Lebensdaten
1636 bis 1708
Geburtsort
Burghausen (Oberbayern)
Sterbeort
Salzburg
Beruf/Funktion
katholischer Prediger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118897322 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Selhamer, Christoph
  • Selhamer, Christophorus
  • Selhammer, Christoph
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Zitierweise

Selhamer, Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118897322.html [28.02.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Andreas ( vor 1683), Ratsbürger u. Bierbrauer in B.;
    M Christina, Margaret oder Susanna N. N.; mind. 6 B u. a. Georg (1641–91), seit 1657 Student d. Philos. an d. Univ. Dillingen, Jesuit, mind. 4 Schw.

  • Leben

    S. besuchte die Volksschule und das Jesuitengymnasium in Burghausen. Anschließend trat er 1652 dem Jesuitenorden bei. Auf das zweijährige Noviziat und das dreijährige Philosophiestudium folgte die Lehrtätigkeit als Gymnasialdozent. Wohl am Jesuitenkolleg in Landsberg/Lech studierte er fünf Jahre Theologie. Während seines weiteren Einsatzes als Gymnasiallehrer an verschiedenen Orten empfing er 1665 die Priesterweihe. Als coadjutor spiritualis legte er nach dem dritten Noviziatsjahr (Terziat) 1668 die drei einfachen Gelübde ab und war dann wieder im Lehrberuf tätig. Wohl für ein Promotionsstudium immatrikulierte er sich 1670 an der Univ. Ingolstadt. Noch ohne Abschluß kam er 1672 als Gymnasialdozent nach Landsberg. S. trat 1674 aus dem Jesuitenorden aus und wurde als Weltpriester in den Salzburger Diözesanverband aufgenommen. Nach dem Erwerb des theol. Doktorgrads an der Benediktineruniv. Salzburg wurde er 1676 Stadtpfarrvikar der dortigen Dompfarrei, 1684 wechselte er als Stadtpfarrer nach Weilheim, resignierte aber schon 1686. Anschließend wirkte er als Seelsorgepriester in der von Benediktinern betreuten Wallfahrt Vilgertshofen und war zugleich bis 1699 wieder in Salzburg Stadtpfarrvikar, dann geistlicher Rektor. Seit 1705 lebte er ganz in Vilgertshofen, bis er 1707 nach Salzburg zurückkehrte.

    S., der in seiner Sprachgewalt dem bekanntesten Barockprediger, Abraham a Sancta Clara (1644–1709), kaum nachsteht, veröffentlichte die an seinen verschiedenen Wirkungssorten gehaltenen Predigten seit 1678 in weithin beachteten Drucken. Im Vergleich zu Abrahams überschwenglicher Eleganz sind diese Predigten bodenständiger und zeichnen sich durch schöpferische Sprache, Dispositionskunst, farbige Darstellung des Volkslebens und Anwendung aller Stilformen der zeitgenössischen Rhetorik aus. Besonders verbunden fühlte sich S. der damals von den anderen Ständen verachteten Landbevölkerung, die er zu trösten und ermutigen suchte; gleichwohl läßt er sich nicht als „Sozialreformer“ (H. Hörger) bezeichnen. Die aussdrucksstarken Predigten geben als kulturgeschichtliche Quellen Einblick in die religiösen, sozialen und kulturellen Verhältnisse ihrer Epoche. Neben den in der Barockzeit üblichen Höllenpredigten finden sich Gnadenpredigten, die ein betont gütiges Gottesbild vermitteln.

  • Werke

    J. Nádasi, Himmlisches J., 1684 (Übers.);
    Tuba Analogica (Gleichnispredigten), 2 Bde., lat. 1678, dt. 1699;
    Tuba Tragica (Schreckenspredigten), 2 Bde., dt. 1696, lat. 1699;
    Tuba Clementina (Gnadenpredigten), 2 Bde., dt. 1698;
    Tuba Rustica (Landpredigten), 2 Bde., dt. 1701;
    Tuba Anagrammatica (Buchstabenrätselpredigten), 2 Bde., lat. 1702.

  • Literatur

    O. Maußer, Prolegomena zu e. Biogr. C. S.s, in: Abhh. z. dt. Lit.gesch., Franz Muncker z. 60. Geb.tage, hg. v. E. Petzet, 1916, S. 54–64;
    K. Böck, Das Bauernleben in d. Werken bayer. Barockprediger, 1953;
    L. Helmer, C. S., Ein Btr. z. Predigt, Sprach- u. Kulturgesch. d. 17. Jh., Ms.dr. 1957;
    E. Moser-Rath, Predigtmärlein d. Barockzeit, Exempel, Sage, Schwank u. Fabel in geistl. Qu. d. oberdt. Raumes, 1964, S. 3–89;
    H. Gerl, Catalogus generalis provinciae Germaniae superioris et Bavariae societatis Iesu 1556–1773, 1968, S. 372;
    H. Hörger, Kirche, Dorfrel. u. bäuerl. Ges., Bd. 1, 1978, S. 169–77 u. 186;
    J.-M. Valentin, Le Théâtre des Jésuites dans les Pays de Langue Allemande, Bd. 2, 1984, S. 1113;
    H. Pörnbacher, Die Lit. d. Barock, 1986, S. XXXVIII–XL;
    Th. Groll, Die ausdrucksstarken Barockpredigten d. Salzburger Dompfarrvikars, Weilheimer Stadtpfarrers u. Vilgertshofener Wallfahrtspriesters C. S. (1636–1708), in: Lech-Isar-Land, 2007, S. 257–86;
    Killy;
    Marienlex.;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    LThK2;
    BBKL 16;
    Personenlex. Österr.

  • Autor/in

    Thomas Groll
  • Empfohlene Zitierweise

    Groll, Thomas, "Selhamer, Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 217-218 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118897322.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA