Lebensdaten
1898 – 1989
Geburtsort
Odessa
Sterbeort
Stuttgart-Hohenheim
Beruf/Funktion
Geobotaniker ; Ökologe ; Botaniker ; Ökologe ; Hochschullehrer
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 118628909 | OGND | VIAF: 269500149
Namensvarianten
  • Walter, Heinrich Karl
  • Walter, Heinrich
  • Walter, Heinrich Karl
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Zitierweise

Walter, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118628909.html [22.06.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Otto (1862–1917), aus Paggar (Pagari, Estland), Dr. med., Leiter d. Krankenhauses f. Augenkranke in O., S d. Carl Adolf (1822–79) u. d. Amalie Margarethe Julie (Juliane) Zeibich (* 1829), aus Paide (Estland);
    M Clara (1866–1956), T d. Heinrich Stromberg (1832–86), aus St. Petersburg, in Narwa (Narva, Estland), u. d. Julie Lipp (1837–1918), aus Stuttgart;
    Ov Johannes (1860–1915), Propst in Jamma (Jämaja, Ösel, Estland);
    1 B Maximilian (Max) (1894–1918), 1 Schw Gertrud (Trudl) (1892–1979);
    Heidelberg 1924 Erna (1893–1992), Dr. rer. nat., Botan. (s. W), T d. Heinrich Schenck (1860–1927), Dr. phil., Forsch.reisender in Brasilien, 1896 Prof. f. Botanik an d. TH Darmstadt u. Dir. d. Botan. Gartens ebd., 1909–11 Rektor, 1909 GHR (s. Hochschullehrer TH Darmstadt; Nassau. Biogr.; Stadtlex. Darmstadt; Lex. Bryologen), u. d. Marie Schwarz;
    kinderlos.

  • Biographie

    Nach dem Besuch der St. Pauli Realschule in Odessa studierte W. 1915–17 hier Naturwissenschaften und Botanik, 1918 in Dorpat und anschließend in Jena, wo er 1919 von Ernst Stahl (1848–1919) mit einer Arbeit über die Perldrüsen bei Ampellideen zum Dr. phil. promoviert wurde. Nach kurzer Assistenzzeit in Halle/ Saale wechselte er im April 1920 nach Heidelberg; hier habilitierte er sich 1923 wohl für Botanik (1926 ao. Prof.). 1929 / 30 erhielt W. ein Rockefeller Stipendium für Forschungen in Arizona und Nebraska. Mit seiner Frau untersuchte er den Wasserhaushalt der Wüstenpflanzen. Seit 1932 ao. Professor an der TH Stuttgart und Direktor des angeschlossenen Botanischen Gartens, unternahm er 1933 / 34 und 1937 / 38, z. T. mit Otto Heinrich Volk (1903–2000), umfangreiche Forschungsreisen nach Ost- und Südwestafrika (1939 o. Prof.). 1941 zum Professor an der Univ. Posen berufen, war er – bilingual aufgewachsen – auch für die Wehrmacht als Dolmetscher tätig. Nach der Entlassung aus US-amerik. Kriegsgefangenschaft in St. Avold in Lothringen hatte er seit Dez. 1945 den Lehrstuhl für Botanik an der Landwirtschaftlichen Hochschule Stuttgart-Hohenheim inne. 1954 / 55 lehrte W. als Gastprofessor an der Univ. Ankara (Türkei), 1969 an der Utah State University in Logan und bis zu seiner Emeritierung 1966 auch an der TH Stuttgart als Gastprofessor für Geobotanik.

    Noch in der Kriegsgefangenschaft verfaßte W. Entwürfe zu seinem Lehrbuch „Grundlagen des Pflanzenlebens“ (1946, ⁴1962). Später wurde dieses Werk der 1. Band der Reihe „Einführung in die Phytologie“, die von Heinz Ellenberg (1913– 97) ergänzt wurde. 1953 formulierte das Ehepaar W. das Gesetz der relativen Standortkonstanz, wonach eine Pflanzenart bei Änderung des Klimas innerhalb eines Areals ihr Biotop wechselt, womit die Klimaänderung weitgehend ausgeglichen wird. W. unternahm mit seiner Frau 1953 / 54 eine Forschungsreise nach Südwest-Afrika mit wegweisenden ökologischen Forschungen zur dortigen Weidewirtschaft, insbesondere hinsichtlich der Verbuschung durch Überweidung und Brandrodung. Weitere größere Reisen führten beide 1958 / 59 nach Australien und Neuseeland, 1965 / 66 und 1968 nach Südamerika. 1960–66 erarbeitete W. mit Helmut Lieth (1925–2015) und Elisabeth Harnickell (1911–94), später mit Dieter Mueller-Dombois (* 1925) den „Klimadiagramm-Weltatlas“ (1960–67) und Klimadiagramm-Karten (1975); über 9000 Klimadiagramme aus allen Kontinenten wurden zusammengetragen. Sie bildeten die Grundlage für die Übersicht „Vegetation der Erde“ (2 Bde., 1962, ³1973), die seit 1983 als „Ökologie der Erde“ in 4 Bänden gemeinsam und dann von Siegmar-Walter Breckle (* 1938) herausgegeben werden (z. T. ins Engl. übers.). In diesen Lehrbüchern wird die herausragende Bedeutung des Klimas als Grundlage der Vegetationsgliederung dargestellt. Neben Ellenberg, Lieth und Breckle zählen u. a. Karl-Heinz Kreeb (* 1927), Wolfgang Haber (* 1925), Hans Knodel (1911–98), Ernesto Medina (* 1936) und Helmut Freitag (* 1932) zu W.s Schülern.

    Das Ehepaar W. begründete 1968 die A. F. W. Schimper-Stiftung zur Unterstützung außereurop. ökologischer Forschung; 1998, 2002 und 2018 wurden Symposien veranstaltet,|bei denen fast 100 Stipendiaten von ihren weltweit durchgeführten ökologischen Forschungen berichteten.

  • Auszeichnungen

    |Internat. Rainer-Medaille (1932);
    Mitgl. d. Leopoldina (1964), d. Ak. d. Wiss. in Buenos Aires (1965), d. World Ac. of Art and Science (1967) u. d. Österr. Ak. d. Wiss. (1969);
    Dr. sc. techn. h. c. (Hochschule f. Bodenkultur Wien 1972);
    – Benennung v. Pflanzenarten, wie Euryops walteriana, Namibia u. Begonia walteriana, Borneo.

  • Werke

    Weitere W 30 Bücher u. 170 Beitrr.;
    Einf. in d. allg. Pflanzengeogr. Dtld.s, 1927;
    Die Hydratur d. Pflanze u. ihre physiol.-ökol. Bedeutung, 1931;
    Die Vegetation Osteuropas, 1942, ²1943;
    Einf. in d. Phytol., Bd. 1: Grundlagen d. Pflanzenlebens, 1946, ⁴1962, Bd. 2: Grundlagen d. Pflanzensystems, 1952, ³1961, Bd. 3 / 1: Grundlagen d. Pflanzenverbreitung, Standortslehre, 1951, ²1960, Bd. 3 / 2: Arealkde., 1954, ²1970 (mit H. Straka);
    Das Gesetz d. relativen Standortskonstanz, d. Wesen d. Pflanzengemeinschaften, 1953 (mit Erna Walter);
    Grundlagen d. Weidewirtsch. in Südwestafrika (mit O. H. Volk, 1954);
    Das Pampaproblem u. seine Lösung, 1966;
    Die Hydratation u. d. Hydratur d. Protoplasmas d. Pflanzen, 1970 (mit K. H. Kreeb);
    Vegetation Osteuropas, Nord- u. Zentralasiens, 1974 (7. Bd. d. v. W. begründeten Serie Vegetationsmonogrr. d. einzelnen Großräume);
    Die ökol. Systeme d. Kontinente (Biogeosphäre), 1976;
    Bekenntnisse e. Ökologen, ⁶1989 (P);
    Vegetationszonen u. Klima, 1979, ⁷1999 (mit S.-W. Breckle, Übers. in andere Sprachen);
    Nachlaß: Inst. f. Landschafts- u. Pflanzenökol. d. Univ. Hohenheim.

  • Literatur

    |B. Rademacher, H. W., z. 65. Geb.tag, in: Btrr. z. Phytol., hg. v. K.-H. Kreeb, 1964, S. 9–12 (P);
    Biobibliogr. d. Wissenschaftler d. Univ. Stuttgart, hg. v. A. Fadini, 1976;
    U. Kull, H. W., Ökologe, Botaniker, Hochschullehrer, in: J.hh. d. Ges. f. Naturkde. in Württ. 145, 1990, S. 305–11 (P).

  • Autor/in

    Siegmar-Walter Breckle
  • Zitierweise

    Breckle, Siegmar-Walter, "Walter, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 359-360 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118628909.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA