Lebensdaten
1923 – 1984
Geburtsort
Neiße (Oberschlesien)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Ethnologe ; Afrikanist ; Hochschullehrer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 137705875 | OGND | VIAF: 74290211
Namensvarianten
  • Straube, Helmut Erich Friedrich Wilhelm
  • Straube, Helmut
  • Straube, Helmut Erich Friedrich Wilhelm

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Zitierweise

Straube, Helmut, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137705875.html [30.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Erich (1887–1971), aus Elsterwerda, Berufsoffz., 1942–45 Gen., S d. Carl Adalbert (1846–1925), Seminarlehrer, u. d. Anna Amalie Gehre (1863–1945);
    M Irene (1895–1981), aus N., T d. Richard Schreiber (1859–1924), Fabrikdir. in N., u. d. Margarethe Jaenisch (1874–1963);
    ⚭ Katharina (* 1925), Photographin, T d. Johann Herr (1887–1957), Möbelschreiner, u. d. Katharina Berz (1887–1971;
    1 T Charlotte S.-El Sheimy (* 1963), Ägyptologin in M.

  • Biographie

    S. besuchte Gymnasien in Dresden, Berlin, Göttingen und München. Nach dem Abitur 1940 am Wittelsbacher Gymnasium in München leistete er Kriegsdienst. Schwer verwundet aus dem 2. Weltkrieg zurückgekehrt, begann S. 1945 in Frankfurt/M. zunächst ein Studium der Rechtswissenschaften, wechselte jedoch 1946 zur Völkerkunde mit den Nebenfächern Geographie (Herbert Lehmann) und Geschichte (Matthias Gelzer). Besonders Adolf E. Jensen (1899–1965) am Frobenius-Institut übte nachhaltige Wirkung auf S.s Forschungen aus. Am selben Institut lernte er auch die späteren Kollegen Eike Haberland (1924–92) und Andreas Kronenberg (* 1931) kennen, mit denen er zeitlebens in regem Austausch stand. Bei Jensen wurde S. 1952 mit einer religionsethnologischen Dissertation über „Die Tierverkleidungen der afrikanischen Naturvölker“ (gedr. 1955) promoviert. 1952–65 war S. Assistent am Frobeniusinstitut. 1965 hatte er ein Habilitationsstipendium der DFG, habilitierte sich 1967 in Köln mit einer Studie über nilotischsprachige Völker Ost- und Nordostafrikas und übernahm im selben Jahr eine wiss. Assistentenstelle am Seminar für Völkerkunde der Univ. Köln. 1968 wurde S. als Nachfolger Hermann Baumanns (1902–72) auf den Lehrstuhl für Völkerkunde und Afrikanistik an der Univ. München berufen, den er bis zu seinem Tod innehatte (Dekan 1977/ 78).

    Die ethnologische Forschung führte S. Mitte der 1950er und 1970er Jahre nach Südäthiopien – seit Mitte der 1930er Jahre ein kontinuierlicher dt. Forschungsschwerpunkt (Jensen, S., Hermann Amborn u. Alexander Kellner) – zu Völkern unterschiedlicher soziopolitischer Ordnung. Mit komparatistischen Methoden analysierte er deren prägende kulturelle Erscheinungsformen. In seinem Werk „Westkuschitische Völker Süd-Äthiopiens“ (1963) bietet er trotz relativ kurzer Einzelabhandlungen eine an Vollständigkeit kaum zu übertreffende Übersicht über südäthiop. Kulturen, wobei er sowohl ihre Komplexität als auch die sie verbindenden Elemente herausarbeitete. Seine Analyse zentralistischer sakraler Königtümer, der er seine Untersuchungen von Gesellschaften mit temporären Führungspositionen gegenüberstellt, gilt als Pionierleistung. Ein weiteres Forschungsfeld, das sich aus S.s Interesse an der Betrachtung und den Erklärungsversuchen großer räumlicher kultureller und historischer Zusammenhänge ergab, war die Suche nach Berührungspunkten und wechselseitigen Beziehungen zwischen den vorkolonialen Großstaaten des Sudangürtels und den dort lebenden bäuerlichen, nicht staatlich organisierten Gesellschaften. S. fühlte sich zwar dem kulturhistorischen Ansatz verbunden, rückte jedoch zunehmend von Jensens Sichtweise ab, die ihm in vieler Hinsicht als zu spekulativ erschien. Vielmehr wollte er der Kulturgeschichte zu einer tragfähigeren Fundierung verhelfen. Hierfür versuchte er auf möglichst breiter interdisziplinärer Basis alle greifbaren Informationen ethnographischer, urgeschichtlicher, geographischer und linguistischer Art zu ermitteln, um aus ihnen nach quellenkritischer Analyse verwertbare Daten für die Interpretation kultureller Prozesse herauszufiltern. Seine synoptische Sicht wird beispielsweise in seinen Untersuchungen zum „Agrarischen Intensivierungskomplex in Nordost-Afrika“ (u. a. in: Paideuma 13, 1967, S. 198–222) sichtbar. Unter dieser Bezeichnung faßte S. an den Gartenbau erinnernde landwirtschaftliche Methoden zusammen, die von einer Reihe afrikan. Ethnien angewendet werden. Lange vor der ,Entdeckung` der Ökologie wies S. in seinen – nach wie vor aktuellen – Arbeiten darauf hin, daß der in Südäthiopien entwickelte Bodenbau ökologisch zweckmäßiger sei als viele, den dortigen Verhältnissen nicht angepaßte, aber als „fortschrittlich“ propagierte moderne Methoden. Darüber hinaus konnte er nachweisen, daß die Unterschiede zwischen extensivem Pflugbau und intensivem Hackbau nicht lediglich technischer Natur sind, sondern auf grundsätzlich verschiedenen soziopolitischen Ordnungen beruhen. Seine aus fachübergreifenden Vergleichsverfahren entwickelten Thesen zur Geschichte des östl. Afrika bieten wichtige Anregungen für weitere Forschungen.

  • Auszeichnungen

    A o. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1976);
    korr. Mitgl. d. Anthropol. Ges. in Wien (1978).

  • Werke

    u. a. Das Dualsystem u. d. halaka-Vfg. als alte Ges.ordnung d. Ometo-Völker Süd-Äthiopiens, in: Paideuma 6, 1957, S. 342–53;
    Die Stellung u. d. Funktion d. Schilluk-Königs als zentrale Autorität, ebd. 19–20, 1973/74, S. 213–57;
    Btrr. z. Sinndeutung d. wichtigsten künstl. Körperverstümmelungen in Afrika, in: FS f. A. E. Jensen, hg. v. E. Haberland, M. Schuster u. H. S, Bd. II, 1964, S. 671–722;
    Die hist. Wurzeln d. ostafrikan. , in: Kölner Ethnol. Mitt. 4, 1965, S. 231–86;
    Leo Frobenius, in: Internat. Enc. of the Social Sciences VI, 1968, S. 17–21;
    Die traditionelle Landwirtsch. Afrikas in hist. Sicht, in: Internat. Afrikaforum 7, 1971, S. 449–57, erneut in: Trickster 15, 1987, S. 98–110;
    Kultur u. Sprache der Burji in Süd-Äthiopien, Ein Abriß, in: Zur Sprachgesch. u. Ethnohistorie in Afrika, hg. v. W. Möhlig u. a., 1977, S. 239–66 (mit H.-J. Sasse);
    Nordost-Afrika, in: Die Völker Afrikas u. ihre traditionellen Kulturen, hg. v. H. Baumann, 1979, Bd. II, S. 69–156 (mit E. Haberland);
    Die Stellung d. Regenmachers u. verwandter Funktionäre in akephalen Gesellschaften d. Süd-Sudans, in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl., 1984, H. 6;
    Mithg.:
    Münchner ethnol. Abhh., 1979–85;
    Qu
    Archiv d. Univ. München;
    Auswertungen aus d. Nachlaß:
    H. Amborn, Von d. Stadt z. sakralen Landschaft, Bóohée Burji, Eine städt. Siedlung in Südäthiopien, bearb. v. H. Amborn, in: Tribus 44, 1995, S. 65–99;
    ders. u. A. Kellner, Burji Vocabulary of Cultural Items, An Insight into Burji Culture, Based on the field notes of H. S., in: Afrikanist. Arbeitspapiere 58, 1999, S. 5–67;
    H. Amborn, Flexibel aus Tradition, Burji in Äthiopien u. Kenia, Unter Verwendung d. Aufzeichnungen v. H. S., 2009.

  • Literatur

    L Nachrufe: L. Kretzenbacher, in: Bayer. Ak. d. Wiss., Jb. 1984, S. 232 f. (P);
    H. Amborn, Ökologie u. Tradition in: umbits 5, 1984, S. 5;
    E. Haberland, in: Paideuma 31, 1985, Beil. S. I–XII (P, W);
    Enc. Aethiopica.

  • Autor/in

    Hermann Amborn
  • Zitierweise

    Amborn, Hermann, "Straube, Helmut" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 489-491 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137705875.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA