Lebensdaten
1919 bis 1981
Geburtsort
Neuß (Rheinland)
Sterbeort
Altenberge (Westfalen)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; politischer Publizist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118761927 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schroers, Rolf Bernhard
  • Plaaten, Georg (Pseudonym)
  • Polino, Guido (Pseudonym)
  • mehr

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Zitierweise

Schroers, Rolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118761927.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (Hans) (1885–1960, kath., später ev.), preuß. Polizeioffz., zuletzt Gen.major d. Schutzpolizei, Polizeipräs. v. Bremen, 26. - 30.4.1945 Reg. Bgm. v. Bremen (s. Brem. Biogr.), S d. Wilhelm (1840–1922), aus Mönchengladbach-Hardt, Postmeister, später Rechnungsrat in Langenberg (Kr. Düsseldorf-Mettmann), u. d. Bernhardine Kuby (1846–1928), aus Remscheid-Lennep;
    M Margarete (1895–1946), T d. Friedrich Girmes (* 1860), Landwirt, u. d. Helena Bongardt (* 1860), aus Krefeld;
    B Hans (1915–44 ⚔). Maler in Bremen;
    1942 Ilse (* 1920), T d. Heinrich Plate (1887–1940), Konditor, u. d. Maria Christina Winterberg (1887–1962);
    3 S Volker (1942–68), Wolfram (* 1945), Tilmann (* 1947), 1 T Cornelia (* 1950).

  • Leben

    S. legte 1937 das Abitur in Berlin ab, studierte in München und Berlin Germanistik, Geschichte und Philosophie (ohne Abschluß), wurde zu Arbeits- und Militärdienst eingezogen, mehrfach verwundet und war zuletzt Oberleutnant bei der Kavallerie. Nach dem Krieg arbeitete er als Schriftsteller und freier Mitarbeiter bei Zeitungen (u. a. FAZ), Zeitschriften (u. a. Merkur, Frankfurter Hh.), Rundfunk und Fernsehen; für letzteres produzierte er Dokumentarfilme über Schriftsteller in Deutschland, Armut in Deutschland und die dt.-dt. Grenze. 1955-57 war er Lektor bei Kiepenheuer und Witsch. Viel gehört war seine Sendereihe „Klopfzeichen“ (1962/63) im Deutschlandfunk; die Beiträge erschienen 1964 unter dem Titel „Im Laufe eines Jahres, Aufzeichnungen eines Schriftstellers“. S., Mitglied der „Gruppe 47“ und seit 1964 Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik, galt nach dem Krieg als einer der wichtigsten Schriftsteller seiner Generation. Seine Erzählungen, Romane und Hörspiele behandeln Krieg und Nachkriegszeit und die Fragen von Schuld und Verstrickung. Für seinen stark autobiographisch geprägten Roman „Jakob und die Sehnsucht“ (1953, franz. Übers, u. d. T. La Pierre et le triangle, 1956) erhielt S. 1956 den Förderpreis des Immermann-Preises der Stadt Düsseldorf. 1957 erhielt er ein Stipendium der Dt. Akademie in Rom (Villa Massimo) und schrieb dort in Form von Briefen an seine Frau den Reisebericht „Herbst in Apulien“ (1958). 1959 erhielt er für die Erzählung „In fremder Sache“ (1957) den Bremer Literaturpreis. S.s Sprache ist präzise und bisweilen lakonisch. Angesichts der Zerstörung von Menschen, Städten und moralischen Verbindlichkeiten durch Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg stellte sich für ihn die Frage nach dem Sinn der menschlichen Existenz neu. In der biographischen Studie „T. E. Lawrence, Schicksal und Gestalt“ (1949) beschäftigt sich S. mit der Gestalt des Einzelgängers, der kompromißlos seinen Weg geht. In diesem Sinne Einzelgänger war für S. auch Ernst Jünger (1895–1998), mit dem er ebenso in Briefwechsel stand wie mit Carl Schmitt (1888–1985). Der „große Einzelgänger“ ist schließlich das Thema in „Der Partisan, Ein Beitrag zur politischen Anthropologie“ (1961). Archetyp des Partisanen ist für S. Antigone.

    Das eigene Handeln intellektuell und existentiell zu verantworten, hieß für S. seit Ende der 50er Jahre, sich auch politisch zu engagieren. 1958 wurde er in den Vorstand der Bewegung „Kampf dem Atomtod“ gewählt. 1958-60 war er Redakteur des „Informationsdienstes des Clubs republikanischer Publizisten“ und 1959/60 Herausgeber der Zeitschrift „Atomzeitalter, Informationen aus Politik, Wissenschaft und Technik“. 1965 wurde S. verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift „liberal“ (FDP) und 1968 Direktor der Theodor-Heuss-Akademie, einer Einrichtung der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung; beide Ämter hatte S. bis zu seinem Tod inne. 1972 und 1976 kandidierte er erfolglos für die FDP bei den Bundestagswahlen. S. schrieb in dieser Zeit eine Reihe von Essays und Artikeln v. a. zu deutschland- und kulturpolitischen Fragen (gesammelt in: Meine dt. Frage, Pol. u. lit. Vermessungen, 1979). Mit „liberal“ nahm er Einfluß auf die Entwicklung der FDP zu einer linksliberalen Partei („Freiburger Thesen“) und auf die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition. Als Direktor der Theodor-Heuss-Akademie formulierte er Prinzipien einer liberalen politischen Bildung, die „dem Menschen die Entscheidungsgrundlagen für seine Selbstbestimmung zu vermitteln“ habe (Faßbender/Hansen).

  • Auszeichnungen

    BVK II. Kl. (1977) u. I. Kl. (1979).

  • Werke

    Weitere W Die Feuerschwelle, 1952;
    Der Trödler mit d. Drahtfiguren, 1953;
    Auswahl d. Opfer, 1962;
    Kreuzverhör, 1963, Aus gegebenem Anlaß, 1964;
    Nordrhein Westfalen im Farbbild, Einl. v. R. S., 1968;
    Lib. Pol., 1975 (ital. u. span. Überss.);
    Der Hptm. verläßt Venedig, 1980;
    Hörspiele, Dok.fi-me, zahlr. Essays u. Art.
    in Zss. u. Anthologien;
    Kurzgeschichten v. S. wurden in Anthologien dt. Lit. in viele Sprachen übersetzt;
    ausfiihrl. W-Verz in: Faßbender/Hansen (Hg.), Feuilleton u. Realpol., 1988 (s. L);
    Übers.:
    Guido Ballo, Ital. Malerei v. Futurismus bis heute, 1957;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: StA Münster; Archiv d. Liberalismus, Gummersbach.

  • Literatur

    A. Zanlucchi, R. S., Una figura di scrittore e critico dell epoca attuale, Diss. Padua 1971 (ungedr.);
    M. Faßbender u. K. Hansen (Hg.), Feuilleton u. Realpol., R. S., Schriftst., Intellektueller, Liberaler, 1988 (W-Verz.);
    D. Koerfer, Die FDP in d. Identitätskrise, Die J. 1966-1969 im Spiegel d. Zs. „liberal“, 1981;
    Das Pari. v. 23.5.1981 (P) u. 20.4.1985;
    U. Josten, Für e. erneuerten Liberalismus, Die Zs. „liberal“ u. d. FDP bis 1969, 2001;
    E. Horn, Partisan, Siedler, Asylant, Zur politol. Anthropol. d. Grenzgängers, in: Ästhetik u. Kommunikation, H. 102, 1998, S. 39-46;
    G. v. Wilpert, Literatur in Bildern, Dt. Dichterlex., 1963;
    Munzinger;
    Killy.

  • Autor/in

    Monika Faßbender
  • Empfohlene Zitierweise

    Faßbender, Monika, "Schroers, Rolf" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 583-584 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118761927.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA