Lebensdaten
1860 bis 1951
Geburtsort
Kassel
Sterbeort
Helmarshausen bei Karlshafen (Hessen-Nassau)
Beruf/Funktion
Sozialpolitiker ; Verbandsgründer
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 1014399122 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schroeder, Johann Georg Theodor
  • Schroeder, Johann Georg Theodor

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Zitierweise

Schroeder, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd1014399122.html [11.12.2016].

CC0

Schroeder, Johann Georg Theodor

Sozialpolitiker, Verbandsgründer, * 8.3.1860 Kassel, 2.10.1951 Helmarshausen bei Karlshafen (Hessen-Nassau). (lutherisch)

  • Genealogie

    V Wilhelm (1809–67), Schlossermeister, Eisenhändler in K., S d. Johannes; M Anna Elisabet (1816–1912), T d. Wilhelm Ritz; ö Wilhelm (1851–1913), Landger.dir. in K.; – St. Petersburg 1900 Johanna (Jana) Cornilowna (1860–1936, 1] Alexis Alexandrowitsch Matreninsky, 1853–92, Kaufm. in Kronstadt), T d. Cornelius Feik (1823–94), Kaufm. in St. Petersburg, u. d. Amalie Charlotte Arnhold (1837–96); kinderlos.

  • Leben

    S. besuchte 1869-78 in Kassel das Friedrichsgymnasium und studierte dann bis 1882 Rechtswissenschaft in Göttingen (Dr. iur. 1891) und Berlin. 1886 trat er in den Dienst des hess. Kommunalverbandes (Provinzialverw.) und wurde, seit 1888 Assessor, mit Vorarbeiten zur Errichtung der Hessen-Nassau, landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft betraut, deren Geschäfte er anschließend (als ständiger Vertr. d. Landesdir.) leitete. In ähnlicher Weise wurde er 1890, inzwischen 1. Landesrat, mit der Errichtung der (Landes-)Versicherungsanstalt Hessen-Nassau betraut, seit 1891 (als ständiger Vertr. d. Landesdir.) deren geschäftsführender Vorsitzender (1910 Geh. Reg.rat). 1918-28 war er Vorsitzender (1925 Titel Präs.) der LVA Hessen-Nassau und Vorsitzender der Hessen-Nassau, landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. 1904-18 war er führendes Mitglied der nationalliberalen Fraktion des preuß. Abgeordnetenhauses. 1914-18 Hauptgeschäftsführer des Roten Kreuzes in Kassel und Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung des stellv. Generalkommandos des XI. Armeekorps, war er 1919-29 Mitglied des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates in Berlin und des Provinzial- und Kommunallandtages sowie 1919-24 Beigeordneter in Kassel (Vors. d. Schulkomm. u. Syndikustätigkeit).

    S. war eine der Gründungs- und Pioniergestalten der Selbstverwaltung der Sozialversicherung und des Genossenschaftswesens. Hervorzuheben ist sein maßgebender Einfluß bei der Gründung des Reichsverbandes Dt. Landesversicherungsanstalten 1919 in Kassel (Vorgänger d. Verbandes dt. Rentenvers.anstalten, VdR), deren 1. Vorsitzender er wurde (1933 freiwilliger Rücktritt), und des Verbandes der dt. landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften 1919 in Goslar. Bei letzterem wurde er Vorsitzender des Ständigen Ausschusses bzw. (1933-37) Vorsitzender des nunmehrigen Reichsverbandes der dt. landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften. Die 1919 gegründeten Verbände erhielten unter S.s Einfluß eine zukunftsweisende Organisation bzw. Satzung: Sie hatten eine größere Eigenständigkeit gegenüber den Aufsichtsinstanzen, zogen auch die ehrenamtlichen Vertreter in die Arbeit mit ein und waren durch Geschäftsstellen, ständige Ausschüsse usw. tätig. In der Weimarer Republik hatten sie einen maßgeblichen Anteil daran, daß die desaströsen Folgen des 1. Weltkriegs und der Inflation auf die Rentenzahlungen der Arbeiterversicherung auf Verwaltungsebene überwunden werden konnten – zunächst durch laufende Anpassung, dann durch Sanierung nach der Währungsstabilisierung im Verein mit der Gesetzgebung. Als besondere verbandsentwickelte Innovationen sind Unfallverhütung und Heilverfahren (Prävention u. Rehabilitation) zu nennen sowie – heute selbstverständliche – Steuerung durch Rundschreiben und Verbandszeitschriften. Seine parlamentarische Erfahrung nutzte S., um die Arbeit in den Gremien der sozialpolitischen Selbstverwaltungskörper voranzubringen. Außerhalb der Sozialversicherung gründete und leitete er den Verband der Wohnungsbau-Genossenschaften und den Verband der Baugenossenschaften von Hessen-Nassau (Revisionsverband).

  • Auszeichnungen

    Dr. med. h. c. (Marburg 1927); Ehrenbürger d. Stadt Kassel (1950).

  • Werke

    Zur Gesch. d. Reichsverbandes d. dt. landwirtschaftl. Berufsgenossenschaften, in: 50 J. landwirtschaftl. Unfallvers., 1939 (P); Stammbaum Fam. S.|(Schröder) in Gödestorf (Hannover) u. Kassel (Hessen), 1936.

  • Literatur

    F. Tennstedt, Heinrich Noetel u. d. Anfänge d. Unfallverhütung in d. dt. Landwirtsch., in: Soz. Sicherheit in d. Landwirtsch. 1976, S. 103-16; ders., Soz.gesch. d. Soz.vers., in: Hdh. d. Soz.med., III, 1976, S. 385-492; D.-J. Schäfer, 75 J. Verband Dt. Rentenvers.träger, in: Dt. Rentenvers. 49, 1994, S. 571-636; F. Ruland, Die Gesch. d. Verbandes Dt. Rentenvers.träger (VDR), ebd. 60, 2005, S. 354-61; Wi. 1928; Rhdb. (P).

  • Portraits

    Radierung v. H. Kätelhön, Abb. in: 50 J. landwirtschaftl. Unfallvers., 1939.

  • Autor

    Florian Tennstedt
  • Empfohlene Zitierweise

    Tennstedt, Florian, "Schroeder, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 576-577 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd1014399122.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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