Lebensdaten
1916 bis 1992
Geburtsort
Aigen bei Salzburg
Sterbeort
Wiener Neustadt
Beruf/Funktion
österreichischer General
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118615920 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Spannocchi, Emil Maria Edmund Ignaz Ägydius
  • Spannocchi, Emil
  • Spannocchi, Emil Maria Edmund Ignaz Ägydius

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Zitierweise

Spannocchi, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118615920.html [26.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit d. 12. Jh. erwähnter toskan. Adelsfam. mit Stammburg Spannocchia b. Siena;
    V Anton Gf. S. (1869–1949), aus Prag, k. u. k. Offz., Oberst d. Dragonerrgt. 5, k. u. k. Kämmerer u. Geh. Rat, Obersthofmeister d. Ghzg. v. Toscana, verwaltete nach d. 1. Weltkrieg habsburg. Güter, S d. Julius Gf. S. (1830–1905), aus Kecskemét, k. u. k. Oberstlt., Magnat in Ungarn, k. u. k. Kammerherr, u. d. Juliana Gfn. Csernovics de Mácsa et Kisoroszi (1798–1877);
    M Gabriele (1883–1960), T d. Emil Gf. v. Attems, Frhr. v. Heiligenkreuz (1857–1921), k. u. k. Major, k. u. k. Kammerherr, u. d. Theresia Gfn. O'Donell v. Tyrconell (1861–1906);
    Urur-Gvv Lelio Frhr. v. S. (1739–1809), k. k. FML;
    Ur-Gvv Peter Leopold Gf. S. (1786–1867, ungar. Gf. 1825, österr. Gf. 1846), Gen. d. Kav., k. k. Kammerher, GR;
    Ov Lelio Gf. S. (1868–1946), k. u. k. Offz., Militärattaché in St. Petersburg (beide s. ÖBL) B Lelio (1911–86), Dr. iur, 1947–56 Bez.hptm. v. Rohrbach, 1969–73 Mitgl. d. Oberösterr. Landesreg., 1970/71 Abg. d. Nat.rat (ÖVP), 1973–79 Abg. u. Erster Präs. d. Oberösterr. LT, wirkl. HR, Schw Livia (1910–68), Hoteliere in Bad Gastein;
    Wien 1947 Therese (1921–2000), T d. Eugen Alfonsus Gf. Czernin v. u. zu Chudenitz (1892–1955), 1932 Majoratsherr in Böhmen (s. Teichl), u. d. Josephine Prn. zu Schwarzenberg (1885–1965), Bes. d. Guts Vöstenhof (Niederösterr.);
    2 S Eugen (* 1947), Dr. phil., kaufm. Angest., Paul (* 1960), Jur., kaufm. Angest., 3 T Elisabeth (* 1949), Silvia (* 1952), Hebamme, Huberta (* 1955), Lehrerin.

  • Leben

    S. besuchte 1926–34 das Gymnasium des Benediktinerstifts Seitenstetten (Matura mit Auszeichnung) und war anschließend Einjährig-Freiwilliger des Österr. Bundesheers (Oberösterr. Dragoner-Schwadron Nr. 4). 1935–38 besuchte er die Theresian. Militärakademie Wiener Neustadt. Nach dem Einmarsch dt. Truppen in Österreich und dem|„Anschluß“ erfolgte seine Übernahme in die Dt. Wehrmacht und die Ausmusterung zum Leutnant. Kriegsdienst leistete er im Kavallerie-Regiment 17 in Bamberg; er nahm teil an den Feldzügen gegen Polen, Holland, Frankreich und die Sowjetunion. 1942 schwer verwundet, durchlief er seit Okt. 1943 eine Generalstabsausbildung (1944 Major) und wurde im Nov. 1944 in den Generalstab versetzt (zuletzt Ic Offizier [Nachrr.] d. 2. Panzer-Div.)

    Seit Sept. 1945 war er in der Geschäftsführung eines metallverarbeitenden Betriebs tätig, seit 1952 bei einem Chemiekonzern in Italien. 1954 trat S. in die B-Gendarmerie, die getarnte Vorstufe des Österr. Bundesheeres ein. Zunächst Kommandant der Fahreinheit Kärnten, wurde er 1955 Panzerreferent im Amt für Landesverteidigung, 1956 Oberstleutnant des höheren militärischen Dienstes, 1957 Kommandant der Panzertruppenschule, 1960 Kommandant der 9. Panzerbrigade, 1962 Oberst des Generalstabsdienstes. Seit Juli 1963 Kommandant der Stabsakademie in Wien (1966 Generalmajor) war S. ein beständiger Kritiker der lediglich auf schwachen Kräften aufbauenden österr. Landesverteidigung, wobei er sich auch auf die Arbeiten junger Generalstabsoffiziere stützte, die eine Ausbildung im Ausland, vornehmlich in den USA, absolviert hatten. An der 1967 in Landesverteidigungsakademie umbenannten Stabsakademie wurden Operationsfälle durchgespielt, die die damalige Doktrin des „Ostkriegs“ ad absurdum führten. Nach Anlaufen einer Heeresreform Anfang der 1970er Jahre, die eine Verkürzung der Dienstzeit auf sechs Monate brachte, stellte S. sich Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ) zur Verfügung und erklärte sich bereit, ein neues, auf einem milizartigen Wehrsystem und dem Prinzip der Raumverteidigung beruhendes Verteidigungskonzept für Österreich zu verwirklichen, knüpfte aber eine Reihe von Forderungen daran, v. a. die nach einem höheren Budget. Mit seiner Bereitschaft, die Vorstellungen des Bundeskanzlers und die Weisungen des Bundesministers für Landesverteidigung Karl Lütgendorf umzusetzen, geriet S. in einen schweren Konflikt mit einem Großteil der Generalität, wurde aber v. a. von jüngeren Offizieren in dem Augenblick unterstützt, als das Konzept der Raumverteidigung Gestalt annahm und auch die materiellen Rahmenbedingungen für das Heer besser wurden. 1972 Kommandant des Aufstellungsstabs Bereitschaftstruppe, 1973 General der Panzertruppe und Armeekommandant, beeinflußte S. mit seinen Vorgaben stark den Landesverteidigungsplan. Der darin vorgesehene Heeresumfang von 300 000 Mann wurde freilich nie erreicht. S. gelang es jedoch, die Landesverteidigung in Österreich, die bis dahin nicht nur von der Politik vernachlässigt, sondern auch von der Öffentlichkeit kritisch gesehen wurde, zeitweilig außer Streit zu stellen. Ein seinem Konzept entsprechender Heeresaufbau und eine nachhaltige bessere finanzielle Dotierung des Bundesheeres lagen aber außerhalb seiner Möglichkeiten.

    Nach seiner Pensionierung 1981 bewirtschaftete S. sein Gut Vöstenhof in Pottschach (Niederösterr.). Er blieb Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft kath. Soldaten (AKS) und war seit 1986 Ehren- und Devotionsritter des Souveränen Malteser Ritterordens, zudem Präsident der österr. (Teil)Organisation „AMCHA“, die sich in Israel um Überlebende des Holocaust kümmert.

  • Auszeichnungen

    E. K. II (1939); E. K. I (1941); Sturmabzeichen in Silber u. Verwundetenabzeichen in Schwarz; Gr. Ehrenzeichen d. Rep. Österr.; Silbernes Ehrenzeichen d. Rep. Österr.; Gr. Goldenes Ehrenzeichen d. Rep. Österr.; Bundesheerdienstzeichen 1., 2. u. 3. Kl. mit Spange; Österr. Olymp. Medaille; Gr. Goldenes Ehrenzeichen d. Stadt Wien; Gr. Ehrenzeichen f. Verdienste um d. Bundesland Niederösterr.

  • Werke

    Verteidigung ohne Selbstzerstörung, 1976, 21977, Nachdr. in: Verteidigung ohne Schlacht, mit Einl. v. C. F. v. Weizsäcker, 1979;
    Das Offz.bild d. achtziger J. in d. österr. Armee, 1978;
    Die Raumverteidigung, Der mil. Btr. z. österr. Neutralitätsverständnis, in: Österr.-Rapport, hg. v. H. Krejci u. E. Reiter, 1989, S. 45–55;
    zahlr. Aufss. in: Österr. Mil. Zs.;
    Truppendienst;
    Der Soldat;
    als Ehrengabe gesammelt in: Österr. Sicherheitspol., Konzepte, Kommentare, Positionen, 3 Bde., o. J. (Österr. Mil.Bibl., Wien).

  • Literatur

    W. Wildberger, E. S., Engagiert u. eloquent, 2006;
    Österr.-Lex., hg. v. R. u. M. Bamberger, E. Bruckmüller, K. Gutkas, 1995;
    Personenlex. Österr.;
    Munzinger;
    Qu Personalunterlagen u. Nachlaß
    Österr. StA, Wien, B, C1601 (P).

  • Portraits

    P Photogrr. (Privatbes.;
    Österr. StA, Nachlaß;
    Heeresfilm- u. Lichtbildstelle d. Bundesmin. f. Landesverteidigung, Wien).

  • Autor/in

    Manfried Rauchensteiner
  • Empfohlene Zitierweise

    Rauchensteiner, Manfried, "Spannocchi, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 630-631 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118615920.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA