Lebensdaten
um 1395 bis 1461
Geburtsort
Volkersdorf bei Enns (Oberösterreich)
Beruf/Funktion
Erzbischof von Salzburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 1021269565 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sigmund von Volkersdorf
  • Sigismund von Volkersdorf
  • Sigismundus von Volkersdorf
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Sigmund I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1021269565.html [22.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. 1765 erloschenen Fam. d. Herren v. Gleink-V., Ministerialen d. Mgf. v. Steier, dann d. Habsburger;
    V Georg v. V.;
    M Agnes v. Polheim.

  • Leben

    1424 Domherr in Salzburg, 1429 Spitalmeister und Dompropst, wurde S. am 10.4.1452 (in Form eines begrenzten Kompromisses durch drei nominierte Wähler) zum Erzbischof gewählt und von Papst Nikolaus V. am 9. Juni bestätigt; die Bischofsweihe erfolgte um den 8.8.1452.|Die kurze Regierungszeit, in der sich S. durchaus als fähiger Landesfürst erwies, fällt in die für Salzburg ungünstige Zeit der politischen Wirren unter Ks. Friedrich III. Noch 1452 wurde S. von Nikolaus V. beauftragt, zwischen Friedrich und einer österr. Ständeopposition, die den nach dem Tod Albrechts II. geborenen Ladislaus Postumus als rechtmäßigen König von Ungarn und Böhmen anerkannte, zu vermitteln. Dabei erwarb sich S. als Friedensvermittler zwar hohes Ansehen, wurde aber erst am 11.3.1458 in Wiener Neustadt von Friedrich III. mit den Regalien und erstmals seit fast 200 Jahren auch mit dem Hoheitsrecht des Blutbannes belehnt. S. erhielt als letzter Salzburger Erzbischof des Mittelalters auch das Privileg der Münzprägung im Erzstift und in allen dazugehörigen Städten.

    Zu größeren Differenzen zwischen S. und dem Kaiser war es bereits 1454 wegen der Fürstpropstei Berchtesgaden und dem 1449 geschlossenen salzburg.-habsburg. Salzhandelsvertrag gekommen. Nach Appellation S.s und des Propstes Bernhard verfügte Nikolaus V. am 1.10.1455 durch die Exemtion die geistliche Unabhängigkeit der Propstei von Salzburg; 1458 konnte der Streit mit Friedrich III. schließlich durch eine Neuregelung und Festlegung des Salzpreises gelöst werden.

    Schwere Probleme bereitete S. auch die durch den Kaiser verursachte Finanzkrise, die v. a. gegen die bayer. Herzöge gerichtet war. Nachdem durch die Prägung minderwertigen Geldes – auch durch S. selbst – eine Teuerungswelle ausgelöst und der gesamte Salzhandel schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war, konnte S. erst mit der Prägung neuer Münzen und einer Taxordnung vom 25.6.1460 die sog. „Schinderlingzeit“ beenden.

    1456 rief S. den Salzburger Landtag zur Abwehr drohender Türkengefahr zusammen, worauf ein militärisches „Allgemeines Aufgebot“ aufgestellt wurde. Von seiner besonderen Sorge um den Bergbau im Lungau zeugen die 44 Artikel der „Ramingsteiner Bergordnung“, die S. 1459 erstellen ließ. Trotz seiner durch die anhaltende Finanzkrise sehr eingeschränkten materiellen Möglichkeiten ließ er den gotischen Neubau der Kirche in Mülln vollenden und das Hauptportal des alten Domes 1454–61 durch Stefan Krumenauer neu gestalten.

    1456 berief S. eine Provinzialsynode nach Salzburg, die über eine vom Papst ausgeschriebene Kreuzzugssteuer („Türkenzehent“), verschiedene Mißstände, Bedrückung des Klerus durch Adelige, Aktivitäten der Bettelmönche u. a. m. beriet. Zweimal konnte er auf Grund des „Privilegium Salisburgense“ Salzburger Eigenbistümer (Chiemsee und Seckau) besetzen; durch S.s Intervention konnte 1459 von Papst Pius II. für das Salzburger Domkapitel das Privileg der freien Dompropstwahl erreicht werden. S.s sterbliche Überreste wurden in der St. Kolomanskapelle, dessen Altar und Benefizium er 1459 gestiftet hatte, im alten Dom beigesetzt.

  • Quellen

    Qu Florianus Dalham, Concilia Salisburgensia provincialia et dioecesana iam inde ab hierarchiae huius origine . . ., 1788, S. 226–41; A. Doppler, Auszüge aus d. Originalurkk., in: Mitt. d. Ges. f. Salzburger Landeskde. 14/15, 1874/75.

  • Literatur

    H. Dopsch, Salzburg im 15. Jh., in: H. Dopsch u. H. Spatzenegger (Hgg.), Gesch. Salzburgs, Stadt u. Land, I/1, 1981, S. 519–29;
    Ch. Mayrhofer, Das Salzburger Münzwesen unter Ebf. S. I. v. V., in: Salzburg Archiv 21, 1996, S. 101–12;
    F. Ortner, in: Gatz III (Qu, L);
    ders., Salzburgs Bischöfe in d. Gesch. d. Landes (696–2005), 2005, S. 160–63.

  • Autor/in

    Franz Ortner
  • Empfohlene Zitierweise

    Ortner, Franz, "Sigmund I." in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 363-364 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1021269565.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA