Lebensdaten
1877 bis 1943
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Auschwitz
Beruf/Funktion
Jugendbuchautorin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 119061821 | OGND | VIAF: 45103492
Namensvarianten
  • Ury, Else

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Zitierweise

Ury, Else, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119061821.html [13.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus jüd. Unternehmerfam.;
    V Emil (1835–1920), Tabakfabr. in B., S d. Levin Elias (Esaias) (1801–62), aus Tangermünde, Kleiderhändler, Kaufm., 1828 Bürger in B., Vorsteher d. jüd. Gde., u. d. Hannchen Schlesinger;
    M Franziska (1847–1940), T d. N. N. Schlesinger, Kleiderhändler in B., Musiker;
    2 B Ludwig (1870–1963, ⚭ Else Friedländer, 1883–1932 Freitod), Dr. iur., RA, JR in B., emigrierte n. London, Hans (1873–1937 Freitod), Dr. med., Arzt in B., 1 Schw Käthe (1881–1944 Auschwitz, Hugo Heymann, 1873–1944 Auschwitz, preuß. Reg.baurat), Lehrerin; – ledig;
    N Lisbeth Heymann (1903–43 Auschwitz, Berthold Jachmann, 1901–44 Auschwitz, Ing. in Amsterdam), Ilse Heymann (1908–89, Leopold Steinfeld, 1891–1964, Journ. in Israel), emigrierte n. Palästina, med.-techn. Assistentin in Israel, Klaus (Ernest K.) Heyman(n) (* 1918, ⚭ Lilo Lachmann, 1919 –2015), Architekt in London, Fritz (1906–75, Herta [Helen] Plaut, 1910–93, Geschäftsfrau in London), emigrierte n. London, Geschäftsführer e. Strumpffabr., Marlene (1909–32);
    Gr-N Peter Jachmann (1933–43 Auschwitz); Cousine Rosa (* 1874, Simon Schocken, 1874–1929, Warenhausbes., Architekt, Erfinder, Philanthrop, s. NDB 23*).

  • Leben

    U. wuchs in Berlin-Mitte in einer Familie auf, für die die jüd. und dt. Identität gleichermaßen von Bedeutung waren. 1894, nach dem Abschluß der Luisenschule, einem Mädchenlyzeum, brach sie mit den gesellschaftlichen Konventionen, indem sie eine von ihr erwartete Ehe nicht einging. Stattdessen begann U. zu schreiben und veröffentlichte 1905 im Stil moderner Märchen ihr erstes Buch „Was das Sonntagskind erlauscht“. Ihr zweiter Märchenband „Goldblondchen“ (1908) wurde von der Jugendschriftenwarte als „lesenswert“ für die dritte Schulklasse empfohlen. Bis 1914 entstanden weitere Mädchen- und Märchenbücher, darunter als Ergebnis eines Wettbewerbs der jüd. Loge B’nai B’rith das jüd. Märchen „Im Trödelkeller“ (1908). Während des Weltkriegs verfaßte U. auch patriotisch gesinnte Romane, die sie als Fortsetzungsgeschichten in der Zeitschrift „Das Kränzchen“ veröffentlichte. In einigen späten Mädchenromanen bekannte sie sich zu den Idealen der dt. Frauenbewegung, insbesondere zu dem Recht auf weibliche Bildung und Berufstätigkeit.

    Bekanntheit als Kinderbuchautorin erlangte U. mit ihrer im Radio vorgelesenen, vielfach|übersetzten und bis heute in Millionenauflage verkauften Erfolgsserie „Nesthäkchen“ (10 Bde., 1913–25). Erzählt wird mit Berliner Humor und Empathie die Geschichte von Annemarie Braun, dem Nesthäkchen einer wohlhabenden Arztfamilie, von der Zeit der Puppen bis zur Goldenen Hochzeit. Nesthäkchen wurde zur Identifikationsfigur vieler Mädchengenerationen des Bürgertums. Mit „Professors Zwillingen“ (5 Bde., 1925–29) legte sie eine weitere erfolgreiche Serie vor, die von einem Zwillingspärchen, Kinder einer der Reformpädagogik zugewandten Familie, erzählt. 1933 veröffentlichte sie ihr letztes Buch „Jugend voraus“. Es handelt von einer Familie, deren arbeitsloser Vater erst nach der „Machtergreifung“ wieder Arbeit bekommt. Adolf Hitler bezeichnet sie darin als „Vorfrühling in Deutschlands Staatsregierung“.

    U. stand nicht im Kontakt zur literarischen Avantgarde in Berlin. Sie wohnte zeitlebens in ihrem Elternhaus, seit 1926 zudem in ihrem Feriendomizil „Haus Nesthäkchen“ in Krummhübel (Karpacz, Schlesien). Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde U. zum Umzug in ein „Judenhaus“ gezwungen, wo sie ihre Mutter bis zu deren Tod 1940 pflegte. Am 6. 1. 1943 wurde sie von der Gestapo in eine Deportationssammelstelle gebracht, von dort nach Auschwitz deportiert und in der Gaskammer ermordet. Ihr in London lebender Neffe Klaus Heymann (Ernest K. Heyman) trat ihr Erbe an und sorgte dafür, daß U.s Bücher in der Bundesrepublik weiterhin in hohen Auflagen erscheinen konnten und 1983 unter der Regie von Gero Erhardt (* 1943) in einer sechsteiligen Serie für das ZDF verfilmt wurden. Der 1917 erstveröffentlichte Band der Nesthäkchen-Reihe, „Nesthäkchen und der Weltkrieg“, wurde nach 1945 aus politischen Gründen bis 2014 nicht mehr in dt. Sprache aufgelegt (Neuausg. mit e. Vorw. v. M. Brentzel, 2014).

  • Werke

    W Studierte Mädel, 1906, veränderte Fassung u. d. T. Studierte Mädel v. heute, 1929;
    Babys erstes Geschichtenbuch, 1910;
    Baumeisters Rangen, 1910;
    Vierzehn Jahr u. sieben Wochen, 1911;
    Kommerzienrats Olly, 1913;
    Der Sandmann kommt (ein Theaterstück), 1913;
    Huschelchen, 1914;
    Das graue Haus, 1914;
    Dornröschen, Forts. zu Vierzehn J. u. sieben Wochen, 1916;
    Das Ratstöchterlein v. Rothenburg, 1917;
    Lotte Naseweis, 1917;
    Flüchtlingskinder, 1918;
    Lieb Heimatland, 1919;
    Lilli Liliput, 1920;
    Hänschen Tunichtgut, 1921;
    Jungmädelgeschichten/Die beiden Ilsen, 1923;
    Lillis Weg, 1925;
    Das Rosenhäusel, 1930;
    Wie einst im Mai, 1930;
    Wir Mädels aus Nord u. Süd, 1931;
    Für meine Nesthäkchenkinder, 1932;
    Kläuschen u. Mäuschen, 1933;
    Bibliogr.: M. Brentzel, Mir kann doch nichts geschehen (s. L).

  • Literatur

    L B. Asper, Schatten d. Vergangenheit, in: Fundevogel, Krit. Kinder-Medien-Mag., 1992, H. 98, S. 12 f.;
    dies. u. Th. Brüggemann, Über e. frühe Erz. v. E. U. „Im Trödelkeller“, in: Die Mahnung 40, 1994, H. 2, S. 7 f.;
    M. Brentzel, Nesthäkchen kommt ins KZ, Eine Annäherung an E. U., 1992 (P);
    dies., in: J. Dick u. M. Sassenberg, Jüd. Frauen im 19. u. 20. Jh., 1993, S. 383 f. (P);
    dies., Mir kann doch nichts geschehen …, Das Leben d. Nesthäkchen-Autorin E. U., 2009 (Verz. d. Überss., S. 238 f., W, L, P);
    A. Grunenberg, Die Welt war so heil, Die Fam. d. E. U., Chron. e. jüd. Schicksals, 2006 (P);
    B. Asper u. a., Wiedersehen mit Nesthäkchen, E. U. aus heutiger Sicht, 2007 (P);
    H. Morgenstern, Jüd. Biogr. Lex., 2009;
    Berliner Biogr. Lex.;
    Killy; Kosch, Lit.Lex. 3 (W, L)

  • Autor/in

    Marianne Brentzel
  • Empfohlene Zitierweise

    Brentzel, Marianne, "Ury, Else" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 674-675 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119061821.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA