Lebensdaten
1915 bis 1999
Geburtsort
Kaiserswerth bei Düsseldorf
Sterbeort
Castiglione della Pescaia (Toskana)
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118623893 | OGND | VIAF: 10638902
Namensvarianten
  • Trier, Hans (eigentlich)
  • Trier, Hans Gerd Franz
  • Trier, Hann
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Zitierweise

Trier, Hann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118623893.html [06.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Hubert Maria (1880–1962), Gärtner, Telegrapheninsp., S d. Gerhard Martin (1837–86), Domorganist, Musiklehrer, u. d. Maria Elisabeth Hansen (1849–1939);
    M Helene (1886–1926), T d. August Hager (1853–85), Rheinschiffer, u. d. Marie Theres Baum;
    B Eduard (1920–2009, ⚭ Edith Brabender, * 1930, Restauratorin), aus Köln, Dr. phil., 1964 o. Prof. an d. Kunstak. Düsseldorf, 1972 o. Prof. f. Kunstgesch. in Bonn (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2009);
    1) Köln 1941 1958 Gisela Liselotte (1919–2005), Verw.angest., T d. Richard Gabriel Koch (1884–1924), Dipl.-Ing. b. d. Klöckner Humboldt Deutz AG, u. d. Catherina Maria Johanna Nix (1895–1977), kaufm. Angest., 2) Berlin 1959 1962 Magdalena (Marlene) Mies (1919–2015), 3) Berlin 1962 Renate (* 1929, 1] N. N. Mayntz), aus Berlin, Dr. phil., Prof. f. Soziol., Dir. d. MPI f. Ges.forsch. in Köln, Hon.prof. in Köln, u. a. Ernst Hellmut Vits-Preis d. Univ. Münster 2008, Dr. h. c. mult. (s. Wi. 1997; Kürschner, Gel.-Kal. 2014), T d. Walter Pflaum (1896–1989), Dr.-Ing., 1937 o. Prof. f. Schiffsmotoren an d. TH Charlottenburg, 1946 f. Verbrennungskraftmaschinen, 1950/51 Rektor, konstruierte Schiffsdieselmotoren u. Gasturbinen, errichtete 1956 e. Inst. u. Labor f. Dieselmotoren,|Silberne Denkmünze d. Schiffbautechn. Ges. 1968, BVK 1976, Ehrensenator d. TU Berlin 1986 (s. Kli mesch; Pogg. VII a; Kürschner, Gel.-Kal. 1996, Nekr.; Biogrr. Schiffbau), u. d. Annemarie Günther (1902–92);
    2 S aus 1) Gero (* 1943), Ind.kaufm. in Köln, Jürgen (* 1946), Tiefdrucker in Münsterdorf;
    N Michael (* 1955), Restaurator, Marcus (* 1962), Dr. phil. Archäol., Dir. d. Röm.-German. Mus. in Köln, Alice (* 1965), Dr. phil., Kunsthist., Restauratorin.

  • Leben

    T. wuchs in Köln auf und besuchte das Realgymnasium in Köln-Lindenthal, später das Realgymnasium in der Kreuzgasse (Abitur 1934). Seit Okt. 1934 studierte er Malerei an der Staatl. Kunstakademie Düsseldorf. Nach dem Kunsterzieherexamen 1938 in BerlinSchöneberg war er von Okt. 1939 bis Aug. 1941 zur Wehrmacht eingezogen. Vom Militärdienst freigestellt, arbeitete er 1941–44 als technischer Zeichner in einer Berliner Firma, die Lehrmittel für die Wehrmacht herstellte. Nach erneutem Fronteinsatz kam er im Mai 1945 nach Thüringen; von dort kehrte er im Sept. 1946 mit seiner ersten Frau und zwei Kindern ins Rheinland zurück (1947–57 Wohnung u. Atelier in Bornheim b. Bonn).

    Seit einem frühen Aufenthalt 1933 als Austauschschüler in Frankreich hatte T. die Niederlande und Belgien bereist, 1937 studierte er die großen Freskenzyklen in Italien. Seit 1950 unternahm er z. T. monatelange Reisen v. a. in Nord- und Südamerika.

    Mit den Malern Joseph Faßbender (1903–74) und Hubert Berke (1908–79) u. a. gehörte T. zu den Gründungsmitgliedern der „Donnerstagsgesellschaft“, die 1947 auf Schloß Alfter bei Bonn u. a. den „Tag der abstrakten Kunst“ veranstaltete. 1952 folgte er dem Auftrag einer kolumbian. Werbefirma nach Medellín. Nach seiner Rückkehr 1955 lehrte er im WS 1955/56 als Gastdozent an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und leitete 1957–80 eine Malklasse an der Hochschule für bildende Künste in Berlin. Seit 1972 wohnte T. in Mechernich-Vollem (Eifel); seit 1967 verbrachte er einen Teil des Jahres in Castiglione della Pescaia.

    Für die Geschichte der Bildvorstellungen des „dt. Informel“, bei der die spontane Geste eigentliches Thema des Bildes ist, nimmt T. eine Sonderstellung ein. Er begann Ende der 1940er Jahre mit geometrisch-kubistisch geprägten Bildkompositionen unter dem Eindruck der „École de Paris“ (Hans Hartung, 1904–89, Pierre Soulages u. a.), wandte sich jedoch bald v. a. der Darstellung von Bewegung zu. Arbeiten dieser Zeit, in denen Bewegungsimpulse aufgezeichnet bzw. Tätigkeiten oder damit in Verbindung stehende Objekte angesprochen werden, sind etwa „Radfahren“ (1951, WZ 47, Privatbes.) und „Prestidigitation“ (1952, WZ 60, Mus. Ludwig).

    Während des dreijährigen Aufenthalts in Kolumbien entstanden Werke, die den Rhythmus südamerik. Tänze zu neuer Form verarbeiteten (Mambo II, 1954, WZ 109). Darin spielte die graphische Struktur aus Bewegungsabläufen die bildbeherrschende Rolle. Mitte der 1950er Jahre erkannte T., der zum Rechtshänder umerzogen worden war, in der Möglichkeit, auch seine linke Hand für bildnerische Zwecke zu nutzen, eine zusätzliche gestalterische Option. Das beidhändige Malen wurde in der Folge charakteristisch für seine Arbeit.

    Mit der Serie der „Vibrationen“ (1955–61) gelang T. der endgültige künstlerische Durchbruch. Die darin wiedergegebenen Spannungsfelder sind durch Schwingungen unterschiedlicher rhythmischer Dichte gekennzeichnet. Das Thema symmetrisch aufsteigender oder abgleitender Achsen zeigt sich seit 1961 in Bildern mit breitflächigen, geradlinigen Pinselzügen, die als dunkles Gerüst vor hellerem Grund erscheinen. Seit 1962 tritt die Linie in ihrer Bildwirksamkeit zurück zugunsten einer starken, farbigen Pinselstruktur. Der malerischen Textur aus rhythmischen Pinselschwüngen, Farbbahnen, vielteiligen Schichtungen und Durchdringungen liegt ein klares Formkonzept zugrunde (Maskerade 1961, WZ 333, Kunststiftung Hann Trier).

    T., den die malerische Bewältigung des Schwerelosen faszinierte, schuf seit Anfang der 1970er Jahre auch Deckengemälde für öffentliche Gebäude. Sie nehmen eine besondere Stellung in seinem Werk ein (u. a. im Weissen Saal, 1972, u. im Treppenhaus d. Knobelsdorff-Flügels, 1974, Schloß Charlottenburg, Berlin) und zeigen farbige Imaginationen einer Himmelslandschaft aus Licht und Wolkengebilden.

    Mit den Deckengemälden vollzog T. auch einen Stilwandel. Der Umgang mit den großen Flächen führte zu einer neuen malerischen Freiheit auch in den seit den 1970er Jahren entstandenen Leinwandbildern und Sequenzen. Die malerische Komplexität aus rhythmischen Bewegungsmotiven und temperamentvoll gesetzten Farbbahnen in einem raumgreifenden dramatischen Bildgeschehen gewann eine neue Dimension (Die gr. commedia dell’ arte, 1989, WZ 785, Privatbes.). Das gilt auch für die Werke der 1990er Jahre, meist großformatige Gemälde, die T.s Kraft der malerischen Gestaltung noch einmal belegen (Ohne Titel, 1991, WZ 801, Kunststiftung Hann Trier). Anregungen schöpfte T. nun vielfach aus Werken der Literatur (Goethe) (Egmont I – XI, 1986, WZ 738–748), der Mathematik (Archimedes) und der Musik (Monteverdi, Schubert) (Il ballo delle ingrate, 1993, WZ 814, Neumünsterkirche Würzburg).

    T.s Affinität zur Schrift als Bewegung aus der Linie durchzieht sein ganzes Werk. Bildbestimmend in der Frühzeit (Aha, 1952, WZ 62, Privatbes.), erscheint sie später eher beiläufig als scripturales Element oder als in das Bild eingeschriebener Schriftzug (Versiegele, schreibe es nicht, 1987, WZ 755, Kunststiftung Hann Trier).

    T. ist einer der wichtigen Vertreter der dt. avangardistischen Nachkriegsgeneration und erhielt zahlreiche Preise. Sein Werk umfaßt mehr als 850 Leinwandbilder, Hunderte von Aquarellen und ein umfangreiches druckgraphisches Werk. Zu seinen Schülern gehören u. a. Peter Klasen (* 1935), Georg Baselitz (* 1938), Marwan Kassab-Bachi (* 1934) und Thomas Kaminsky (* 1945).

  • Auszeichnungen

    A 7. Blevin-Devis-Preis f. junge dt. Künstler (1950); Kunstpreis d. Stadt Darmstadt (1960); Gr. Staatspreis d. Landes NRW (1962); Kunstpreis d. Stadt Berlin (1966); Kunstpreis d. Stadt Köln (1967); Gr. BVK (1975); Stefan-Lochner-Medaille d. Stadt Köln (1990); Ehrenmedaille d. Univ. Heidelberg; – Kunststiftung Hann Trier (seit 1995) in Kooperation mit d. Rhein. Landesmus. Bonn.

  • Werke

    Weitere W u. a. Gem.: Ja, 1952¸ WZ 66, Archimedes II, 1988 (WZ 773, beide Rhein. Landesmus. Bonn);
    Stricken IV, 1955, WZ 141 (Kunststiftung Hann Trier);
    Ambidextro I, 1959, WZ 239 (Berlin. Gal. Berlin);
    Lokaltermin III, 1963, WZ 393 (Kunststiftung Hann Trier);
    Sommernachtstraum, 1970, WZ 599 (Mus. Ludwig Köln);
    Le sacre du printemps II, 1982, WZ 709 (Saarlandmus., Saarbrücken);
    Taubenschlag, 1951, WZ 35;
    Grillenzirpen, 1953, WZ 83;
    Dunkler Kolibri, 1961, WZ 309;
    Rocaille, 1965, WZ 472;
    Ohne Titel, 1991, WZ 801 (alle Privatbes.);
    Übrigens lesbar, 1996 (Kunststiftung Hann Trier);
    Wand- u. Deckenbilder: Deckenbilder im phil. Seminar d. Univ. Heidelberg, 1979;
    freihängendes Deckenbild im Kölner Rathaus, 1979/80;
    Deckenbild im Speisesaal d. Residenz d. dt. Botschafters b. Vatikan, 1985;
    Wandbilder im Mus. Ludwig, Köln, 1986, u. im Von der Heydt-Mus.,Wuppertal, 1990;
    Deckenbild in e. Kölner Privathaus, 1992;
    Schrr.: Wie ich e. Bild male, in: Jb. f. Ästhetik u. Kunstwiss., VI, 1961, S. 7 ff.;
    Der Erdrutsch, Eine mobile Assemblage in fünf Kombinationen, in: Bild u. Bühne, Ausst.kat. Städt. Mus. Wiesbaden 1963;
    Ausflug e. Malers in d. Natur, Vortrag, gehalten am 12. März 1965, in: Jahresring 65/66, S. 191–203;
    Grabrede auf Joseph Faßbender am 14. Jan. 1974, ebd. 74/75, S. 224 ff.;
    Autopictographie, in: H. T., Tatort – Malerei, Ausst. kat. Moderne Gal. Saarbrücken 1985, S. 9–21;
    Ut poesis pictura?, Eine Betrachtung z. Malerei d. griech. Antike, 1985;
    Ausstellungen: u. a. Kunstver. Köln, 1958 u. 1979;
    Bienal de São Paulo, 1965; Museu de Arte Moderna Rio de Janeiro, 1966; Haus am Waldsee Berlin, 1968; Kunstver. Hannover, 1968; Rhein. Landesmus. Bonn, 1972 u. 1998; Saarlandmus. Saarbrücken, 1985; Mus. Folkwang Essen, 1990; Von der Heydt-Mus. Wuppertal, 1990; Stadtmus. Köln, 1995.

  • Literatur

    L E. Roters, H. T., Die Deckengem., 1981;
    H. T., Tatort Malerei, Ausst.kat., bearb. v. G.-W. Költzsch, Moderne Gal. Saarbrücken 1985;
    H. T., Monogr. u. Werkverz. v. U. Gerlach-Laxner, hg. v. S. Fehlemann, 1990 (P);
    H. T., Retrospektive, Bilder 1949–1989, Ausst.kat. Von der Heydt-Mus. Wuppertal, 1990;
    U. Gerlach-Laxner, H. T., Werkverz. d. Druckgraphik, 1995;
    H. T., Werkverz. d. Gem. 1990–1995, hg. v. M. Euler-Schmidt, 1995;
    L. Dehlinger, Die zeitgenöss. Deckenbilder im Schloß Charlottenburg u. ihre Folgen, 1997;
    Ch. Wagner, Der beschleunigte Blick, 1999; H. T., „… die Fläche zur Bewegung bringen“, Bilder u. Texte 1948 bis 1998, hg. v. H.-J. Schwalm u. F. Ullrich, Kunsthalle Recklinghausen, 2005

  • Autor/in

    Uta Gerlach-Laxner
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerlach-Laxner, Uta, "Trier, Hann" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 413-415 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118623893.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA