Lebensdaten
1880 bis 1944
Geburtsort
Passau
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Jurist ; Rechtshistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118965573 | OGND | VIAF: 19749323
Namensvarianten
  • Schwerin, Claudius Wilhelm Engelbert Franz Johann Maria Freiherr von
  • Schwerin, Claudius Freiherr von
  • Schwerin, Claudius Wilhelm Engelbert Franz Johann Maria Freiherr von
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Zitierweise

Schwerin, Claudius Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118965573.html [06.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. bayer. Linie, d. seit Joachim Dietrich (1624–74), Kpt. in schwed. Diensten, zuletzt in Münster (Westf.), nachweisbar ist; dessen S Dietrich (* 1673) trat 1693 in d. Niederlanden in d. Dienste d. Kf. Maximilian v. Bayern;
    V Johannes (Hans) (1846–1928), Staatsanwalt am Oberlandesgericht München, Senatspräs., S d. Maximilian (1809–53), auf Hauzendorf u. Hackenberg, u. d. Franziska Lang (1814–88);
    M Friederike (Frieda) (1853–1930), T d. Franz Anton Edler v. Oswald (1818–89), aus Landau, bayer. Oberst, u. d. Wilhelmine Edle v. Oswald (1816–77); Vorfahre Joseph Engelbert Claudius (bayer. Frhr. 1813), preuß. Bergrat, später Vorstand d. bayer. Gen.bergwerks-Administration, Gen.dir. d. Porzellanmanufaktur u. d. Gewehrfabrik, Geh. Finanzrat, bayer. Kammerherr;
    B Detlof (1894–1947), Oberreg.rat im bayer. Innenministerium;
    Freiburg (Br.) 1908 Gertrud (1881–1944 Luftangriff), T d. Wilhelm Schultze, Dr. med., Oberstabsarzt, u. d. Emma Wegscheider;
    2 S Olaf (1910–45 vermißt, 1952 f. tot erklärt), Dr. med., wiss. Assistent an d. Univ.nervenklinik in Freiburg (Br.), Stabsarzt, Rolf (1915–42 ⚔), Studienreferendar, 1 T Gerda (1912–36);
    E u. a. Frank (* 1939), RA in March;
    Ur-Gvv d. Ehefrau Franz Edler v. Oswald (1744–1807, Reichsadel 1785), Dr. med. et phil., 1768 kurpfalzbayer. Wirkl. Hofmedicus, 1788 fürstl. regensburg. Leibmedicus u. GR, 1791 kurbayer. Wirkl. Med.rat;
    Gvv d. Ehefrau Josef Alois Franz de Paula Edler v. Oswald (1773–1849), bayer. Oberstlt., Gen.auditor.

  • Leben

    S. legte 1898 am Gymnasium Fridericianum in Erlangen das Abitur ab und studierte anschließend an der Univ. München zunächst vorwiegend Musikwissenschaft und 1899–1902 Rechtswissenschaft. Der Rechtshistoriker Karl v. Amira (1848–1930), bei dem S. zahlreiche Vorlesungen, v. a. zur Dt. Rechtsgeschichte und zum Dt. Privatrecht, hörte, beeinflußte ihn nachhaltig. 1904 wurde er mit der Dissertation „Beiträge zur Erläuterung des Begriffs der Rechtsnachfolge im geltenden Zivilrecht“ (1905) zum Dr. iur. promoviert. Nach der zweiten Staatsprüfung (1905) wurde er Assistent bei Amira. 1907 habilitierte sich S. mit der Schrift „Die altgerman. Hundertschaft“ (1907, Neudr. 1973) und wurde Privatdozent in München. 1910 wechselte er als Dozent im Hauptamt an die Münchner Handelshochschule, 1914 wurde er ao. Professor in Berlin und erhielt zur Abwendung eines Rufs an die Univ. Leiden erstmalig in Deutschland einen Lehrauftrag für skandinav. Rechtsgeschichte und geltendes skandinav. Recht. 1917 wurde er o. Professor an der Univ. Straßburg, 1919 in Freiburg. 1935 trat er in München die Nachfolge von Heinrich Mitteis (1889–1952) auf dem Lehrstuhl seines Lehrers Amira an, nachdem 1924 dessen Versuch gescheitert war, S. als seinen unmittelbaren Nachfolger durchzusetzen. Rufe nach Leipzig (1937) und Wien (1940) lehnte er, wie schon zuvor einen Ruf nach Köln (1920), ab. 1944 starb er mit seiner Frau bei einem Luftangriff.

    S. gehört einer Wissenschaftlergeneration an, die ihre maßgebliche Sozialisation im Kaiserreich erfuhr und ihren größten Einfluß während der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus erreichte. In Deutschland zählte S. zu den bedeutendsten germanist. Rechtshistorikern seiner Zeit, dessen Werk nicht nur in den nordeurop. Ländern, sondern auch im roman. Sprachraum Beachtung fand. S.s rechtshistorisches Werk ist gekennzeichnet durch eine besondere Betonung des Germanischen, als dessen Grundprinzipien er Werte wie Treue, Ehre und Gemeinschaft identifizierte, die er auch auf das Zeitgeschehen übertrug (Der Geist d. altgerman. Rechts, das Eindringen fremden Rechts u. d. neuerliche Wiedererstarkung german. Rechtsgrundsätze, in: German. Wiedererstehung, hg. v. H. Nollau, 1926, S. 205–91). S. war u. a. seit 1934 Mitglied im Bund nationalsozialistischer dt. Juristen und in der NS-Wohlfahrt, seit 1935 im Volksbund für das Deutschtum im Ausland, 1937 in der NS-Studentenkampfhilfe, am 1.5.1937 wurde er NSDAP-Mitglied. Seine die NS-Ideologie stützenden Wertungen wie die Rückführung der totalen Unterwerfung im Interesse des Ganzen auf den germanischen Geist, wo „der Einzelne nichts war, der Verband alles“ (Vom german. Staat, in: Die Tatwelt, Zs. f. Erneuerung d. Geisteslebens, 1933, S. 49–55) relativieren die Bedeutung seines Gesamtwerks für die heutige rechtshistorische Forschung. Von bleibendem Wert sind neben der von S. bearbeiteten, 1928 erschienenen 2. Auflage von Heinrich Brunners „Dt. Rechtsgeschichte“, Band II, die Ausgaben der Leges Saxonum, der Lex Thuringorum (1918) und des Sachsenspiegel (Landrecht). Auch seine Vorarbeiten zur Edition der Sachsenspiegel-Glossen, mit der er von der Monumenta Germaniae Historica 1929 betraut worden war, bildeten zusammen mit den von seiner Freiburger Assistentin Erika Sinauer (1898–1945 Auschwitz, 1940 nach Gurs deportiert) vorgelegten „Studien zur Entstehung der Sachsenspiegelglosse“ (Neues Archiv d. Ges. f. ältere dt. Gesch.kunde 50, 1935, S. 475–581) die Grundlage für die 2002 von Frank-Michael Kaufmann herausgegebenen „Glossen zum Sachsenspiegel-Landrecht: Buch'sche Glosse (MGH, Fontes iuris Germanici antiqui, Nova series, Bd. 7).

  • Auszeichnungen

    außerakad. Mitgl. d. Komm. f. d. Dt. Rechtswörterbuch d. phil.-hist. Kl. d. Kgl. Preuß. Ak. d. Wiss. (1917);
    ausw. Mitgl. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1920);
    o. Mitgl. d. Bad. Hist. Kommission (1920), d. Straßburger Wiss. Ges. (1920), d. Schwed. Ak. d. Wiss. (1930) u. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1942);
    Mitgl. d. Ak. f. Dt. Recht, beauftragt mit d. Erstellung e. Bibliogr. z. dt. Rechtsgesch. (1933);
    korr. Mitgl. d. Sächs. Ak. d. Wiss. (1934);
    Mitgl. d. Freiburger Wiss. Ges. (1934);
    Ehrenmitgl. d. Islenzka Bokmentafjelag (1938).

  • Werke

    Weitere W Dt. Rechtsgesch., 1912, 21915;
    Grundzüge d. dt. Privatrechts, 1919, 21928;
    Einf. in d. Studium d. german. Rechtsgesch. u. ihrer Teilgebiete, 1922;
    Die Formen d. Haussuchung in indogerman. Rechten, 1924;
    Recht d. Wertpapiere (einschließl. Wechsel- u. Scheckrecht). 1924, 21934;
    Quellen z. Gesch. d. Eheschließung, 3 Bde., 1925–30;
    Bad. Landeszivilrecht, 1927;
    Freiheit u. Gebundenheit im german. Staat, 1933;
    Grundzüge d. dt. Rechtsgesch., 1934, 4. Aufl. v. H. Thieme, 1950;
    Sachsenspiegel (Landrecht), 1934;
    German. Rechtsgesch., Ein Grundriß, 1936, 21943;
    Einf. in d. Rechtsarchäol., 1943;
    zahlr. Artikel in: J. Hoops (Hg.), Reallex. d. German. Altertumskde., 1911–19;
    – Karl v. Amira †, in: ZSRGG 51, 1931, S. XI ff.;
    -Überss.: Schwed. Rechte, Älteres Westgötalag, Uplandslag, 1935;
    Dän. Rechte: Germanenrechte, 1938;
    Nachlaß:
    Archiv d. Albert-Ludwigs-Univ. Freiburg (Br.).

  • Literatur

    J. Heckel, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1944/48, S. 117–20;
    H. E. Feine, Die Rechtshistoriker, C. Frhr. v. S., in: Geist u. Gestalt I, S. 239–43;
    B. Rehfeldt, in: ZSRGG 67, 1950, S. 492–501;
    H. Thieme, Die germanist. Rechtsgesch. in Freiburg, in: H. J. Wolff (Hg.), Aus d. Gesch. d. Rechts- u. Staatswiss. zu Freiburg i. Br., 1957, S. 143–45 (P);
    W. Simon, C. Frhr. v. S., Rechtshistoriker während dreier Epochen dt. Gesch., 1991 (W-Verz.);
    – zur Fam.: GHdA IV, Frhrl. Häuser A I, 1952, S. 382 f.

  • Autor/in

    Wolfgang Simon
  • Empfohlene Zitierweise

    Simon, Wolfgang, "Schwerin, Claudius Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 77-79 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118965573.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA