Lebensdaten
1905 bis 1979
Geburtsort
Berlin-Oberschöneweide
Sterbeort
Rom
Beruf/Funktion
SED-Politiker ; Staatssekretär für Kirchenfragen der DDR
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 127039031 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seigewasser, Hans Ferdinand Franz
  • Seigewasser, Hans
  • Seigewasser, Hans Ferdinand Franz

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Zitierweise

Seigewasser, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd127039031.html [07.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Graveur;
    Adoptiv-V Emil S. (1876–1946), Arbeiter, Krankenkassenangest., bis 1904 u. 1926–33 SPDMitgl., zw.zeitl. Anarchist;
    M Frieda N. N. (* 1885), Verkäuferin, bis 1932 SPDMitgl.;
    Halb-Schw Lieselotte (* 1917), Angest., vor 1933 SAJ-Mitgl., nach 1933 Führerin im Reichsarbeitsdienst d. weibl. Jugend;
    1) Hilde (1906–45), aus Berlin-Friedenau, Sekr. in d. Wirtsch.gruppe Bekleidungsind., vor 1933 Mitgl. d. SPD u. d. Jungsozialisten, dann KPDMitgl., 9. 9. 1943 verhaftet, 17. 4. 1944 durch d. Volksger.hof im Prozeß gegen Kurt Müller u. andere wegen Vorbereitung z. Hochverrat zu e. Zuchthausstrafe v. zweieinhalb J. verurteilt, im Frauenzuchthaus Cottbus durch e. Bombenangriff ums Leben gekommen, T d. Heinrich Pöhlmann, Krankenkassenangest., u. d. Agnes Kittke, 2) Berlin 1947 Gerda (* 1914), 1932 SPDMitgl., in d. DDR Sachbearbeiterin im Min. d. Innern u. im Min. f. Ausw. Angelegenheiten, SEDMitgl., T d. Otto Zincke (* 1889), Musiker, u. d. Wanda N. N. (* 1891);
    1 S aus 1) Günther (* 1934, Felicitas, Sekr. in d. Ges. z. Verbreitung wiss. Kenntnisse), Redakteur, Volkspolizist, Angest. im Dt. Inst. f. Zeitgesch., bis 1960 SEDMitgl., flüchtete 1960 aus d. DDR;
    1 S aus 2) Peter (* 1951), 1970 Soldat, 1977 Student; Schwägerin Hildegard Zincke, verh. Mannl (* 1921).

  • Leben

    S. lebte 1905–11 bei seiner Großmutter in Berlin-Oberschöneweide und danach bei seiner Mutter und seinem späteren Adoptivvater in Berlin-Charlottenburg. Dort besuchte er die Volks- und die Mittelschule sowie dank eines Stipendiums die Fontane-Realschule, die er jedoch 1921 wegen der materiellen Verhältnisse der Eltern verließ. 1921–23 absolvierte er eine Lehre in einer Berliner Privatbank und war danach dort als Angestellter tätig. Nach der Liquidation dieses Bankhauses 1924 war S. 1926/27 Angestellter beim Arbeitsamt Berlin-Weißensee und anschließend bis Sept. 1933 bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlin-Wilmersdorf. Aus beiden Stellungen wurde er aus politischen Gründen entlassen und blieb bis zu seiner Verhaftung 1934 arbeitslos.

    Politisch engagierte sich S. seit Jan. 1919 im Sozialistischen Schülerbund (SSB), in der Freien Sozialistischen Jugend Deutschlands (FSJ) und 1919–26 in der Sozialistischen Proletarierjugend (SPJ). 1921 trat er in die USPD und in den Allgemeinen Verband der Bankangestellten ein. 1922/23 übernahm S. lokale Führungsfunktionen in der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ). Seine SPD–Mitgliedschaften 1922/23 und 1926–31 endeten jeweils durch Ausschluß wegen kommunistischer Fraktionsarbeit. S. wurde an den Reichsschulen der SPJ und der Jungsozialisten, der Hochschule für Politik, 1927–29 an der Freien Sozialistischen Hochschule und 1930–32 an der Marxistischen Arbeiterschule (MASCH) unterwiesen. 1927 den Jungsozialisten beigetreten, stieg S. dort 1928 zum Bezirksvorsitzenden von Berlin, 1929 zum Mitglied und 1930 zum Vorsitzenden der Reichsleitung auf. 1931 wurde er in den Parteivorstand und zum Bezirksvorsitzenden von Berlin der 1931 gegründeten Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) gewählt. Im Okt. 1932 auch aus der SAP wegen kommunistischer Fraktionstätigkeit ausgeschlossen, trat S. unmittelbar danach der KPD bei, für die er seit 1933 illegal aktiv war. Seit Nov. 1933 gehörte er der Bezirksleitung Berlin-Brandenburg der illegalen Roten Hilfe an und beteiligte sich an der Herausgabe von 16 illegal erscheinenden Unterbezirkszeitungen. Am 22.9.1934 in Berlin von der Gestapo verhaftet, wurde S. am 16.2.1935 vom Kammergericht Berlin im Prozeß gegen Max Lenk und andere wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einer Zuchthausstrafe von fünf Jahren verurteilt, die er in Luckau (Niederlausitz) und 1937–39 in den Strafgefangenenlagern Esterwegen und Aschendorfer Moor (Emsland) verbüßte. Nach Strafende|wurde er von Sept. 1939 bis Okt. 1944 im KZ Sachsenhausen inhaftiert und dann ins KZ Mauthausen überführt, wo er Anfang Mai 1945 befreit wurde.

    1945/46 vom ZK der KPD beauftragt, die Vereinigung von KPD und SPD zu fördern, war S. 1946–50 Angestellter des SED-Parteivorstands sowie Mitarbeiter von Franz Dahlem (1892–1981) und unterrichtete an Parteiund Gewerkschaftsschulen. 1950–79 war er Abgeordneter der Volkskammer und als solcher 1968 Vorsitzender der Parlamentarischen Freundschaftsgruppe DDR-Frankreich. Im Nationalrat der Nationalen Front bekleidete er seit 1950 verschiedene Führungs- und Spitzenpositionen.

    Vom 15.11.1960 bis zu seinem Tod war S. in der Nachfolge Werner Eggeraths (1900–77) als Staatssekretär für Kirchenfragen dem Vorsitzenden des Ministerrats der DDR für die politische Kontrolle der Kirchen und Religionsgemeinschaften in der DDR unterstellt. Nach der phasenweise antikirchlichen SED-Politik der 50er Jahre wurde die organisatorische Trennung der ev. Kirchen in der DDR von der Ev. Kirche in Deutschland (EKD) von S. als Voraussetzung begrenzter Entfaltung kirchlichen Lebens in der DDR nachdrücklich gefördert. Der 1969 gegründete Bund der Ev. Kirchen in der DDR wurde seit Febr. 1971 von der DDR- und der SED-Führung als Repräsentativorgan im Sinne eines effizienten und diskreten Konfliktmanagements akzeptiert. Die kirchenpolitische Tätigkeit S.s, deren Ziele und Grenzen immer auch von der Arbeitsgruppe Kirchenfragen des ZK der SED und dem jeweils zuständigen ZK-Sekretär definiert wurden, kulminierte in dem Treffen Honeckers mit Spitzenrepräsentanten der ev. Kirchen (u. a. mit Bf. Albrecht Schönherr, 1911–2009) am 6.3.1978 und den aus diesem Anlaß erfolgten Erklärungen über den humanistischen Auftrag der „Kirchen im Sozialismus“.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Präsidiums d. Zentralltg. d. Komitees d. Antifaschist. Widerstandskämpfer d. DDR (seit 1952), d. Bez.ltg. Berlin d. SED (1959–61), d. Ges. f. Dt.-sowjet. Freundschaft (DSF) (seit 1949, 1955–61 Mitgl. d. Zentralvorstands), d. Freien Dt. Gewerkschaftsbunds (FDGB), d. Freien Dt. Jugend (FDJ), d. gesamtdt. Rates u. d. Zentralvorstands d. Vereinigung d. Verfolgten d. Naziregimes (VVN), d. Büros u. d. Gen.rats d. Internat. Föderation d. Widerstandskämpfer (FIR), d. Friedensrats d. DDR, d. Kulturbunds f. d. demokrat. Erneuerung Dtld.s u. d. Ges. f. Sport u. Technik; Vizepräs. d. Freundschaftsges. DDR-Frankreich in d. Liga f. Völkerfreundschaft (seit 1962); VVO in Silber (1955) u. Gold (1965) mit Ehrenspange (1970); Ernst-Moritz-Arndt-Medaille (1955); Medaille „Kämpfer gegen d. Faschismus 1933 bis 1945“ (1958); Verdienstmedaille d. DDR (1959); Ehrenzeichen d. Ges. f. Dt.-Sowjet. Freundschaft in Gold (1959); Ernst-Schneller-Medaille in Gold (1971); Karl-Marx-Orden (1975); Verdienstmedaille d. Nat. Volksarmee in Gold (1975); Medaille 30. J.tag d. DDR (1979); Arthur-Becker-Medaille in Gold; Medaille 50 J. Parteizugehörigkeit; Carl-v.-Ossietzky-Medaille; Verdienstmedaille d. Dt. Friedensrats; 12 ausländ. Auszeichnungen.

  • Werke

    Rede über d. Verantwortung d. dt. Widerstandskämpfer b. demokrat. Neuaufbau Dtld.s, ca. 1948 [fingierter Titel];
    Vorrede in: F. Dahlem, Weg u. Ziel d. antifaschist. Kampfes, 1952;
    Nachwort in: V. Sacharow, Aufstand in Mauthausen, 1961, 21970;
    Der Btr. d. antifaschist. Widerstandskämpfer b. d. Entwicklung u. Festigung d. Bewußtseins unserer jungen Generation, in: Gemeinsame Arbeitsberatung d. Zentralrats d. FDJ u. d. Komitees d. antifaschist. Widerstandskämpfer d. DDR am 1. Nov. 1974 an d. Jugendhochschule „Wilhelm Pieck“, 1974;
    zahlr. Art., Reden u. a. im BA Berlin, Bestände N 2509 u. DO 4.

  • Literatur

    B. S. Mann, Viel Verständnis f. andere, Vor 95 J. wurde H. S. geb., in: Antifa 24, 2000, 09, S. 34;
    K. Lindner, H. S., 1905–1979, Kommunist u. Gewerkschafter, in: Internat. wiss. Korr. z. Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung 41, 2005, S. 471–86;
    W. Naasner, Staatssekr. f. Kirchenfragen 1949–1990, Bestand Do 4, 2007;
    Biogr. Hdb. SBZ/DDR;
    Munzinger;
    Qu
    BA Berlin: Bestände N 2509 Nachlaß H. S. (N 2509/204, 7, 2, 9–13, 292–293), DO 4 Staatssekr. f. Kirchenfragen (DO 4/6018–6021), DC 20 Min.rat d. DDR, DO 1 Min. d. Innern, DA 1 Volkskammer d. DDR, NJ NS-Justiz (NJ 8632, 11493, 14895, 1063, 1713, 13326);
    SAPMO, Berlin: Bestände DY 30 SED (DY 30/IV 2/11/v 2581), DY 6 Nat.rat d. Nat. Front d. DDR, DY 32 Ges. f. Dt.-Sowjet. Freundschaft, DY 55 Vereinigung d. Verfolgten d. Naziregimes, DY 57 Komitee d. Antifaschist. Widerstandskämpfer d. DDR.

  • Autor/in

    Walter Naasner
  • Empfohlene Zitierweise

    Naasner, Walter, "Seigewasser, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 192-193 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd127039031.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA