Lebensdaten
angeblich 1584 bis vermutlich 1624
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Reichshofrat ; Schriftsteller ; österreichischer Staatsmann
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 124665268 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Elvern, Hieronymus Stephan von
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Zitierweise

Elver, Hieronymus Stephan von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124665268.html [22.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Patrizierfamilie in Lüneburg;
    V Leonhard (1536–1615), Bgm. v. Lüneburg;
    M Elisabeth (1551–1631), T des Ratsherrn Nikolaus Stüver in Lüneburg u. der Cath. v. Töbing; Halbbruder Leonh. Elver ( 1631), Propst u. Bgm. v. Lüneburg, Hofpfalzgraf, Vf. der „Elverschen Chronik v. Lüneburg“ (ungedr., s. ADB VI);
    Amalia Cath. v. Wackenfels.

  • Leben

    E. faßte seine in jüngeren Jahren auf vielen Reisen gesammelten Beobachtungen in einer Folge von Briefen zusammen, die Johann Friedrich unter dem Titel „Deliciae apodemicae seu sylloge epistolica in peregrinatione italogallobelgio-germanica et polonica nata“ (Leipzig 1611) herausgab. Nachdem E. mehrere Jahre am kurbrandenburgischen Hof als wirklicher Hofrat und geheimer Rat gedient hatte, wurde er nach Übertritt zum Katholizismus anfangs 1619 von Kaiser Matthias in den Reichshofrat aufgenommen und gehörte diesem bis zu seinem Tode an. Als Vertrauensmann Kaiser Ferdinands II. im Dezember 1619 an den Hof des Kurfürsten Johann Georg von Sachsen gesandt, vermochte er im Verein mit dem formellen Haupt der Gesandtschaft, dem Herzog Heinrich Julius von Sachsen-Lauenburg, dadurch, daß er das Erbrecht seines kaiserlichen Herm auf die Krone von Böhmen darlegte und dessen Bereitschaft zur Gewährung einer namhaften Entschädigung für die begehrte Hilfeleistung im Kampf gegen die aufständischen Böhmen erwähnte, im Februar 1620 den Kurfürsten zur Zusage einer solchen zu bestimmen. Seine mit Geschick geführten Verhandlungen bildeten so die Einleitung zum Bündnis zwischen Kursachsen und der kaiserlichen Partei, das im März 1620 auf der Tagung in Mühlhausen zustande kam und zur Verpfändung der Lausitzen an Kursachsen führte. Auch bei den Reichsständen des niedersächsischen Kreises fand die kaiserliche Gesandtschaft im Frühjahr 1620 gute Aufnahme. Von E. über die böhmischen Verhältnisse aufgeklärt, versicherten fast alle Besuchten, auch der König Christian IV. von Dänemark, daß sie sich nicht der habsburgfeindlichen Union anschließen werden, manche stellten darüber hinaus positive Unterstützung der kaiserlichen Sache in Aussicht. – Mehr als politische Geschäfte lag aber E. das stille Leben auf dem Lande. In seinem Werk: Deambulationes vernae quibus ruralis philosophia ad unguem discutitur: naturae matris divitiae et philosophiae deliciae (Frankfurt/Main 1620) beschreibt er die Vorzüge des Landlebens und den moralischen Nutzen der zur Erkenntnis des christlichen Schöpfergottes führenden Nalurbeobachtung.

  • Werke

    Weitere W Informatio fundamentalis super hodiernae Bohemiae statu, Antwerpen u. Frankfurt 1620 (Darlegung d. Rechte d. Hauses Habsburg auf Böhmen); Consualia seu doctrina politica de consiliis, consiliariis et conciliis, Frankfurt/M. 1620.

  • Literatur

    ADB VI;
    J. H. Büttner, Genealogiae od. Stamm- u. Geschl.register d. vornehmsten lüneburg. adlichen Patriciergeschl., Lüneburg 1704;
    G. C. F. Lisch, Wiener Gesandtschaftsberr. üb. Persönlichkeit u. d. Gesinnungen d. Herzoge Adolph Frdr. I. u. Joh. Albrecht II. v. Mecklenburg, in: Jbb. d. Ver. f. meckl. Gesch. u. Altertumskde. 20, 1855, S. 124 f.;
    F. v. Hurter, Gesch. Kaiser Ferdinands II. u. s. Eltern VIII, 1857, S. 213-21;
    J. O. Opel, Der nd.sächs.-dän. Krieg I, 1872, S. 80, 103 f.;
    A. Gindely, Gesch. d. Dreißigjähr. Krieges I, 2, Prag 1878, S. 421 f.;
    M. Ritter, Dt. Gesch. im Za. d. Gegenref. u. d. Dreißigjähr. Krieges III, 1908, S. 84 f.;
    O. v. Gschließer, Der Reichshofrat, 1942, S. 200 f.;
    Zedler VIII, S. 963;
    Nouv. Biogr. XII, S. 423.

  • Autor/in

    Oswald von Gschließer
  • Empfohlene Zitierweise

    Gschließer, Oswald von, "Elver, Hieronymus Stephan von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 471 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124665268.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Elvern: Hieronymus Stephan v. E., Halbbruder Leonhard Elver's des Jüngern, geb. 1584, gab als Frucht seiner Reifen 1611 in Leipzig Deliciae apodemicae seu select. discurs. ethico-politic. sylloge“ heraus. Er trat zur katholischen Religion über, wurde Reichshofrath und nannte sich nun statt Elver: Ritter v. Elvern, welchen Namen nachher das ganze Haus annahm. Er war Vertrauensmann Kaiser Ferdinands II. und die Seele der den Protestanten so verderblichen Gesandtschaft an die Stände des Ober- und Niedersächsischen Kreises und Christian IV. von Dänemark 1620, deren ostensibles Haupt Herzog Julius Heinrich von Lauenburg war. E. verhandelte mit dem Kurfürsten Johann Georg von Sachsen wegen Abtretung der Lausitz und wurde somit Anstoß zum berüchtigten Mühlhauser Vertrag vom 11—22. März 1620. Ebenso erreichte er die Hauptabsicht, die Stände des Niedersächsischen Kreises (confer, vergleiche oben Leonh. E.) und Christian IV. von jeder Unterstützung des Königs von Böhmen fern zu halten. Seine Gesandtschaftsrelationen, von Torgau, Magdeburg, Lübeck, Lauenburg, Stettin und Leipzig datirt, befinden sich im k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien, die fünfte vom 17. Mai enthält den Bericht über den dänischen Hof (Lisch, Jahrb. 20, S. 124). In Schwerin wäre er am 12.— 19.Mai fast mit dem völlig incognito am 11/18. und 12/19. Mai anwesenden König Gustav Adolf zusammengetroffen (Lisch l. c. I. S. 137 ff.). Der Erfolg seiner Sendung hat wesentlich den Krieg über die Pfalz und dann über Nord-deutschland ausgedehnt. Er 1624.

    • Literatur

      Büttner, Genealog. Aus den Werken über den 30jähr. Krieg kann Opel, Nieders.-dänischer Krieg I, S. 80 f. 103 f. zum Quellennachweis dienen.

  • Autor/in

    Krause.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krause, "Elver, Hieronymus Stephan von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 74 unter Elvern [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124665268.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA