Lebensdaten
erwähnt 1060 oder 1075 , gestorben 11. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Musiktheoretiker ; Benediktinermönch ; Instrumentenbauer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100936725 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Arbeo
  • Arpeo
  • Arpio
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Quellen(nachweise)

Zitierweise

Aribo Scholasticus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100936725.html [14.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    Herkunft bislang ungeklärt. Die süddeutsche Abstammung ist nicht nachzuweisen, und der Beiname „von Freising“ besteht zu Unrecht. Neuere Forschungen haben erwiesen, daß er nie in Freising gewesen ist. Ob er im Raum von Lüttich geboren ist, ist auch unsicher.

  • Leben

    A.s Wirkungskreis war Lüttich. Er gehörte dem dortigen St. Jakobskloster an und schrieb hier zwischen 1060 und 1075 seinen Traktat „De musica“, den er dem Bischof Ellenhard von Freising widmete. Eng befreundet war er mit Wilhelm von Hirsau. Wahrscheinlich ist ein längerer Aufenthalt in Italien und eine Kanzleitätigkeit in Rom. Er war nicht nur Musiktheoretiker, sondern auch Instrumentenbauer und machte Angaben über Länge und Ausführung von Orgelpfeifen. Seine Meßvorrichtung für Pfeifen wurde nach ihm Aribuncala fistularum mensura genannt. Der Traktat „De musica“ besteht aus zwei Teilen: 1. seiner Musiklehre und 2. seinem Kommentar zur Lehre des Guido von Arezzo, den er als Kritiker beurteilt. Er sucht die Zusammenhänge zwischen Musik und Universum aufzudecken und den Gegensatz von weltlicher und geistlicher Musik zu klären und vertritt den ästhetischen Vorrang der Molltetrachorde vor der Durtonart des Volksgesangs. Der Mystik nahe stehend, bemüht er sich um Erforschung letzter metaphysischer Wahrheiten auf Grund der Zahlensymbolik. Seine Untersuchungen über den ethischen und ästhetischen Wert der geistlichen Musik sind von größerer Bedeutung als die über die mathematisch-physikalischen Gesetze der Tonkunst.

  • Werke

    De musica, in: J. P. Migne, Patrologiae cursus completus, Bd. 150, Sp. 1307 bis 1346, u. in: M. Gerbert, Scriptores ecclesiastici de musica II, 1784, S. 197-230.

  • Literatur

    ADB I; O. Ursprung, Freisings mittelalterl. Musikgesch., in: Festgabe z. 1200jähr. Jubiläum d. hl. Korbinian, hrsg. v. J. Schlecht, 1924, S. 244 ff.;
    K. G. Fellerer. Btrr. z. Musikgesch. Freisings, 1926, S. 26 ff.;
    J. Smits van Waesberghe SJ, Muziekgeschiedenis der Middeleuwen I, Tilburg o. J., S. 23 ff.;

    L. Bronarski, Die Quadrapartita figura in d. mittelalterl. Musiktheorie, in: Festschr. f. P. Wagner, 1926, S. 27 ff.;

    H. Riemann, Gesch. d. Musiktheorie 9.-19. Jh., 1928, S. 58 u. 160;

    R. Bauerreiß, Kirchengesch. Bayerns II, 1951, S. 80 f.;
    Vf.-Lex. d. MA I, 1933;
    LThK; H. Hüschen, in: MGG (L).

  • Autor/in

    Stephan Hilpisch OSB
  • Empfohlene Zitierweise

    Hilpisch OSB, Stephan, "Aribo Scholasticus" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 351 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100936725.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Aribo Scholasticus, Scholastiker und musikgelehrter Benedictiner zu Freising, von Geburt muthmaßlich ein Deutscher oder Niederländer. Er muß in der 2. Hälfte des 11. Jahrh. gelebt haben, da er einer der ersten Jünger und Commentatoren des Guido von Arezzo gewesen ist, und einen selbstverfaßten Musiktractat dem Bischof Ellenhard von Freising, der 1078 starb, gewidmet hat. Sein Tractat steht unter dem Titel „Musica“ bei Gerbert „Script, ecclesiast.“ II. 197—230, und beschäftigt sich mit Erklärung der Guidonischen Musiklehre, besonders darin enthaltener dunkler Sätze. Das Capitel auf S. 215 bei Gerbert trägt die Ueberschrift: „Utilis expositio super obscuras Guidonis sententias“.

  • Autor/in

    v. D.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dommer, Arrey von, "Aribo Scholasticus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 527 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100936725.html#adbcontent

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