Lebensdaten
1843 bis 1897
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Neapel
Beruf/Funktion
physiologischer Chemiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116196831 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Drechsel, Ferdinand Heinrich Edmund
  • Drechsel, Heinrich Ferdinand Edmund

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Zitierweise

Drechsel, Edmund, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116196831.html [24.07.2016].

CC0

Drechsel, Ferdinand Heinrich Edmund

physiologischer Chemiker, * 3.9.1843 Leipzig, 22.9.1897 Neapel. (lutherisch)

  • Genealogie

    V Carl Ferd. ( 1871) aus Gornsdorf (Erzgebirge), Dr. iur., Notar in Leipzig; M Friederike Auguste (1815–74), verw. Trützschler, T d. Obersekretärs Günther in Leipzig; Oesterbeck b. Arnheim (Holland) 1875 Alida Esther Hamming aus Haarlem; 3 S, 1 T.

  • Leben

    D. studierte Chemie in Leipzig und Marburg bei H. Kolbe und O. L. Erdmann und promovierte 1864 in Leipzig. Nach 4jähriger Assistentenzeit betätigte er sich auf den Gebieten der anorganischen und der technischen Chemie, und zwar bis zum deutsch-französischen Krieg 1870 in der Blei- und Silberhütte der Gebrüder Dumont in Sclaigneaux (Belgien), anschließend an der Bergakademie Freiberg (Sachsen) als Assistent von K. Scheerer. Hier las er auch chemische Technologie. Entscheidend wurde 1872 seine Berufung nach Leipzig als Leiter der chemischen Abteilung des physiologischen Instituts von C. Ludwig. 1875 habilitierte er sich in der philosophischen Fakultät und wurde 1878 außerordentlicher Professor für physiologische Chemie in der medizinischen Fakultät. 1892 folgte er einem Rufe nach Bern als ordentlicher Professor der medizinischen und physiologischen Chemie und der Pharmakologie. – D. hat die Entwicklung der Eiweißchemie entscheidend gefördert. Zu seinen großen Erfolgen gehört die Entdeckung des Lysins. Als Vermittler zwischen Physiologie und Chemie versuchte er, den physiologischen Auf- und Abbau der Eiweißkörper durch Modellversuche im Laboratorium anzunähern (Theorie der Harnstoffbildung aus Eiweißkörpern über Carbaminsäure). Dabei beschritt D. neuartige Wege: Er ist der Entdecker der Wechselstromelektrosynthese als Hilfsmittel der organischen präparativen Chemie. Er arbeitete dieses Verfahren laboratoriumsmäßig aus, erklärte die an den Elektroden sich abspielenden Vorgänge als schnell wechselnde Oxydations- und Reduktionsprozesse und bewies durch Herstellung zahlreicher Substanzen die Anwendungsfähigkeit dieser Methode.

  • Werke

    Zur Kenntnis d. Cyanamids, in: Journal f. prakt. Chemie 11, 1875, S. 284-353, 21, 1880, S. 77-97; Über d. Bildung d. Harnstoffs im thier. Organismus, ebd. 22, 1880, S. 476-88; Elektrolysen u. Elektrosynthesen, ebd. 29, 1884, S. 229-52; Über Elektrolyse d. Phenols mit Wechselströmen, ebd. 38, 1888, S. 65-74; Zur Elektrolyse mit Wechselströmen, ebd., S. 75-77; Chemie d. Absonderungen u. Gewebe, in: L. Hermann, Hdb. d. Physiol. II, 1883; Der Abbau d. Eiweißstoffe, in: Archiv f. Anatomie u. Physiol., 1891.

  • Literatur

      ADB 48;  Verhh. d. Schweizer. Naturforsch. Ges. 80, 1897, S. 234-37;  Leopoldina, 1898, S. 43-46, 61-68 (W)Pogg. III, IV;  CSP.

  • Autor

    Grete Ronge
  • Empfohlene Zitierweise

    Ronge, Grete, "Drechsel, Edmund" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 104 f. [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116196831.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Drechsel, Edmund

  • Leben

    Drechsel: Edmund D., physiologischer Chemiker, geboren zu Leipzig 1843, studirte daselbst von Ostern 1863 ab Chemie, besonders unter Kolbe's Leitung, dessen Assistent er nach der Promotion zum Dr. phil. von 1865 bis 1868 war. 1872 wurde er als chemischer Assistent am Physiologischen Institut in Leipzig unter Ludwig angestellt und 1878 zum außerordentlichen Professor ernannt. Als Nachfolger des nach Petersburg berufenen Professors Marcel Nencki zum ordentlichen Professor der physiologischen Chemie in Bern gewählt folgte D. diesem Rufe, starb jedoch bereits am 22. September 1897 in Neapel, wo er sich zu Studienzwecken in der zoologischen Station aufhielt. D. leistete in seinem Gebiete recht Bedeutendes. Es rührt von ihm eine größere Zahl gediegener Untersuchungen über verschiedene Gegenstände der physiologischen und physikalischen Chemie her, über Spaltungsproducte und Eigenschaften der Eiweißkörper, Entstehungsart des Harnstoffs, eine Methode der Elektrolyse mit Wechselströmen, über Glycolsäure, Reduction der Kohlensäure zu Oxalsäure, Chemie der Leber u. a. m. Selbständig erschien von D. ein Leitfaden für das Studium der chemischen Reactionen und eine Anleitung zur Anfertigung physiologisch-chemischer Präparate.

    • Literatur

      Leopoldina 1898, p. 43. — Biogr. Lex. hervorr. Aerzte, hrsg. von A. Hirsch II, 215.

  • Autor

    Pagel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pagel, Julius Leopold, "Drechsel, Edmund" in: Allgemeine Deutsche Biographie 48 (1904), S. 77 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116196831.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA