Lebensdaten
1874 bis 1957
Geburtsort
Brünn
Sterbeort
Kronberg (Taunus)
Beruf/Funktion
Journalist ; Schriftsteller ; Politiker
Konfession
jüdisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 118798448 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stampfer, Fritz
  • Stampfer, Friedrich
  • Stampfer, Fritz

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Stampfer, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118798448.html [20.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus liberaler assimilierter jüd. Fam.;
    V Edward (Ezekiel) (* 1823), aus Kalleday (Kolodeje, Böhmen), RA in B., S d. Abraham (* 1791) u. d. Maria N. N.;
    M Bertha Hirsch, aus Prag;
    ⚭ Charlotte Trénel (1890–1969;
    T Marianne Loring (1924–2003, s. L).

  • Leben

    S. wurde politisch von seinem Vater geprägt, der sich den Idealen der liberalen Demokratie verpflichtet fühlte, für die er 1848 gekämpft hatte. Vor dem Hintergrund bedrückender Klassenunterschiede und des Nationalitätenhasses in Brünn begann S., sich schon während seiner Gymnasialzeit 1881–93 bei den Sozialdemokraten zu engagieren und an ihrer Zeitung, dem „Brünner Volksfreund“, mitzuarbeiten. Nach dem Studium der Volkswirtschaft in Wien und Leipzig 1893–98 war er 1900–02 Redakteur der „Leipziger Volkszeitung“. Danach ging er als freier Journalist nach Berlin und gründete 1903 einen Artikeldienst für die sozialdemokratische Presse, in der S., der als besonders gut über die Meinungsbildung in der SPD informiert galt, über die Parlamentsarbeit berichtete und die Mehrheitslinie vermittelte. 1915 wurde S. zur österr. Armee einberufen, kehrte aber – beim Fronteinsatz in Italien schwer erkrankt und vom Kriegsdienst befreit – nach Berlin zurück, wo er im Nov. 1916 Chefredakteur der Tageszeitung „Vorwärts“ wurde und das Zentralorgan der SPD fortan im Sinne der Parteimehrheit redigierte. Mit kurzer Unterbrechung 1919 blieb er in dieser Position bis 1933, als die Zeitung nach dem Reichstagsbrand verboten wurde.

    S., dt. Staatsbürger seit 1919 und Reichstagsabgeordneter seit 1920, galt als der bekannteste und für die Pressearbeit der Partei maßgebliche Journalist der SPD. Seit 1925 gehörte er dem Parteivorstand an, zu dessen Sitzungen er als „Vorwärts“-Chefredakteur ohnehin zugelassen war, 1922–28 war er Mitglied der Programmkommission. S. entwarf als Vordenker der Parteispitze Entschließungen für Vorstand und Fraktion und beriet die führenden Männer der Partei. So war er u. a. beteiligt an den Entwürfen des „Görlitzer Programms“ 1921 und der „Richtlinien zur Wehrpolitik“ 1928 sowie an den Einheitsfrontverhandlungen mit der KPD 1935/36. Was S. im „Vorwärts“ veröffentlichte, galt als offizielle Politik, wobei er nicht einer Parteilinie folgte, sondern zuerst half, diese überhaupt festzulegen, um sie dann verbindlich zu interpretieren. 1933 emigrierte S. mit Frau und Tochter nach Prag, wo er dem Exilvorstand der SPD angehörte und den „Neuen Vorwärts“ redigierte. 1938 ging er mit dem Exilvorstand nach Paris und 1940 in die USA. Im Aug. 1948 kehrte er als Dozent der gewerkschaftsnahen „Akademie der Arbeit“ in Frankfurt/M. (bis 1955) nach Deutschland zurück. Seit 1950 gab er wieder eine eigene Pressekorrespondenz („S.-Dienst“) heraus.

  • Werke

    Rel. ist Privatsache! Erll. zu Punkt 6 d. Erfurter Progr., 1905;
    Grundbegriffe d. Pol., 1910, 31953;
    Soz.demokratie u. Kriegskredite, 1915;
    Vfg., Arbeiterkl. u. Sozialismus, Eine krit. Unters. d. Reichsvfg., 1919;
    Der 9. Nov., Gedenkbll. zu seiner Wiederkehr, 1919;
    Von Versailles z. Frieden, 1920, franz. 1920;
    Das Görlitzer Progr., 1922;
    Sie haben nicht kapituliert, 1953;
    Die 14 J. d. ersten Dt. Rep., 1936, 21947, 31953;
    Erfahrungen u. Erkenntnisse, Aufzeichnungen aus meinem Leben, 1957 (Autobiogr.);
    Mit d. Gesicht nach Dtld., Eine Dok. über d. soz.demokrat. Emigration aus d. Nachlaß v. F. S., hg. u. bearb. v. E. Matthias u. W. Link, 1968 (P);
    Vom Dtld., das werden soll, Ein Briefwechsel zw. Wilhelm Sollmann u. F. S., in: Neuer Vorwärts, 1938;
    Nachlaß:
    Archiv d. soz. Demokr., Bonn;
    BA Koblenz.

  • Literatur

    D. Fricke, F. S. u. d. „demokrat. Sozialismus“, in: Zs. f. Gesch.wiss. 6, 1958, S. 749–74;
    G. R. Treviranus, in: Dt. Rdsch. 84, 1958, S. 256–58;
    V. Schulze, Vorwärts 1876–1933, in: H.-D. Fischer (Hg.), Dt. Ztgg. d. 17. bis 20. Jh., 1972, S. 329–348;
    H. J. Schultz (Hg.), Journalisten über Journalisten, 1980, S. 183–91;
    Marianne Loring, Flucht aus Frankreich, Die Vertreibung dt. Soz.demokraten aus d. Exil, hg. v. W. Benz, 1996;
    K. Koszyk, Publizistik u. pol. Engagement, 1999, S. 457–60 (P);
    BHdE I;
    Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft;
    Kosch, .3;
    Nassau. Biogr.;
    Biogr. Lex. Weimarer Rep.;
    Biogr. Lex. Sozialismus (P);
    Biogr. Lex. Arbeiterbewegung;
    Enz. NS;
    Lex. Widerstand;
    Munzinger;
    Juden in Berlin;
    Schumacher, M. d. R.;
    Sozialdemokrat. Parlamentarier;
    Radiofeature:
    G. E. Gründler, Der Chefredakteur F. S., NDR 3, 1990.

  • Autor/in

    Gerhard E. Gründler
  • Empfohlene Zitierweise

    Gründler, Gerhard E., "Stampfer, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 51-52 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118798448.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA