Dates of Life
erwähnt 11./12. Jahrhundert
Religious Denomination
-
Authority Data
GND: 118757822 | OGND | VIAF: 15565238
Alternate Names
  • Sulzbach, Grafen von

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Citation

Sulzbach, Grafen von, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757822.html [24.09.2020].

CC0

  • Life

    Schon seit dem 9. Jh. stand in Sulzbach (heute Sulzbach-Rosenberg) eine repräsentative Burganlage, die auf dem Nordgau ihresgleichen suchte, wie Ausgrabungen ergaben (M. Hensch). Möglicherweise war diese Burganlage Sitz der Nordgaugrafen, ob in diesen aber Vorfahren der Grafen von Sulzbach zu sehen sind, muß offen bleiben. Erst für die Zeit um 1100, als die von der Familie gegründeten Klöster und Stifte Kastl, Baumburg, Berchtesgaden und Michelfeld entstanden, verbessert sich die Quellenlage. Mit Gf. Berengar I. († 1125), Sohn des Gf. Gebhard I. (erw. 1043 u. 1071), treten die S. auf landes- wie reichsgeschichtlicher Ebene gleichermaßen deutlicher hervor. Gemeinsam mit anderen nordgau. Adeligen, dem Mgf. Diepold III. v. Cham-Vohburg († 1146) und Gf. Otto v. Kastl-Habsberg († nach 1108) unterstützte Berengar maßgeblich die Erhebung König Heinrichs V. (reg. 1105/06–25) gegen seinen Vater Heinrich IV. († 1106). Er blieb einer der wichtigsten Vertrauten und Berater des letzten Salierkönigs. Die Zeugenlisten der Königsurkunden dokumentieren Jahr für Jahr seine Präsenz am Königshof, bei Verhandlungen vertrat er den König und unterzeichnete nach dessen Tod als einziger Graf das Ausschreiben der Großen für die neue Königswahl.

    Dieser außergewöhnlichen Bedeutung Berengars am Königshof entsprechend läßt sich in den ersten Jahrzehnten des 12. Jh. auf territorialer Ebene eine Expansion und Verdichtung der sulzbach. Herrschaft beobachten. Die Besitzungen in der Oberpfalz wurden, ausgehend von den Burgen Sulzbach, Flossenbürg und Parkstein, durch Rodung erweitert; im Donauraum um Passau gelang der Erwerb neuer Besitzrechte; ältere Schwerpunkte in Oberbayern um Bad Aibling, in Berchtesgaden und im angrenzenden Lungau wurden arrondiert. Grundlage des sulzbach. Aufstiegs war, soweit erkennbar, die Ausübung der Vogtei über die reichen Güter, die am Beginn des 11. Jh. an das Hochstift Bamberg gelangt waren; sie blieben trotz aller Ergänzungen bis zum Aussterben der Familie 1188 von entscheidender Bedeutung. Das Hauskloster Kastl mit der Grablege der Grafen lag unweit der namensgebenden Burg Sulzbach. Als frühe hirsau. Reformgründung in Bayern zeugt Kastl ebenso wie die der Rottenbucher Reformgruppe der Augustinerchorherren angehörenden Stifte Berchtesgaden und Baumburg von der Verbundenheit Berengars I., seiner Mutter Irmgard und seiner ersten Gemahlin Adelheid v. Frontenhausen mit den maßgeblichen Bewegungen der Stifts- und Klosterreform um 1100.

    Berengar selbst dürfte, obwohl er Zeit seines Lebens nur Graf blieb, einer der angesehensten Adeligen Bayerns gewesen sein. Sein Sohn Gebhard II. († 1188) vermählte sich mit der Welfin Mathilde, eine seiner Töchter, Gertrud ( 1146), mit dem Staufer Konrad († 1152). Als dieser 1138 als erster Staufer zum König erhoben wurde, gehörte die Familie der Königin Gertrud zu seinem engsten personellen Umfeld; in der Folge bekräftigte Konrad politische Bündnisse durch Eheverbindungen mit den Schwestern seiner Frau. Auf diese Weise wurde Berengars Tochter Luitgard ( nach 1163) 1138 Herzogin von Niederlothringen und, noch bedeutender, die Sulzbacherin Bertha ( 1158/60) 1146 Gattin des byzantin. Kaisers Manuel Komnenos.

    Um die Mitte des 12. Jh. hatte das Geschlecht jedoch seinen Zenit überschritten, denn eine ähnliche Stellung wie unter Konrad III. konnte Gf. Gebhard II. unter Friedrich Barbarossa nicht mehr erringen. Als 1167 der einzige Sohn des Grafen, Berengar II., in Italien starb, war ebenso wie bei vielen anderen süddt. Adelsfamilien auch das Schicksal der S. besiegelt. Noch vor dem Tod Gebhards 1188 hatte sich Friedrich Barbarossa 1174 in Verträgen mit dem Bamberger Bischof dessen Vogteirechte und damit den Kern der sulzbach. Herrschaft gesichert; andere ehemals sulzbach. Besitztitel erwarb der Staufer später durch Kauf. Nur in geringem Umfang konnten dagegen die Ehemänner der Töchter Gebhards dessen Besitznachfolge antreten. Die eigentlichen Erben des großen sulzbach. Besitzkomplexes auf dem Nordgau wurden die Staufer, die auf diesem Weg einen wesentlichen Baustein des stauf. Reichslandes im Norden Bayerns erwarben.

  • Literature

    J. Moritz, Stammreihe u. Gesch. d. Grafen v. S., 1833;
    H. Dopsch, Siedlung u. Recht, Zur Vorgesch. d. Berchtesgadener Stiftsgründung, in: Gesch. v. Berchtesgaden 1, hg. v. W. Brugger, H. Dopsch u. F. Kramml, 1991, S. 175–228;
    St. Weinfurter, Reformidee u. Kgt. im spätsal. Reich, in: Reformidee u. Reformpol. im spätsal.-frühstauf. Reich, hg. v. dems., 1992, S. 1–45;
    H. Wanderwitz, Die Grafen v. S., in: Eisenerz u. Morgenglanz, Gesch. d. Stadt Sulzbach-Rosenberg, Bd. 1, 1999, S. 19–49;
    J. Dendorfer, Adelige Gruppenbildung u. Königsherrschaft, Die Grafen v. S. u. ihr Beziehungsgeflecht im 12. Jh., 2004;
    M. Hensch, Burg Sulzbach in d. Oberpfalz, 2005.

  • Author

    Jürgen Dendorfer
  • Citation

    Dendorfer, Jürgen, "Sulzbach, Grafen von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 697 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757822.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA