Lebensdaten
1832 bis 1909
Geburtsort
Amorbach (Odenwald)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Bischof von Würzburg ; Erzbischof von München und Freising
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118967703 | OGND | VIAF: 37716183
Namensvarianten
  • Stein, Franz Joseph (bis 1879)
  • Stein, Franz Joseph von (seit 1879)
  • stein, franz joseph von
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Orte

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Zitierweise

Stein, Franz Joseph von (seit 1879), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118967703.html [06.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph Anton, fürstl. leiningen. Herrschaftsgerichtsschreiber;
    M Helene N. N.; 2 Geschw.

  • Leben

    S. besuchte die Lateinschule in Amorbach. Nach dem frühen Tod seiner Eltern fand er in Würzburg Aufnahme bei einer Tante und konnte dort mit finanzieller Unterstützung des Fürsten Karl zu Leiningen das Gymnasium absolvieren. 1851 legte er die Reifeprüfung ab und studierte an der Univ. Würzburg Philosophie und Theologie; 1855 zum Priester geweiht, wirkte er anschließend als Kaplan in Hilders (Rhön) und Heidingsfeld, seit 1858 als Religionslehrer an der Latein- und Gewerbeschule Schweinfurt. Aufgrund einer Preisarbeit über „Eusebius v. Caesarea“ (gedr. 1859) wurde er 1859 in Würzburg zum Dr. theol. promoviert. Seit 1860 Religions- und Geschichtslehrer an der Lateinschule in Würzburg, widmete er sich v. a. dem Studium der oriental. Sprachen. 1865 wurde er zum ao., 1871 zum o. Professor für Moral- und Pastoraltheologie an der Univ. Würzburg berufen (Rektor 1875/76).

    1878 wurde S. von Kg. Ludwig II. zum Bischof von Würzburg nominiert. Am 18. 5. 1879 empfing er im Würzburger Dom die Bischofsweihe. Obwohl er, wie der bayer. Episkopat insgesamt, die praktizierte staatliche Kirchenhoheit als konkordatswidrig ablehnte, bemühte er sich um ein entspanntes Verhältnis zwischen Kirche und Staat. Dies trug ihm 1887 die Berufung zum Reichsrat ein, von ultramontaner Seite allerdings den Vorwurf eines „Staatsbischofs“. S. förderte die Weiterbildung seines Klerus (u. a. Vermehrung der Pastoralkonferenzen und Reorganisation des Prosynodalexamens) sowie Bau und Restaurierung vieler Kirchen (u. a. neuroman. Außenrestaurierung d. Würzburger Doms 1880–85). Seit seiner Kaplanszeit gegenüber der sozialen Frage aufgeschlossen, unterstützte er den Aufbau des Arbeitervereins, weitere Sozialeinrichtungen und sozial-caritativ tätige Orden. Zur Vorbereitung der 1200-Jahrfeier des Martyriums der Frankenapostel 1889 ließ er eine große Volksmission durchführen. Seiner Initiative verdankte das Bistum Würzburg neue liturgische Bücher (Manuale Rituum, 1883; Diözesan-Gesangbuch „Ave Maria“, 1886).

    1897 wurde S. von Prinzregent Luitpold zum Nachfolger des Münchner Ebf. Antonius v. Thoma nominiert; 1898 ergriff er vom Erzbistum München und Freising Besitz. Als Metropolit mit Sitz in München und Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz fiel ihm als „Bindeglied“ zwischen bayer. Episkopat und bayer. Regierung eine herausragende Bedeutung zu. S.s Kompromißbereitschaft bewährte sich bei den 1905 einsetzenden Verhandlungen über den Regierungsentwurf einer neuen Kirchengemeindeordnung, die 1910 in Kraft trat. Zur Zielscheibe heftiger Angriffe der Zentrumspresse wurde er, weil er den Text der AntiModernismus-Enzyklika „Pascendi“ (1907) von Papst Pius’ X. auf Ersuchen des Kultusministers der Regierung zuleitete, die deren Veröffentlichung nur mit ausdrücklichem Vorbehalt das Plazet erteilte. Im April 1908 befaßte sich die Freisinger Bischofskonferenz mit „Pascendi“ und erklärte in einem von S. angeregten Hirtenschreiben ihre völlige Übereinstimmung mit dieser päpstl. Verlautbarung. Durch die von ihm auf Befehl Pius’ X. ohne Versuch einer Verständigung 1908 vollzogene Suspension des „modernistischen“ Dogmenhistorikers Joseph Schnitzer (1859–1939) stürzte S. die Münchner theol. Fakultät (nach dem „Fall Döllinger“) in eine erneute schwere Krise. Als Schnitzer vor Beginn des Wintersemesters 1908/09 dem Münchner Nuntius seine Absicht mitteilte, fortan sich mit allgemeiner Religionsgeschichte beschäftigen und zu dieser Thematik eine Vorlesung ankündigen zu wollen, mußte S. ihm sofort für den Fall irgendwelcher akademischen oder publizistischen Tätigkeit die Große Exkommunikation androhen. S. errichtete in Anbetracht der steigenden Katholikenzahl Münchens und im Erzbistum neue Pfarreien, konsekrierte 29 teils neue, teils erweiterte Kirchen und Kapellen, förderte den Priesternachwuchs und sorgte für die Errichtung eines Erweiterungsbaus beim ebfl. Klerikalseminar in Freising (1901–03). Das unter seiner Ägide bearbeitete Diözesangesang- und -gebetbuch „Gottesdienst“, für dessen Erscheinen er einen Hirtenbrief verfaßte, wurde einen Monat nach seinem Tod 1909 eingeführt.

  • Werke

    Kurzgefaßte Gesch. Dtlds. auf geograph. Grundlage nebst e. kurzen Abriß d. bes. Gesch. Bayerns, 1864;
    Hist.-krit. Darst. d. pathol. Moralprincipien u. einiger ihrer vornehmsten Erscheinungsformen auf d. soc. Gebiete, 1871, 21879;
    Stud. über d. Hesychasten d. 14. Jh., 1873;
    Stud. über d. rationellen Moralprincipien, zunächst über d. Perfectibilitätsprincip, 1875;
    Vorfragen z. christl. Ethik, bearb. v. J. Gartmeier, 1915;
    Nachlaß:
    Ebfl. Archiv, München.

  • Literatur

    N. N., Lebensskizze d. H. H. Ebf. F. J., in: Schematismus d. Geistlichkeit d. Ebm. München u. Freising f. d. J. 1910, S. 370–72;
    A. Wendehorst, Das Bm. Würzburg 1803–1957, 1965;
    K. Möckl, Die Prinzregentenzeit, Ges. u. Pol. während d. Ära d. Prinzregenten Luitpold v. Bayern, 1972;
    H.-M. Körner, Staat u. Kirche in Bayern 1886–1918, 1977;
    N. Trippen, Theol. u. Lehramt im Konflikt, Die kirchl. Maßnahmen gegen d. Modernismus im J. 1907 u. ihre Auswirkungen in Dtld., 1977;
    K. Ganzer, Die Theol. Fak. d. Univ. Würzburg im theol. u. kirchenpol. Spannungsfeld d. zweiten Hälfte d. 19. Jh., in: P. Baumgart (Hg.), Vierhundert J. Univ. Würzburg, 1982, S. 317–71;
    A. Landersdorfer, Das Ebm. im späten 19. Jh., in: G. Schwaiger (Hg.), Das Ebm. München u. Freising im 19. u. 20. Jh., 1989, S. 158–211 (P);
    W. Brandmüller (Hg.), Hdb. d. bayer. KGesch. III, 1991;
    P. Herde, Die Erhebung v. F. J. S. z. Bf. u. d. Ende d. „Kulturkampfes“ in Würzburg 1878, in: Jb. f. fränk. Landesforsch. 53, 1992, S. 381–402;
    O. Weiß, Der Modernismus in Dtld., Ein Btr. z. Theol.gesch., 1995;
    M. Weitlauff, Der „Fall“ d. Augsburger Diözesanpriesters u. Münchener Theol.prof. Joseph Schnitzer (1859–1939, 2011;
    LThK1–3;
    Gatz I (P)

  • Portraits

    | Gem. v. J. Zenker, Abb. in: G. Schwaiger, 1989 (s. L), nach S. 192.

  • Autor/in

    Manfred Weitlauff
  • Empfohlene Zitierweise

    Weitlauff, Manfred, "Stein, Franz Joseph von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 144-145 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118967703.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA