Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Handelsherren ; Seidenbandfabrikanten ; Bankiers
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 139789715 | OGND | VIAF: 102636554
Namensvarianten
  • Sarasin

Verknüpfungen

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Zitierweise

Sarasin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139789715.html [28.09.2020].

CC0

  • Leben

    Die aus Lothringen stammende Familie, seit 1628 in Basel eingebürgert, stieg rasch in die wirtschaftlich und politisch führende Schicht auf. Regnault (1533–75), Tuchhändler in Pont-à-Mousson, ließ sich als Glaubensflüchtling in Metz nieder. Sein Sohn Gedeon (1573–1636) verlegte sein Handelshaus (Seidenwaren u. Tuche) nach Basel. In der nächsten Generation übernahm Peter (1608–62) die Firma. Dessen gleichnamiger Sohn (1640–1719) konzentrierte sich auf den Leinwandhandel, den die Nachkommen bis zur Auflösung der Firma 1830 weiterbetrieben. Peter gehörte dem Kleinen und Geheimen Rat an. Sein Bruder Hans (1649–1719) begründete 1696 eine bis 1802 unter dem Namen Sarasin bestehende bedeutende Seidenbandfabrik. Neben andern politischen Ämtern war er der erste Vertreter der Familie im Direktorium der Kaufmannschaft (Handelskammer). Hans' Enkel, der Bandfabrikant Lukas (1730–1802), erbaute das „Blaue Haus“, wo er eine Sammlung von Instrumenten und eine umfangreiche Musikbibliothek einrichtete. Sein Bruder Jakob (1742–1802, s. ADB 53), ebenfalls Bandfabrikant und Erbauer des angrenzenden „Weißen Hauses“, war literarisch interessiert und stand in engen Beziehungen zu Pfeffel, Lavater, Klinger und Lenz. Er war Mitglied und 1794 Präsident der Helvet. Gesellschaft. Jakobs Sohn Felix (1771–1839), erfolgreich als Baumwollfabrikant, war u. a. Ratsherr und später Staatsrat. Als Meister vom Stuhl der Basler Freimaurerloge wurde er Großmeister der vereinigten Schweizer Logen. Sein Sohn Felix (1797–1862, s. ADB 30), ebenfalls Baumwollfabrikant, engagierte sich in politischen Ämtern. Er wurde 1840 Ratsherr, 1847 Bürgermeister und war auf gesamtschweizer. Ebene ein auf Vermittlung bedachter Politiker. Jakobs Tochter Charlotte (1778–1844) war mit dem Basler Pharmazeuten Hieronymus Geigy (1771–1830, s. NDB VI Fam.art.) verheiratet, Julie (1825–1912). Tochter des Karl (1788–1843), mit dem Historiker Heinrich Geizer (1813–89).

    Der Jurist Hans Bernhard (1731–1822) aus der Linie des Leinwandhändlers Peter schlug die politische Laufbahn ein. Im alten Regiment war er u. a. Gerichtsherr, Landvogt zu Münchenstein und Kleiner Rat. 1798 wurde er Mitglied der Basler Nationalversammlung, 1803 Abgesandter an die Consulta in Paris und 1803-12 Bürgermeister. Er vertrat Basel mehrmals auf der Eidgenössischen Tagsatzung.

    Karl (1815–86, s. ADB 30), Enkel Jakobs aus dem „Weißen Haus“, gründete 1837 die Bandfabrik „Sarasin & Cie.“, die sich 1882 in zwei Firmen aufteilte. Er wirkte als Ratsherr und einige Jahre auch als Regierungsrat. Von großer persönlicher Frömmigkeit, stand er der ev. Allianz und der Stadtmission vor und|förderte verschiedene christliche und gemeinnützige Werke, ebenso sein Bruder Rudolf (1831–1905), Bandfabrikant und Großrat, daneben Mitglied der Kirchensynode und des Kirchenrats. Karls Tochter Adele (1841–78) war mit Andreas Heusler (1834–1921), o. Professor für dt. Recht sowie Rektor der Univ. Basel, verheiratet. Der Baumwollfabrikant Jakob Reinhold (1851–1929), Sohn des Bürgermeisters Felix, erwarb sich Verdienste als Präsident des Schweizer. und des Basler Kunstvereins und der Kunstkommission. Sein Bruder Fritz (1859–1942), ein bedeutender und vielfach geehrter Naturforscher, bereiste u. a. Ceylon (Sri Lanka) und Neukaledonien und veröffentlichte verschiedene Werke über Fauna, Geographie und Ethnographie dieser Gebiete. Er war Präsident der schweizer. Naturforschenden Gesellschaft, Gönner und Leiter des Basler Museums für Völkerkunde (heute Mus. d. Kulturen) und Präsident des Zoologischen Gartens. Sein Vetter Paul (1856–1929), Sohn des Bandfabrikanten Karl, begleitete ihn auf diesen Reisen und publizierte darüber. Ebenfalls ein anerkannter und geehrter Gelehrter, war Paul Präsident der Kuratel der Univ. Basel, Förderer der Basler Sammlung für Urgeschichte und Gründer des schweizer. Nationalparks. Der Bruder Alfred (1865–1953), Bankier, Großrat und Kirchenrat, trat 1893 in die 1841 gegründete Privatbank „Riggenbach & Cie.“ ein, die seit 1900 unter dem Firmennamen „A. Sarasin & Cie.“ weiterbestand (seit 1987 „Bank Sarasin & Cie.“, seit 2002 „Bank Sarasin & Cie. AG“). Er wirkte als Präsident der schweizer. Bankiervereinigung und 1927-35 als Präsident des Bankrats der Nationalbank. Er gehörte zeitweilig der Finanzkommission des Völkerbunds an, war Mitglied des Komitees der Basler Mission und förderte verschiedene christl. Institutionen. Der Sohn Bernhard (1892–1950) trat als Teilhaber in das Bankhaus der Familie ein. Er versah daneben wichtige Mandate in Verwaltungsräten der schweizer. Industrie, war Mitglied und 1947-50 Präsident der Schweizer. Bankiervereinigung, gehörte der Basler und Internationalen Handelskammer an und engagierte sich in der Politik und in kulturellen und sozialen Institutionen Basels. Von seinen in gleicher Weise tätigen Söhnen erwarb sich Alfred Emanuel (* 1922) als Bankier, Mitglied bzw. Präsident in Verwaltungsräten, in der Schweizer. Bankiervereinigung und in Basler Museumskommissionen großes Ansehen.

  • Literatur

    L A. Langmesser, Jakob S., d. Freund Lavaters, Lenzens, Klingers, u. a., Ein Btr. z. Gesch. d. Genieperiode, 1899; R. Wackernagel u. E. Schaub, Gesch. d. Fam. S. in Basel, 1914; H. Joneli, Gedeon S. u. seine Nachkommen, 1928 (bis Nov. 1997 erg. Nachtrr. z. Stammtafel, 1997); Gedachtnis-Ausst. Fritz u. Paul S., Sonderausst. in Zus.arb. mit d. Naturhist. Mus. Basel, 1959; H. F. Sarasin-v. Geymüller, Neue Erkenntnisse z. Gesch. d. Fam. S., 1978; S. Andreae, Ein Segel in d. Tasche, Ein Pflückwerk aus d. Geschäfts- u. Fam.leben d. S., 1991; Philipp Sarasin, Stadt d. Bürger, 1990, 21997; HBLS; Schweizer Lex.; |

  • Quellen

    Qu StA Basel-Stadt, Privatarchive 212 (Archiv d. Fam. S.).

  • Autor/in

    Niklaus Röthlin
  • Empfohlene Zitierweise

    Röthlin, Niklaus, "Sarasin" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 436-437 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139789715.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA