Lebensdaten
1864 - 1939
Geburtsort
Steinbach bei Fulda
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Rabbiner ; Historiker ; Bibliothekar
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 133524019 | OGND | VIAF: 45493846
Namensvarianten
  • Stern, Moses
  • Stern, Moritz
  • Stern, Moses
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Zitierweise

Stern, Moritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133524019.html [15.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Jacob, S d. Meyer;
    M Rosalie Malsch;
    Ov Anschel (1820–88, ⚭ Jente Adler, T d. Nathan Marcus Adler, 1803–90, Dr. phil., Landesrabbiner in Hannover, 1845 orthodoxer Chief Rabbi of the United Hebrew Congregations of the Commonwealth, s. ADB 54; Oxford DNB; Biogr. Hdb. Rabbiner I), aus St., 1844 orientalist. Studium an d. Univ. Würzburg, 1848 Rel.lehrer in Bad Homburg, 1851 Rabbiner in Hamburg (s. Biogr. Hdb. Rabbiner I);
    Lübeck 1898 Sara (1880–1928, T d. Salomon Carlebach (1845–1919, Rabbiner in Lübeck (s. Biogr. Hdb. Rabbiner I), u. d. Esther Adler (1853–1920;
    8 K u. a. S Meyer Manfred (1900–79, Gisa Hirshhorn), Buchhalter in Sydney, Joseph Zvi Hirsch (1904–85, ⚭ Irene Elisabeth Florsheim, Lehrerin), Buchhalter in Jerusalem (s. W), T Cilla (1903–90, ⚭ David Hess, Rechnungsprüfer), Lehrerin in Jerusalem, Hanne (* 1906, 1] Pessach Caesar Steinhof [Stanton], Lehrer, 2) Norbert Urmann, Industriechemiker), Lehrerin in Sydney, Ruth Rosa (1909–89, ⚭ Elieser Berlinger, 1904–85, aus Illingen, Rabbiner 1946–51 in Helsinki, seit 1955 in Amsterdam u. Utrecht), Mirjam Chava Eva (* 1916), Sekr. in Jerusalem.

  • Leben

    S. kam 1869 nach Berlin und besuchte dort das Joachimsthaler und das Kölln. Gymnasium. Parallel zu seiner Ausbildung am „Rabbinerseminar für das orthodoxe Judentum“ 1883–90 studierte er Geschichte v. a. bei Julius Weizsäcker (1828–89) und lehrte an der Religionsschule der jüd.-orthodoxen Austrittsgemeinde „Adass Jisroel“, der er zeitlebens angehörte. Nach seiner Promotion zum Dr. phil. 1889 mit der Arbeit „Kg. Ruprecht von der Pfalz in seinen Beziehungen zu den Juden“ (gedr. 1898) arbeitete er als Hilfsprediger in Kosten (Prov. Posen), seit 1891 als Rabbiner in Kiel und seit 1898 als Direktor der Isr. Realschule in Fürth. 1899 kehrte er nach Berlin zurück und leitete dort seit 1900 eine jüd.-religiöse Knabenschule. Intensiv widmete er sich der historischen Forschung über die Juden in Deutschland und Italien, wobei er in der Auswertung und Edition mittelalterlicher Quellen Maßstäbe setzte. Eine Forschungsreise führte ihn 1891 nach Österreich und Italien, namentlich in die Vatikan. Archive. Mit gesellschaftspolitischem Anliegen, von dem schon seine Forschungen zur mittelalterlichen Judenfeindschaft zeugen, arbeitete er im Auftrag des „Centralvereins dt. Staatsbürger jüd. Glaubens“ auch über Themen der neueren Geschichte. 1905 wurde S. Bibliothekar (seit 1920 Oberbibliothekar) der 1902 eröffneten Bibliothek der Jüd. Gemeinde Berlin, die sich nach dem Vorbild der amerik. public library zugleich an wissenschaftliche und populäre Leserinteressen wandte. Sie wuchs unter S.s Leitung auf 70 000 Bände und war eine der größten jüd. Bibliotheken Europas. S. gründete neun Außenstellen und fügte der Zentrale 1917 eine Kunstsammlung an, so daß die Bibliothek zu einer bedeutenden Bildungseinrichtung für das geistige Leben der Berliner Juden wurde. 1932 in den Ruhestand getreten, starb S. kurz vor der geplanten Emigration. Die Bibliothek wurde 1938 von den Nationalsozialisten konfisziert, ihre z. T. wieder aufgefundenen Bestände 1949/50 der Nationalbibliothek in Jerusalem und anderen Institutionen in Israel und Amerika zugeteilt.

  • Werke

    Das Judenschreinsbuch d. Laurenzpfarre zu Köln, 1888;
    Der Hochverrathsprozeß gegen d. dt. Juden im Anfang d. 17. Jh., 1890/91;
    Die isr. Bevölkerung d. dt. Städte, Bd. 1 u. 2, 1890–92;
    Hebr. Berr. über d. Judenverfolgungen während d. Kreuzzüge, 1892 (mit A. Neubauer), Nachdr. 1997;
    Qu.kde. z. Gesch. d. dt. Juden, 1892;
    Urkundl. Btrr. über d. Stellung d. Päpste zu d. Juden, 2 T., 1893–95, Nachdr. 1970;
    FS z. 200j. Jubiläum d. jüd. Gde. zu Rendsburg, 1895;
    Zeittafeln f. d. Unterr. in d. jüd. Gesch. u. Litteratur, 1897, 31934 u. d. T. Zeittafeln d. jüd. Gesch. u. Lit.;
    Der Heldenkampf d. Makkabäer, 1897;
    Die päpstl. Bullen über d. Blutbeschuldigung, 1900;
    Grundriß z. Gesch. d. Juden u. ihrer Lit., 61908;
    Btrr. z. Gesch. d. Juden in Berlin, 1909;
    Aus d. Zeit d. dt. Befreiungskriege, 5 Bde., 1918–38;
    Salomon Kajjem Kadisch, der erste kurbrandenburg. Landrabbiner, 1919;
    Zeittafeln f. d. Unterr. in d. jüd. Gesch. u. Lit., 1925;
    Btrr. z. Gesch. d. jüd. Gde. in Berlin, 6 Bde., 1926–34;
    Die vierte Ausst. d. Kunstslg., 1927;
    Der Passauer Judenprozeß 1478, 1928;
    Moses Mendelssohn-Ausst., 1929;
    Der Schweriner Oberrabbiner Mordechai Jaffe, 1933;
    Der Regensburger Judenprozeß, 1476–1480, 1935;
    Aus d. Berliner Jüd. Mus., 1937;
    Die Wormser Reichsrabbiner Samuel u. Jakob 1521–1574, 1937;
    Vorstandsprotokolle d. Hamburger isr. Gde., 1938;
    Memorbooks written during the 19th century in Suabian Jewish communities, 1941;
    Die Gesch. d. Alten Synagoge zu Berlin, hg. v. H. Simon u. H. H. Thies, 2007 (mit biogr. Abriß, S. 13–15);
    Bibliogr.:
    Joseph Stern, M. S., Bibliogr. seiner Schrr. u. Aufss., 1939, Nachdr. 1990.

  • Literatur

    C. Prestel, Jüd. Schul- u. Erziehungswesen in Bayern, 1989, S. 254 f.;
    E. F. u. E. Joel, The Joel-Adler-Carlebach Families, 1996;
    M. Kirchhoff, Häuser d. Buches, 2002, S. 91–93, 120;
    Wininger;
    S. Kaznelson, Juden im dt. Kulturbereich, 1959;
    Enc. Jud. 1971;
    E. G. Lowenthal, Juden in Preußen, 1981;
    W. Tetzlaff, 2000 Kurzbiogrr. bedeutender dt. Juden d. 20. Jh., 1982;
    Lex. wiss. Bibliothekare I;
    Kurzbiogrr. Juden;
    Kosch, Lit.-Lex. 3;
    Enc. Jud.2;
    Biogr. Hdb. Rabbiner II (W).

  • Autor/in

    Carsten Wilke
  • Empfohlene Zitierweise

    Wilke, Carsten, "Stern, Moritz" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 281-282 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133524019.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA