Lebensdaten
1843 bis 1922
Geburtsort
Dembogorsch (Westpreußen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
preußischer Offizier ; Gutsbesitzer ; Politiker ; Mitgründer des Vereins zur Förderung des Deutschtums in den Ostmarken
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117376760 | OGND | VIAF: 62324516
Namensvarianten
  • Tiedemann-Seeheim, Heinrich von
  • Tiedemann auf Seeheim, Heinrich Ludwig Ferdinand von
  • Tiedemann, Heinrich von
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Quellen(nachweise)

Literatur(nachweise)

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Zitierweise

Tiedemann, Heinrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117376760.html [13.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus alteingessener, aber nur mäßig begüterter westpreuß. Adels- u. Offz.fam., zu der u. a. d. ksl. Obristlt. George T. (angebl. Reichsadel 1522), gehört;
    V Friedrich Wilhelm (1789–1880), preuß. Major, S d. Carl Friedrich Wilhelm (1756–1803), u. d. Ernestina Florentina v. Grümbkow (1758–1831);
    M Rudolphine (1809–86), T d. Wilhelm Joseph Pape (1775–1839) u. d. Elisabeth Rudolphine v. Gülich (1780–1854);
    Urur-Gvv Ferdinand (1691–1749), poln. Hptm.;
    Ur-Gvv Karl Eduard (1724–92), aus Danzig, preuß. Oberst, 1790 Chef d. Inf.rgt. v. der Goltz, Orden Pour le mérite 1778 (s. Priesdorff II, S. 321 f., Nr. 803);
    5 B, 3 Schw;
    Hamburg 1872 Dorothea (Dora) Luise (1852–1926), T d. Richard v. Hardt (1824–98), Großkaufm., Gutsbes., u. d. Elise Schemmann;
    4 S Friedrich Wilhelm (1875–1955), Oberstlt. (s. E. Kabisch, Die Führer d. Reichsheeres 1921 u. 1931, 1931), Richard (1877–1956), Oberstlt., Heinrich Helmuth (1884–1976, ⚭ Ada Gfn. v. Kalnein, 1897–1937), Konsul, Joachim Gerhard Ludwig Engelbert (1891–1985), Bankkaufm., 2 T Elisabeth Emmy Marie (1879–|1971, Walther Vogel v. Falckenstein, 1865–1942), Wilhelmine Ilse Karoline Otti (1882–1972, Hans Richard Herwarth v. Bittefeld, 1872–1958);
    N Carl (1878–1979), Gen.lt.;
    E Priska (* 1919, ⚭ Gregor v. Rezzori, 1914–98, Schriftst., s. NDB 21), Heinrich (Ps. Severin Gelb) (* 1924), Journ.; Verwandter Karl Ludwig Heinrich (1777–1812), preuß. Major, russ. Oberstlt. (s. ADB 38).

  • Leben

    T. trat 1863 in das 4. Rhein. Infanterieregiment Nr. 30 ein, wurde als Offizier im Dt. Krieg 1866 schwer verwundet und nahm 1870/71 am Dt.-Franz. Krieg teil. Durch seine Heirat zu Vermögen gekommen, verließ T. 1881 als Major die Armee und kaufte das 6000 Morgen große Rittergut Jeziórki (Posen), dem er den Namen „Seeheim“ gab. Mit unternehmerischem Geschick modernisierte er die landwirtschaftliche Produktion und entwickelte den Betrieb zu einem ertragreichen Großgrundbesitz. 1889 und 1901 erwarb er weitere Güter in Posen und der Oberlausitz. Nach dem Tod seines Schwiegervaters beteiligte sich T. auch an dessen weltweit tätiger, v. a. Tuchwaren vertreibender Großhandelsfirma.

    T. wird als kirchlich-religiös und monarchisch-konservativ charakterisiert. Als Mitglied der Konservativen Partei gehörte er über Jahrzehnte dem Posener Provinziallandtag und dem Posener Bezirksausschuß an. Zudem war er Mitglied der ev. Provinzial- sowie der Generalsynode und großer Förderer der 1891–95 erbauten Ks.-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Als überzeugter Anhänger der Politik Bismarcks begrüßte er die durch ökonomischen Zwang und politischen Druck forcierte Aussiedlung poln.stämmiger Landwirte und die Förderung der Ansiedlung dt. Bauern in den preuß.-poln. Grenzgebieten, v. a. in Posen.

    Leo Gf. v. Caprivis (1831–99) Annäherungspolitik an die Polen ablehnend, gründete T. gemeinsam mit Ferdinand v. Hansemann (1861–1900) und Hermann v. Kennemann (1815–1910) 1894 den „Verein zur Förderung des Deutschtums in den Ostmarken“ (seit 1899 „Dt. Ostmarkenverein“, DOV), dessen Vorsitz er bis zu seinem Tod innehatte. 1913 zählte der DOV, dessen politisches Ziel die Entpolonisierung und Germanisierung der preuß. Ostgebiete war, über 50 000 Mitglieder, von denen viele dem (Bildungs-)Bürgertum entstammten. Obwohl von der dt. Politik v. a. unter der Kanzlerschaft Fürst Bernhard v. Bülows (1849–1929) gefördert, gelang es den „Hakatisten“, wie die Mitglieder des DOV in Anlehnung an die Anfangsbuchstaben der Vereinsgründernamen in der poln. und in Teilen der dt. Publizistik abschätzig bezeichnet wurden, kaum, ihre Ziele zu verwirklichen. Stattdessen vergrößerte sich der prozentuale Anteil der poln. Bevölkerung durch die kontinuierliche Abwanderung dt.stämmiger Bevölkerung in die wachsenden Industriegebiete im Westen. Nach dem 1. Weltkrieg kämpfte T. vergeblich gegen die Enteignung seiner Güter in Posen, die nun zum neugegründeten poln. Staat gehörten. Der DOV ging 1933 im „Bund Deutscher Osten“ auf.

  • Auszeichnungen

    A preuß. Kronenorden mit Schwertern (1866).

  • Literatur

    L F. Wagner, in: Ostland, Jb. f. ostdt. Interessen 2, 1913, S. 1–15 (P);
    A. Galos u. a., Die Hakatisten, Der Dt. Ostmarkenver. (1894–1934), Ein Btr. z. Gesch. d. Ostpol. d. dt. Imperialismus, 1966;
    S. Grabowski, Dt. u. poln. Nationalismus, Der Dt. Ostmarken-Ver. u. d. poln. Straz ˙ 1894–1914, 1998;
    J. Oldenburg, Der Dt. Ostmarkenver. 1894–1934, 2002;
    P. Walkenhorst, Nation, Volk, Rasse, Radikaler Nationalismus im Dt. Ks.reich 1890–1914, 2007;
    DBJ IV, S. 269–73 u. Tl.;
    Altpreuß. Biogr. II;
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Biogr. Lex. Burschenschaft (P);
    Biogr. Lex. Posen;
    Jeserich-Neuhaus;
    Qu: Hess. StA Darmstadt;
    zur Fam.: D. Weichbrodt geb. v. Tiedemann, Aus d. 600 j. Gesch. d. Geschl. v. T. in Danzig u. Preußen, o. J.; GHdA Adelige Häuser, B XX, 1993, S. 504–25

  • Autor/in

    Johannes Leicht
  • Empfohlene Zitierweise

    Leicht, Johannes, "Tiedemann, Heinrich von" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 258-259 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117376760.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA