Lebensdaten
1647 bis 1705
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Turin
Beruf/Funktion
Maler ; Zeichner
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119509113 | OGND | VIAF: 64819106
Namensvarianten
  • Seiter, Daniel Joseph
  • Saiter, Daniel
  • Seutter, Daniel
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Zitierweise

Seiter, Daniel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119509113.html [05.03.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Martin Seutter (1607-um 1680), ksl. Hofsilberhändler in W.;
    M Veronika Schanternell ( 1655);
    Rom 1682 Angela Giannini, aus Rom;
    2 S Agostino (1683-um 1742), Maler in Rom, Pietro (* 1687), Baumeister, Kupferstecher in Rom u. Turin;
    E Amadeo (* 1712), Menuisier, Marmorinkrustrationsarbeiter (alle s. ThB).

  • Leben

    S. lernte aufgrund seines Zeichentalents zunächst bei einem Festungsbauingenieur und trat anschließend als Page in die Dienste des ksl. Feldmarschalls Raimund Montecuccoli (1609–80). Nach einem Duell zur Flucht gezwungen, kam er um 1667 nach Venedig. Dort trat er in die Werkstatt Johann Carl Loths (1632–98) ein, der, seit 1656 in Venedig ansässig, zu den namhaftesten Malern der Stadt zählte. Loth führte eine effiziente Werkstatt, die in den folgenden Jahren zur Ausbildungsstätte zahlreicher, zumeist österr. Künstler wurde. S. dürfte der erste Künstler gewesen sein, der in Loths Werkstatt eintrat, und dort wahrscheinlich mit der Anfertigung von Kopien nach Loth beschäftigt war; diese machten ihn mit Loths von hoher Expressivität und einem effektvollen „tenebroso“ geprägten Werk vertraut. In der Folge dürfte S.s Schaffen in Venedig weitgehend in der Anonymität des Werkstattbetriebs aufgegangen sein, denn einzig eine Zeichnung mit dem „Opfer an Pan“ (1670, Kunsthalle Bremen), die im Aufbau einem Gemälde Loths ähnelt (Kindheit d. Jupiter, 1668, Kopenhagen, Statens Mus. for Kunst), ist für seinen Aufenthalt in Venedig gesichert.

    Um 1680 ging S. nach einer Zwischenstation in Florenz, wo er dem Großherzog von Toskana, Cosimo III. Medici, zwei Gemälde lieferte (eines davon wohl Antiochus u. Stratonice, 1680?, Toronto, Art Gallery), die bereits die Auseinandersetzung mit den großformatigen, barocken Kompositionen Pietro da Cortonas im Palazzo Pitti zeigen, nach Rom. Dort hatte er sich bereits 1674/75 ein erstes Mal aufgehalten (Mitglied der Schilderbent unter dem Bentnamen „Avontstar“); nun erhielt S., obwohl er bis dahin nur als Tafelbildmaler hervorgetreten war, den Auftrag, die Apsis von Santa Maria degli Angeli zu freskieren. Seine Himmelfahrt Mariens orientiert sich deutlich an Giovanni Battista Gaullis kurz zuvor vollendeter Dekoration des Langhauses von Il Gesù, doch verweisen die „stucchi finti“ und der Figurenstil auch auf den Einfluß Cortonas und Gianlorenzo Berninis. Das Fresko in Santa Maria degli Angeli (1681) blieb S.s einziges Werk der Monumentalmalerei in Rom; in der Folgezeit widmete er sich ausschließlich der Tafel- und Altarbildmalerei.

    Mit seinen religiösen und mythologischen Themen erregte S. schnell das Interesse röm. Auftraggeber und Sammler, die nicht unwesentlich zur Verbreitung seiner Reputation beitrugen. 1683 wurde er in die „Congregazione Virtuosi al Pantheon“, eine hoch angesehene Künstlerbruderschaft aufgenommen, 1686 folgte die Ernennung zum „Accademico di merito“ in der Accademia di San Luca.

    In den Gemälden dieser Jahre gelang S. eine ganz individuelle, fruchtbare Synthese der barocken und klassizistischen Tendenzen der röm. Barockmalerei mit der koloristischen Tradition der venezian. Malerei. In seinen ersten in Rom entstandenen Werken wie den zwei Seitenaltargemälden der Capella Buzi-Ceva in Santa Maria in Aracoeli (Der hl. Paschalis heilt d. Ehzg. Leopold; Der hl. Paschalis heilt ein Kind) schloß er farblich noch an den lyrischen Tenebrismus seiner früheren Gemälde an, adaptierte jedoch in der Komposition bereits barockklassizistische Vorbilder wie Andrea Sacchi. Zu dieser Zeit hatte sich S. eng an Carlo Maratta, die unbestrittene Autorität unter den röm. Malern, und dessenSchüler angeschlossen, doch brach S. dessen Akademismus durch die ihm eigene Dramatik und Expressivität (Venus, Ceres u. Bacchus, 1684, Stamford, Burghley House; Venus u. Adonis, um 1685/86, Pommersfelden, Schloß Weißenstein). Der bedeutendste kirchliche Auftrag der röm. Zeit stammte von Kardinal Alderano Cybo, der 1685/86 für seine neu errichtete Familienkapelle in Santa Maria del Popolo die Seitenaltäre bei S. bestellte. In den Kompositionen der Gemälde „Martyrium des hl. Laurentius“ und „Martyrium der hl. Katharina“ setzte sich S. bewußt von Marattas Klassizismus ab und lieferte statt dessen zwei ausgesprochen barocke Gemälde, die berühmte Vorbilder wie Tizian und Rubens nicht leugnen. Auch in den folgenden Jahren bis zu seinem Weggang nach Turin bevorzugte S. Kompositionen mit effektvollen Aktfiguren und einem vitalen Kolorit mit Anklängen an den venezian. Tenebrismus (Marter d. hl. Agapitus, 1686/87, Stiftskirche Kremsmünster; Aurora u. Cephalus, um 1686, Pommersfelden, Schloß Weißenstein; Parisurteil, 1687/88, London, Chiswick House).

    1687 trat S. erstmals in Kontakt zum Hof des Herzogs von Savoyen und nahm 1688 die Einladung Vittorio Amedeos II. nach Turin an, im neu erbauten Ostflügel des Palazzo Reale die Staatsgemächer mit repräsentativen Deckengemälden auszustatten. 1687–95 entstanden hier (Die vier Elemente, um 1688/89; Der Triumph eines Feldherrn, um 1688/89; Die Apotheose Vittorio Amedeos II., 1692/94; Diana u. Endymion, um 1694) und in anderen fürstlichen Gebäuden wie der Villa Regina (Diana u. Endymion, um 1694?) oder der Venaria Reale Deckenmalereien und Stuckdekorationen, die ausgehend von einer duftig-frischen Malkultur venezian. Provenienz das barocke Pathos Cortonas und Marattas klassizistische Eleganz zu einer gelungenen Synthese führten. S. legte mit seinen Dekorationen den Grundstein für Turins bedeutende Rolle als Ort der Monumentalmalerei im 18. Jh.

  • Literatur

    M. Kunze, D. S. (1647–1705), Die Zeichnungen, Ausst.kat. Salzburger Barockmus., 1997 (P);
    ders., D. S. 1647–1705, Die Gem., 2000 (L);
    ThB;
    Dict. of Art.

  • Portraits

    Zeichnung v. Gaetano Sardi, Rötel u. Kreide (Stockholm, Nat.mus.), Abb. in: Ausst.kat. Salzburg (s. L), Frontispiz.

  • Autor/in

    Peter Prange
  • Empfohlene Zitierweise

    Prange, Peter, "Seiter, Daniel" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 199-200 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119509113.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA