Lebensdaten
1918 - 1975
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118762885 | OGND | VIAF: 15565357
Namensvarianten
  • Schwanzer, Karl
  • Schwanzer, Carl

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Zitierweise

Schwanzer, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118762885.html [10.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1868–1956), Beamter in W.;
    M Sophie Willen (1882–1965), Angest.;
    B Johann (1899–1973), Angest.;
    Wien 1941 Hilda (1920–98), T d. Andreas Döltl u. d. Maria Zimmerl;
    2 S Berthold (* 1943), Dr., Dipl.-Kaufm., Mag., Werbekaufm., Verleger in W., Martin (* 1952), Dipl.-Ing., Architekt in W.

  • Leben

    Nach der Matura am Realgymnasium im 7. Bezirk 1936 studierte S. bis 1940 an der TH Wien Architektur und arbeitete dann bei dem Wiener Architekten Willibald Schneider. 1941 einberufen, war S. während des 2. Weltkriegs in Breslau und Krakau stationiert, wo er u. a. mit der Tarnung von Fabrikbauten beschäftigt war. In Breslau lernte er Oswald Haerdtl (1899–1959) kennen. 1942 wurde S. bei Siegfried Theiss (1882–1963) an der TH Wien zum Dr. techn. promoviert. Nach Kriegsende war S. 1946-50 Assistent bei Haerdtl an der Akademie für angewandte Kunst in Wien, 1947/48 gründete er ein eigenes Architekturbüro. Die ersten Aufträge umfaßten Neu- und Umbauten von Kinos und Ladengeschäften, Inneneinrichtungen und graphische Entwürfe. 1951 übernahm er erfolgreich die Gestaltung der Gewerbeausstellung in Wien, 1952 folgte die Ausstellung „7 Jahre Dienst am Volk“, deren Design ebenfalls begeistert aufgenommen wurde. 1953 entwarf S. den Pavillon „Schmidberger“ auf der Wiener Messe, der ein Zeichen für den Neuanfang in der österr. Architektur nach 1945 setzte. Seit 1950 war S. mehrfach für die Wirtschaftskammer Österreichs im Ausland (Toronto, Chicago, Paris) tätig. Sein erster Auftrag außerhalb Europas war die Gestaltung des Old Vienna Kaffeehauses im Chicagoer Bismarck-Hotel (1954). Der Erfolg mit dem eleganten Österreich-Pavillon der Weltausstellung 1958 in Brüssel, der 1962 als „Museum des 20. Jahrhunderts“ in Wien wiederaufgebaut wurde, und dem Europarat/OECE-Pavillon zusammen mit Carlo de Carli (1910–71) brachte S. internationale Anerkennung und machte ihn in Österreich zu einem gefragten Architekten. Ein weiteres wichtiges Bauwerk war der Erste Wiener Autolift am Neuen Markt (1958), der sich trotz seiner modernen Fassadengestaltung in das historische Stadtbild einfügte. 1959 wurde S. Professor an der TH Wien, Lehrkanzel Gebäudelehre 1 und Entwerfen 2, wo später renommierte Architekten wie Laurids Ortner (* 1941), Gernot Nalbach (* 1942) und Günter Zamp Kelp (* 1941) zu seinen Studenten gehörten. Es entstanden die Architektengruppen „Haus-Rucker-Co“ (gegr. 1967), „Coop Himmelb(l)au“ (gegr. 1968), „Missing link“ (gegr. 1970), „Salz der Erde“ (gegr. 1970) und „Zünd up“ (gegr. 1967/68). In diese Zeit fielen auch die Erweiterung der Kapuzinergruft (1962) mit der imposanten Faltwerkdecke und den Bronzetüren von Rudolf Hoflehner (1916–95) sowie der Bau der Christkönigkirche (1963) in Wien-Pötzleinsdorf; fast zeitgleich entstand das eigene Wohnhaus, das sich zur Gartenseite als schwebender Bungalow präsentiert. Für den Bau der Wiener Philips-Verwaltung (1966) entwarf S. ein ingenieurtechnisches Meisterwerk: Die Spannbetonkonstruktion prägt noch immer die Einfahrt zur Stadt im Süden Wiens. 1968 propagierte S. die Idee von einem runden Verwaltungsbau und schrieb wenig später mit der Vierzylinder-Hängehauskonstruktion des BMW-Hauses in München (1970–72) internationale Architekturgeschichte. Weitere wichtige Bauten waren der Österreich-Pavillon auf der Weltausstellung in Montreal (1967), die Wirtschaftsförderungsinstitute (WIFI) in Wien (1964) und St. Polten (1972) sowie die Österr. Botschaft in Brasilia (1974). Seit 1970 publizierte S. die Architekturzeitschrift „modul“ im eigenen Verlag.

    Die Erarbeitung des Masterplans für die Univ. in Riyad (Saudi-Arabien) wurde sein letztes Großprojekt. S. gehört zu den bedeutendsten Architekten Österreichs. Sein Werk bewegt sich im Spannungsfeld von innovativer Bau- und Ingenieurkunst sowie pragmatischer Gebrauchsarchitektur.

  • Auszeichnungen

    Gründer d. Österr. Inst. f. Formgebung (ÖIF) (1958);
    Josef-Hoffmann-Ehrung d. Wiener Secession (1954): Silbernes Ehrenzeichen f. Verdienste|um d. Rep. Österreich (1958, Gr. Ehrenzeichen 1969);
    Grand Prix f. Architektur auf d. Weltausst. Brüssel (1958);
    Chevalier de l'Ordre de Léopold, Belgien (1958);
    Preis d. Stadt Wien f. Architektur (1959);
    Honorary Corresponding Member d. Royal Inst. of Architects (1963);
    Gastprof. an d. TH Darmstadt (1964/65) u. an d. TH Budapest (1967);
    Officier du Mérite Touristique, Frankreich (1965);
    Dekan d. Fak. f. Bauing.wesen u. Architektur an d. TH Wien (1965/66);
    Honorary Fellow of the American Inst. of Architecture (1967);
    korr. Ehrenmitgl. d. BDA (1969);
    BDA-Preis Bayern (1973);
    Architekturpreis Beton d. Bundesverbandes d. Dt. Zementindustrie;
    Gr. Österr. Staatspreis f. bildende Kunst (posthum 1975).

  • Werke

    Weitere W u. a. Neues Bauen im befreiten Oberschlesien, Der Ring in Sohrau, Entschandelung u. Gestaltung, Diss. Wien 1942;
    – Wien: Kinobauten:
    Metropol 1948/49;
    Kolibri 1952;
    Geschäftslokale:
    Elegance, 1949;
    Carius & Binder, 1949;
    Olivetti (mit Emiliano Bernasconi), 1951;
    Zubau d. Ak. f. angewandte Kunst (mit Eugen Wörle), 1960-65;
    Techn. Zentrum u. Verw.gebäude d. ÖAMTC, 1962-65;
    Bürogebäude Grill & Grossmann. Attnang-Puchheim 1964-67;
    Kindergarten d. Stadt Wien;
    Perlmooser Zementwerke Ind.anlagen Mannersdorf, 1970;
    Pfarrkirche Leopoldau, 1970-72;
    Pensionistenheim Augarten. 1974-75;
    Entwürfe:
    Techn. Zentrum d. Creditanstalt Bankverein, 1974;
    Zool. Inst. d. Univ. Wien, 1974;
    Unfallkrankenhaus Graz, 1974;
    Pfarrzentrum Per Albin Hansson-Siedlung, 1974/75;
    Projekte u. Wettbewerbe:
    Neugestaltung Stephansplatz (mit Oswald Haerdtl. Wilhelm Schütte), 1948;
    Mus. d. Stadt Wien, 1953;
    Dt. Ring Hamburg, 1959;
    Freie Univ. Berlin, 1963;
    IBM Verw.gebäude Wien, 1966;
    City Center Wien, 1968;
    Atmospherium – Dt. Pavillon f. d. Weltausst. Osaka, 1970;
    Univ. Bielefeld, 1966/67;
    Mobil Oil Hamburg City Nord, 1970;
    Zwiebelhaus München, 1970;
    Bayer. Gde.bank München, 1975;
    Sprengel-Mus. Hannover, 1972;
    temporär:
    Ausst.bauten in Paris, Stockholm, Chicago, Toronto, Montreal 1967: – Red.: Österr. Baufachkat., Hdb. d. Bauwesens, hg. i. A. d. Österr. Werkbundes, 1949;
    Hg.:
    Wiener Bauten, 1900 – heute, Red. G. Feuerstein, 1964;
    Oberösterr. Bauten, 1900 – heute, 1973:- unvollst. W-Verz. in: K. S., Ausst.kat. Wien 1978 (s. L).

  • Literatur

    e. krit. Monogr. fehlt bisher;
    K. S., Entscheidung zur Form, Monogr. e. Baues, Red. P. M. Bode, 1973;
    ders., Architektur aus Leidenschaft, 25 J. Arbeit K. S., 1974;
    Wiener Bauten 1965-1975, hg. v. K. S., Red. S. Hermann. 1975;
    K. Ackermann, in: Der Architekt, H. 10, 1975, S. 414 f.;
    S. Dimitriou, in: Bauforum, H. 50. 1975, S. 7;
    P. Nestler u. P. M. Bode, Dt. Kunst seit 1960, Architektur, 1976;
    Österr. Ges. f. Architektur (Hg.), Österr. Architektur 1945-1975, 1976;
    K. S., ordnen, planen, gestalten, formen, bauen, Ausst.kat. Mus. d. 20. Jh., Wien 1978 (W);
    P. M. Bode u. G. Peichl, Architektur aus Österreich seit 1960, 1980;
    P. M. Bode u. M. Schreiber, Dt. Architektur n. 1945, Vierzig J. Moderne in d. Bundesrep., 1986: F. Achleitner, Österr. Architektur im 20. Jh., Bd. 2, 1983, Bd. 3/1.1990;
    Magistrat d. Stadt Wien (Hg.), Architektur in Wien, 1984;
    N. Pevsner u. a., Lex. d. Weltarchitektur, 1992;
    E. Krasny u. Ch. Rapp, Erinnerungen an e. Impresario, Zur Person K. S. 1918-1975. in: architektur aktuell, Nov. 1998, S. 70-81 (P);
    L. Manhardt (Hg.), S. Neubert (Fotos), Architektur – Fotografie. K. S., Drei Bauten, 2005 (P);
    A. Krauß, Der Wiener Architekt K. S. (1918-1975) (Diss. in Vorbereitung);
    Kürschner, Gel.-Kal. 1970;
    Hist. Lex. Wien.

  • Portraits

    Fotos v. Franz Hubmann, Abb. z. T. in Krasny/Rapp (s. L) u. Manhardt/Neubert (s. L).

  • Autor/in

    Alexander Krauß
  • Empfohlene Zitierweise

    Krauß, Alexander, "Schwanzer, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 796-797 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118762885.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA