Musician through and through, S. V. the musician’s musician, talks about his life and music-making to Elizabeth Mortimer, in: Edinburgh Internat. Festival Mag. Mai/Juni 1995, S. 29–33; P. Cossé, Beharrende Neugier, Der Musiker S. V., in: Österr. Musikzs. 51, 1996, S. 222–25; Alice Végh, Mein Leben mit S. V., 2001

    (Privatdr.); D. Lőwenberg, V. S., 2012 (Discogr., L,

    P); – Nachrufe: A. Inglis u. S. Isserlis, in: The Guardian v. 10. 1. 1997;
    The Times v. 10. 1. 1997;
    – Munzinger;
    New Grove;
    New Grove 2 ;
    Salzburger Kulturlex. (P); BMLO.

  • Portraits

    P u. a. Graphik v. A. Campagnoli; Ölgem. „The Great Quartett“, v. J. Fodor, 2007 (G. Szell, T. Vásáry, S. V. u. G. Anda)

  • Autor/in

    Alexander Heinzel
  • Empfohlene Zitierweise

    Heinzel, Alexander, "Végh, Sándor" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 727-729 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123791715.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA