Lebensdaten
1897 bis 1997
Geburtsort
Trier
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Schriftstellerin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118752006 | OGND | VIAF: 62344300
Namensvarianten
  • Spies, Gertrud (verheiratete)
  • Gumprich, Gertrud (geborene)
  • Trier, Elsbeth (Pseudonym)
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Zitierweise

Spies, Gerty, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752006.html [15.01.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Sigmund Gumprich (1861–1926), aus alteingesessener jüd. Fam. in T., Textilkaufm., Mundartdichter in T., S d. Nathan, Kaufm. in T., u. d. Sarah Seligmann;
    M Charlotte Luise Kahn (1872–1971), aus pfälz. jüd. Fam., d. schon vor Mitte 18. Jh. in Edenkoben u. Dirmstein (Pfalz) ansässig war, Krankenschwester, Operations-Assisstentin, emigrierte 1938 in d. USA;
    Om Robert Kahn (1868–1944 Theresienstadt), Dr. phil. nat., 1898–1900 Chemiker am Farbwerk Griesheim/Main, seit 1900 am chem. Inst. d. Univ. Münster, Assistent Paul Ehrlichs, Miterfinder d. „Salvarsan“ (s. Pogg. IV–VI);
    B Rudolf (1895–1918 ⚔);
    1920 1927 Alfred Spies ( 1980), Dr., Chemiker;
    1 S Wolfgang (* 1923), in Bethel, 1 T Ruth (1921–63), wanderte 1949 in d. USA aus.

  • Leben

    S. wuchs in einem freisinnig-liberalen jüd. Elternhaus auf. Seit 1903 besuchte sie die Höhere Mädchenschule, seit 1913 die „Frauenschule“ (Auguste-Viktoria-Schule) in Trier. Im Anschluß an das Staatsexamen als Hauswirtschaftslehrerin absolvierte sie am Fröbelseminar in Frankfurt/M. eine Ausbildung zur Erzieherin („Hortnerin“). Nachdem ihr Bruder Rudolf im 1. Weltkrieg gefallen war, gab sie ihre Berufspläne auf und kehrte zu den Eltern zurück. Nach ihrer Heirat mit Alfred Spies zog S. 1920 nach Freiburg (Br.), nach dem Abschluß seines Chemiestudiums nach Pforzheim und – 1927 von ihrem Mann geschieden – 1929 mit ihrer Tochter nach München-Schwabing. Seit 1941 war sie zur Arbeit in einem Münchner Verlag zwangsverpflichtet. Im Juli 1942 wurde S. nach Theresienstadt deportiert. Von ihrer Schwerstarbeit in einer dortigen Glimmerspalterei berichtet sie in ihrer Erzählung „Das schwarze Kleid“ (1992). Ermutigt von der mit ihr inhaftierten Schriftstellerin Elsa Bernstein (1866–1949), begann S., in Theresienstadt Gedichte zu schreiben, „um zu überleben“.

    Nach ihrer Befreiung 1945 kehrte S. nach München zurück, wo sie sich beim „Bayer. Hilfswerk für die durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen“ engagierte. 1947 veröffentlichte sie den Gedichtband „Theresienstadt“, dessen Lyrik u. a. von Hermann Hesse als „versöhnend“ gerühmt wurde. Gleichwohl fand S.s Werk – vorwiegend Lyrik und erzählende Prosa – in dieser Zeit kaum Gehör; erst seit den 1980er Jahren wurde es verstärkt publiziert. Das Manuskript „Bittere Jugend“, das in den 1950er Jahren kein Verlag drucken wollte, fand 1997 einen Verleger. In diese Milieustudie über das Alltagsleben im „Dritten Reich“ flossen Berichte über das Leiden der „halbarischen“ Tochter Ruth sowie Aufzeichnungen aus dem Konzentrationslager ein. Auch mit diesem Roman blieb sie ihren literarischen wie menschlichen Grundsätzen treu, die zugleich ihre große Lebensleistung ausmachen: S. wollte als Holocaustüberlebende nicht nur die Kraft aufbringen, das Unfaßliche in Worte zu kleiden, sondern in und mit ihren Texten „verzeihen, aber nicht vergessen, das Herz rein [zu] halten von Haß- und Rachegefühlen“ (Drei J. Theresienstadt, Erzz., 1984, engl. 1997). Seit 1996 verleiht die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz zweijährlich den mit 5000 Euro dotierten „Gerty-Spies-Literaturpreis“ für literarische Arbeiten zu gesellschaftspolitischen Themen.

  • Auszeichnungen

    Ehrenvors. d. Ges. f. christl.-jüd. Zus.arb., München (1984);
    Schwabinger Kunstpreis f. Lit. (1986);
    BVK am Bande (1987).

  • Werke

    Weitere W Wie ich es überlebte, Ein Dok., in: Hochland 50, 1958, Nr. 4, S. 350–60;
    Im Staube gefunden, Gedichte, 1987;
    Gedichte aus d. Konzentrationslager u. aus d. nachfolgenden J., 1993;
    Lebenslauf, in: Unterwegs, Rheinland-pfälz. Jb. f. Lit. 4, 1997, S. 170–76;
    Des Unschuldigen Schuld, Eine Auswahl aus d. Werk anläßl. d. ersten Verleihung d. G.-S.-Lit.preises d. Landeszentrale f. pol. Bildung Rheinland-Pfalz, zus.gest. v. D. Lamping u. H.-G. Meyer, 1997 (P);
    Nachlaß:
    IfZ München;
    Monacensia, Stadtbibl. München;
    Lit.archiv Sulzbach-Rosenberg;
    StadtA Trier (Nachlaß Gumprich/Spies).

  • Literatur

    S. Gauch, Zu Besuch b. G. S., in: Unterwegs, Rheinland-pfälz. Jb. f. Lit. 4, 1997, S. 177–81;
    H. G. Meyer, Leben in Dtld., Der G.-S.-Preis, ein ges.pol. Lit.preis, ebd., S. 182–90;
    S. Gauch, in: G. S., Bittere Jugend, 1997, S. 177–90;
    ders., Die Schriftst. G. S., Bll. z. Land, Landeszentrale f. pol. Bildung Rheinland-Pfalz 1, 2000 (P);
    H.-G. Meyer, Leben in Dtld., Der G.-S.-Preis, ein ges.pol. Lit.preis, ebd., S. 182–90;
    H. Hamm-Brücher, Für G. S., Brief an e. Freundin, in: G. S., Das schwarze Kleid, 1992, S. 111–17;
    H. Schimmerling, G. S., Drei J. Theresienstadt, in: Theresienstädter Stud. u. Dok., 1996, S. 233–44;
    G. Franz, G. S., Meine Jugend in Trier, Mit Einl. u. Erll., in: Kurtrier. Jb. 38, 1998, S. 219–37 (P);
    S. Gauch, G. S., Ein Jh. Leben, ebd., S. 239–43;
    R. Salamander, Erinnerung an G. S., 1897–1997, in: Reden, lernen, erinnern, hg. v. d. Ges. f. Christl.-Jüd. Zus.arb., 1998, S. 30 f. (P);
    Lex. Schriftstellerinnen 1933–45;
    Killy;
    Kosch, Lit.Lex.3 (L);
    Lit.-Lex. Rheinl.-Pfalz;
    Trierer Biogr. Lex.;
    Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1971–1998, 1999;
    Hörfunksendung:
    Eine Münchnerin in Theresienstadt, G. S. schildert ihre Erfahrungen in e. nat.sozialist. Lager, Radiofeature f. d. Bayer. Rundfunk v. Ch. Denk u. I. Leitner, 1993.

  • Autor/in

    Sigfrid Gauch
  • Empfohlene Zitierweise

    Gauch, Sigfrid, "Spies, Gerty" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 692-693 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752006.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA