Lebensdaten
1919 bis 1984
Geburtsort
Duisburg-Wanheimerort
Sterbeort
Neuss
Beruf/Funktion
Fußballspieler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 1031172939 | OGND | VIAF: 295517223
Namensvarianten
  • Turek, Anton
  • Turek, Toni
  • Turek, Anton

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Zitierweise

Turek, Toni, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1031172939.html [19.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus kath.-kleinbürgerl. Fam.;
    V Josef (1887–1962) aus Dolenga (heute Dołe ˛ga, Kr. Oborniki, Polen), lebte in Rux-Mühle (heute Ruks-Młyn, nahe Szamotuły, Kr. Oborniki), seit 1914 Hochofenarbeiter in d. Krupp-Werken in D.;
    M Rosalie Düsterhöft (1889–1970), aus Słonawy (Kr. Oborniki);
    2 B Franz (1909–um 1982, ⚭ Maria Pickel, 1908–n. 1982), Schreiner, Johann (Hans) (1914–41 ⚔), 1 Schw Franziska (1911–um 1985, 1] Heinrich Groß, 1910–41 ⚔, 2] Wilhelm Gehnen, 1910–85?, Elektroinstallateur);
    Duisburg-Wanheimerort 1943 Wilhelmine (Mietzi), aus D.-Neudorf (1921–2011, ev., seit 1943 kath.), T d. Karl Lobemeier (1898–1984), Straßenbahnfahrer in D., u. d. Christine Schrader (* 1895);
    1 S Hans-Jürgen (* 1950), Finanzbeamter in Düsseldorf, 1 T Ute (* 1946, Lutz Oppel), Verw.angest. b. Finanzamt Düsseldorf;
    N Heinz Groß (1935–2010), in frühen J. Begleiter v. T.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Volksschule in Wanheimerort 1925–33 erlernte T. dort das Bäckerhandwerk (Gesellenbrief 1936). 1927 schloß er sich dem „Duisburger Sportclub 1900“ an und spielte 1934 als Torwart in der Duisburger Jugendauswahl. Um 1936 wechselte er zum Gauligisten „Turn- und Sportverein Duisburg 1848/99“ (TuS 48/99), wo ihn Karl Winkler (1906–60) und Ex-Nationaltorwart Theodor „Teddy“ Lohrmann (1898–1971), der sein Vorbild wurde, trainierten. 1936 zog T. die Aufmerksamkeit des späteren Bundestrainers Sepp Herberger (1897–1977) auf sich. 1937 folgte die Einberufung zum Reichsarbeitsdienst und anschließend zur Wehrmacht. Zunächst in Dortmund, dann in Ulm stationiert, kämpfte T. im 2. Weltkrieg als Angehöriger des Heers in Polen, Frankreich, Rußland und Italien. 1941 erlitt er als Pionierfeldwebel im Gefecht um Orjol (Rußland) eine schwere Verletzung durch einen Granatsplitter, der bis zum Lebensende im Hinterkopf verblieb. Während des Heimaturlaubs spielte T. seit 1941 beim „1. SSV Ulm 1928“ und in der württ. Nachwuchself; zudem gehörte er zum Kreis der Nationalmannschaft (Ersatztorwart 1942, Lehrgänge bis 1943). Nach Kriegsende geriet er kurzzeitig in amerik. Gefangenschaft im „Rheinwiesenlager“ Rheinberg.

    Im Juli 1945 kehrte T. nach Duisburg zurück, arbeitete als Kraftfahrer und stand beim „TuS 48/99“ im Tor (Duisburger Stadtmeisterschaft 1945/46, seit Sept. 1946 Bezirksliga Rechter Niederrhein). Seit Dez. 1946 spielte er als Vertragsspieler in der Oberliga Süd bei „Eintracht Frankfurt“ und 1947–49 bei der „TSG Ulm 1846“ (1949/50 in d. Landesliga Württ.). Hier avancierte er zu einem der besten dt. Torhüter. In Ulm arbeitete er nebenbei als Sportlehrer in der Justizvollzugsanstalt und betrieb eine Toto-Lotto-Annahmestelle. 1950 siedelte T. nach Düsseldorf über, wo er in der Oberliga West bei „Fortuna Düsseldorf“ seine Glanzzeit erlebte und bei der „Rheinbahn AG“ (ehemals Rhein. Bahnges. AG) eine Anstellung fand. Zunächst war er Kraftfahrer, ehe er 1951 Angestellter und 1959 Abteilungsleiter der Registratur wurde. 1953 und 1954 wählte ihn das Fußballmagazin „Kicker“ zum populärsten dt. Torhüter; ausländische Vereine suchten ihn vergeblich mittels lukrativer Gagen zu verpflichten. Nach insgesamt 224 Oberliga-Spielen beendete T. seine Spielerkarriere 1956/57 bei „Borussia Mönchengladbach“. Anschließend war er nebenberuflich Trainer 1957–64 und nochmals kurzzeitig 1973 bei der „Ratinger Spielvereinigung Germania 04/19“, zwischen 1964 und 1968 etwa ein halbes Jahr beim „SC 1920 Unterbach“ und 1968–70 beim „VfR Büttgen 1912“. Er wohnte zuletzt in Neuss. Seit 1973 von der Hüfte abwärts gelähmt, wurde er 1977 frühverrentet. T.s letzte Lebensjahre waren von schwerer Krankheit gezeichnet.

    T. repräsentierte den klassischen „Linientorwart“ mit Schwächen in der Strafraumbeherrschung, jedoch mit außergewöhnlichem Stellungsspiel, Reaktionsschnelligkeit und unerschütterlicher Ruhe. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte T., der auch in süd- und westdt. Auswahl-Begegnungen sowie 1950–54 in 20 DFB-Länderspielen eingesetzt wurde, als ältester Teilnehmer des WM-Turniers 1954 in der Schweiz. Im Endspiel im Berner Wankdorfstadion am 4. Juli machte er beim 3:2-Sieg gegen die favorisierten Ungarn dank überragender Paraden „das Spiel seines Lebens“ (Kicker-Sportmag. v. 5. 7. 54). Dafür erhob ihn der Rundfunkreporter Herbert Zimmermann (1917–66) zum „Fußball-Gott“. Das Spiel ging als „Wunder von Bern“ in die Geschichte ein.|

  • Auszeichnungen

    A Silberne Ehrennadel d. Dt. Fußballbunds (1953); Silberner Lorbeer (1954); Tipp-Kick-Spiel: Torwart „Toni“ (seit 1954 u. seit ca. 1990); Ehrenmitgl. v. Fortuna Düsseldorf (1974); BVK (1978); T.-T.-Stadion, Erkrath (2004); 50. J.feier d. WM 1954: T.-T.Turnier, 2004 (Paul-Janes-Stadion, Düsseldorf) u. T.-T.-Tramkorso 2004 d. Rheinbahn; Gedenktafel Duisburg (ehem. „Fugmann-Kampfbahn“, 2007); T.-Stadtbahnzug (B80) d. Rheinbahn (seit 2009); T.-T.-Haus (Geschäftsstelle v. Fortuna Düsseldorf, 2012); T.-T.-Allee, Mettmann; T.-T.-Str., Nottuln; T.-T.-Weg, Rommerskirchen.

  • Literatur

    L J. Altweg, T. T., „Gott“ mit kl. Fehlern, in: K.-H. Huba (Hg.), Die Großen im Tor, 1969, S. 198–202;
    F. Hack, Torhüter d. Jh.s, 1979, S. 108–12 (P);
    Ch. Bausenwein, Die letzten Männer, Zur Gattungsgesch. u. Seelenkde. d. Torhüter, 2003, S. 60–64, 231–34 u. 397 f. (P);
    B. F. Hoffmann, Die legendären WM-Torhüter, Ein Lex., 2005, 203–05 (P);
    zur WM 1954: A. Bauer, Das Wunder v. Bern, Spieler, Tore, Hintergründe, 2004, S. 18–20;
    P. Kasza, 1954, Fußball spielt Gesch., 2004;
    St. Jordan, Der dt. Sieg b. d. WM 1954, Mythos u. Wunder oder hist. Ereignis?, in: Hist. Social Research/Hist. Soz.forsch. 30, 2005, Nr. 4, S. 263–87, dass. in: Sehepunkte 4, 2004, Nr. 6 (Internet);
    Nachschlagewerke: B. Rohr u. G. Simon, Lex. Fußball, 1987 u. ö.;
    J. Bitter, Dtld.s Fußball-Nat.spieler, 1997;
    ders., Dtld.s Fußball, Das Lex., 2008;
    H. Grüne u. L. Knieriem, Enz. d. dt. Ligafußballs, Bd. 8, Spielerlex., T. 1, 2006;
    Munzinger;
    W. Raupp, in: Rhein. Lb. (in Vorbereitung);
    ders., T. T. (in Vorbereitung);
    Qu: T.-T.-Archiv, Hohenstein, Schwäb. Alb (Privatarchiv W. Raupp);
    DFBArchiv, Frankfurt/M. (bes. Personalakte Sepp Herberger);
    Kicker-Archiv, Nürnberg;
    Archiv d. Rheinbahn AG (Düsseldorf);
    Rundfunkreportage: H. Zimmermann u. R. Lembke, Das Endspiel v. Bern, Fußball-WM 1954, Ungekürzte Orig.-Reportage d. NDR, 2004, 2 CDs; – Spielfilm: Das Wunder v. Bern, Regie: S. Wortmann, 2003, mit J. Stock als T. T.

  • Portraits

    P Bronzestandbild v. T. Hausmann, 2014 (Düsseldorf, ESPRIT arena).

  • Autor/in

    Erich Fuchs †, Werner Raupp
  • Empfohlene Zitierweise

    Fuchs, Erich; Raupp, Werner, "Turek, Toni" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 505-506 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1031172939.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA