Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Verleger ; Drucker in Frankfurt und Wien
Konfession
-
Normdaten
GND: 1020696036 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schönwetter
  • Schönwetther

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Zitierweise

Schönwetter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1020696036.html [31.05.2020].

CC0

  • Leben

    Johann Theobald (um 1575–1657, s. Frankfurter Biogr.), der Begründer des Verlagshauses, wurde um 1575 in Mainz als Sohn des Bierbrauers und Ratsherrn Johann ( um 1590, kath.) geboren. Nach Universitätsstudien in Würzburg und Mainz heiratete er 1596 in Frankfurt Anna Maria, Tochter des Frankfurter Faustdruckers und Verlegers Johann Spieß ( um 1610). Seine zweite Ehe schloß er 1607 mit Anna, Tochter des Johann Rosenzweig aus Frankfurt. Er besaß seit 1598 das Frankfurter Bürgerrecht und wurde hier rasch einer der führenden Verlagshändler mit internationalen Verbindungen. Er verlegte, z. T. im Zusammenwirken mit dem Gelehrten Michael Kaspar Lundorp ( 1629), eine Fülle theologischer, medizinischer, politischer und historischer Werke (insbes. d. jährl. Slgg. obrigkeitl. Verfügungen, die „acta publica“), auch aktuelle Streitschriften und frühe Zeitungen. Schon 1599 erregte er Aufsehen mit einer brisanten Veröffentlichung über das Gesetzgebungswerk des Kf. August von Sachsen, die man vergeblich zu verhindern versuchte. Er geriet mit seinem Verlag mehrfach in schwere Finanzkrisen, kam 1604-06 sogar in Schuldhaft und unterstützte 1612-14 die Erhebung der Bürger gegen die Mißwirtschaft des Rates („Fettmilchaufstand“). Die Verlagsproduktion war eine der höchsten in Frankfurt: Zwischen 1598 und 1632, als sich Johann Theobald aus dem Geschäft zurückzog, erschienen 156 Titel; die Meßkataloge verzeichnen sogar 440 Werke. Johann Theobald starb am 30.11.1657 in Frankfurt und wurde wie auch später seine Nachkommen in der kath. Karmeliterkirche beigesetzt. Sein einziger Sohn aus 2. Ehe, Johann Gottfried (1609–56, ev.), der seit 1628 mit eigenen Verlagswerken erscheint, übernahm 1632 das väterliche Geschäft und heiratete Elisabeth Roth ( vor 1639), die Witwe seines Paten, des wohlhabenden Verlegers Gottfried Tambach. Damit ging dessen florierendes Unternehmen in seinen Besitz über. 1639 heiratete er in 2. Ehe in Mainz Anna Maria Thein ( 1645, kath.). Seine 3. Ehe, die den gesellschaftlichen Aufstieg der Familie demonstriert, schloß er 1646 mit Maria Elisabeth ( 1680, kath.), Tochter des Laurentius Faber, des kfl.-mainz. Gesandten in Frankfurt. Während seiner Verlegertätigkeit wuchs die Produktion um 79 Titel (nach den Meßkatalogen um 249), meistens umfangreiche wissenschaftliche Werke, darunter solche der berühmtesten kath. Theologen seiner Zeit. Nach längeren Erbstreitigkeiten wurde der Verlag zwischen dem Sohn aus seiner 2. Ehe, Johann Baptist (I) (1642–72, kath.), und seiner Witwe Maria Elisabeth aufgeteilt. Fortan gab es in Frankfurt zwei unabhängig voneinander agierende Schönwettersche Verlagsbuchhandlungen. Maria Elisabeth brachte zwischen 1656 und 1663 38 neue Titel heraus (nach den Meßkatalogen 58). Nach ihrer Heirat 1663 mit dem Kölner Buchhändler Johann Arnold Cholin ( 1683, kath.) stand dieser dem Geschäft fast 20 Jahre lang vor. Er führte neue Vertriebsmethoden ein, indem er vielerorts Filialen einrichtete und seine Druckwerke anderen, z. T. weit entfernten Buchhändlern (u. a. in Prag u. Salzburg) in Kommission gab. Nach dem Tod seiner Frau verließ Cholin Frankfurt, möglicherweise wegen Streitigkeiten mit seinem Stiefsohn Johann Martin (1652–1718, kath.), dem Sohn Johann Gottfrieds aus 3. Ehe, der sich 1677 als Verleger selbständig gemacht hatte. Er kaufte Cholin 1680 die Hälfte seines Buchhandels ab und brachte in der Folgezeit das ganze Geschäft in seinen Besitz. Seit 1701 kurpfälz. Hofkammerrat, zog er mit seiner Familie nach Heidelberg, wo er 1718 starb. Danach leitete seine Witwe Katharina das Geschäft von Heidelberg aus weiter, doch verkauften es ihre Kinder 1726 an den Wiener Buchhändler Georg Lehmann.

    Die 2. Linie des Verlags lag 1664-72 in den Händen von Johann Baptist (I), der ihn zu einem zweiten Höhepunkt führte (39 neue Titel, u. a. das Traditionswerk d. Hauses, die „acta publica“). Nach seinem Tod wurde das Unternehmen 1673 vom 2. Mann seiner Witwe, dem Buchhändler Johann Peter Zubrod ( 1682, kath.) weitergeführt, der es bei seinem Tod in katastrophalem Zustand hinterließ. Seine Witwe heiratete 1683 in 3. Ehe den Kölner Buchhändler Johann Melchior Bencard (1652–1711/12), dem es nicht gelang, dem Handel wieder die alte Bedeutung zurückzugeben. Der Erbe, Johann Baptists (I) Sohn Johann Baptist (II) (1671–1741), ging um 1700 von Frankfurt nach Wien, wohin enge Geschäftsverbindungen bestanden, und kam dort als Hof- und Universitätsbuchhändler und ksl. Hofbuchdrucker (u. a. mit d. Privileg, d. Hof- u. Festkal. u. d. wöchentl. „Wienerische Diarium“ [seit 8.8.1703] zu drucken) zu Vermögen und Ansehen, endete aber in Armut. 1780 wurde das „Diarium“ in „Wiener Zeitung“ umbenannt, die, 1857/58 verstaatlicht, noch heute erscheint.

  • Literatur

    H. Starp. Das Frankfurter Verlagshaus S. 1598-1726, in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens I, 1958, S. 38-112;
    D. Benedikt, Der Wiener Erstdruck e. Gedichts Johann Christian Günthers u. andere unbek. Bll. d. Offizin Johann Baptist S.s, in: Publizistik als Ges.wiss., FS f. W. Haacke, hg. v. H. Koschwitz u. G. Pötter, 1973, S. 113-18;
    LGB2.

  • Autor/in

    Heinz Günter Schmitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmitz, Heinz-Günter, "Schönwetter" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 425 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1020696036.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA