Lebensdaten
1863 – 1922
Geburtsort
Saint Paul (Minnesota, USA)
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Hygieniker ; Direktor des Staatlichen Hygienischen Institutes in Hamburg
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 124941370 | OGND | VIAF: 20627838
Namensvarianten
  • Dunbar, William Philipps
  • Dunbar
  • Dunbar, W. P.
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Zitierweise

Dunbar, William Philipps, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124941370.html [28.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. kam um 1600 aus Schottland nach Nordamerika;
    V Lewis (1837–1905), Bankier, S des Joseph u. der Sarah Parker, beide aus New Bedford;
    M Joh. Emilie (1838–1919), T des Johannes Naumann, Pastor in Lücke b. Bremen, zuletzt in Bispingen (Hannover);
    1) 1892 Nelly (1872–1946), T des Samuel Pascoe aus Cornwall, Dir. der Gießener Braunstein-Grube, 2) Hamburg 1914 Anita (* 1890), Klaviervirtuosin, T des Oskar v. Hillern-Flinsch, Kaufm. in Freiburg (Breisgau), u. der Charl. v. Hillern; Schwager Bruno Weyer (1857–1936), Korvettenkapitän, Gründer u. Hrsg. des „Taschenbuchs der Kriegsflotten“;
    2 S, 1 T aus 1), 1 T aus 2).

  • Biographie

    D., gebürtiger Amerikaner, war zunächst auf einem Gut und später als Kaufmann tätig. Er begann seine medizinischen Studien verhältnismäßig spät und bestand 1892 die ärztliche Staatsprüfung in Gießen. Bereits im September 1892 wurde er nach Hamburg berufen und einige Monate später als Direktor des neu gegründeten Staatlichen Hygienischen Institutes in Hamburg eingesetzt. Der eigentliche Anlaß der Institutsgründung war die Hamburger Choleraepidemie. Dementsprechend waren die Fragen der Wasserversorgung und der Abwasserreinigung sowie die Bakteriologie des Trinkwassers von besonderer Bedeutung. D. verbesserte die Verfahren des Nachweises der Erreger von Cholera und Pest. Die heute unbestrittene Tatsache, daß Krankheitserreger auch bei gesunden Menschen („Keimträger“) angetroffen werden, wurde durch die damaligen bakteriologischen Arbeiten D.s bekannt. Sie wurden zunächst angegriffen. Heute ist jedoch die Fahndung nach „Keimträgern“ eine der wichtigsten Maßnahmen der Seuchenhygiene. Sehr viel Mühe hat D. für den Nachweis von Entwicklungszusammenhängen zwischen Mikroorganismen aufgewandt; er versuchte zum Beispiel Algen, Schimmelpilze, Hefen und Bakterien in einen entwicklungsgeschichtlichen Zusammenhang zu bringen. Diese Auffassung wurde seinerzeit von seinen Zeitgenossen angegriffen. Heute kann jedoch gesagt werden, daß einer seiner wichtigen Grundgedanken, nämlich die Vielgestaltigkeit der Bakterien, durch zahlreiche neuere Untersuchungen bestätigt worden ist, allerdings mit der vorläufigen Einschränkung, daß der Pleomorphismus nur innerhalb der Arten stattfindet. Besonders nachhaltigen Erfolg hatten D.s Arbeiten zur Abwasserreinigung. Sein „Leitfaden für die Abwasserreinigungsfragen“ (1907, ³1954) ist bis heute gültig geblieben. Bei seinen Arbeiten über das Heufieber fand er den Zusammenhang der Krankheit mit den Pollen von Gräsern und gab ein Gegenmittel gegen diese Krankheit an. – D. wurde 1903 mit dem Pettenkofer-Preis für Arbeiten auf hygienischem Gebiet, 1904 mit dem Grand-prix auf der Weltausstellung in Chicago für Arbeiten über die Ursache und spezifische Behandlung des Heufiebers ausgezeichnet. Seine Gedanken und Werke behielten bis in die Jetztzeit Bedeutung.

  • Werke

    Weitere W u. a. Bakteriologie: Mehrere Arb. üb. Cholera, Typhus, Diphtherie u. Pest, in: Ergebnisse d. Allg. Pathol. u. Patholog. Anatomie d. Menschen u. d. Tiere, hrsg. v. O. Lubarsch u. R. Ostertag, 1.-4. Jg., 1894-99; Zur Frage d. Stellung d. Bakterien, Hefen u. Schimmelpilze im System, 1907;
    ferner in: Zs. f. Hygiene u. Infektionskrankheiten 12, 1892, 21, 1896;
    Dt, Med. Wschr., 1893;
    Serologie: Über d. serobiolog. Verhalten d. Geschlechtszellen, in: Zs. f. Immunitäts-F u. experimentelle Therapie IV, 1910, VII, 1913;
    Heufieber: Zur Ursache u. spezif. Heilung d. Heufiebers, 1903;
    u. in: Dt. Med. Wschr. 1911, Nr. 13;
    Wasserversorgung: Zur Frage üb. d. Natur u. Behandlung eisenhaltigen Grundwassers mit bes. Berücksichtigung d. Eisenausscheidung bei Privatbrunnen, in: Zs. f. Hygiene u. Infektionskrankheiten 22, 1896, S. 68;
    Die Wasserversorgung Londons, in: Gesundheitsingenieur 36, 1913;
    Altes u. Neues üb. d. Oberflächenwasserversorgung, in: The Journal of State medicine, Jg. 21.1912;
    Abwasserreinigung: Zur Frage üb. d. Natur u. Anwendbarkeit d. biolog. Abwasserreinigungsverfahren, insbes. d. Oxydationsverfahrens, in: Dt. Vjschr. f. öff. Gesundheitspflege 31, 1899, Nr. 4 a;
    Nahrungsmittelhygiene: Die gesundheitl. Überwachung d. Verkehrs mit Milch, ebd. 36, 1904;
    Über d. Verwendung gesundheitsschädl. Stoffe in d. Margarinefabrikation, in: Bll. f. Volksgesundheitspflege 12, 1912; Gesundheitswesen: |Das Hygien. Inst. d. Freien u. Hansestadt Hamburg, Hamburg in naturwiss. u. med. Beziehung. 1901;
    Häusliche Gesundheitspflege, 1913.

  • Literatur

    Kammann, in: Gesundheitsingenieur 45, 1922, S. 253-55;
    DBJ IV (Tl. 1922, L).

  • Porträts

    Photo (Lehranstalt f. Allg. u. Sozialhygiene im Hygien. Inst. Hamburg).

  • Autor/in

    Hans Harmsen
  • Zitierweise

    Harmsen, Hans, "Dunbar, William Philipps" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 193-194 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124941370.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA