Lebensdaten
um 1400 bis 1474
Geburtsort
Brieg
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102836450 | OGND | VIAF: 409437
Namensvarianten
  • Tempelfeld de Brega, Nicolaus
  • Tempelfeld, Nikolaus
  • Tempelfeld de Brega, Nicolaus
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Zitierweise

Tempelfeld, Nikolaus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102836450.html [31.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Martin, Bürger zu Brieg;
    M Katharina; jüngere B Augustin, Hieronymus, beide studierten 1417–30 wie T. ebenfalls in Krakau, ältere Schw Katharina ( Nikolaus Willenberg, Bürger zu Breslau); wohl Verwandter Bartholomäus, Prediger an St. Elisabeth in Breslau.

  • Leben

    Seit 1414 studierte T. in Krakau die freien Künste (1419 Baccalar, 1421 Magister), dann seit 1421 Theologie (1433 Baccalar, 1435 Prof. d. Hl. Schr.). 1428 war T. Dekan der Artistenfakultät, 1433 Rektor der Univ. Krakau. Zu dieser Zeit besaß er bereits ein Kanonikat zu St. Florin in Krakau und versah außerdem das Amt des Predigers an der Marienkirche. Neben einem Kommentar über die kleinen philosophischen Briefe des Aristoteles verfaßte er in seiner Krakauer Zeit v. a. universitäre Gelegenheits- und Trauerschriften.

    1445 wurde T. Kanoniker und Kantor am Breslauer Dom, zudem bis 1467 erster Prediger an der dortigen St. Elisabeth-Kirche. 1447 gab er seine Universitätskarriere in Krakau auf und übersiedelte nach Breslau, wo er sich mit fulminanten Predigten als schärfster Gegner der Hussiten hervortat. So stachelte er 1454 nach dem Besuch des Inquisitors Giovanni da Capistrano das Volk dazu auf, die persönliche Anwesenheit Kg. Ladislaus’ (1440–57) zur Huldigung zu fordern, da sich dieser unter maßgeblichem Einfluß des Hussiten Georg v. Podiebrad (1420–71) befände. Gleichzeitig schürte T. die Stimmung gegen den Rat, der sich im Konflikt mit Podiebrad mehr abwartend-pragmatisch verhielt, und trat in Wort und wahrscheinlich auch in Schrift gegen den eher proböhm. Breslauer Bischof Jodok (Jost) v. Rosenberg (1430–67) auf.

    Zu Wahl und Krönung Podiebrads zum böhm. König verfaßte T. 1458 drei theol. Traktate. In den beiden ersten suchte er nachzuweisen, daß man den Ketzer Podiebrad nicht als König anerkennen könne, da dies gegen die göttlichen und menschlichen Gesetze sei; im 3. Traktat erklärte er eine Huldigung für unrechtmäßig und mit einem reinen Gewissen nicht zu vereinen, da Böhmen mit der Ketzerei und mit dem Schisma verseucht sei.

    In dem sich nun verschärfenden und zunehmend gewaltsamen Konflikt der schles. Fürsten und Städte mit Podiebrad agierte T. gegen diesen, hielt die antihussitische Stimmung der Stadtbevölkerung auch während des folgenden Waffenstillstands aufrecht und plädierte nach Podiebrads Exkommunikation 1466 für einen Krieg Breslaus gegen den König. Umso schwerwiegender war für ihn und seinen vermutlichen Verwandten Bartholomäus Tempelfeld, der gleichzeitig mit ihm an St. Elisabeth predigte, die Niederlage der Breslauer Truppen im April 1467, sah sich die Breslauer Bevölkerung doch von ihren Predigern getäuscht. Beide resignierten und gaben ihre Predigerstellen im Okt. 1467 auf. T. änderte 1471 sein Testament zuungunsten des Predigeramts an St. Elisabeth und begünstigte die armen und kranken Schüler seiner Geburtsstadt.

    Von seinem Studium her antihussitisch geprägt, nutzte T. auch sein Predigeramt zur Agitation, allerdings ohne Blick für das politisch Mögliche. Als Gelehrter trat er als Buchbesitzer, Schreiber und Autor hervor. Heute noch von Bedeutung sind seine Angaben über Entstehung und Entwicklung des Hussitismus in Böhmen in seinen Traktaten von 1458.

  • Literatur

    L G. Bauch, Schlesien u. d. Univ. Krakau im 15. u. 16. Jh., in: Zs. d. Ver. f. Gesch. Schlesiens 41, 1907, S. 99–180, hier S. 110 f. u. 113;
    K. Dola, Wrocławska kapituła w XV wieku, 1983, S. 406 f.;
    J. Drabina, Os ´rodki kaznodziejskie Wrocławia jako centra walki z Jerzym z Podiebradu, in: Acta Universitatis Wratislaviensis 70 (Historia 14), 1968, S. 130 ff.;
    ders., N. T. v. Brieg u. seine antihussit. Traktate, in: Oberschles. Dichter u. Gel. v. Humanismus bis z. Barock, hg. v. G. Kosellek, 2000, S. 103–12;
    P. Eschenloer, Gesch. d. Stadt Breslau, hg. v. G. Roth, 2003, passim;
    V. Filip u. K. Borchardt, Schlesien, Georg v. Podiebrad u. d. röm. Kurie, 2005, passim;
    W. Mrozowicz, Ma. Hss. oberschles. Autoren in d. Univ.bibl. Breslau/Wrocław, 2000, S. 45 u. 59–65;
    O. Pusch, Die Breslauer Rats- u. Stadtgeschlechter in d. Zeit v. 1241 bis 1741, Bd. 4, 1990, S. 289–93;
    M. Kowalczykówna, Mikołaj T. z Brzegu, in: Polski Słownik Biograficzny 21; Vf.-Lex. MA 2 .

  • Autor/in

    Ulrich Schmilewski
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmilewski, Ulrich, "Tempelfeld, Nikolaus" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 25-26 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102836450.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA