Lebensdaten
1831 bis 1912
Geburtsort
Oberlauda/Taubertal (jetzt: Lauda-Königshofen)
Sterbeort
Konstanz
Beruf/Funktion
katholischer Geistlicher ; Dichter ; Autor der Plansprache Volapük
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118608150 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Frohsang, Bruder Hilarius (Pseudonym)
  • Schleyer, Johann Martin
  • Schleyer, Martin
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Zitierweise

Schleyer, Martin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118608150.html [23.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit d. 18. Jh. im Odenwald nachweisbarer Lehrerfam.;
    V Johann Philipp (1802–94) aus Neckargerach, Hauptlehrer in O., S d. Johann Gottlieb (1756–1822) u. d. Maria Theresia Luttenbach (1763–1827);
    M Katharina Elisabeth (1799–1877), T d. Johann Peter Veith (1762 - zw. 1812 u. 1818) u. d. Katharina Haaf (1776–1851);
    Ov Franz Martin (1808–71), Hauptlehrer in Königheim;
    4 Geschw u. a. Johann Anton (1829–84), Küfner;
    Ur-Gr-N Hanns-Martin (s. 2).

  • Leben

    Nach Privatunterricht bei seinem Onkel Franz Martin besuchte S. 1845-50 das Gymnasium in Tauberbischofsheim und 1850-52 das Lyzeum in Karlsruhe. Anschließend studierte er Theologie und Philologie in Freiburg (Br.) (Priesterweihe 1856). Pastorale Lehrjahre führten ihn 1856-67 in mehrere Pfarreien des Erzbistums. 1867-75 war er als Pfarrer in Krumbach (St. Johann) tätig, wo er wegen einer Predigtäußerung über den Sozialismus in der Zeit des Kulturkampfes zu vier Monaten Festungshaft verurteilt wurde, die er 1875 in Rastatt verbüßte. Angegriffene Gesundheit zwang S. 1885, sein Pfarramt in Litzelstetten (St. Peter u. Paul) aufzugeben, das er seit 1875 versah; seitdem lebte er in Konstanz.

    S. trat 1864 mit dem Gedichtband „Philalethes“ (Nachdr. 2002, Nachw. v. R. Haupenthal) an die Öffentlichkeit. Ihm folgten zahlreiche weitere Lyrikbände sowie Dramen und die Novelle „Rudolf und Hermine“ (1877). Um die von ihm gegründete und herausgegebene „Sionsharfe, Zeitschrift für kath. Poesie“ (1876-84) konnte S. viele Gleichgesinnte scharen. Hier veröffentlichte er auch 1879 den Entwurf seiner Plansprache Volapük (Mittlere Grammatik d. Universalsprache Volapük, 81887), die ihn in wenigen Jahren weltweit bekannt machte (Volapük, Die Weltsprache, 1880, Nachdr. 1982 mit e. Volapük-Bibliogr. v. R. Haupenthal).

    S., der nach eigenen Aussagen über Kenntnisse in mehr als 50 Sprachen verfügte, verfolgte ein philanthropisches Anliegen: Er setzte als erster mit einer gemeinsamen, leicht erlernbaren neutralen Zweitsprache den Gedanken internationaler Völkerverständigung in die Tat um und schuf damit den Nährboden für die heutige Esperanto-Bewegung. Das Volapük scheiterte an ständig neuentwickelten Reformvorschlägen, die von S.s ursprünglichem Entwurf abwichen und von S. abgelehnt wurden. Die Fixierung auf eine Systemurkunde wie im Esperanto, dessen Entwicklung durch die Fehler der Volapükbewegung positiv beeinflußt wurde, wurde versäumt. Das Volapük wurde auf drei Kongressen (Friedrichshafen 1884, München 1887, Paris 1889) praktisch erprobt und fand in ca. 1000 Titeln Verbreitung. S.s Alterswerk ist geprägt durch die Wörterbucharbeit am Volapük, die Fortsetzung der religiösen Lyrik sowie die Publikation zahlreicher Kleinschriften und Traktate mit Gebeten, Ratschlägen, Sentenzen und Aphorismen, die von tiefer Frömmigkeit zeugen.

  • Auszeichnungen

    Päpstl. Hausprälat (1894); Martin-Schleyer-Gymn., Lauda-Königshofen (seit 1976); Internat. Komitee f. d. Seligsprechung d. Prälaten J. M. S. (1831-1912), Malaucène (Frankreich, seit 2001).

  • Werke

    Weitere W Palmen der Heiligen, 4 Bde., 1865-72;
    Einigung zur häusl. ewigen Anbetung, 1878, Nachdr. 2003;
    Perlen d. Himmelskrone;
    Mariens, 1868, Nachdr. 2002;
    Gr. Wb. d. Universalsprache Volapük, 41888;
    Meine sieben Festungs-Psalmen, 1891, Nachdr. 1996;
    Zentifolie d. Herrlichkeiten Mariens, 1891;
    Eutychia, der Stern d. unentweihten Paradieses, 1892;
    Psallàmus Deo nostro!, 1897;
    Über d. Pfuscher-Sprache d. Pseudo-Esperanto, 1900, Nachdr. 2001;
    Vereinfachung u. Erleichterung d. musikal. Notenschr., 1902, Nachdr. 2002;
    Zwei Litzelstetter Gebete, 2002;
    Autobiogr.:
    Meine Biografi, 1880 (Ms.); |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Centre de Documentation et d'Etudes sur la Langue Internat., La Chaux-de-Fonds (Schweiz); Esperanto-Mus., Wien; Heimatmus. Lauda-Königshofen; Privatarchive v. M. Schleyer u. R. Haupenthal.

  • Literatur

    R. Kniele, Das erste J.zehnt d. Weltsprache Volapük, 1889, Nachdr. 1989;
    K. Hartmann u. a., Denkwürdiges aus d. Leben u. Wirken unseres geistl. Herrn Vetters u. Onkels Prälat J. M. S., 1898, Nachdr. 1997;
    A. Billinger, J. M. S. (1831-1912), Ein Menschenfreund u. Akte seiner heroischen Liebe, 1911, Nachdr. 2002;
    A. Sleumer, J. M. S., Ein Lb., 1914, Nachdr. 1981;
    M. Billinger, in: Hegau 1977, H. 34, S. 186-91;
    R. Haupenthal, J. M. S. (1831-1912), Festvortrag …, 1981;
    ders., Der erste Volapük-Kongreß, Friedrichshafen, Aug. 1884, 1984;
    ders., J. M. S. (1831-1912), Pfarrer v. Litzelstetten (1875–1885), 2002;
    Johann Schmidt, Erste vollst. Zss.-Liste d. Volapük u. Lit.-Liste d. Volapük, 1981 (Bibliogr.);
    ders., Gesch. d. Universalsprache Volapük, 21998;
    BJ 17, S. 41-43 u. Tl.;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Bad. Biogrr. NF, II.

  • Portraits

    Büste v. St. Braun, 2005 (Lauda-Königshofen);
    Heimatmus. Lauda-Königshofen;
    StadtA Konstanz;
    Pfarrhaus Konstanz-Litzelstetten;
    Hotel Volapük, Konstanz-Litzelstetten;
    Internat. Esperanto-|Mus. Wien (ÖNB);
    Privatarchive v. R. Haupenthal u. M. Schleyer, Meckenheim.

  • Autor/in

    Reinhard Haupenthal
  • Empfohlene Zitierweise

    Haupenthal, Reinhard, "Schleyer, Martin" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 70-71 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118608150.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA