Lebensdaten
1871 - 1948
Geburtsort
Amberg (Oberpfalz)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Spielefabrikant ; Unternehmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 139623558 | OGND | VIAF: 101343607
Namensvarianten
  • Schmidt, Josef Friedrich
  • Schmidt, Friedrich
  • Schmidt, Josef Friedrich

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Schmidt, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139623558.html [20.10.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1827–87), Geometer in A.;
    M Luise Müller (1839–1912);
    1) Würzburg 1894 ⚮|1907 Johanna Barbara (1871–1917), T d. Josef Firnkäs, Feldwebel in Würzburg, u. d. Gertraud Uhl, 2) Stuttgart 1909 Else Maria (1886–1958), T d. Johann Deffner, Kaufm. in M., u. d. Helene Ebert;
    3 S aus 1) u. a. Franz (1895–1978), Spielefabr. in Nürnberg u. M., 1 T aus 2);
    E Anneliese (* 1937, Dieter Hahne, * 1927, 1970-97 Geschäftsführer u. Mitinh. d. Schmidt Spiel + Freizeit GmbH, 1973-98 Mitgl. d. Aufsichtsrats d. Spielwarenmesse eG Nürnberg, 1988-98 Vors.), 1970-97 Prokuristin d. Schmidt Spiel + Freizeit GmbH, Jürgen Stöhr (* 1940), 1970-97 Geschäftsführer u. Mitinh. d. Schmidt Spiel + Freizeit GmbH.

  • Leben

    Nach einer kaufmännischen Ausbildung und Jahren abhängiger Beschäftigung machte sich S. 1901 in München mit einem Handelsgeschäft für Lebensmittel selbständig. In den nächsten Jahren versuchte er sich in unterschiedlichen Branchen: Er befaßte sich u. a. mit der Fabrikation von „chemischen Bedarfsartikeln“ und der Herstellung von Schuhen mit Holzsohlen, führte 1904 kurzzeitig ein Hotel in Kiefersfelden und handelte danach mit Wein und Spirituosen. In diesen Jahren entwickelte S. nebenbei für seine drei Söhne ein Spiel, das er „Mensch ärgere Dich nicht“ nannte. Dieses Familienspiel ähnelt Vorläufern aus dem 19. Jh. (Eile mit Weile, Ludo) und geht in seinen Grundprinzipien auf das Jahrtausende alte ind. Nationalspiel „Chaupad“ zurück. S. vereinfachte die Regeln und reduzierte das Spiel auf den schlichten Lauf um das Kreuz des Spielplans und das (möglichst häufige) Schlagen der Figuren. Die eigentliche Neuerung bestand aber in der einprägsamen Namensgebung und der bis heute kaum veränderten graphischen Gestaltung.

    Erste Exemplare aus S.s Werkstatt (Gründungsjahr nach Firmenangaben 1911, Gewerbeanmeldung 1916 als „Spielefabrik J. F. Schmidt“) waren zunächst nur für den Bekanntenkreis gedacht. Dies änderte sich, als S. während des 1. Weltkriegs 3000 „Mensch ärgere Dich nicht“-Spiele kostenlos an Armee und Lazarette abgab. Der wirtschaftliche Durchbruch für das Spiel setzte unmittelbar nach Kriegsende ein: 1920 wurden im dt. Sprachraum bereits 1 Mio. Spiele abgesetzt. Dieser außergewöhnliche Erfolg bildete die Basis für den raschen Ausbau des Firmensortiments, das bald viele andere zeittypische Gesellschaftsspiele, Quartette und Spielemagazine, aber auch Kinderwebstühle, Kaleidofixe und Bauspiele umfaßte. Zahlreiche Kopien und Plagiate kamen auf den Markt, ohne jedoch den Aufstieg von „Mensch ärgere Dich nicht“ zum beliebtesten Spiel der Deutschen (bis 2004 über 70 Mio. verkaufte Exemplare) gefährden zu können.

    1936 machte sich S.s ältester Sohn Franz in Nürnberg mit einer eigenen Spielefabrik selbständig. Gegen Lizenzgebühren übernahm er das gesamte Programm des väterlichen Verlags mit Ausnahme von „Mensch ärgere Dich nicht“ und drei weiteren Artikeln. Im 2. Weltkrieg wurden die Produktionsstätten beider Unternehmen in Nürnberg und München zerstört, seit 1948 wurden sie in München als selbständige Betriebe wieder aufgebaut. 1970 fusionierten die Firmen zur „Schmidt Spiel + Freizeit GmbH“ mit Sitz in Eching und Ingolstadt. In den 1980er Jahren entwickelte sich das Unternehmen zum zweitgrößten Spielehersteller Deutschlands. Bis zum Konkurs 1997 wurde es von den Nachfahren des Firmengründers geführt. Seitdem gehört die Schmidt Spiele GmbH zur Blatz-Gruppe in Berlin, zu deren beliebtesten Spielen auch heute noch „Mensch ärgere Dich nicht“ zählt.

  • Literatur

    Münchner Neueste Nachrr. v. 20.12.1934;
    Das Spielzeug, Nov. 1956, S. 740 f.;
    ebd., Jan. 1961, S. 63;
    ebd., Aug. 1970, S. 1577 f.;
    ebd., Aug. 1982, S. 1066 f. (P);
    E. Glonegger, Das Spiele-Buch, 1988, S. 10-25; |

  • Quellen

    Qu StadtA München (Steuerliste [PMB S 1611. Verehelichungs- u. Bürgerrechtsakten [EBA 1894/2972], Spielzeugkataloge 1960er J. [ZS 102/11); – Ausst.: Mensch ärgere Dich nicht. Gesch. e. Spieleklassikers, Spielzeugmus. Nürnberg 2004/05.

  • Autor/in

    Helmut Schwarz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwarz, Helmut, "Schmidt, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 187-188 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139623558.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA