Lebensdaten
um 1465 bis 1530
Geburtsort
Schwaz (?)
Sterbeort
Schwaz
Beruf/Funktion
Bergbauunternehmer ; Stifter ; Mäzen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 1080334564 | OGND | VIAF: 83145067096466630104
Namensvarianten
  • Tänzl von Tratzberg, Veit Jakob (seit 1502)
  • Tänzl von Trazberg, Veit Jakob (seit 1502)
  • Tänzl, Veit Jakob (bis 1502)
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Orte

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Zitierweise

Tänzl, Veit Jakob (bis 1502), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1080334564.html [04.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Christian († 1491), Bergbauuntern. in Tirol, S d. Jakob († um 1475), Kaufm. in Innsbruck, Bergbauuntern. in Sch., seit 1441 als Gewerke an d. d. wichtigsten Tiroler Bergbaureviers Falkenstein beteiligt;
    M Christina Melauner, aus Pfunds (Oberinntal);
    B Simon († 1525, ⚭ Genoveva v. Laubenberg, 1525), mit T. Teilh. d väterl. Untern., Mitbes. v. Schloß Tratzberg b. Sch.;
    Anna Rindscheit (Rindschid, Rynndscheid), aus steir. Adelsfam.; kinderlos;
    N Hans Jakob († 1536), Kaspar Joachim († 1553), beide Bergbauuntern. in Tirol.

  • Leben

    Das Engagement der aus Innsbruck stammenden Kaufmannsfamilie Tänzl im Tiroler Montanwesen begann Mitte des 15. Jh. Unter T.s Vater erlangte das Tänzlsche Unternehmen die führende Position unter den im Schwazer Bergbau tätigen Großgewerken und Schmelzherrn. Neben ihrem Schwazer Berg- und Schmelzwerksbetrieb besaßen die Tänzls auch Grubenbaue in den Tiroler Montanrevieren Rattenberg, Imst, Klausen und Gossensass-Sterzing sowie im Bergbaurevier Schladming in der Obersteiermark.

    T. übernahm 1491 nach dem Tod seines Vaters, zusammen mit seinem Bruder Simon als stillem Teilhaber, den Tänzlschen Berg- und Schmelzwerksbetrieb mit Sitz in Schwaz in Tirol. Sein enges freundschaftliches Verhältnis zu Ks. Maximilian I. als landesfürstlicher Rat und Jagdgefährte förderte seine Unternehmungen. T., der quasi aristokratisch standesbewußt stets auf großem Fuß lebte, überließ die Leitung seiner zunächst prosperierenden Firma Faktoren (Bergwerksdirektoren). Zwischen 1491 und 1520 wurden vom Tänzlschen Berg- und Schmelzwerksbetrieb im jährlichen Durchschnitt über 2000 kg Silber produziert. Der Tod seines ksl. Mentors 1519 war neben der Mißwirtschaft des Faktors Gabriel Weidacher ( 1528) einer der Gründe für das Scheitern von T.s Unternehmen in den 1520er Jahren. Jedoch konnten die Schwazer Schmelzherrn generell dem Konkurrenzdruck, ausgelöst durch das direkte unternehmerische Engagement der kapitalkräftigen oberdt. Fernhandelsunternehmer (Baumgartner seit 1518, Höchstetter seit 1521, Fugger seit 1522) im Schwazer Erzproduktionssektor nicht mehr standhalten. Die von T.s Firma 1520–30 jährlich produzierte Silbermenge sank von durchschnittlich 1641 kg auf 726 kg. 1525 mußte T. für den Großteil seines Montanunternehmens Konkurs anmelden. Der restliche noch im Familienbesitz verbliebene Berg- und Schmelzwerksbetrieb wurde nach dem Tod T.s, dessen Ehe kinderlos geblieben war, durch seine Neffen Hans Jakob und Kaspar Joachim bis zur endgültigen Liquidation der Firma 1552 weitergeführt.

    1494 hatten T. und sein Bruder vom Tiroler Landesfürsten Maximilian I. das durch einen Brand beschädigte Schloß Tratzberg bei Schwaz erworben. T. ließ es zu einem der prunkvollsten spätgotischen Schlösser Tirols umgestalten. Für den sog. Habsburgersaal wurde um 1505, vermutlich bei Hans Maler „zu Schwaz“, der Stammbaum des Hauses Habsburg zu Ehren Maximilians I. als monumentales Wandgemälde in Auftrag gegeben. Ferner erwarb T. neben dem von seinem Vater ererbten Schloß Moos bei Sterzing 1497 in Südtirol ein großes Haus und reiche Weingüter in Kaltern. 1498 erhielt er vom Landesherrn das Pflegschaftsgericht Imst im Oberinntal als Pfand überschrieben, 1503 erfolgte seine Ernennung zum Pfleger des Unterinntaler Landgerichts Rottenburg. Diese Verwaltungsfunktion übte er bis 1515 aus. Während des bayer.bayerisch Erbfolgekrieges war T. Kommandant einer Tiroler Büchsenschützenabteilung. 1507 nahm er die Grundsteinlegung für das Franziskanerkloster in Schwaz vor. Auch die Schwazer Pfarrkirche wurde von ihm mit wertvollen Stiftungen bedacht. In Bayern erwarb er 1507 das Schloß Reichersbeuren bei Bad Tölz und baute es aufwendig aus. Schließlich ließ er auch das alte Wohnhaus der Familie in Schwaz zu einem repräsentativen Ansitz vergrößern.

    Obwohl es der Tänzlschen Firma gelang, sich bis 1507 an der Spitze bzw. bis 1516 an zweiter Stelle der Schwazer Großgewerken und Schmelzherrn zu behaupten, liegt T.s Verdienst weniger in seiner Leistung als Montanunternehmer, sondern vielmehr als Bauherr, Kirchenstifter und Kunstmäzen.

  • Literatur

    E. Egg, Aufstieg, Glanz u. Ende d. Gewerkengeschl. d. T., in: Schlern-Schrr. 77, 1951, S. 31–52;
    ders., in: Schwazer Weihnachtsbote (Sonderdruck d. Schwazer Heimatbll.), 1955, S. 7–14;
    E. Westermann (Hg.), Die Listen d. Brandsilberproduktion d. Falkenstein b. Schwaz v. 1470 bis 1623, 1988;
    F.-H. v. Hye, Der Habsburger-Stammbaum auf Tratzberg/Tirol v. 1505/06, 2003;
    Tirol Lex.

  • Portraits

    T. in ritterl. Rüstung als Stifter d. Tafelbildes (sog. „Tänzltafel“) d. hl. Anna selbdritt, Öl/Holz, vermutl. v. Niklas Reiser, 1504 (Tiroler Landesmus. Ferdinandeum), Abb. in: Silber, Erz u. Weißes Gold, Bergbau in Tirol, Ausst.kat. Tiroler Landesmus. Ferdinandeum 1990, S. 446;
    T. als Stifter, Holzstatuette f. d. Kapelle d. Schlosses Tratzberg, v. Sebald Bocksdorfer, um 1508 (Privatbes.), Abb. ebd., S. 145.

  • Autor/in

    Wolfgang Tschan
  • Empfohlene Zitierweise

    Tschan, Wolfgang, "Tänzl, Veit Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 756-757 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1080334564.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA