Lebensdaten
1840 bis 1913
Geburtsort
Göppingen (Württemberg)
Sterbeort
Göppingen (Württemberg)
Beruf/Funktion
Unternehmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1012304531 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schuler, Louis

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Zitierweise

Schuler, Louis, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1012304531.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Louis (1814–90), Schlossermeister, nach Lehre in Kirchheim/Teck u. Wanderjahren n. Linz, Wien, Krakau, Berlin u. Stuttgart, 1839 Gründung e. Schlossereibetriebs in G., S d. Andreas (1779–1848), Rotgerber in G., u. d. Katharina Gairing (1785–1863);
    M Margarete Karoline Seybold (1814–99);
    1) Göppingen 1867 Marie Karoline Vaihinger (1846–97), 2) Göppingen 1900 Caroline Zwink (1851–1944);
    3 S aus 1) Adolf (1869–1917), Techniker in G., Paul (1876–1937), Gießereileiter in G., Albert (1877–1926), Kaufm. in G., seit 1917 Alleininh. d. väterl. Unternehmens;
    E Louis (1907–91), Gen.dir., 1934-71 Mitgl. d. Vorstands d. Schuler AG in G. 1971-90 Vors. d. Aufsichtsrats, gründete 1967 d. Louis Schuler Fonds f. Bildung u. Wiss.;
    Ur-E Robert S.-Voith, Dr., seit 1990 Vors. d. Aufsichtsrats d. Schuler AG in G., Geschäftsführer d. Schuler-Beteiligungen GmbH in G.; Verwandte Colette Schuler-Voith (1925–99), Gesellschafterin u. Mitgl. d. Aufsichtsrats d. Schuler AG in G.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Realschule in Göppingen absolvierte S. seit 1854 eine Lehre im väterlichen Schlossereibetrieb. Hier wurden schon frühzeitig neben Schlosserarbeiten auch Metallzuschnitte und Werkzeuge für die Metallverarbeitung hergestellt, seit 1852 auch Blechbearbeitungsmaschinen, Mahlmaschinen für Obst, Obstpressen, Obstpreßspindeln und Feuerwehrspritzen. Nach seiner Lehrzeit kam S. 1861 über Augsburg und Nürnberg nach Chemnitz, wo er in die Werkzeugmaschinenfabrik von Johann Zimmermann, später Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik, eintrat und parallel durch den Besuch der Chemnitzer Werkmeisterschule (1861–63) theoretische Kenntnisse zur Konstruktion und Berechnung von Werkzeugmaschinen erwarb. Nach weiteren Stationen als Dreher und Schlosser in Fabriken in Chemnitz und Gera kehrte er 1863 nach Göppingen zurück, wo er den väterlichen Handwerksbetrieb in eine moderne Maschinenfabrik umwandelte und sich auf die Herstellung von Blechbearbeitungsmaschinen konzentrierte. 1878 meldete S. sein erstes Patent für „Neuerungen an Lochwerken, Scheren und dergleichen für Handbetrieb“ (DE 4379) an. Nach Rückschlägen in den Kriegsjahren 1866 und 1870/71 ging er zum Bau von Maschinen mit Kraftbetrieb über, v. a. Exzenter- und Ziehpressen, Scheren und Fallwerke. Die ersten Maschinen dieser Art mit Kraftantrieb wurden 1875 auf der Fachausstellung für die Blechindustrie in Nürnberg präsentiert und galten als Meilenstein auf dem Weg zur industriellen Fertigung. 1884 übernahm S. die Gesamtleitung des Unternehmens mit 80 Mitarbeitern, erweiterte die Maschinenfabrik und baute eine eigene Gießerei. 1895 erhielt S. ein Patent für „Hydraulische Ziehpressen mit zwei Kolben“ (DE 84410, erweitert 1900), bei denen der Stößel der Presse nicht mehr mechanisch, sondern hydraulisch betrieben wurde, was eine gleichmäßigere Druckverteilung und damit ein besseres Umformergebnis ermöglichte. Bis 1900 wuchs S.s Unternehmen auf über 400 Mitarbeiter, 1898 wurde eine erste Niederlassung in Berlin gegründet. Exporte gingen u. a. nach China, Rußland und in die USA, 1913 wurde ein Exportanteil von 45% erreicht. Auf der Weltausstellung in Paris im selben Jahr präsentierte S. eine Transferpresse, in der erstmals mehrere Bearbeitungsstufen in einer Maschine vereint waren. 1913 übernahmen seine bereits seit 1896 an der Firmenleitung beteiligten Söhne, Adolf als Techniker, Paul als Gießereileiter und Albert als Kaufmann, die Leitung des Unternehmens, seit 1917 hatte Albert nach dem Tod von Adolf und der Kriegsverwundung von Paul die Führung allein. Nach Alberts Tod 1926 führten erstmals Nicht-Familienmitglieder die Firma, bis 1934 S.s Enkel Louis S. in den Vorstand berufen wurde. Dieser leitete das Unternehmen bis 1971 (anschließend war er bis 1990 Vorsitzender des Aufsichtsrats), das, entscheidend geprägt durch den Aufstieg der Automobilindustrie, seit den 20er Jahren Karosseriepressen an alle namhaften europ. und amerik. Automobilhersteller lieferte. 1961 begann der internationale Aufbau des Konzerns und der Ausbau zum Systemanbieter für Umformtechnik (mechan. u. hydraul. Pressen, Massivumformung, Automationstechnik, Ingenieurdienstleistungen, Hvdroforming, Lasertechnik). Seit 1990 steht S.s Urenkel Robert S.-Voith an der Spitze des Aufsichtsrats des Unternehmens, das 1999 in eine börsennotierte Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Als Technologie- und Weltmarktführer in der Umformtechnik beschäftigte der Konzern im Geschäftsjahr 2004/05 an weltweit 17 Standorten rund 3700 Mitarbeiter bei einem Umsatz von knapp 565 Mio. €.

  • Auszeichnungen

    Silbermedaille d. Ver. dt. Blechbearb. (1879); württ. KR (1900).

  • Literatur

    Th. Merkle, in: Württ. Nekr. f. d. J. 1913, 1916, S. 21-27 (L);
    100 J. L. S. A.-G. Göppingen, Masch.-fabrik. 1939.

  • Portraits

    Denkmal mit Porträt (Göppingen, Gartenanlage d. Stadtkirche, „Schulurgarten“).

  • Autor/in

    Martin Adelhardt
  • Empfohlene Zitierweise

    Adelhardt, Martin, "Schuler, Louis" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 682-683 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1012304531.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA