Lebensdaten
1588 bis 1633
Sterbeort
Prag
Beruf/Funktion
schlesischer Kammerpräsident ; Oberst ; Diplomat ; Staatsmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135698189 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dohna, Karl Hannibal Burggraf von
  • Dohna, Carl Hannibal Burggraf von

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Zitierweise

Dohna, Karl Hannibal Burggraf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135698189.html [16.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Abraham (s. Einl. c), S des Abraham ( 1587), Verweser des Fürstentums Glogau, u. der Marianne von Borschnitz;
    M Eleonore ( 1617), T des Achatius Frhr. Saurma v. u. zu der Jeltsch u. der Pauline v. Czettritz;
    Anna Elis., T des Sigismund Frhr. Zapski v. Zap u. der Malkitta v. Schliebitz;
    3 S, 3 T.

  • Leben

    D. übernahm nach einer kostspieligen Kavaliersreise durch die romanischen Länder und nach kurzer militärischer Ausbildung von seinem Vater das Amt des kaiserlichen Landvogtes der Ober-Lausitz (1612–19, 1621-27). Als Besitzer der 1591 von seinem Vater gekauften Freien Standesherrschaft (Polnisch-) Wartenberg war er der einzige Katholik unter den schlesischen Standesherren und gehörte als solcher dem schlesischen Fürsten- und Ständetag an, dessen Interessen er 1616 und 1618 als Gesandtschaftsführer am Kaiserhofe vertrat. Im Oktober 1619 entzog er sich durch Flucht der Eidesleistung auf die Fünfländer-Konföderation (31.7.1619) und der Huldigung des Winterkönigs Friedrich, worauf er vom Fürstentag 1620 seines Amtes und Besitzes für verlustig erklärt wurde. Rachsüchtig und erfolgreich bearbeitete er dann in Dresden als Vertrauensmann des Kaisers Kursachsen, Schlesien und die Lausitzen zu besetzen, vermochte aber nach dem Siege den Dresdener Akkord (28.2.1621) nicht zu verhindern, der die schlesischen Rebellen amnestierte und den Protestantismus des Landes in Schutz nahm, wie er in einem ungedruckten Briefe an den Kaiser selbst erzählt. Nach seiner Heimkehr im April 1621 ernannte ihn der Kaiser 1623 zum Präsidenten der schlesischen (Finanz-)Kammer und stattete ihn mit weitgehenden Vollmachten aus, durch die er auf Jahre hinaus der einflußreichste Mann des Landes wurde. Als solcher zog er sich durch die vom Hofe angeordneten Besteuerungen, vor allem aber durch die im Herbst 1628 einsetzende brutale Rekatholisierung Schlesiens den erbitterten Haß der Bevölkerung zu, der sich in heftigen Pamphleten Luft machte. Schließlich wurde er unter dem Einfluß des militärischen Umschwungs im September 1632 von der Breslauer Bürgerschaft aus seiner Residenz, der dortigen Kaiserburg vertrieben. Damit war seine Rolle im Lande ausgespielt. Politisch wichtig ist er durch eine umfangreiche Tätigkeit als kaiserlicher Diplomat in den Verhandlungen mit Kursachsen, Kurbrandenburg, Polen und Schweden, in denen er sich als rühriger Funktionär des Kaisers bewährte. Weniger belangreich sind seine militärischen Leistungen als schlesischer (1621-23) und kaiserlicher (seit 23.3.1626) Oberst und Truppenwerber.

    Man muß sich hüten, D. mit den Pamphleten als Bösewicht anzusehen. Er war viel zu leichtlebig und weltlich gesinnt, um konfessioneller Fanatiker zu sein. Viele Jahre hindurch hat er die Protestanten in Ruhe gelassen, mit einzelnen stand er auf freundschaftlichem Fuße und hat aus eigener Initiative anscheinend überhaupt nichts gegen ihren Glauben unternommen. Den laxen Protestantismus seines ihm als Stilist unentbehrlichen Sekretärs Martin Opitz ließ er unbeanstandet, 1624 „improbierte er aufs höchste“ die anfängliche Verweigerung eines kirchlichen Grabgeleites für Jakob Böhme von seiten der lutherischen Orthodoxie. Seine Charakterfestigkeit ließ viel zu wünschen übrig, er war intrigant, anmaßend und ohne moralische Hemmungen, wie ihm denn jede Art von Größe abging. Was ihn trieb, war politischer Ehrgeiz, Herrschsucht und ein staatlicher Amtseifer, dem die Ernsthaftigkeit religiöser Überzeugungen gleichgültig war. Anzuerkennen ist, daß er in seiner politischen Haltung immer konsequent geblieben ist als „treuer und devoter Diener“ des Kaisers, wie ihn ein Zeitgenosse nennt. Mit Recht genoß er daher allezeit das volle Vertrauen des Wiener Hofes. Dagegen erregte er Wallensteins Ärger, als er sich seit 1628 erfolgreich bemühte, die wirtschaftlichen Interessen Schlesiens gegen dessen exorbitante Kontributionsforderungen zu wahren, die an Hans de Witte cediert waren. Im Umgang war er lebhaft und gesellig, besaß literarische und geschichtliche Bildungsinteressen und ist als Opitzens Gönner auch in die deutsche Literaturgeschichte eingegangen.

  • Literatur

    Acta Publica, Verhh. u. Korr. d. schles. Fürsten u. Stände I-VIII, 1865-1906 (nur d. J. 1618-29 umfassend, bes. VII, S. 149 ff.);
    H. Palm, Btrr. z. Gesch. d. dt. Lit. d. XVI. u. XVII. Jh., 1877 (Verhältnis zu Opitz);
    H. Knothe, Anteil d. Oberlausitz an d. Anfängen d. 30j. Krieges, in: Neues Lausitz. Mgz. 56, 1880;
    C. Grünhagen, Gesch. Schlesiens II, 1886; Aufss. in Zs. d. Ver. f. Gesch. u. Altertum Schlesiens, meist v. J. Krebs, bes. Bd. 16, 1882, S. 37 ff.Qu.:
    Das Fam.archiv d. schles. D.s ist seit d. 18. Jh. verschollen. Einzelne Briefe im Wiener Staatsarchiv (Kriegsakten), im dortigen Trauttmansdorff-Archiv, sowie im Brünner Collalto-Archiv (vgl. Zs. d. Ver. f. Gesch. u. Altertum Schlesiens 29, 1895, S. 279).

  • Autor/in

    Arno Duch
  • Empfohlene Zitierweise

    Duch, Arno, "Dohna, Karl Hannibal Burggraf von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 51 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135698189.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dohna: Karl Hannibal v. D., Burggraf, freier Standesherr auf Wartemberg und Bralin, kaiserlicher Kammerpräsident in Schlesien, geb. 1588, 21. Febr. 1633. Sein Vater, Abraham v. D., war Kammerpräsident in Böhmen und Landvogt der Oberlausitz und wurde vom Kaiser vielfach zu Gesandtschaften, unter anderen nach Madrid und Moskau verwendet. 1612 folgte ihm sein Sohn Hannibal in der Landvogtei der Lausitz nach. Beim Ausbruch der böhmischen Unruhen hielt er, der schon vorher zur katholischen Religion übergetreten war, streng zum österreichischen Hause und zeichnete sich durch seinen Eifer für die Sache des Kaisers Ferdinand II., sowie seine diplomatische Thätigkeit namentlich am kursächsischen Hofe aus. Infolge seiner Weigerung, dem Könige Friedrich von Böhmen zu huldigen, erklärten ihn die schlesischen Stände seiner Güter verlustig. Dafür wurde er, nachdem er 1621 den Jägerndorfer Markgrafen aus Schlesien hatte schlagen helfen und das Land sich dem Kaiser unterworfen hatte, als Präsident der kaiserlichen Kammer in Breslau eingesetzt und übte nun als erbitterter Gegner der evangelischen Fürsten und Stände ohne Rücksicht auf die Freiheiten und Rechte der letzteren im Namen des Kaisers eine unumschränkte Herrschaft in Schlesien aus, namentlich belastete er das Land mit furchtbarem Steuerdruck. (Eine Auflage auf alle Kühe im Lande verschaffte ihm den Beinamen des Kühmelkers.) In einem Feldzuge gegen die Truppen Mansfeld's und Ernsts von Weimar, die sich 1627 in Jägerndorf festgesetzt hatten, erntete er Spott und Hohn. Obschon persönlich in religiöser Beziehung völlig gleichgiltig, begann er doch 1628 in den kaiserlichen Erbfürstenthümern Glogau, Schweidnitz und Jauer die am kaiserlichen Hofe beschlossene Gegenreformation mittelst der Lichtenstein'schen Dragoner und zog sich durch die entsetzliche Härte und Grausamkeit den bittersten Haß und den Beinamen des Seligmachers zu. Im J. 1630 verhandelte er in Danzig als kaiserlicher Unterhändler vergeblich über den Frieden mit Schweden. Als 1632 das Heer der vereinigten Schweden, Sachsen und Brandenburger vor Breslau lagerte, versuchte D. durch einen auf seine Veranlassung ins Lager entsendeten Kanonenschuß die neutrale Stadt in Feindseligkeiten mit den Verbündeten zu verwickeln, aber die erbitterte Bürgerschaft zwang ihn, im Auflauf aus der Stadt zu flüchten. Er entkam nach Polen und starb, beschäftigt mit Werbungen für den Kaiser, am 21. Febr. des folgenden Jahres in Prag. Der allgemeine Haß der evangelischen Schlesier machte sich noch nach seinem Tode in zahlreichen Schmähschriften und Liedern Luft, von denen am verbreitetsten ist das „Ochsen-, Küh- und Kälbergespräch über das Ableiben des großen Kühmelkers K. Annibal v. Dohna“, 1633. Den Hauptaufschluß über seine Wirksamkeit geben die Loci communes schles. gravaminum durch Th. Trewlich, Breslau 1634.

  • Autor/in

    Palm.
  • Empfohlene Zitierweise

    Palm, Hermann, "Dohna, Karl Hannibal Burggraf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 309 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135698189.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA