Lebensdaten
um 1650 bis 1737
Geburtsort
Peschiera del Garda
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Komponist ; Kapellmeister
Konfession
-
Normdaten
GND: 120890437 | OGND | VIAF: 44566014
Namensvarianten
  • Torri, Peter
  • Torri, Petro
  • Tori, Pietro
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Zitierweise

Torri, Pietro, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120890437.html [30.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    Eltern unbekannt;
    B (?) Bernhard, Kavallerieoberst, lebte um 1717 b. T. in M.;
    Schw (?) Anna Maria T. Cecchi (erw. 1684–1708), Sängerin u. a. am Hof in Mantua;
    vor 1696 Maria Anna (1673–1731), T d. Jacques Rodier, Tanzmeister, Mitgl. d. Ac. royale de danse in Paris;
    2 S Ferdinand Maria, Karl Clemens, 3 T Anna Margaretha Louisa (* 1701), Maria Anna Josepha Regina (* 1704), Anna Catharina (* 1716); Schwager François Rodier (um 1665–1753), Tanzmeister in M.

  • Leben

    T.s Geburtsdatum ist unbekannt, und auch über seine musikalische Ausbildung fehlen bislang Quellen. Erstes bekanntes Datum ist seine Mitgliedschaft in der Hofkapelle in Bayreuth 1684, wo er das Amt eines mgfl. Kapellmeisters und Organisten bekleidete. Dort wurde 1688 seine Oper „L’innocente giustificato“ aufgeführt, in der er selbst die Rolle des Floridaspe sang. Seit 1689 stand er im Dienst des bayer. Kf. Maximilian II. Emanuel (1662– 1726), zunächst als Kammerorganist. Während Max Emanuels Statthalterschaft in den span. Niederlanden (1692 Generalstatthalter, seit 1704 Generalvikar in Brüssel) begleitete T. seinen Dienstherrn nach Brüssel und bekleidete dort die Stellung des Kapellmeisters. 1695 wird T. (Petro Tory) als Zeuge der Eheschließung der Sängerin Marie-Madeleine Jossier mit Silvestre de la Roche in Brüssel genannt (Van Aelbrouck). Im Jahr darauf wurde seine Oper „Briseide“ in Hannover aufgeführt, wo er sich vorübergehend aufhielt, vermutlich auf Vermittlung Agostino Steffanis (1654–1728).

    Nach der Rückkehr des Hofes nach München 1701 wurde T. 1703 zum Kammermusikdirektor ernannt. 1704 folgte T. dem bayer. Kurfürsten nach der Niederlage in der Schlacht von Höchstädt ins Exil nach Brüssel; geleitet wurde die dortige Kapelle von T. und Pietro Antonio Fiocco (1654–1714). Während dieses Aufenthalts wurden T.s Oratorien „San Gaetano“ (1705) und „La vanità del mondo“ (1706) aufgeführt, in Namur vermutlich im Mai 1712 „L’Homme endormi“ und anläßlich der Friedensschlüsse von Utrecht und Rastatt (1713/14) „Le Triomphe de la paix“. Enge Kontakte bestanden parallel jedoch auch zu dem Bruder Max Emanuels, Ebf. Joseph Clemens (1671–1723) von Köln, der seit 1704 in Lille, seit 1708 in und bei Valenciennes residierte; für diesen komponierte T. ebenfalls verschiedene Werke und leitete im Rahmen zahlreicher Besuche Aufführungen seiner Werke, so 1708 in Lille (Oratorium L’innocenza oppressa in San Venceslao) und in den folgenden Jahren in Valenciennes (u. a. 1709 Giacob, 1710 S. Genesio, Le peripezze della fortuna, 1711 Abelle, 1713 L’innocenza difesa dai numi, 1714 d. Divertissement La Réciproque). 1711/12 wird erwähnt, daß auch seine Frau bei diesen Gelegenheiten in Valenciennes musizierte. 1715 kehrte T. im Gefolge Max Emanuels nach München zurück und war dort zunächst Hofkapell-Direktor, seit 1732 als Nachfolger Giuseppe Antonio Bernabeis (1649–1732) Hofkapellmeister. Hier entstanden überwiegend ital. Opern (auf Libretti von Apostolo Zeno und dem Hofdichter Domenico Lalli) zu den großen Hofanlässen, v. a. den Fürstengeburtstagen. Diese Werke integrieren als repräsentatives Element häufig ausgedehntere Szenenkomplexe mit Tanz nach franz. Vorbild. Unter Kf. Karl I. Albrecht (1697–1745) wurde dagegen seit 1726 der ital. Opernstil bevorzugt, weshalb auch T.s spätere Werke wieder deutlich diesem Modell folgen.

    T.s Œuvre umfaßt neben Messen und Motetten v. a. weltliche und geistliche Opern, Oratorien und verschiedene Gelegenheitskompositionen wie Turnierkantaten und Prologe sowie eine beachtliche Anzahl von Solo- und Duettkantaten. Die Bühnenwerke entstanden in der Mehrzahl für höfische Anlässe. Waren die früheren Werke ital. geprägt, trat seit der Zeit in Brüssel verstärkt auch der Einfluß franz. Vorbilder hinzu, da dieses Repertoire in Brüssel gepflegt wurde, während später in München eine funktionale Differenzierung nationaler Elemente (v. a. die Behandlung des Balletts) und eine Anpassung an die Präferenzen der verschiedenen Herrscher zu erkennen ist. Gerade in der Exilzeit stand damit T.s Wirken in einem Umfeld, das vom engen Austausch zwischen ital. und franz. geprägter Musikkultur bestimmt war, und illustriert den Transfer von Stil- und Gattungskonventionen. Einen wichtigen Stellenwert unter den Werken dieser Zeit nehmen die Oratorien und geistlichen Opern ein; sie entstanden sowohl in ital. als auch in franz. Sprache (Le martyre des Maccabées, möglicherweise 1707). Einige Werke sind faktisch Pasticcios, so „Le peripezze della fortuna“ unter Verwendung von Nummern aus anderen Werken T.s wie auch Steffanis, der ebenfalls für das Kantatenschaffen als Vorbild zu erkennen ist. Besondere Verbreitung erreichten T.s Kantaten, die nicht nur in zahlreichen Quellen überliefert sind, sondern als Beispiel für einen ‚gelehrten‘ Vokalstil noch 1776 von dem Musikhistoriker John Hawkins zitiert wurden.

  • Werke

    Weitere W u. a. 3 Messen, 1 Magnificat, Motetten;
    Oratorien, z. T. nur über Textbücher nachgewiesen; Solokantaten (z. T. mit Soloinstrumenten) u. Duette mit Basso continuo; Opern: Astianatte, 1717; La Merope, 1719; Lucio Vero, 1720; Amadis di Grecia, 1724; Edippo, 1729; Catone in Utica, 1736; – Serenaden, Festkantaten u. Prologe; Sonaten f. 3 Instrumente u. Basso continuo; – Ausgg.: P. Torri, Ausgew. Werke, T. 1, hg. v. H. Junker (DTB 19/20), 1920; Turnierkantate Già dall’Isser ameno in: Groote, 2003 (s. L); – W-Verz.: Groote, 2003 (s. L); Verz. d. Libretti: Zuber, 2012 (s. L); – Qu autographe Partituren in München, Bayer. Staatsbibl.

  • Literatur

    L H. Junker, P. T. als Opernkomp., in: Ausgew. Werke, T. 1, hg. v. H. Junker, 1920, S. IX–LXV;
    K. Kremer, P. T. u. seine Kammermusikwerke, Diss. München 1956;
    S. Brandenburg, Die kfl. Musikbibl. in Bonn u. ihre Bestände im 18. Jh., in: Beethoven-Jb. 1971/72, S. 7–47;
    R. Münster, Neu aufgefundene Opern, Oratorien u. szen. Kantaten v. Pietro Torri, in: Musik in Bayern 1976, S. 49–58:
    ders., Die Musik am Hofe Max Emanuels, in: Kf. Max Emanuel, Bayern u. Europa um 1700, Bd. 1, Ausst.kat. hg. v. H. Glaser, 1976, S. 295–315;
    I. M. Groote, P. T., Un musicista veronese alla corte di Baviera, 2003 (W-Verz.);
    J.-P. Van Aelbrouck, Bruxelles habité par le théâtre, in: Espaces et parcours dans la ville, Bruxelles au XVIII e siècle, hg. v. K. Bethume u. J.-P. Huys, 2007, S. 107–16;
    J. Riepe, „De’ Bavari Monarchi Glorioso Germoglio“, Musik am Kurkölner Hof z. Reg.zeit d. Kf. Joseph Clemens, Bruder Max Emanuels, in: Das Musikleben am Hof v. Kf. Max Emanuel, hg. v. St. Hörner u. S. Werr, 2012, S. 53–83;
    B. Zuber, P. T. u. d. Wittelsbacher Musiktheater im Exil, Neue Qu. u. Erkenntnisse, ebd., S. 127–69 (Verz. d. Libretti);
    M. Jahrmärker, Repräsentation im Wettstreit, Franz. Stilzitate in T.s Drammi per musica, ebd., S. 201–50;
    M. Couvreur, Joseph-Clément de Bavière, P. T. et le développement de l’oratorio dramatique en France (1707–1714), in: Noter, annoter, éditer la musique, Mélanges offerts à Catherine Massip, hg. v. C. Reynaud u. H. Schneider, 2012, S. 73–90; MGG2.

  • Autor/in

    Inga Mai Groote
  • Empfohlene Zitierweise

    Groote, Inga Mai, "Torri, Pietro" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 351-352 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120890437.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA