Lebensdaten
1780 bis 1856
Geburtsort
Charlottenburg
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116222964 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Drieberg, Friedrich Johann von
  • Drieberg, Friedrich von
  • Drieberg, Friedrich Johann von
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Zitierweise

Drieberg, Friedrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116222964.html [22.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Illegitim, 1791 legitimiert;
    V Carl Frdr. (1733–1804), auf Kantow, Rittmeister im Rgt. Garde du Corps, S des Gg. Karl Dietrich ( 1759), kursächsischer Oberst;
    M Maria Charlotta Grunow ( 1831);
    Metzelthin 1824 Luise, Pianistin u. Komponistin, T des Aug. Ernst v. Normann auf Illmersdorf;
    5 T.

  • Leben

    Nach Aufgabe der Offizierslaufbahn (1804) studierte D. 5 Jahre in Paris bei Spontini, vorübergehend vermutlich auch bei Cherubini, Komposition. In Wien, wo er sich 2 Jahre aufhielt, legte er Beethoven sein Melodram „Les ruines de Babylon“ vor; dieser sagte die Prüfung, deren Ergebnis nicht bekannt ist, im Sommer 1811 freundlich zu. Nach weiteren, zum Teil naturwissenschaftlichen Studien lebte D. als Gutsbesitzer in Kantow bei Neuruppin, später in Protzen bei Ruppin. Die letzten 4 Lebensjahre verbrachte er in Berlin. – Von seinen Werken, die an Berliner Bühnen aufgeführt wurden, hatte das Singspiel „Der Sänger und der Schneider“ (1814) besonderen Erfolg. Langjährige, halbwissenschaftliche Beschäftigung mit griechischer Musik und Musiktheorie, über die er beachtete, aber zum Teil bald von der Fachwelt widerlegte Abhandlungen schrieb, wirkte bis in die Komposition seiner Oper „Alfons von Castilien“ (Manuskript) hinein. – Ein Sonderling war D. auch in Hinsicht seiner abwegigen physikalischen Theorien über Luft- und Wasserdruck, die ihm nach einem Zeitungskrieg in den 40er Jahren weithin den Namen „Luftdruck-Drieberg“ eintrugen. Die von ihm konstruierte Flugmaschine ist niemals gebaut worden. Nach Th. Fontane, der ein Original in ihm sah und ihn als Typ des schlichten Gelehrten schildert, lagen seine Talente mehr nach der Seite des Ästhetischen als des Praktischen, wofür auch sein ungewöhnlich schöner Schloßpark zeugte. – Preußischer Kammerherr.

  • Werke

    Weitere W u. a. Don Tocagno, kom. Singspiel, 1812; Die math. Intervallenlehre d. Griechen, 1818;
    Die musikal. Wiss. d. Griechen, 1820;
    Die prakt. Musik d. Griechen, 1821;
    Wb. d. griech. Musik in ausführt. Artikeln …, 1821; Die Kunst d. musikal. Komposition … nach griech. Grundsätzen bearb., 1858.

  • Literatur

    ADB V;
    C. v. Ledebur, Tonkünstlerlex. Berlins …, 1861;
    H. Mendel, Musikal. Konvers.lex. III, 1873;
    Th. Fontane, Wanderungen durch d. Mark Brandenburg, T. I Die Gfsch. Ruppin, 20-221921, S. 374-76;
    W. Vetter, in: MGG III, Sp. 821 f. (W, L);
    Pogg. I. – Zur Fam.: C. A. Pentz v. Schlichtegroll, Ausgestorb. Fam. d. meckl. Adels, o. J. (um 1925).

  • Autor/in

    Walther Vetter
  • Empfohlene Zitierweise

    Vetter, Walther, "Drieberg, Friedrich von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 125 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116222964.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Drieberg: Friedrich Johann v. D., Componist und Musikgelehrter, geb. 10. Decbr. 1780 zu Charlottenburg bei Berlin, gest. daselbst 21. Mai 1856. Vierzehnjährig als Junker in das Leibcarabinier-Regiment eingetreten, nahm er 1804 seinen Abschied um sich der Musik zu widmen. Während eines 5jährigen Aufenthaltes zu Paris studirte er unter Spontini und wahrscheinlich auch unter Cherubini Composttion, lebte dann 2 Jahre in Wien und übernahm darauf nach dem Tode seines Vaters das Gut Cantow bei Neu-Ruppin. 1812 brachte er in Berlin die mit Beifall aufgenommene Oper „Don Tocagno" (von Koreff) auf die Bühne, der mehrere Singspiele folgten, von denen sich nur eines „Der Sänger und der Schneider“ länger (von 1814—26) auf der Berliner Bühne erhalten hat. Seine letzte Oper „Alfons von Castilien“ (nicht gedruckt) soll eine praktische Anwendung seiner gleich zu erwähnenden Studien über griechische Musik enthalten. 1824 verheirathete er sich mit Louise v. Normann, einer tüchtigen Clavierspielerin, die auch einiges componirt hat, kaufte das Gut Protzen bei Ruppin, welches er bis 1852 bewohnte; zog dann nach Berlin und endlich nach Charlottenburg, wo er starb. — Namentlich verdient hat sich D. dadurch gemacht, daß er zuerst wieder das Studium der griechischen Musik aufnahm und anregte. Seine eigenen Untersuchungen darüber leiden allerdings an einer wissenschaftlich ungenügenden Vorbereitung für solche Arbeiten und seine Resultate sind heute zum größern Theil überholt. Aber sein Verdienst um die Förderung dieser Studien bleibt gleichwol nicht gering. Das erste Werk erschien 1818: „Die mathematische Intervallenlehre der Griechen". Es folgten „Aufschlüsse über die Musik der Griechen", 1819; „Die Arithmetik der Griechen", 1821; „Die musikalischen Wissenschaften der Griechen", 1820; „Die praktische Musik der Griechen", 1821; „Die pneumatischen Erfindungen der Griechen", 1822; „Wörterbuch der griechischen Musik", 1835; „Die griechische Musik auf ihre Grundsätze zurückgeführt", 1841; „Die Kunst der musikalischen Composition. ein Lehrbuch für praktische Musiker zum Selbstunterricht, nach griechischen Grundsätzen bearbeitet", 1858. Dazu sind noch einige Aufsätze zu nennen: „Untersuchungen der Frage, ob die Griechen eine Harmonie gehabt haben" (Allg. Mus. Zeit. 1825. Nr. 5), „Die rhythmischen Zeiten, nach griechischen Grundsätzen erklärt" (das. Nr. 29), „Ueber die Stimmung der griechischen Instrumente“ (Cäcilia 1825). „Ueber Monochord“ (das.). — Als Gegner Drieberg's traten namentlich Chladni (s. d.) und Perne auf.

    Ledebur, Tonkünstlerlex. Berlins; Mendel, Musik. Conversationslex.

  • Autor/in

    v. L.
  • Empfohlene Zitierweise

    L., von, "Drieberg, Friedrich von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 410 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116222964.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA