Lebensdaten
1891 – 1973
Geburtsort
Gaarden bei Kiel
Sterbeort
Kiel
Beruf/Funktion
Pilot ; Flugzeugbauer ; Ingenieur
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 132608200 | OGND | VIAF: 18389898
Namensvarianten
  • Steffen, Bruno

Orte

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Zitierweise

Steffen, Bruno, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd132608200.html [22.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    B Franz (s. 1);
    Albrechtsdorf (Niederschlesien) 1919 Käthe Schulz (1894–1994), aus Nilbau b. Glogau; kinderlos.

  • Biographie

    Der Bildungsgang beider Brüder ist nicht genauer bekannt. Beide besuchten vermutlich die Oberrealschule in Kiel, Franz schrieb sich 1907 an der Univ. Halle für das Fach Chemie ein. 1909–11 lebte er in Kiel und als Student in Braunschweig, wo er an der TH Ingenieurwesen studierte. Nach dem Bau eines fahrfähigen Automobils (1905) und eines Hängegleiters (1908) kamen die Brüder über die Luftschiffahrt (Stahlkonstruktion eines Lenkballons 1908/09) zur Fliegerei. Da beide vor dem 1. 8. 1914 ihre Pilotenlizenz erworben hatten, konnten sie sich „Alte Adler“ nennen. Auf dem 1910 /11 errichteten Sportflugplatz Kronshagen eröffneten die Brüder 1911 die erste Flugschule in Schleswig-Holstein und gründeten die „Flug-Verkehrs-Gesellschaft Kronshagen mbH“ als Betreiber des Flugplatzes, das erste gewerbliche Luftfahrtunternehmen im Kieler Raum. Mit dem von ihnen entwickelten Eindecker „Steffen-Falke I“ popularisierte Bruno in den Jahren bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs auf zahlreichen Flugveranstaltungen die Fliegerei in Schleswig-Holstein. Das Motorflugzeug, wahrscheinlich ein Zweisitzer, hatte bei einer Spannweite von 14 m ein festes Fahrwerk mit einer Kufe zwischen den Rädern. Im Aug. 1913 gelang Bruno mit dem|Nachfolgemodell Steffen-Falke II ein dt. Dauerflugrekord von 6 Stunden 15 Minuten, der jedoch schon vier Monate später überboten wurde. Wegen der wachsenden Popularität der Brüder und der ständig steigenden Zahl der Flugschüler genügte der Kronshagener Flugplatz mit seiner geringen Fläche und seinem weichen Untergrund bald nicht mehr den Anforderungen für eine Doppelsitzerschulung und für die Durchführung zahlreicher Passagierflüge. Deswegen verlegten die Brüder die Flug-Verkehrs-Gesellschaft und die Flugschule im Okt. 1913 nach Neumünster (Holstein).

    Seit Dez. 1914 betrieben beide Brüder im Dienste der Siemens-Schuckert-Werke (SSW) beim Berliner Dynamowerk den Bau von Militärflugzeugen. Dort gelang ihnen mit der Konstruktion eines dreimotorigen Großflugzeugs der Einstieg in den professionellen Flugzeugbau. Der Prototyp mit der Bezeichnung „Steffen-G-Flugzeug“ wurde seit Nov. 1915 als Typ SSW-R1 oder R 1/15 geführt. Der riesige für Militärzwecke konzipierte Doppeldecker verfügte bei einer Spannweite von 28 m über drei im Rumpf eingebaute Motoren mit je 150 PS, die über ein Übersetzungs- und Umlenkgetriebe zwei Propeller antrieben. Diese Konstruktion gewährleistete einen konkurrenzlosen Wirkungsgrad. Ein großer technischer Fortschritt war auch, daß die störanfällige zentrale Maschinenanlage von einem Bordmechaniker während des Fluges gewartet werden konnte. Die Maschine erreichte nach 45 Min. Flugzeit eine Gipfelhöhe von 3700 m. Das Flugzeug und seine Nachfolgemodelle mit Spannweiten von bis zu 38 m wurden 1915–17 mit großem Erfolg an der Ostfront eingesetzt.

    Bruno, als Soldat und Flugzeugführer an der Ostfront verwundet, unterstützte Franz, inzwischen Leutnant und Flugzeugführer an der Westfront, als Mitkonstrukteur und Einflieger. Mit einer Maschine des Typs SSWR6 gelang Bruno am 25. 4. 1916 ein Weltrekordflug von über sechs Stunden Dauer, der wegen kriegsbedingter Geheimhaltung jedoch nicht international anerkannt wurde. Franz entwickelte seit 1914 neue Typen von Groß- und Jagdflugzeugen sowie Aufklärern. Bruno hatte bis Kriegsende 1918 als Testpilot den gefährlichen Auftrag, zahlreiche Flugzeuge verschiedener Typen zu erproben und bis zur Serienreife einzufliegen. Bei der Erprobung des Eindeckers SSW E II kam Franz durch einen Unfall ums Leben. In den 20er Jahren war Bruno bei der neugegründeten Lufthansa tätig, danach als Oberstabsingenieur im Reichsluftfahrtministerium in Berlin. 1946 kehrte er nach Kronshagen zurück. Die Brüder S. haben als Flugpioniere und technische Autodidakten sowohl zur Popularisierung des Flugwesens als auch zur technischen Entwicklung des Motorflugs wesentlich beigetragen.

  • Auszeichnungen

    A zu Bruno: Ehrenmitgl. d. Luftsportver. Kiel (1962);
    Gebrüder-Steffen-Preis d. Aero-Clubs St. Peter-Ording (seit 1973);
    Gedenktafel (2000) u. Straßenbenennung in Kronshagen.

  • Werke

    W zu Bruno: Autobiogr. in: Kieler Nachrr. v. 21. 2.– 9. 3. 1956;
    Luftfahrt nach d. Jh.wende, in: Kronshagen, Beginn – Entwicklung – Gegenwart, 1971, S. 51–56;
    Qu
    Gde.archiv Kronshagen.

  • Literatur

    G. Fölz, Luftfahrt zw. Nord- u. Ostsee, 1975, S. 14–19 (P);
    K. Griese, Luftfahrtgesch. d. Stadt Kiel, 2000, S. 13–38 (P);
    zu Bruno:
    M. Klett, in: Biogr. Lex. Schleswig-Holstein XII, 2006, S. 399–403, auch in: Kieler Ll., S. 307–11 (P);
    SchleswigHolstein Lex.

  • Autor/in

    Manfred Klett
  • Zitierweise

    Klett, Manfred, "Steffen, Bruno" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 108-109 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132608200.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA