Lebensdaten
1552 bis 1590
Geburtsort
Wolkenstein (Erzgebirge)
Beruf/Funktion
Pfalzgräfin bei Rhein
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 12267443X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Elisabeth

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Zitierweise

Elisabeth, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12267443X.html [20.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Kf. August v. Sachsen ( 1586, s. NDB I);
    M Anna ( 1585, s. NDB I);
    Heidelberg 4.6.1570 Joh. Kasimir (1543–92, ref.), Pfalzgraf bei Rhein, seit 1583 Administrator der Kurpfalz;
    1 S, 5 T (2 jung †, 3 totgeboren), Dorothea (1581–1631, Fürst Joh. Gg. I. v. Anhalt-Dessau, 1618).

  • Leben

    Um den Gegensatz zwischen Calvinismus und Luthertum zu überbrücken und im Kampf gegen die vordringende katholisch-spanische Gegenreformation den vermittelnden, aber eben vom Kaiser abrückenden sächsischen Kurfürsten weiter und auf die Dauer ins kampfwillige protestantische Lager herüberzuziehen, bewarb sich Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz 1568 um die Hand der jugendlich-unerfahrenen und verwöhnten E. für seinen zweiten Sohn Johann Kasimir. Die politische Ehe, die 2 Jahre später zustande kam – die Hochzeitsfeier zu Heidelberg gestaltete sich zu einer Art protestantischem Reichstag – wurde jedoch nicht nur für die beiden Gatten zum Unheil, sondern schlug gerade auch politisch zum Gegenteil des beiderseits verfolgten Zweckes aus – denn auch Sachsen hatte durch sie, nachdem andere Heiratspläne, die etwa gar auf König Karl IX. von Frankreich abzielten, gescheitert waren, Kurpfalz binden und beeinflussen wollen. Der alles Familienleben vergiftende konfessionelle Zwist zwischen dem großtuerischen, trunksüchtigen und abenteuernden Calviner und der engstirnigen, eigensinnigen und unaufrichtigen Lutheranerin, die von ihrer Mutter unvernünftig immer wieder gegen die pfälzische Umgebung aufgestachelt wurde, trug in Kursachsen zum Sturz der Kryptocalvinisten bei und belastete den kurpfälzischen Hof in den religiösen und politischen Wirrungen der folgenden Jahre in nicht geringem Maß. Johann Kasimirs zunehmende Aversion gegen das Luthertum muß mit im Schatten dieser betrüblichen Ehe gesehen werden. Daß E. zur Beilegung der Testamentsstreitigkeiten zwischen ihrem Mann und seinem lutherischen Bruder Kurfürst Ludwig VI. im Vergleich von 1578 beigetragen hatte, wiegt daneben gering. Als Johann Kasimir nach Ludwigs Tod Administrator der Pfalz wurde, stellte sie sich deren Recalvinisierung wie besonders der den letzten Willen des Vaters mißachtenden calvinistischen Erziehung des jungen Friedrich IV. vergeblich entgegen. Nur auf Friedrichs Schwester Christine behielt sie einigen Einfluß. Schließlich zog der Pfalzgraf, nachdem E.s Eltern kurz hintereinander gestorben waren, auch noch ihren Bruder Kurfürst Christian I. auf seine Seite. Vollkommen isoliert, soll sie sich zum Ehebruch mit dem Polen Stanislaw Lubowiecki haben hinreißen lassen, ja ihn zur Ermordung ihres Gatten angestiftet haben. Anfang November 1589 auf dem Schloß zu Heidelberg gefangengesetzt, verbrachte sie den Rest ihres Lebens in Haft, von calvinistischen Theologen umlauert, deren Drängen und Drohen sie zuletzt doch noch nachgegeben haben mag. Wenn wir Daniel Tossanus glauben dürfen, starb sie als überzeugte Calvinistin – ob durch Giftmord, und das, um Johann Kasimir eine zweite, nicht zustande gekommene Ehe mit Katharina von Bourbon, der Schwester König Heinrichs IV. von Frankreich, zu ermöglichen, sei gleichfalls dahingestellt.

  • Literatur

    ADB VI;
    Briefe Friedrich d. Frommen Kf. v. d. Pfalz mit verwandten Schriftstücken II, ed. A. Kluckhohn, 1872;
    ders., Die Ehe d. Pfalzgf. Joh. Casimir mit E. v. Sachsen, = Abhh. d. kgl. bayer. Ak. d. Wiss. III, 12, II, 1873, S. 81-165;
    F. v. Bezold, Die letzten J. d. Pfalzgfn. E. …, ebd. III, 14, III, 1879, S. 1-26;
    Briefe d. Pfalzgf. Joh. Casimir mit verwandten Schriftstücken, ed. v. dems., 3 Bde., 1882/1903;
    Mémoires inédits de Michel de la Huguerye, ed. A. de Ruble, Bd. 3, Paris 1880, S. 312 f. u. 328 ff.;
    M. Ritter, Dt. Gesch. im Za. d. Gegenref. u. d. 30j. Krieges (1555–1648) I, 1889, S. 423, 460 u. 636 f., II, 1895,|S. 50 f.;
    F. W. Cuno, Daniel Tossanus d. Ae., Prof. d. Theologie u. Pastor (1541–1602), 2 Bde., Amsterdam 1898;
    Nuntiaturberr. aus Dtld. nebst ergänzenden Aktenstücken 1585 (1584)-90, I, 2, ed. St. Ehses, = Qu. u. F a. d. Gebiete d. Gesch., hrsg. v. d. Görres-Ges., VII, 1899, S. 428 u. 488 (vgl. Besprechung v. F. v. Bezold, in: Götting. gel. Anz. 162, 2, 1900, S. 527-32);
    Schottenloher 32089-92 a.

  • Portraits

    Ölgem. v. L. Cranach d. J., 1564 (Staatl. Kunstslgg. Dresden), Abb. b. J. Lauts, Die Berliner Cranach-Ausstellung, in: Pantheon 19, 1937, S. 179;
    Pinselzeichnung v. dems., 1564 (Staatl. Mus. Berlin, Kupf.kab.), Abb. b. H. Lilienfein, L. Cranach u. s. Zeit, 1942, Farbtafel 31;
    Ölgem. d. Fam. Augusts v. Sachsen v. dems., 1571 (Schloßkirche Augustusburg), Abb. b. J. L. Sponsel, Fürstenbildnisse a. d. Hause Wettin, 1906, S. 38;
    Zeichnung im Thesaurus Picturarum d. Dr. Markus zum Lamb (Hess. Landesbibl. Darmstadt), Abb. b. W. Waldschmidt, Altheidelberg u. s. Schloß, 1909, S. 155.

  • Autor/in

    Peter Fuchs
  • Empfohlene Zitierweise

    Fuchs, Peter, "Elisabeth" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 446 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12267443X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Elisabeth, Gemahlin des Pfalzgrafen Joh. Casimir, Tochter des Kurfürsten August von Sachsen, geb. 18. Octbr. 1552, 2. April 1590. Unter der Obhut ihrer streng lutherischen Mutter, der Kurfürstin Anna von Sachsen, erzogen, war E. erst 16 Jahre alt, als der Vorkämpfer des Calvinismus in Deutschland, der Kurfürst Friedrich III. (der Fromme) von der Pfalz, für seinen zweiten Sohn, den ihm gleichgesinnten Joh. Casimir, um sie werben ließ. Die confessionellen Bedenken des Dresdener Hofs wurden dadurch überwunden, daß nicht allein der junge Pfalzgraf seine wesentliche Uebereinstimmung mit der sächsischen Kirchenlehre schriftlich niederlegte, sondern auch der künftigen Gemahlin einen besonderen Hofprediger und den lutherischen Gebrauch der Sacramente contractlich zugestand; aber während man in Dresden hoffte, daß E. in der dem Calvinismus anheimgefallenen Pfalz viel Gutes im Sinne des Lutherthums werde wirken können, war man in Heidelberg der Meinung, sie allmählich für das reformirte Bekenntniß gewinnen zu können; zum mindesten gab man sich der Hoffnung hin, daß die Verschwägerung der beiden mächtigsten evangelischen Fürstenhäuser dem Protestantismus in und außerhalb Deutschlands zum Segen gereichen werde. Statt dessen sollte die im Juni 1570 nach langen Verhandlungen abgeschlossene Ehe zum nicht geringen Schaden der protestantischen Sache bald eine Entfremdung und zuletzt offene Feindschaft zwischen Sachsen und Kurpfalz herbeiführen helfen. Denn E., durch die engherzige Mutter mit Mißtrauen und Haß gegen den Calvinismus erfüllt und in dieser Gesinnung von Dresden her durch heimliche Einflüsterungen fort und fort bestärkt, wies nicht allein jede Annäherung an das pfälzische Kirchenwesen zurück, sondern verschärfte noch die Vorurtheile, die am elterlichen Hofe gegen die Heidelberger Theologen und deren Beschützer bestanden. Auf den Sturz der Kryptocalvinisten in Sachsen und den steigenden Groll Augusts gegen die Pfälzer waren Elisabeths und ihres Hofpredigers geheime Mittheilungen nicht ganz ohne Einfluß. Vergebens aber hatte E. gehofft, daß ihr Gemahl nach dem Tode seines Vaters, des Kurfürsten Friedrich (1576), und dem Regierungsantritt seines älteren gut lutherischen Bruders Ludwig von dem Calvinismus ablassen würde; nur die Genugthuung sollte ihr werden, daß unter ihrer Mitwirkung Joh. Casimir sich mit dem kurfürstlichen Bruder über die ihm durch väterliches Testament zugewiesenen Besitzungen in Frieden auseinandersetzte und in Zukunft freundlich mit ihm verkehrte. Im Uebrigen fuhr Joh. Casimir fort, sowol nach außen (Frankreich, die Niederlande) zu Gunsten des Calvinismus zu wirken, als auch in den|ihm gehörigen Gebieten von Neustadt und Lautern das reformirte Bekenntniß aufrecht zu erhalten und verfolgten Glaubensgenossen eine Zuflucht zu gewähren, und als er im J. 1583 nach dem frühen Tode Ludwigs als Vormünder des Neffen zum Administrator des Kurfürstenthums berufen ward, gestaltete er nicht allein das ganze Kirchen- und Schulwesen in der Pfalz im reformirten Sinne um, sondern ließ auch den jungen Kurprinzen Friedrich, auf den E. ihre letzten Hoffnungen gesetzt hatte, calvinisch erziehen. Die unglückliche Pfalzgräfin fürchtete, daß auch ihr die contractlich zugesicherte, aber schon möglichst beschränkte Religionsübung entzogen werden möchte. Ihr Vater, Kurfürst August, in offener Feindschaft mit Joh. Casimir, vermochte nichts mehr für sie zu thun; selbst der briefliche Verkehr mit den Eltern, der freilich nur zu häufig zur Verschärfung des confessionellen Gegensatzes und zur Störung des ehelichen Friedens gedient hatte, war ihr versagt, und nach dem Tode Augusts erlebte sie noch den Schmerz, daß sogar ihr Bruder, Kurfürst Christian von Sachsen, Calvinist und Bundesgenosse Joh. Casimirs wurde. Vereinsamt und verlassen scheint die leidenschaftliche Frau, die auch im Unglück Selbstbeherrschung nicht gelernt hatte, zuletzt in vertrautem Umgange mit einem Hofbeamten sogar die eheliche Treue gegen den Gemahl verletzt zu haben. Mit dem Vorwurf des Ehebruchs beladen wurde E. wie eine Gefangene gehalten, als sie 37 Jahre alt starb.

    • Literatur

      A. Kluckhohn, Die Ehe des Pfalzgrafen Joh. Casimir mit Elisabeth von Sachsen. Aus den Abhandl. der königl. baier. Akademie der Wissenschaften 1873.

  • Autor/in

    Kluckhohn.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kluckhohn, August von, "Elisabeth" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 7-8 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12267443X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA