Lebensdaten
1914 bis 1994
Geburtsort
Köln
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Psychiater
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118621238 | OGND | VIAF: 86845226
Namensvarianten
  • Tellenbach, Hubertus
  • Tellenbach, Hubert

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Zitierweise

Tellenbach, Hubertus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118621238.html [20.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1889–1944), Kaufm. in K.;
    M Christine Sons (1889–1944);
    1939 Ingeborg Goose (1912–2005), Dr. med., Ärztin in M.;
    3 S u. a. Michael (* 1950), Dr. phil., Prähist., PD f. Archäol. an d. TU Bergak. Freiberg, Dir. d. Reiss-Engelhorn-Museen u. d. Bassermannhauses f. Musik u. Kunst in Mannheim, Mitgl. d. Inst. of Andean Studies, Berkeley (Kalifornien) 1992 u. d. Dt. Archäol. Inst. 2005 (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2013).

  • Leben

    T. wuchs in Mönchengladbach auf und besuchte dort das Gymnasium. Nach dem Abitur 1933 begann er im selben Jahr an der Univ. Freiburg (Br.) ein Studium der Medizin und Philosophie. 1934 wurde T. nach kritischen Äußerungen zum Aufführungsverbot einer Oper von Paul Hindemith der Hochschule verwiesen. Er setzte sein Studium in Königsberg und später in Kiel fort, wo er 1938 bei Kurt Hildebrandt (1881–1966) mit der Arbeit „Aufgabe und Entwicklung im Menschenbild des jungen Nietzsche“ zum Dr. phil. promoviert wurde. Die Promotion zum Dr. med. erfolgte ebenfalls 1938 an der Univ. München mit der Arbeit „Das Pleuratranssudat als Zeichen der Rechtsinsuffizienz des Herzens“. Seit 1939 im Kriegsdienst, wurde T. 1942 schwer verwundet und kam im Juli 1944 an der Westfront erneut zum Einsatz. 1945 geriet er kurze Zeit in Kriegsgefangenschaft und war dann bis 1956 an der Universitäts-Nervenklinik in München tätig. 1953 habilitierte sich T. in München für Neurologie (Zum Problem d. allerg. Pathogenese peripherer Nervenschäden) und ging 1956 an die Heidelberger Psychiatrische und Neurologische Klinik, wo er zunächst als 1. Oberarzt und apl. Professor, von 1971 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1979 als Leiter der Abteilung Klinische Psychopathologie wirkte.

    T.s wissenschaftliches Werk ist stark beeinflußt von Ludwig Binswanger (1881–1966), Erwin Straus (1891–1975), Viktor v. Gebsattel (1883–1976) und von der Existenzphilosophie Martin Heideggers. Mit Binswanger, Gebsattel, Wolfgang Blankenburg (1928– 2002) und Dieter Wyss (1923–94) stand er in persönlicher, teils freundschaftlicher Beziehung. T. ist einer der Hauptvertreter einer phänomenologisch-anthropologischen Psychiatrie und Psychologie. Sein Werk zeichnet sich v. a. durch wichtige Beiträge zur Psychopathologie, durch solche der interdisziplinären Beziehung zwischen Psychiatrie und Philosophie wie auch zwischen Psychiatrie und schöner Literatur und Religion aus. In seinem Hauptwerk „Melancholie, Problemgeschichte, Endogenität, Typologie, Pathogenese, Klinik“ (1961, 4 1983, ital. 1973, span. 1978, franz. 1979, engl. 1980, japan. 1985) beschreibt T. mit dem „typus melancholicus“ die Persönlichkeit jener Menschen, die eine klinische Melancholie entwickeln. Damit förderte er das Verständnis für diese Erkrankung und deren Behandlung, indem er die spezifische Persönlichkeitsstruktur von Melancholikern mit der klinischen Manifestation ihrer melancholischen Phasen in Verbindung brachte. Sein Werk bewirkte zahlreiche empirische Studien in diversen Ländern, die T.s Konzept des „typus melancholicus“ weitgehend bestätigten.

    Mit der Arbeit „Geschmack und Atmosphäre“ (1968, japan. 1980, franz. 1983) betrat T. in Psychologie und Psychiatrie wissenschaftliches Neuland. Das von Martin Bubers Konzept des „Zwischen“ (Ich und Du, 1923) angeregte Buch weist dem „Atmosphärischen“ in der zwischenmenschlichen Begegnung Priorität zu und unterstreicht deren Bedeutung für die Diagnostik. Drei von T. herausgegebene Sammelbände stellen das Vaterbild in unterschiedlichen Kulturen sowie in Mythos und Geschichte dar. Eine Summe seines psychiatrischen Denkens zog T. in der Publikation „Psychiatrie als geistige Medizin“ (1987). In seinem Spätwerk „Schwermut, Wahn und Fallsucht in der abendländischen Dichtung“ (1992) untersuchte er Schriften von Kleist, Grillparzer und Kierkegaard (Schwermut), von Aischylos, Sophokles, Euripides (Wahn), Proust, Shakespeare, Strindberg und Kleist (Eifersucht) sowie von Dostojewski (Fallsucht).

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. bzw. Ehrenmitgl. zahlr. psychiatr. Ges. (Chile 1966, Peru 1967, Portugal 1968, Griechenland 1981); Mitgl. d. span. Ak. d. Wiss. (1981); Ehrenpräs. d. Dt. Ges. f. Anthropol. u. Daseinsanalyt. Med., Psychol. u. Psychotherapie (1988).

  • Werke

    W Die Räumlichkeit d. Melancholischen, in: Nervenarzt 27, 1956, S. 289–98;
    Zum Verständnis v. Bewegungsweisen Melancholischer, ebd. 28, 1957, S. 16 f.;
    Zur Phänomenol. d. Eifersucht, ebd. 38, 1967, S. 333–36;
    Die Rolle d. Geisteswiss. in d. modernen Psychiatrie, in: Studium generale 11, 1958, S. 298–308;
    Endogenität als Ursprung d. Melancholie u. als Ursprung d. Typus melancholicus, in: Folia Psychiatria Neurologica Japonica 21, 1967, S. 241–49;
    Die Begründung psychiatr. Erfahrung u. psychiatr. Methoden in phil. Konzeptionen v. Wesen d. Menschen, in: Neue Anthropol., hg. v. H. G. Gadamer u. P. Vogler, 1974, S. 138–81;
    Das Vaterbild in Mythos u. Gesch., 1976;
    Das Vaterbild im Abendland, 1978;
    Vaterbilder in Kulturen Asiens, Afrikas u. Ozeaniens, 1979;
    Autobiogr. Ber., in: O. M. Marx u. A. Moses (Hg.), Emeriti erinnern sich, I, 1993 (P);
    Abschließende Betrachtungen, in:|C. Mundt u. a. (Hg.), Depressionskonzepte heute, 1991, S. 197–210.

  • Literatur

    L FS f. H. T., Leib, Geist, Gesch., Brennpunkte e. phänomenol.-anthropol. Psychiatrie, 1978;
    A. Kraus, in: Ruperto Carola 36, Juli 1984, H. 70, S. 148;
    ders., in: Rhein-Neckar-Ztg. v. 21. 9. 1994;
    R. Ebtinger, in: L’Évolution Psychiatrique 60, 1995, S. 673;
    H. Lang, in: Zs. f. Klin. Psychol., Psychopathol. u. Psychotherapie 43, 1995, S. 101 f.;
    A. Längle, in: Existenzanalyse 12, 1995, H. 2, S. 4–6;
    Revue Psychiatrique F. M. P. III, Série XVIII, 1996, S. 3 f.;
    Biogr. Lex. Med.;
    Personenlex. d. Psychotherapie, 2005; Drüll, Heidelberger Gel.lex. IV

  • Autor/in

    Alfred Kraus
  • Empfohlene Zitierweise

    Kraus, Alfred, "Tellenbach, Hubertus" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 18-19 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118621238.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA