Lebensdaten
1859 bis 1948
Geburtsort
Jühnde bei Hann. Münden
Sterbeort
Neuhaus (Solling)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Publizist ; Sozialreformer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118797913 | OGND | VIAF: 37712575
Namensvarianten
  • Sohnrey, Heinrich
  • Sohnrey, H.

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Zitierweise

Sohnrey, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118797913.html [05.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    Außerehel. V Oskar Frhr. Grote (1836/38–95, 1865 Eugenie Löbbecke, * 1840), S d. Eduard Frhr. Grote (1811–83), auf Jühnde, hann. Lt., u. d. Emilie Groux (1812–85), aus Hamburg, Sopranistin, debütierte 1826 am Hoftheater in Braunschweig (s. Kutsch-Riemens, Sängerlex.);
    M Rosine Luise S. (1827–1908);
    Ur-Gvv Jean Groux, Juwelier in Hamburg;
    – ⚭ Luise Schoppe ( 1917), aus Nienhagen (Lkr. Northeim);
    8 K u. a. Friedrich (Fidus) ( 1914), Walter ( 1937), Henny, Marie-Luise (* vor 1894).

  • Leben

    S. wuchs als uneheliches Kind in Jühnde auf, wo er durch die kleinbäuerliche Umgebung geprägt wurde. Gefördert durch seinen Konfirmator Otto Gieseke (1838–1925) und seine Großmutter väterlicherseits konnte er seit 1873 die Präparandenanstalt in Ahlden/Aller und seit 1876 das Lehrerseminar in Hannover besuchen. 1879 wurde S. Lehrer in Nienhagen (b. Moringen), wo er 1880 den Männergesangverein und eine Volksbibliothek gründete. 1885/86 absolvierte S. ein Studium der Sprachwissenschaften, Literatur, Geschichte und Botanik in Göttingen, übernahm anschließend die Leitung einer Schule in Möllensen (b. Sibbesse) und begann, literarisch tätig zu werden. Nachdem die von ihm 1888 gegründete Zeitschrift „Wartburg-Bote, Blätter für dt. Volkstum“ keinen Erfolg hatte, ging er 1889 als Redakteur nach Northeim, ein Jahr später als Chefredakteur der „Freiburger Zeitung“ nach Freiburg (Br.). Hier initiierte er die Halbmonatsschrift „Das Land“ (1893–1932), in der er sich sozialen und Brauchtumsthemen zuwandte. 1894 ließ sich S. als freier Schriftsteller in Berlin-Steglitz nieder, wo er 1896 mit staatlicher Unterstützung einen „Ausschuß für Wohlfahrtspflege auf dem Lande“ (seit 1903 „Dt. Ver. f. Wohlfahrts- u. Heimatpflege“) gründete, als dessen Geschäftsführer er das Jahrbuch „Die Landjugend“ (1896–1918), das Wochenblatt „Dt. Dorfzeitung“ (1898–1932) und den „Dorfkalender“ (1902–32) herausgab. Zudem fungierte er seit 1904 als Leiter des von ihm eingerichteten Verlags „Dt. Landbuchhandlung Berlin“.

    Um seinen heimat- und volkskundlichen Interessen ein breites publizistisches Forum zu schaffen, regte S. in den folgenden Jahren weitere neue Zeitschriften an (Archiv f. innere Kolonisation, 1909–33, seit 1934 u. d. T. Neues Bauerntum; Zs. f. d. ländl. Fortbildungswesen in Preußen, 1909–35, seit 1936 u. d. T. Die ländl. Berufsschule). Besondere Bedeutung gewann die Gründung der Zeitschrift „Die Dorfkirche“ (1907–41), für die S. Hans v. Lüpke (1866–1934) als Herausgeber gewinnen konnte. Sie wurde zum Ausgangspunkt der Dt. Dorfkirchenbewegung.

    Hohe Auflagenzahlen erreichten S.s eigene, z. T. im Dialekt verfaßten und autobiographisch geprägten literarischen und populärvolkskundlichen Schriften, in denen er sich mit seiner Heimat am Solling beschäftigte und für eine Hebung der Bildung und Lebensverhältnisse der Landbevölkerung eintrat. In seinem Spätwerk näherte sich S.s anti-moderner Agrarromantizismus der Blutund-Boden-Ideologie des Nationalsozialismus an, gleichwohl fanden seine Anliegen nunmehr wenig Gehör: S.s Publikationen wurden weniger rezipiert, sein Verein aufgelöst und sein Verlag vom Reichsnährstand übernommen. 1944 floh er aus Berlin und lebte anschließend in Neuhaus (Solling). Von bleibendem Wert sind seine volkskundlichen Sammlungen und Darstellungen.

  • Auszeichnungen

    preuß. Prof.titel (1907);
    Friedrich-Luisen-Medaille (1907);
    Dr. h. c. (Königsberg 1919;
    Tübingen 1919);
    Ehrenbauer v. Fredelsloh (1932);
    Ehrenbürger d. Univ. Göttingen u. v. Jühnde (beides 1934);
    Goethe-Medaille (1934);
    Adlerschild d. Dt. Reiches (1939);
    S.-Warte auf d. Balos b. Nienhagen/Weper;
    S.-Anger mit Warte u. Linde im Ital bei Eschershausen/Uslar;
    H.-S.-Schulen in Boffzen u. Hann. Münden;
    H.-S.-Ges. (Jühnde, seit 1949) mit H.-S.-Archiv (seit 1951) u. H.-S.-Gedächtnisstätte.

  • Werke

    Dt. Sagenschatz, Für d. Schule bearbeitet, 1885, erw. Neudr. 1909 (mit F. Kassebeer);
    Hütte u. Schloß, 1886 u. Friedesinchens Lebenslauf, 1887, zahlr. Aufll., Neudr. 1984;
    Die hinter d. Bergen, Dorfgestalten aus Hannoverland, 1894, zahlr. Nachdr. u. T.ausgg.;
    Die Wohlfahrtspflege auf d. Lande, 1896, Nachdr. 1902;
    Die Bedeutung d. Landbevölkerung im Staate u. unsere bes. Aufgaben auf d. Lande, 1896, Nachdr. 1897;
    Der Bruderhof, 1898, Nachdr. 1919, Neubearb. 1921, 31942;
    Wegweiser f. d. ländl. Wohlfahrts- u. Heimatpflege, 1900 (zahlr. z. T. erw. Aufll.);
    Rosmarin u. Häckerling, 1900, Neuaufl. u. d. T. Im grünen Klee, im weißen Schnee, Dorfgesch. aus Hannoverland, 1903, Nachdr. 1926, Neuaufl. u. d. T. Dorfgesch. aus d. hann. Berglande, 1934;
    Die Dorfmusikanten, 1902, verbesserte Aufl. 1914, Nachdr. 1922;
    Die Kunst auf d. Lande, Ein Wegweiser f. d. Pflege d. Schönen u. d. Heimatsinns im dt. Dorfe, 1905, Neubearb. 1929;
    Schrr. z. Förderung d. inneren Kolonisation, 1906;
    Zw. Dorn u. Korn, Lebenserinnerungen, 1934;
    Bibliogr.:
    E. Metelmann, in: Die neue Lit. 43, 1942, S. 176–80;
    Nachlaß:
    Heinrich Sohnrey Archiv u. Gedächtnisstätte Jühnde.

  • Literatur

    E. Kück (Hg.), H. S., 1909;
    H. Rothhardt (Hg.), Das H.-S.-Buch, 1929;
    F. W. Brepohl, Prof. Dr. H. S., der Vater d. dt. Heimatpflege, 1929, 21932;
    K. Schöpke, H. S., Der Pfad zu d. Qu. d. Lebens, 1949;
    E. Rosendahl, Erinnerungen an H. S., in: Raabe-Jb. 1949, S. 142–150;
    F. Kracke (Hg.), H. S. erzählt, Northeimer Heimatbll., 1959, Nr. 2;
    K. Bergmann, Agrarromantik u. Großstadtfeindlichkeit, 1970, S. 63–70, 89–110;
    H.-S.-Ges. e. V. (Hg.), H. S. z. 125. Geb.tag, 1984;
    C.-H. Kurz, In memoriam H. S., 1984;
    J. Schlierer (Hg.), Twüschen Hameln un Chöttingen, 1987, S. 226–37 u. 366 f.;
    W. Hartung, Konservative Zivilisationskritik u. regionale Identität, 1991, S. 148–53;
    G. Busse, Zw. Hütte u. Schloss, H. S., Schriftst., Soz.reformer, Volkskundler, 2009 (W, L, P);
    Niedersächs. Lb. II (W, L, P);
    RGG2;
    BBKL X (W, L);
    Th. Gerber, Persönlichkeiten aus Land- u. Forstwirtsch., Gartenbau u. Veterinärmed., 2004;
    Hildesheimer Lit.-Lex. (W, L);
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Internetseiten d. Heinrich-Sohnrey-Ges.

  • Autor/in

    Hubertus Menke
  • Empfohlene Zitierweise

    Menke, Hubertus, "Sohnrey, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 543-544 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118797913.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA