Lebensdaten
1876 - 1935
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Arzt ; Geograph ; Forschungsreisender ; Geograf ; Hochschullehrer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117196479 | OGND | VIAF: 71699263
Namensvarianten
  • Tafel, Karl Albert
  • Tafel, Albert
  • Tafel, Karl Albert
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Zitierweise

Tafel, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117196479.html [29.11.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Otto (1838–1914), Architekt, Oberbaurat in St., 1876–1900 Prof. an d. kgl. Baugewerkschule ebd. (s. DBJ I, Tl.; Württ. Nekr. 1914; ThB),S d. Christian Friedrich August (1798–1856, Rechtsconsulent in Oehringen (s. Gen.siehe Genealogie 1), u. d. Luise Duttenhofer;
    M Karolina (Lina) Bertha (1848–1933), wohl T d. Hermann Reuchlin (1810–73, Pfarrer, Hist. in St. (s. ADB 28; Kosch, Lit.-Lex.3);
    Ur-Gvv Johann Friedrich (1756–1814, Pfarrer in Sulzbach; UrGvm Christian Friedrich Traugott Duttenhofer (1778–1846, Maler, Kupferstecher, Prof. an d. Kunstschule in St.;
    Ur-Gmm Christiane Luise Duttenhofer geb. Kless oder Hummel (1779–1829), Miniaturmalerin, Silhouettenschneiderin (beide s. NDB IV, Fam.art.), Gr-Ov Gottlob (s. 1);
    Tante-v Marie Luise ( Wilhelm Rr. v. Flattich, 1826–1900, Baudir. b. d. k. k. priv. Südbahn in Wien, s. NDB XII*);
    Schw Elisabeth (Ella) (* 1871, Hermann Schönleber, * 1860, Dr. phil., Redakteur d. „Gartenlaube“ u. d. „Schwäb. Merkur“, s. Wi. 1935);
    Stuttgart 1909 Henrietta Müller (1881–1928;
    1 S, 1 T, Cousine Maria v. Flattich (1858–1943, ⚭ Richard Kralik Rr. v. Meyrswalden, 1852–1934, Schriftst., Hist., Philos., s. NDB XII).

  • Leben

    Nach Erwerb des Reifezeugnisses am kgl. Realgymnasium in Stuttgart 1896 leistete T. 1896/97 Militärdienst im württ. Dragoner-Regiment Nr. 26 und legte 1899 das Ergänzungsexamen in alten Sprachen am Karlsgymnasium in Stuttgart ab. Bereits seit 1897/ 98 studierte T. Medizin und Naturwissenschaften an den Univ. Tübingen, München (hier 1900 ärztl. Vorprüfung) und Berlin, wo er im Kolloquium des Geographen Ferdinand v. Richthofen (1833–1905) über eigene Reisen (Albanien, Persien, Kreta) aufsehenerregend vortrug. 1903 wurde er in Freiburg (Br.) zum Dr. med. promoviert und war danach als praktischer Arzt in Berlin tätig. Hier wurde er zum Leiter einer geplanten dt. Hilfsexpedition bestimmt, die die von Erich v. Drygalski (1865–1949) geleitete Antarktisexpedition (1901–03) auf dem Schiff „Gauß“ hätte unterstützen sollen, aber nicht stattfand, weil sich die „Gauß“ inzwischen von der Rückreise gemeldet hatte. Richthofen erkannte T.s Befähigung zur Feldforschung im Hochgebirge und empfahl ihn als ärztlichen und geologischen Begleiter von Wilhelm Filchner (1877–1957). Gemeinsam erforschten beide 1904/05 Nordwestchina und Osttibet. Unmittelbar danach zog T. mit einheimischen Begleitern und auf eigene Kosten, Vorschlägen v. Richthofens folgend, auf drei Routen durch die ostmongol. und nordtibet. Gebirge südlich des Kuku nor zum Oberlauf und Quellgebiet des Hwangho (Gelber Fluß). Obwohl er durch Räuber wertvolles Material verlor, brachte er 1908 neben Tausenden von Fotos ethnographisches, zoologisches und petrographisches Material mit in die Heimat. Wertvollste Ergebnisse der im klassischen Forschungsstil durchgeführten Reisen T.s sind neben Geländeskizzen und geodät. Messungen die von ihm z. T. in Berlin gezeichneten Routenkarten 1 : 200 000 (teilw. 1912 v. d. Preuß. Landesaufnahme publiziert). Sein Bericht „Meine Tibetreise“ (2 Bde., 1914, mit Karte 1 : 300 000, 2. gekürzte Ausg. 1923 in 1 Bd., ohne Wissen d. Autors publ.) charakterisiert das Forschungsgebiet allseitig, insbesondere die Geologie, Morphologie und Vegetation, aber auch, durch seine Beherrschung der tibet. und chines. Sprache begünstigt, die Ethnographie, Soziologie und Ökonomie.

    T. erhielt 1914 eine ao. Professur für Geographie an der TH Stuttgart, nahm aber, inzwischen als Leiter der „Turfan-Expedition“ vorgesehen, die kriegsbedingt nicht zustande kam, seine Lehrtätigkeit nicht auf. Seit Aug. 1914 war er als Reserveoffizier an der Westfront im Kriegseinsatz. 1915–18 zur dt.-pers. Militärmission nach Bagdad kommandiert, unternahm er gewagte Erkundungen und kartierte 1917/18 den Euphrat von Norden her. Nach Kriegsende kehrte T. für kurze Zeit nach Deutschland zurück und ging 1920–28 als Tropenarzt nach Niederl.-Ostindien (Indonesien), wo er Krankenhäuser auf Timor und Borneo leitete. 1928–33 lebte er bei seiner Familie in Stuttgart-Degerloch. Nach einer Operation reiste T. im Frühjahr 1934 mit E. Boerschmann erneut nach China und bereitete in Peking eine neue Forschungsreise vor, mußte jedoch im März 1935 krebskrank die Rückreise antreten.

    T.s in Notizen, Beobachtungsdaten, Fotos und Sachobjekten dokumentierte Feldforschung in überwiegend bis dahin von Europäern noch nicht betretenen Hochgebirgsregionen Asiens ergänzten das kartographische, geographische und ethnographische Wissen in bedeutendem Maße. Seine naturwissenschaftlichen und völkerkundlichen Exponate sind, soweit erhalten, in Sammlungen in Tübingen, Stuttgart und Leipzig integriert.

  • Werke

    Über d. Technik d. opt. Iridektomie, Diss. Freiburg (Br.) 1903;
    Reise in China u. Tibet 1905–1908, Kartograph. Ergebnisse, 1. T.: China, 1912 (31 Karten, Maßstab 1 : 200 000), 2. T.: Tibet (nicht ersch.);
    Karte d. Euphrat v. Dscherablus bis Felludscha (Maßstab 1 : 400 000), hg. v. d. Preuß. Landesaufnahme, 1917/18;
    Qu wiss. Nachlaß:
    Archiv f. Geogr. d. Leibniz-Inst. f. Länderkde., Leipzig;
    petrogr. Objekte u. zool. Präparate: Inst. f. Geol. u. Mineral. d. Univ. Tübingen;
    ethnol. Objekte: Linden-Mus. Stuttgart.

  • Literatur

    E. v. Colnoky, A. T.s Reise in Tibet, in: Petermanns Geogr. Mitt. 1917, S. 309–11;
    E. Hennig, Württ. Forsch.reisende d. letzten anderthalb Jhh., 1953;
    H. Rüdiger, in: Geogr. Anz. 36, 1935, S. 307;
    P. Fickeler, in: Geogr. Zs. 41, 1935, S. 480–84, engl. in: Monumenta Serica 1, 1935, S. 496–98;
    A. Penck, Das Kartenwerk A. T.s, in: Zs. d. Ges. f. Erdkde. zu Berlin, 1913, H. 2, S. 80–84 (P);
    G. Köhler, in: Tribus 7, 1958, S. 167 f.;
    W. Filchner, Das Rätsel des Matschu, Meine Tibet-Expedition 1907, S. 248 f. (P);
    H. Pleticha u. H. Schreiber, Lex. d. Entdeckungsreisen, 1999.

  • Autor/in

    Werner Stams
  • Empfohlene Zitierweise

    Stams, Werner, "Tafel, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 764-765 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117196479.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA